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Interviews

PETER CACHOLA SCHMAL ÜBER DAS BAUEN VON HEIMAT UND DIE BIENNALE IN VENEDIG

POSTED 17 May 2016
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„Making Heimat“ beinhaltet, dass der Aufenthalt der Flüchtlinge von Dauer sein wird und dass beide Seiten daran aktiv teilnehmen: Einwanderer und Einwohner.

 

Es heißt: Selten war eine Architekturausstellung politischer. Wenn Ende Mai 2016 die Tore des Deutschen Pavillons auf der 15. Internationalen Architektur-Biennale in Venedig geöffnet werden, wird sich schnell zeigen, welche Wellen der hier präsentierte Inhalt schlagen wird. Und obwohl sich die Verantwortlichen bei der Pressekonferenz in München im März 2016 über die Gestaltung noch sehr bedeckt hielten, wird schnell klar: Unter dem Titel „Making Heimat. Germany, Arrival Country“ widmen sich Peter Cachola Schmal, Oliver Elser und Anna Scheuermann vom Deutschen Architekturmuseum (DAM) keinem alltäglichen, dafür aber tagesaktuellem Thema. Sie setzten sich mit der Frage auseinander, wie und wo Flüchtlinge in Deutschland künftig untergebracht werden und wie Architektur und Städtebau bei der Integration helfen können. Welche Haltung sie damit einnehmen, hat uns der Generalkommissar und Direktor des DAM Peter Cachola Schmal im Interview verraten.


Die Fragen stellte Janina Poesch.

 

Herr Schmal, unter der Leitung des chilenischen Architekten Alejandro Aravena steht die Biennale 2016 unter dem Motto „Reporting from the Front“. Der Kampf für eine bessere gebaute Umwelt steht also im Mittelpunkt der Betrachtungen. Wie gliedert sich der Deutsche Pavillon in dieses Gesamtkonzept ein?

Glücklicherweise fiel die Entscheidung, wer Direktor der diesjährigen Biennale werden wird, auf Aravena. Sie wurde erst nach Bekanntgabe unseres Konzepts gefällt und so passt jenes – wenn auch zufällig – perfekt in das Gesamtbild und ich verspreche mir sehr viel von Aravenas Auswahl. Unser Beitrag erfüllt das Thema hervorragend, denn wir berichten von der Flüchtlings- und von der Integrationsfront – zwei der wichtigsten Themen der Zukunft, nicht nur für Deutschland, sondern für Europa und für die ganze Welt.

 

Zusammen mit Oliver Elser und Anna Scheuermann tragen Sie die inhaltliche Verantwortung für den deutschen Beitrag. Könnten Sie das Konzept des Pavillons mit wenigen Worten erläutern?

Selbstverständlich: Die Ausstellung besteht aus drei Elementen. Der erste Teil zeigt realisierte Flüchtlingsunterkünfte, der zweite fragt nach den Bedingungen, die in einer „Arrival City“ gegeben sein sollten, damit aus Einwanderern neue Deutsche werden können. Und der dritte Teil der Ausstellung ist das räumliche Gestaltungskonzept im Deutschen Pavillon, mit dem das Statement zur aktuellen politischen Situation gesetzt wird.

 

Und wie sieht dieses Gestaltungskonzept aus?

Das werden wir alle sehen, wenn der Vorhang fällt! Einen kleinen Vorgeschmack gibt es hier.

 

Gerne würden wir die drei Ausstellungsteile etwas genauer beleuchten. Sie sagen, im ersten Teil werden Flüchtlingsunterkünfte gezeigt. In welcher Form geschieht dies?

Seit März 2016 werden auf der Webseite www.makingheimat.de 35 Bauten für Flüchtlinge dokumentiert, die das DAM durch einen „Call for Projects“ seit Oktober 2015 gesammelt hat. Das Spektrum reicht hier von temporären Leichtbauhallen für 300 Personen, deren Inneneinrichtung durch Architekten entworfen wurde, bis zu mehreren Projekten des dauerhaften, kostengünstigen Wohnungsbaus, der nicht allein Flüchtlingen eine Bleibe bieten kann. Einen Schwerpunkt bilden Holzmodulbauten. Die Datenbank versammelt aber auch Konzepte von Bürgerinitiativen oder das Vorhaben eines privaten Auftraggebers, der in München eine Art Siedlung für Künstler und Flüchtlinge plant. Bei der Zusammenstellung der Projekte für die Refugee Housing Database haben wir eng mit der Architekturzeitschrift Bauwelt zusammengearbeitet und werden auch weiterhin realisierte beziehungsweise in Realisierung befindliche Projekte hier zusammentragen und dokumentieren. Seit März sind 16 neue Bauten addiert worden. Mit Stand Anfang Mai haben wir also 51 Konzepte und werden auch weiterhin neue Vorschläge aufnehmen.
Die Projekte der Datenbank zeigen die Realität in Deutschland – gegliedert nach Größe, Kosten und Bewohner pro Quadratmeter, Material und Konstruktion. Es ist keine Sammlung der besten Beispiele und kein Architekturpreis, sondern soll die Diskussion anregen. Die Datenbank dient zum Vergleich gängiger Lösungen und soll für die lokalen und regionalen Entscheidungsträger eine Grundlage bieten.

