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Exhibition Design

Das Gelände: Dokumentation. Perspektiven. Diskussion.

POSTED 21 January 2016
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Von 1933 bis 1938 hielten die Nationalsozialisten auf einem eigens dafür angelegten Areal im Südosten Nürnbergs ihre Reichsparteitage ab – die Höhepunkte der NS-Propaganda. Und bis heute ist das Reichsparteitagsgelände mit der größten noch existierenden architektonischen Hinterlassenschaft der Nationalsozialisten kein gewöhnlicher Ort. In einer bislang so noch nie zu sehenden Schau zeigt das Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände vom 19. Oktober 2015 bis 13. März 2016 nun die Geschichte dieses Reichsparteitagsgeländes nach 1945 und stellt Perspektiven für einen künftigen Umgang mit dem Areal dar.

Ein Baugerüst in Form eines raumhohen Kubus dominiert dabei die Sonderausstellungshalle im Dokumentationszentrum. Als Sinnbild für den Baustellencharakter der dargestellten Thematik transportiert es auf einen Blick die aktuellen und noch zu lösenden Fragen: Wie soll die Zukunft des Reichsparteitagsgeländes aussehen? Wie kann das Areal weiterentwickelt werden? Das Bild des Gerüsts besitzt jedoch noch eine zweite Ebene: Der vorläufige, temporäre Charakter eines Baugerüsts entspricht den vielen Facetten im Umgang mit dem Reichsparteitagsgelände nach 1945. Das Areal mit verlassenen Aufmarschflächen und großen Baustellen bietet für unterschiedlichste Vorhaben Raum, widersetzt sich aber gleichzeitig einer einfachen Aneignung. Die nationalsozialistische Vergangenheit steht dort vielen Nutzungswünschen diametral entgegen. Einsichten in den Ausstellungskubus und Durchblicke auf eingehängte Objekte, Großbilder, Texte und Medienstationen machen neugierig auf das Thema und lassen bereits beim Betreten der Halle in den Köpfen der Besucher erste Assoziationen und mögliche Zusammenhänge entstehen. Die Filigranität des Gerüsts ermöglicht dabei einen unverstellten Blick auf diese Nachkriegsgeschichte.

Für das Gestaltungskonzept zeichnet Holzer Kobler Architekturen (Zürich/Berlin) verantwortlich, die sich auf folgende Grundgedanken stützten: Die Sonderausstellungshalle im Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände wirkt in ihrer Dimension und Ausführung äußerst archaisch und imposant. Dieser wirkungsvolle Eindruck war insbesondere in Anbetracht des Themas der geplanten Sonderausstellung zur Geschichte des Reichsparteitagsgeländes beizubehalten und szenografisch zu unterstützen. So wird anhand der Ausstellung die Entwicklung und Geschichte dieses Geländes dokumentiert und die Auseinandersetzung mit nationalsozialistischen Großbauten sowie künftige Visionen und Planungen für das Areal deutlich gemacht. Trotz der großen Inszenierung der raumgreifenden Gerüstinstallation, wirkt jene filigran, fast durchsichtig und verkörpert die (Weiter-)Entwicklung und den Aufbau als Gegenstück zu Statischem und Endgültigem. Im Gerüst sind 19 Zeitschnitte als Abfolge eingebaut. Sie dokumentieren anhand zahlreicher ungewöhnlicher und unerwarteter Objekte die zweite Geschichte des Reichsparteitagsgeländes. Die Besucher durchwandern diesen Raumkörper und können über die einzelnen Kapitel Zugang zur Historie erlangen. Dabei verdeutlichen die Ausstellungsmacher, dass die Geschichte des Geländes nach 1945 keinem systematischen Masterplan folgte, sondern auch etwas Zufälliges hatte. Am Ende des Rundgangs ermöglicht eine mediale Präsentation den Besuchern schließlich, sich anhand eines virtuellen Rundgangs schon jetzt ein Bild von den vielfältigen Chancen und dem Mehrwert eines künftigen „ErfahrungsRaums Reichsparteitagsgelände“ zu machen. Insgesamt strahlt das Konzept einen Werkstattcharakter aus und erhebt nicht den Anspruch, abschließend und belehrend zu sein. Es lädt die Besucher vielmehr ein, bei der Ideenfindung zu reflektieren, mitzudiskutieren und mitzuwirken.

FACTS

Projekt:

Das Gelände: Dokumentation. Perspektiven. Diskussion., Nürnberg (DE)

Gestaltung:

Holzer Kobler Architekturen, Zürich (CH) / Berlin (DE) > www.holzerkobler.com

Standort:

Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände, Bayernstraße 110, Nürnberg (DE) > www.museen.nuernberg.de

Zeitrahmen:

19.10.2015 – 13.03.2016

Auftraggeber:

Die Museen der Stadt Nürnberg, Nürnberg (DE) > www.museen.nuernberg.de

Fotos:

Stefan Meyer Architekturfotografie, Berlin (DE) > stefan.meyer@archkom.net