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GROSSE8 ÜBER DIE VORZÜGE TRANSDISZIPLINÄREN ARBEITENS

POSTED 4. Juli 2018
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„Langeweile kann ein toller Antrieb für etwas Neues sein!“


Wenn Szenografen, Designer, Filmemacher, Fotografen, Musiker, Regisseure und Konzeptioner mit Ingenieuren, Producern, Cuttern, Codern, Nerds, Textern und Typo-Freaks zusammenarbeiten, entsteht entweder kreatives Kauderwelsch oder etwas ganz Großes! „
Wir mögen offenes und unkompliziertes Zusammenarbeiten – am besten in verschiedenen Disziplinen, die wir unter einen Hut bringen können“, bekräftigen Stephan Müller und Joerg Thommes, die mit ihrem Kölner Studio GROSSE8 seit 2001 mit dieser Herangehensweise auf jeden Fall eine große gestalterische Freiheit fördern, ihre transdisziplinären Projekte jedoch auch einem sehr strengen Design-Prozess unterziehen. Wie sie dabei vorgehen und wo sie die Vorzüge sehen, haben sie uns im Interview verraten.

 

Die Fragen stellte Lena Meyerhoff.

 

Stephan Müller und Joerg Thommes, mit Euren Projekten zeigt Ihr immer wieder, wie breit Euer Repertoire gefächert ist: Ihr bietet neben Consulting genauso Film, Motion Design, kinetische Installationen oder VR-Experiences an. Was sind die Vorteile am transdisziplinären Arbeiten und an welche Grenzen stoßt Ihr dabei im Alltag?

Wir sehen nur Vorteile im transdisziplinären Arbeiten: Aktuell besteht das Kern-Team aus 19 festen Mitarbeitern mit unterschiedlichen inhaltlichen Schwerpunkten. Darüber hinaus sind wir natürlich mit guten Leuten vernetzt: Spezialisten, die wie wir Lust auf Neues haben – motiviert und vereint in dem Gedanken, das Publikum zu inspirieren, zu informieren, zu überraschen oder zum Staunen zu bringen. Wir mögen offenes und unkompliziertes Zusammenarbeiten, nutzen aber dennoch einen stringenten Design-Prozess. Das ermöglicht uns im Verständnis einen hohen kreativen Spielraum und in der Produktion eine souveräne und hochwertige Umsetzung – was auch unsere Kunden spüren.

 

Wie sieht dieser stringente Design-Prozess denn im Detail aus?

Unser Arbeitsablauf besteht aus vier Phasen: „Understanding“, „Ideation & Concept“, „Production“ und „Roll-Out“. Jedoch lässt sich das ganz so streng dann doch nicht sehen: Wir möchten durch eine gewisse Struktur den Kunden nur helfen, ihre Ideen umzusetzen. Am Anfang stehen bei uns immer das Verstehen des Projekts und die Kommunikationsziele unserer Kunden – was wir mit „Understanding“ gleichsetzen. Erst danach können wir entscheiden, wie wir das Projekt umsetzen werden und uns auf die Suche nach „der guten Idee“ machen. Grundsätzlich lieben wir solche Projekte, an denen möglichst viele aus unserem Team beteiligt sind sowie Ideen, die so noch nicht gesehen wurden. Langeweile kann ein toller Antrieb für etwas Neues sein. Und am liebsten hören wir natürlich: „Das hat wirklich Spaß gemacht, mit Euch zu arbeiten.“ Zudem hat sich in den letzten Jahren herausgestellt, dass diese viergeteilte Struktur hilfreich ist, um auch große Projekte in einem engen Zeitfenster zu realisieren.

 

Und wie viel kreativen Spielraum geben Euch Eure Kunden bei der konzeptionellen Ausarbeitung?

Das ist gar nicht so einfach zu beantworten, da dies von Projekt zu Projekt sehr unterschiedlich ist. Manche Kunden wissen genau, was sie wollen und kommen mit Projekten zu uns, die schon konzeptionell ausgearbeitet sind. Dann werden wir für die technische Umsetzung beauftragt – so wie im Falle der „EXPO 2017“ oder dem Projekt „Threebots“. Was uns aber noch lieber ist: Wenn wir die Möglichkeit bekommen, schon bei der Ideenfindung bzw. konzeptionellen Entwicklungsphase mit eingebunden zu sein. Aufgrund unserer jahrelangen Erfahrung können wir dann Vorschläge für eine bessere und manchmal auch schnellere Umsetzung machen.

 

Ihr habt es gerade angesprochen: 2017 wart ihr an der Gestaltung des Deutschen Pavillons auf der EXPO in Astana beteiligt und konntet die Berliner Agentur insglück bei der technischen Umsetzung der Rauminszenierung unterstützen. Was genau war Eure Aufgabe?

Das Konzept des Pavillons beruht auf einer Mischung aus Information und Unterhaltung. Beim Eintritt in das Gebäude erhielt jeder Besucher einen sogenannten Smartstick – einen kleinen weißen Kunststoffstab. Hier waren wir verantwortlich für die Entwicklung der Kommunikationsschnittstellen zwischen den Smartsticks und den jeweiligen Exponaten sowie der anschließenden Auswertung, die in einer fulminanten Medienshow endete. Technischer ausgedrückt: Wir entwickelten die RFID-Module inklusive LEDs sowie die Programmierung einer zugehörigen Datenbank.