 

In enger Zusammenarbeit mit Doug Saunders, Autor des Buchs „Die neue Völkerwanderung – Arrival City“, wurden für den zweiten Ausstellungsbereich acht Thesen zur „Arrival City“ erarbeitet. Wie lauten diese Thesen und was wollen Sie mit ihnen erreichen?

Mit diesen Thesen stellt das DAM die Frage, welche architektonischen und städtebaulichen Bedingungen in den „Arrival Cities“ gegeben sein müssen, damit sich Einwanderer in Deutschland erfolgreich integrieren können. Viele Flüchtlinge werden bleiben dürfen, weil nicht davon auszugehen ist, dass Krieg und Verfolgung in ihren Heimatländern schnell beendet werden können. Zusammen mit den Immigranten, die aus anderen Gründen nach Deutschland gelangen, machen sie Deutschland damit faktisch zu einem Einwanderungsland. Wenn sich die Fehler der 1960er- und 1970er-Jahre nicht wiederholen sollen, dürfen die Neubürger nicht als Gäste behandelt werden, die jederzeit wieder nach Hause geschickt werden können. Sie müssen vielmehr die Chance bekommen, Deutschland zu ihrer zweiten Heimat zu machen. Daher auch der Ausstellungstitel: „Making Heimat“ beinhaltet, dass ihr Aufenthalt von Dauer sein wird und dass beide Seiten daran aktiv teilnehmen: Einwanderer und Einwohner.

 

Und wie kann ein Land zur einer neuen, dauerhaften Heimat werden?

Einwanderer schließen sich gerne mit ihresgleichen zusammen. So entsteht – ganz ohne Planung – eine Vielzahl von „Arrival Cities“. Doug Saunders definiert sie folgendermaßen: „The Arrival City is a City within a City.“ Der kanadische Journalist und Bestsellerautor hat weltweit „Arrival Cities“ besucht. Seine Beobachtungen stützen sich auf Besuche in Slums und Favelas. Diese Viertel sind und bleiben arm, aber sie haben eine hohe Fluktuation. Für viele sind sie Durchgangsstationen in ein besseres Leben. Die Ankunftsstädte in Deutschland entstehen nicht durch die prozentuale Verteilung von Asylsuchenden und nicht unter den Bedingungen der gerade wieder diskutierten „Residenzpflicht“, sondern in urbanen Zonen. Sie bieten günstige Mieten, Zugang zu Arbeitsplätzen, gute öffentliche Verkehrsmittel sowie ein kulturelles, ethnisches Netzwerk, das die Ankommenden aufnimmt und einen sozialen Aufstieg ermöglicht. In der Ausstellung „Making Heimat“ wird dieses Modell der „Arrival City“ auf deutsche Beispiele angewandt: Eines davon ist die Offenbacher Innenstadt, ein weiteres das Dong Xuan Center in Berlin-Lichtenberg – ein vietnamesischer Großmarkt, in dem vieles gänzlich anders funktioniert, als wir es in Deutschland gewohnt sind.

 

Wird dieses Beispiel dann von der These „Die Arrival City ist informell.“ getragen? Was genau meinen Sie damit?

