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Interviews

KARL STOCKER ÜBER SEINEN HASS AUF AUSSTELLUNGEN

POSTED 24 July 2018
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„Ich arbeite gerne mit Theaterleuten, weil sie es gewohnt sind, interessante Geschichten zu entwickeln.“

 

Seine Tätigkeit bezeichnet er als Ausstellungsregie: Karl Stocker realisierte zahlreiche Projekte wie etwa die Steirischen Landesausstellungen „Wallfahrt“ (1994) und „Verkehr“ (1999), „Berg der Erinnerungen“ für Graz als Kulturhauptstadt (2003) und „Absolutely free. Der Woodstockeffekt“ für das Landesmuseum JOANNEUM (2009). Trotzdem sagt er von sich, Ausstellungen zu hassen. Wie seiner Meinung nach, interessante Ausstellungen gestaltet, welche Kompetenzen im Master-Studiengang Ausstellungsdesign an der FH JOANNEUM erworben, und warum der eigene Arzt in Gestaltungsfragen öfter um Rat gefragt werden sollte, verrät er im Interview.

 

Die Fragen stellte Verena Kolm.

 

Karl Stocker, Sie sind Leiter des Master-Studiengangs Ausstellungsdesign. Hassen Sie Ausstellungen wirklich?

Ja, die meisten! Ich finde Ausstellungen sehr oft langweilig. Welche mich am meisten ärgern, sind diejenigen, bei denen ich bereits davor schon weiß, wie sie sein werden. Dies gilt sowohl für die inhaltliche als auch für die gestalterische Seite. Dabei handelt es sich um ein so spannendes und umfassendes Medium, das viele Möglichkeiten bereithält: Sie können die interessantesten Geschichten erzählen, indem sie stereotype Meinungen hinterfragen und Fragen stellen, die das Publikum nicht erwartet. Und dies wird dann in den Räumen durch Ästhetik umgesetzt. Es ist eigentlich wie Filme zu machen – eigentlich sogar noch besser, weil die Besucher hier sogar durch den Film gehen können. Das Publikum muss fasziniert werden, das ist die Aufgabe.

 

Wie werden denn interessante Ausstellungen gemacht?

Das Wichtigste ist, Fragen zu formulieren, die Sie sich noch nie gestellt haben. Dies geschieht in der Regel in einem transdisziplinären oder in einem – wie es der französische Philosoph Michel Foucault nennt – „de-disziplinierten“ Team. Das bedeutet, disziplinübergreifend zu arbeiten, aber auch nicht durch einzelne Disziplinen eingeschränkt zu sein. Ich arbeite gerne mit Theaterleuten, weil sie es gewohnt sind, interessante Geschichten zu entwickeln. Sehr produktiv ist auch die Zusammenarbeit mit meinem besten Freund – ein Arzt, der generell unglaublich gebildet ist. So lässt sich auch mal abseits der ausgetretenen Pfade denken.

Zudem ist es sehr wichtig, die Ästhetik- bzw. Design-Seite von Anfang an zu integrieren: Ausstellungsgestalter müssen von Anfang an dabei sein und mithelfen, die Dinge zu entwickeln. Das produktive, kreative Zusammenspiel von Inhalt und Design ist für die erfolgreiche Realisierung eines Ausstellungsprojekts unglaublich wichtig.

 

Und was lässt sich dann im Master-Studiengang Ausstellungsdesign lernen?

Der spezifische Aspekt des Studiengangs ist die Kombination von Ästhetik und Inhalt, die hier im Unterricht vermittelt werden soll. Dass das Praktische natürlich auch im Mittelpunkt eines Design-Studiengangs steht, wird ebenfalls deutlich: Bereits während des Studiums führen wir viele konkrete Projekte mit Institutionen und Unternehmen durch, denn diese Umsetzungskompetenz unserer Studierenden ist eine wesentliche „Unique Selling Proposition“ der hiesigen Ausbildung.

 

Karl Stocker, vielen Dank für das ehrliche Gespräch!

 

Zur Person

Dr. Karl Stocker, Jahrgang 1956, ist Universitätsprofessor, Historiker, Kulturwissenschaftler und Ausstellungsgestalter. Nach seinem Studium der Geschichte und Volkskunde nahm er seit 1983 Lehraufträge an verschiedenen nationalen und internationalen Universitäten wie der Karl-Franzens-Universität Graz oder der Universität der Künste Berlin an. Seit 2001 ist er Fachhochschullehrer an der FH JOANNEUM Graz für die Studiengänge Informationsdesign sowie Journalismus und Unternehmenskommunikation, seit 2004 Leiter des Studiengangs informationsdesign und seit 2006 Leiter des Master-Studiengangs Ausstellungsdesign.

 

FACTS

Kontakt:

FH JOANNEUM Gesellschaft mbH, Graz (AT) > www.fh-joanneum.at