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Set & Stage Design

Farm Fatale, München

POSTED 24 March 2020
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von Thea Hoffmann-Axthelm, Ueberbühne

In seinen träumerischen, poetisch-abgehobenen Arbeiten schafft es der Regisseur und Bühnenbildner Philippe Quesne immer wieder, faszinierende Welten zu entwerfen, die in sich geschlossen sind aber durch lakonischen Humor zugänglich bleiben. Dabei kann es sich um eine Gruppe Gestrandeter in einem von ihm erfundenen „Swamp Club“ handeln oder um eine Bande musikalisch begabter Kinder, die den Zuschauern ihre Weltsicht darlegen wie bei „Next Day“. Voraussetzung dafür, uns mit solch abwegigen Situationssetzungen zu begeistern, ist dabei der unbedingte Glaube daran. Und wenn die Freundin, die ich ins Theater mitgenommen habe, sich nach dreiviertelstündigem Gekicher zu mir umdreht und aufgeregt flüstert: „What the Fuck?!“, dann hat er es mal wieder geschafft – mit einem Stück über eine Gruppe Vogelscheuchen, die ein Vogelscheuchen-Radio betreibt. Ganz genau!

Da sind tatsächlich auf der Bühne fünf Schauspieler und Schauspielerinnen, die als Vogelscheuchen verkleidet sind, sich wie ebensolche bewegen, und ja: auch wie welche reden. Es lässt sich sogar sagen, wie welche denken – so glaubwürdig wird die „Suspension of Disbelief“ hier von Spiel und Ausstattung aufrecht erhalten, denn in keiner Sekunde scheinen die Akteure daran zu zweifeln, Vogelscheuchen zu sein. Auf der Bühne geht es um die ehemaligen Besitzer, um Gentrifizierung und Klimawandel, und da keine Vögel mehr zwitschern (das Geräusch muss im Radio durch Vogelgezwitscher-Sound ersetzt werden), scheint gerade letzterer schon relativ fortgeschritten zu sein. Aber auch Vogelscheuchen machen sich so ihre Gedanken, überlegen, ob Gewalt die richtige Lösung für den Umgang mit der umliegenden umweltverschmutzenden Industrie ist und haben auch schon einen Plan ausgeheckt: Die kommende Gesellschaft wird ihren als Heiligtum gehüteten LED-Leuchteiern entspringen. Das mag wie vollkommener Quark klingen, ist aber durchaus unterhaltsam, nimmt eins der brennendsten gesellschaftlichen Themen ernst, ohne dabei oberlehrerhaft zu wirken und erinnert an die ungebrochene Macht der Kunst, wenn sie an sich glaubt. Dann sind ihr alle Albernheiten erlaubt, und alle Welten stehen ihr zur Verfügung.

FACTS

Projekt:

Farm Fatale, München

Regie:

Philippe Quesne/Münchner Kammerspiele, München (DE) > www.muenchner-kammerspiele.de

Gestaltung:

Philippe Quesne/Münchner Kammerspiele, München (DE) > www.muenchner-kammerspiele.de

Standort:

Münchner Kammerspiele, Falckenbergstr. 2, München (DE)

Zeitrahmen:

seit 29.03.2019 (Premiere)

Produktion:

Münchner Kammerspiele, München (DE) > www.muenchner-kammerspiele.de

Fotos:

Martin Argyroglo, Paris (FR) > www.martin-argyroglo.com