Damit meinen wir: Die Tolerierung nicht gänzlich rechtskonformer Praktiken kann sinnvoll sein. Das Dong Xuan Center ist ein riesiger Umschlagplatz für Waren und Dienstleistungen aller Art, tief im Osten von Berlin. Händler, vorwiegend vietnamesische, stehen zwischen Jeanstürmen, Polyester-Pullis mit Katzenaufdruck oder Kinder-Schneeanzügen. Eine Verkäuferin ist in ihrem vor Plastikblumen überbordenden Geschäft kaum zu sehen. Nebenan werden Smartphones repariert und LED-Leuchtketten verkauft. Das Gelände ist als Gewerbegebiet ausgewiesen, deshalb darf eigentlich nur Großhandel und in Ausnahmefällen Dienstleistung betrieben werden. Doch daran hält sich kaum jemand. Da die Hallen zuvor seit der Wende brach lagen und das örtliche Bezirksamt froh um das neue Leben ist, schaut es ganz bewusst nicht so genau hin – vor allem, was die Bauordnung betrifft. Restaurants deklariert das Ordnungsamt in „Kantinen“ um. Frisöre entstehen aus dem offiziellen „Frisörgroßhandel“, der seine Stühle irgendwann nicht mehr verkauft, sondern Kunden darauf platziert. Auch das aktuelle Projekt des Betreibers müsste eigentlich gegen den bestehenden Bebauungsplan verstoßen: Wohnbauten sind im Gewerbegebiet untersagt, aber er errichtet gerade ein „Gästehaus“, in dem Besucher aus aller Welt untergebracht werden können. Rund 1.000 Menschen arbeiten hier, viele von ihnen zwölf bis 15 Stunden am Tag. Die Infrastruktur ermöglicht Neuankömmlingen praktisch sofort den Start ins Erwerbsleben. Wer nicht gleich eine Gewerbefläche mieten will, reißt sich vom Aushang an der Pinnwand die passende Telefonnummer ab: „Kellnerin gesucht für vietnamesisches Restaurant“ oder „Koch gesucht für China-Restaurant“. Es sind vor allem Armutsmigranten aus dem mittleren Teil Vietnams, aber ebenso aus China, Indien und Pakistan, die im Dong Xuan Center landen – oft nicht qualifiziert, ohne deutsche Sprachkenntnisse und teilweise auch ohne Arbeits- oder Aufenthaltserlaubnis. So hat sich auf den 88.900 Quadratmetern in Berlin-Lichtenberg auch ein System der Schattenwirtschaft etabliert – mit helleren oder dunkleren Grauzonen. Doch viele Menschen haben es hier aus der Illegalität in eine geordnete Beschäftigung geschafft.

 

Welche der acht erarbeiteten Thesen empfinden Sie noch als besonders erwähnenswert?

Städtebaulich spannend ist die These, dass die „Arrival City“ im Erdgeschoss funktioniert. Das heißt, der verdichtete, dynamische Straßenraum muss aktiviert werden. Neue Einwanderer müssen die Chance bekommen, gewerblich tätig zu werden und damit Gaststätten, Lebensmittelgeschäfte oder Frisöre ohne große Hemmnisse errichten zu dürfen. Die Straßenräume sollten eng genug und von der Verwendung her gemischt genutzt werden, um die kritische Masse und die Frequenzen zu erreichen, die notwendig sind, damit die Geschäfte gut funktionieren.

 

Wieso spielt Offenbach bei Ihren Betrachtungen eine so große Rolle? Sie sagen, die Stadt am Main sei „ganz“ okay.

Offenbach ist die internationalste Stadt Deutschlands mit 38 Prozent Ausländeranteil und 58 Prozent Anteil an Menschen mit Migrationshintergrund – kurz vor Frankfurt, Stuttgart, Mannheim und München. Offenbach ist kein Ghetto – Offenbach ist anders. Offenbach ist Ankunftsstadt – aber auch Abreisestadt. Offenbach kann auf eine lange Tradition der Immigration zurückschauen, denn seit den Hugenotten haben alle Konflikte neue Einwanderer in die Stadt gespült. Das ist jetzt auch nicht anders. Funktional ist die Stadt ein „Ankunftsbezirk“ im Zentrum des Rhein-Main-Gebiets – eine globale Metropolregion mit einem hohen Immigrationsanteil und einer sehr vielfältigen und internationalen Bevölkerung, in der 152 Nationen vertreten sind. Die Nationalitäten der ehemaligen Gastarbeiter stellen immer noch die größten Einzelgruppen, hauptsächlich Türken, Italiener und Griechen. In den letzten zehn bis 15 Jahren sind dann andere Gruppen aus den neuen EU-Mitgliedstaaten in Ost- und Südosteuropa, aber auch aus Asien, Nordafrika und anderen Teilen der Welt hinzugekommen. Bei den „älteren“ Gruppen der Zuwanderer aus den südeuropäischen Ländern und der Türkei findet sich ein wachsender Teil von Menschen, meistens aus der zweiten und dritten Generation, die Bildungskarrieren machen. Es gibt unter ihnen einen stark steigenden Anteil von Gymnasiasten, sowie auch Universitätsstudenten. Auch die Lebenssituationen in den Stadtquartieren können hemmende oder fördernde Faktoren für die Integration sein. Wir schauen uns zum Beispiel an, ob Menschen unterschiedlicher Nationalität und Herkunft in den Nachbarschaften nebeneinander her oder wirklich zusammen leben. Sprechen die Menschen miteinander? Kann die Stadtverwaltung unterstützend tätig sein? All das ist Ausdruck gelingender Integration.

