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VOM SPIEL AUF SEE | BREGENZER FESTSPIELE

POSTED 25 August 2016
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Jedes Jahr locken die Bregenzer Festspiele tausende Operbegeisterte in das Vorarlberger Städtchen am Bodensee. Das Herzstück der vierwöchigen Festspielzeit ist die Seebühne. Als größte Freiluftbühne der Welt beglückt sie das Publikum nicht nur durch prachtvolle, märchenhafte Bühnenbilder: Seit Anbeginn bildet der See die szenische Kulisse der Spiele und ist damit wohl ihr berühmtester Akteur.
Wie aber kam es zum Spiel auf See?

Es ist das Jahr 1946: Bregenzer Bürger und Politiker planen im Zusammenschluss mit Wiener Künstlern, welche nach Kriegsende nach Vorarlberg gekommen waren, die erste Bregenzer Festwoche. Angetrieben von einer Sehnsucht nach dem Schönen, verfolgen sie die Pläne mit hohem Schaffensdrang und es entstehen Ideen, die auch vor kleinem Budget nicht halt machen wollen. Nicht nur die Lebensmittel und die Werkstoffe, auch die Vorbereitungszeit von sechs Wochen ist damals knapp bemessen – es müssen kreative Lösungen her!
Eine große Improvisationskunst beweist die damals 20 jährige Maria Wanda Milliore. Sie wird schließlich zur ersten und bisher einzigen Frau, die das Bühnenbild der Festspiele auf See gestaltet. Auch sie war einige Monate zuvor von Wien nach Bregenz geflüchtet. Hier übernahm sie zunächst verschiedene Hauptrollen am Vorarlberger Landestheater. Ihr künstlerisches Talent brachte Milliore dabei nicht nur auf, sondern auch hinter der Bühne ein – nämlich als Bühnen-und Kostümbilderin. Schließlich wird sie von Kurt Kaiser, Solotänzer der Wiener Staatsoper und Festspiel-Mitbegründer, beauftragt, das Bühnenbild für „Bastien und Bastienne“ zu gestalten. Mozarts Singspiel soll auf See stattfinden. Die Idee: Zwei Kieskähne, die im Gondelhafen stehen, werden zu Kulissen umgebaut: Eine Bühne für das Orchester, die andere für die Darsteller.
Maria Wanda Milliore – mittlerweile ist sie eine ältere Dame – erinnert sich zurück: „Die beiden Schotterkähne dümpelten im kleinen Hafen vor sich hin. Ich hatte Grundrisse bekommen und dann die technischen Zeichnungen geschaffen. So wird’s hübsch und außerdem kostet es nicht viel, hab ich mir halt gedacht. Bis heute ärgert mich ein wenig, dass auch ein Bühnenteil am unteren Teil des vorderen Kieskahns befestigt wurde, das nicht mit meinen Zeichnungen übereinstimmte. Aber das ist jetzt nicht mehr so wichtig.“

Anlässlich des diesjärigen Jubiliäums setzt das Festspiel eine geschichtliche Klammer, indem es die Aufführung von „Bastien und Bastienne“ erneut aufgenommen und das Bühnenbild von damals nachgebaut hat. Als Vorlage diente ein kleines Schwarz-Weiß-Foto, das 70 Jahre im Archiv schlummerte und nun eine spannende Geschichte erzählen kann: Die Geschichte vom Spiel auf See.

FACTS

Projekt:

Bastien und Bastienne, Bregenz (AT)

Gestaltung:

1946: Maria Wanda Milliore
2016: Steven Whiting

Standort:

Gondelhafen, Bregenz (AT)

Zeitrahmen:

Premiere: 04.08.1946 – 11.08.1946
Wiederaufnahme:19.07.2016

Auftraggeber:

Bregenzer Festspiele > www.bregenzerfestspiele.com

Fotos:

Bregenzer Festspiele GmbH > www.bregenzerfestspiele.com