 

Das war ein spannendes Projekt, das uns – auch aufgrund der digitalen Inszenierung – positiv im Gedächtnis geblieben ist. Nun heißt es allerdings auch, dass aktuell ein Gegentrend ins Minimalistisch-Analoge im Vormarsch ist. Wie bewertet Ihr diese Tendenz?

Wir denken, dass das Digitale immer noch eine starke Faszination ausübt, den Menschen gleichzeitig aber auch Angst macht. Daher ist der Trend zum Analogen auf jeden Fall zu sehen: nicht nur auf gesellschaftlicher Ebene wie zum Beispiel beim DIY-Trend, sondern auch in der Gestaltung. In Zukunft werden die Geräte aus unserer Sicht immer mehr in den Hintergrund treten und das Analoge wird mit dem Digitalen verschmelzen.

 

Mit Eurem Showreel orientiert Ihr Euch stark am internationalen Markt. Wer sind hier Eure Vorbilder? Und an welchen Ländern können wir uns im Bereich der visuellen Kommunikation noch ein Beispiel nehmen?

Es gibt sehr viele gute Gestalter bzw. Teams und Agenturen: Zurzeit begeistern uns Projekte wie die Inszenierung des neuen Audi A8 mit einem KUKA-Roboterarm und Projection-Mapping von madhat, oder die Konzepte der New Yorker Werbeagentur Johannes Leonardo. Aber auch die Theater-Inszenierungen von Robert Wilson sowie die Arbeiten des Illustrators Ash Thorp, der Architekten von Snøhetta und natürlich von Sagmeister & Walsh. Wobei es in einer globalisierten Welt heutzutage keine Länder mehr gibt, die uns als Vorbilder dienen: Kreative Leute halten sich nicht mehr an Ländergrenzen und es gibt so viele Agenturen, die mit riesigen Budgets großartige Projekte verwirklichen können. Wir haben schon sehr früh mit europäischen Gestaltern zusammengearbeitet, und zurzeit befinden sich auch in unserem Team neben Deutschen viele Italiener, Engländer und Süd-Amerikaner.

 

Euer Studio existiert nun seit mehr als 15 Jahren. Welche Entwicklungen habt Ihr in Eurer Arbeitsweise durchlaufen?

Am Anfang waren wir nur zu zweit: Stephan und Joerg. Wir haben alle Arbeitsschritte selbst ausgeführt. Mithilfe unseres großartigen Teams und der daraus resultierenden Arbeitsteilung können wir uns nun auf andere Arbeiten wie die Konzeption konzentrieren. Aber manchmal gehen wir gerne auch selbst noch Schrauben kaufen …

 

In Eurem Portfolio lässt sich die Rubrik „Passion Projects“ finden. Hier zeigt Ihr zum Beispiel die kinetische Rauminstallation „CL:OC“, das interaktive Musikinstrument „Drop the Beat“ oder die „Augmented Sculpture“, mit der Ihr Themen wie Wahrnehmung, temporären Raum und Realität weiterdenkt. Uns sind diese Projekte ob ihrer Leichtigkeit besonders ins Auge gesprungen. Allerdings haben wir uns auch gefragt: Müssen Herzensprojekte eigentlich ein „Hobby“ bleiben?

Herzensprojekte werden immer ein großer Bestandteil unserer Arbeit sein: Bei den „Passion Projects“ können wir völlig frei denken und müssen uns an keine Kundenvorgaben halten und auf (fast) kein Budget achten. Wir können unsere Ideen frei entfalten und Entscheidungen auch schneller wieder verwerfen. Ideen fallen dann nicht sofort dem strategischen Inhalt oder Budget zum Opfer.

 

Und bei all dem transdisziplinären Arbeiten: Welche Disziplin wollt Ihr in Zukunft noch weiter ausbauen?

Einige Projekte sind schon jetzt miteinander verbunden – und teilweise sind die Disziplinen gar nicht so stark voneinander zu trennen. In Zukunft wollen wir nicht nur die Projekte, sondern auch das Team noch stärker miteinander verknüpfen. Denn ohne den kreativen Input der einzelnen Mitarbeiter wären wir nicht dort, wo wir gerade stehen.

 

Stephan Müller und Joerg Thommes, vielen Dank für das kurzweilige Gespräch!

 

Zu den Personen

Das Kreativ-Duo Stephan Müller und Joerg Thommes realisierte bereits vor 2001 zahlreiche Musikvideos, Werbe- und Industriefilme. Unter dem Synonym Lichtfront machten sie sich als VJs insbesondere im asiatischen Raum einen Namen, und konzentrierten sich mit der Gründung von GROSSE8 anschließend noch stärker auf das Spannungsfeld zwischen Video und Raum bzw. bewegten Objekten. Seither besteht ihr konzeptionelles Bestreben darin, gesetzte technische Grenzen neu zu definieren und neue Entwicklungen technischer Art zu erproben, miteinander zu kombinieren und für innovative Inszenierungen einzusetzen. Viele ihrer Projekte sind das Resultat einer transdisziplinären Zusammenarbeit – eine nicht versiegende Quelle für Motivation und Inspiration.

 

 

FACTS

Kontakt:

GROSSE8 Visuelle Kommunikation GmbH & Co. KG, Köln (DE) > www.grosse8.de

Fotos:

GROSSE8 Visuelle Kommunikation GmbH & Co. KG, Köln (DE) > www.grosse8.de