 

Kommt dies dann auch in der Architektur zum Ausdruck? Wie sehen neue architektonische Integrationskonzepte aus?

So einfach ist das nicht. „Arrival Cities“ lassen sich nicht bauen oder planen – sie entstehen. Aber mit der Zeit keimen in ihnen auch ganz andere gestalterische Ausdrucksformen, die dann in Offenbach, Stuttgart, Köln oder Berlin-Neukölln nicht so viel anders aussehen als ihre Pendants in Brüssel, London oder Marseille – garantiert ohne Architekten oder Designer geplant.

 

Viele sagen, der deutsche Beitrag sei politischer als je zuvor. Wie sehen Sie das: Kann Architektur in das Feld der Politik hineinragen?

Ja, das tut sie ja immer. Selbst wenn wir nur über vermeintlich harmlose Dinge sprechen: Jedes Bauen hat auch seine politische Seite. So ist die Geschichte des Deutschen Pavillons in Venedig ja durchaus bekannt, der Deutsche Pavillon in Barcelona von 1929 aber feiert pünktlich zur Biennale sein 30-jähriges Wiederauferstehen – und wird nicht als Symbol für eine rückwärtsgewandte Rekonstruktion gesehen, sondern explizit für den Sieg der Offenheit und Demokratie in Deutschland in der kurzen Phase vor den Nationalsozialisten und in Spanien zum Ende der Franco-Diktatur, die gleichzeitig mit den Nazis begann.

 

Mit den Berlinern von Something Fantastic haben Sie einen kompetenten Partner für die Gestaltung der Ausstellung gefunden. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?

Wir haben die drei Partner Julian Schubert, Elena Schütz und Leo Streich als Gestalter der Ausstellung zu Lacaton et Vassal Architectes im DAM kennengelernt. Nun wurden sie ausgewählt, weil sie sich durch ihre Lehrtätigkeit an der ETH Zürich und vor Ort intensiv mit der Situation in „Arrival Cities“ auf der ganzen Welt beschäftigt haben. Ihre umfangreichen Studien zur Architektur in Rio de Janeiro, São Paulo, Addis Abeba und Kairo sind als Buch erschienen. Sie arbeiten aber auch als Architekten, Ausstellungsgestalter, Forscher, Kuratoren und Grafiker. Dementsprechend haben sie für den Deutschen Pavillon sowohl das räumliche Konzept entwickelt, als auch die Gestaltung der Ausstellung und des Katalogs entworfen. Diese Gestaltung orientiert sich an der Unmittelbarkeit und Pragmatik der visuellen Kommunikation in der „Arrival City“.

 

Was genau können wir uns darunter vorstellen? Können Sie noch ein bisschen mehr über das Gestaltungskonzept verraten? Und vor allem: Wie lässt sich die Gestaltung des Katalogs im Raum konsequent fortführen – und umgekehrt?

Das werden sie ja bald sehen: Es handelt sich eher um ein allumfassendes Gesamtkunstwerk.

 

Sie sind ein interdisziplinäres Team. Wie stellt sich generell Ihre Zusammenarbeit dar?

Wir arbeiten in Berlin und Frankfurt eng zusammen, auch das Team des Bundesministeriums gehört dazu. Digital ist das ja kein Problem und wir trafen uns mal hier, mal dort. In der kurzen Zeit, die uns nur zur Verfügung stand – von Oktober bis Mai –, ähnelt unsere Zusammenarbeit eher einer längeren Wettbewerbsbearbeitung.

 

Die Willkommenskultur ist wesentliches Thema Ihres Konzepts. In den letzten Jahren wurden die Eingangsbereiche des Deutschen Pavillons meistens besonders inszeniert. Was erwartet die Besucher in diesem Jahr? Wie heißen Sie die Gäste der Biennale willkommen?

Sehr willkommen und sie werden sich hoffentlich bei uns wohlfühlen – nicht nur im Eingangsbereich, sondern in und um den Pavillon herum. Auch WLAN und genügend Steckdosen werden zur Verfügung stehen – wie es sich eben heutzutage für Reisende gehört.

