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SHOP TILL YOU DROP! Real Virtuality | Virtual Reality

POSTED 1 June 2015
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Heutzutage entwickeln sich das Web und dessen Nutzungsmöglichkeiten rasend schnell und so ist es auch nicht verwunderlich, dass bis dato typische Offline-Themen immer mehr mit dem Internet verschmelzen. Dieser Trend macht natürlich auch vor Online-Shops nicht Halt. Wie ein solcher physisch erlebbar wird und wie ansprechend es aussehen kann, wenn die Online-Welt auf einmal in die dritte Dimension erweitert wird, zeigt ein Projekt des Architekturbüros MARCH-Studio anschaulich: Für Sneakerboy, den Händler von Luxus-Turnschuhen, haben die Kreativen der australischen Agentur – die spätestens seit ihrer ästhetisch anspruchsvollen Shop-Gestaltung für das Kosmetik-Label Aesop ein Begriff in der Branche ist – einen retro-futuristischen Store geschaffen. Eine Kasse, um eines der rund 160 präsentierten Schuh-Modelle zu bezahlen, sucht der Kunde in dem 2013 fertiggestellten Shop in Melbourne allerdings vergebens …

von Anna Bühling

Keine Kassen, keine Lagerräume: Der Sneakerboy-Store in Melbourne ist ein realer, begehbarer Online-Shop. Er basiert auf einem Konzept, das die Kunden auffordert, die Waren – Designer-Sneaker und Streetwear – anzuschauen, anzufassen und anzuprobieren. Tiefergehende Informationen oder der tatsächliche Kauf, werden jedoch ausschließlich online über das eigene mobile Endgerät oder über eines in den Räumen installierten iPads mittels einer Sneakerboy-Kunden-ID ermöglicht.
Die Gestaltung des Ladens ist dabei unverkennbar von U-Bahn-Schächten inspiriert: Ein großes, rundes Eingangsportal führt in den Showroom, der sich tunnelartig in das Gebäude gräbt. Mit Hilfe einer gegenüberliegenden Spiegelwand sowie einer abgehängten, gewölbten Decke wird die Tunnelillusion zudem perfektioniert. Eindrucksvoll wird hier ein umfangreiches Sneaker-Sortiment gezeigt: Auf den seitlich angebrachten Glasregalen, die mit dimmbaren LED-Leuchten inszeniert sind, stehen 162 Paar unterschiedliche Sneaker. LED-Ticker an den Regalen geben Auskünfte über den Designer des jeweiligen Modells und die Sneakerboy-App fordert die Kunden auf, Preise und Größen der Produkte über eine Scan-Funktion in Erfahrung zu bringen. Wird irgendwo auf der Welt mit einem der präsentierten Turnschuhe interagiert, werden die LED-Ticker zum virtuellen Tor in den weiten Kosmos von Sneakerboy: So zeigen sie beispielsweise an, wenn gerade anderswo dieses Modell gekauft wurde oder jenes aktuell ausverkauft ist. Erweitert wird das physische Sortiment durch ein digitales, interaktives Display. Rund 1.200 Laufmeter offen verlegte Verkabelung erinnern an einen Serverraum und versinnbildlichen die weltweite Vernetzung.
Im zweiten Bereich des Shops befindet sich, räumlich getrennt vom Showroom, der Fittingroom, der sich durch eine deutlich privatere Atmosphäre auszeichnet: Glasbausteine schirmen den Raum dabei vor neugierigen Blicken von außen ab, ermöglichen aber dennoch einen natürlichen Tageslichteinfall. Von jedem im Showroom präsentierten Schuh gibt es im Ankleideraum zudem Modelle in diversen Größen, die auf einer Ruheinsel mitten im Raum anprobiert werden können. Auch hier sind iPads installiert, mit welchen die Kunden Bestellungen abgeben oder Informationen zu den Artikeln recherchieren können.

Sneakerboy setzt mit dem neuen Shop auf ein klar durchchoreografiertes Multichannel-Retailing-Konzept mit fest definierten Punkten und Strecken, an denen ein Wechsel der Kanäle stattfinden und der physische Shop genauso wie die virtuelle Welt parallel genutzt werden kann: Während der Kunde die Schuhe zunächst ansehen und bei Bedarf über die Sneakerboy-App oder das Internet in die virtuelle Informationswelt eintauchen kann, um detaillierter über das Modell zu recherchieren, befinden sich im Fittingroom bibliotheksartig angeordnet viele Größen der ausgestellten Schuhe, damit der Kunde mit diesen auf Tuchfühlung gehen und sie auf Herz und Nieren prüfen kann. Hat er sich zum Kauf entschlossen, kann er seine Bestellung entweder über sein eigenes mobiles Endgerät oder über eines der im Fittingroom installierten iPads übermitteln. Danach geht es unbeschwert weiter: Zwar ist der digitale Geldbeutel des Kunden erleichtert, die Shoppingtour kann jedoch frei von lästigen Taschen und Tüten fortgesetzt werden, da die Einkäufe von Sneakerboy direkt nach Hause geliefert werden.

 

Weitere Beiträge aus unserer Retail-Reihe sowie das gesammelte Glossar zur Reihe finden Sie hier: SHOP TILL YOU DROP! Inszenierungen im Warenraum – Wie und wo wir in Zukunft einkaufen werden.

FACTS

Projekt:

Sneakerboy Store, Melbourne (AU)

Gestaltung und Branding:

MARCH STUDIO, Melbourne (AU) > www.marchstudio.com.au

Projektteam:

Rodney Eggleston, Anne-Laure Cavigneaux, Julian Canterbury, Jack Crocker, Sam Rice, Jono Ware

Standort:

Shop 21, Ground, 265-279 Little Bourke Street, Melbourne Vic 300 (AU)

Zeitrahmen:

seit Oktober 2013

Fotos:

Peter Bennetts, Melbourne (AU) > www.peterbennetts.com