 

Am Thema „Architektur ausstellen“ scheiden sich die Geister, und viele Experten sind der Meinung, dies sei in der Praxis schier unmöglich. Seit einigen Jahren betreiben Sie am DAM nun schon Feldforschung. Wie sind Ihre Erkenntnisse in den Biennale-Beitrag eingeflossen?

Diese Meinung ist natürlich reine Polemik und vollkommener Quatsch. Was machen wir denn alle seit Jahrzehnten? Natürlich architekturrelevante Themen ausstellen, manchmal sogar Architektur. Aber wir wissen auch, dass die Biennale keine normale Museumsausstellung ist – hier zählt der unmittelbare, der spontane Eindruck: Bleibe ich noch oder verschwende ich nur meine Zeit, denn ich habe ja noch über 100 Ausstellungen in den nächsten zwei Tagen vor mir.

 

Bereits 1991 konnte das DAM unter dem damaligen Museumsdirektor Vittorio Magnago Lampugnani den deutschen Beitrag für die Architektur-Biennale kuratieren. Gestaltet sich die Herangehensweise an diese ehrenvolle Aufgabe 25 Jahre später vergleichbar? Was wollten Sie bewusst anders machen?

Mein armer Vorgänger bekam Anfang Juni einen Brief vom Auswärtigen Amt in Bonn, mit der Nachricht, dass er beauftragt sei, eine Ausstellung im Deutschen Pavillon zu koordinieren – innerhalb von drei Monaten und mit der Aussicht auf 20.000 DM Honorar. Also nahm er die gerade gezeigte Ausstellung und wanderte mit ihr in den Pavillon. Was hätte er auch sonst tun sollen? Das ist heute sehr, sehr anders. Die Architektur-Biennalen damals, sogar die Kunst-Biennalen, waren nicht sehr etabliert und bekamen erst durch Harald Szeemanns wunderbare Biennale 1999 den großartigen Schub, den wir heute erleben.

 

Wie hoch ist Ihr Anspruch mit dem diesjährigen Beitrag, den Goldenen Löwen zu gewinnen? Dies ist bislang nur bei der Kunst-Biennale 1993, 2001 und 2011 geglückt.

Da es Unglück bringt, darüber zu reden und zu schreiben – ja sogar darüber nachzudenken, möchte ich diese Frage natürlich nicht beantworten …

 

Herr Schmal, vielen Dank für das Gespräch!

 

Die 15. Internationale Architektur-Biennale findet vom 28. Mai bis 27. November 2016 in Venedig statt. Für alle, die es in diesem Jahr nicht in die Lagunenstadt schaffen sollten: Im Frühjahr 2017 wird die Ausstellung „Making Heimat. Germany, Arrival Country“ im Deutschen Architekturmuseum (DAM) in Frankfurt am Main gezeigt. Zudem erscheint der Katalog zur Ausstellung Ende Mai 2016 im Hatje Cantz Verlag, gestaltet von Something Fantastic, und ist ab Juni 2016 im Handel erhältlich oder kann über amazonbestellt werden.

 

Zur Person

Peter Cachola Schmal, Jahrgang 1960, ist seit 2006 Leitender Direktor des Deutschen Architekturmuseums (DAM) in Frankfurt am Main, wo er seit 2000 als Kurator tätig war. Er studierte Architektur an der TH Darmstadt und war anschließend als Architekt unter anderem bei Behnisch & Partner in Stuttgart angestellt, bevor er sich 1992 als Architekt sowie 1994 als Architekturpublizist selbständig machte. 2007 war er Generalkommissar für den deutschen Beitrag der 5. Architektur-Biennale in São Paulo. Gemeinsam mit Oliver Elser und Anna Scheuermann zeichnet er nun für den deutschen Beitrag „Making Heimat. Germany, Arrival Country“ zur Architektur-Biennale 2016 in Venedig verantwortlich.

 

WAS LIEST EIGENTLICH PETER CACHOLA SCHMAL?

FACTS

Kontakt:

DAM, Frankfurt (DE) > www.dam-online.de.com

Fotos:

Kirsten Bucher, Frankfurt am Main (DE) > www.kirstenbucher.de

Reinhard Fiedler, Freising (DE) > www.reinhardfiedler.de

Markus Guhl, Stuttgart (DE) > www.dieschiessbude.de

Michael Heinrich, München (DE) > www.mhfa.de

Kiên Hoàng Lê, Berlin (DE) > www.hoangle.de

Zara Pfeifer, Wien (AT) > www.zarapfeifer.com

Alexander Schippel, Berlin (DE) > www.alexander-schippel.de