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Interviews

SPACE4 ÜBER 20 JAHRE SPACE4

POSTED 15 July 2020
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„In unserer Vorstellung müssen Museen und besonders das Medium Ausstellung für sich eine neue gesellschaftliche Relevanz und die damit verbundenen Themen erschließen.“

 

Seit 2000 gestaltet SPACE4 nun schon Ausstellungen, Museen sowie Markenräume, erarbeitet Museumsstudien, entwickelt individuelle Konzepte mit sensiblem Umgang und inszeniert mit viel Herzblut Geschichten und Erlebnisse im Raum. Die Stuttgarter Kreativschaffenden sagen selbst: „Wir gestalten Erinnerung und Zukunft.“ Aus der Reihe der großen Szenografen ist SPACE4 schon lange nicht mehr wegzudenken und wir haben das 20-jährige Jubiläum zum Anlass genommen, den vier Geschäftsführern Jürgen Hess, Oliver Mack, Henning Meyer und Alexander Minx 20 grundsätzliche Fragen zu stellen. Das Ergebnis: eine rückblickende Prospektive.

 

Die Fragen stellte Janina Poesch.

 

1.     SPACE4, herzlichen Glückwunsch! Im August 2020 könnt Ihr Euer 20-jähriges Bestehen feiern. Wie würdet Ihr Eure letzten 20 Jahre in einem Satz zusammenfassen?

Wie die Zeit doch verfliegt …

 

2.     Wie kam es zu der Gründung von SPACE4?

Am Anfang stand ein kleines Projekt in Ravensburg von Oli und Alex. Diese erfolgreiche Ausstellung bildete die Grundlage für die Zusammenarbeit mit Korkut Demirag und Henning – und die Grundlage für ein großes Projekt mit einer Vision: das Humpis-Quartier! Voilà: SPACE4 war geboren.

 

3.     Wie viele Projekte habt Ihr in den letzten 20 Jahren realisieren dürfen?

Über 200 – die genaue Zahl wird noch diskutiert.

 

4.     Was macht Euren Gestaltungsprozess aus und wie werden Eure Projekte damit einzigartig?

Wir sehen uns als ganzheitlich denkender Vermittler zwischen Kurator*innen bzw. Bauherr*innen und Besucher*innen. Dabei setzen wir auf Interdisziplinarität, ein Miteinander auf Augenhöhe und individuelle Lösungen, die beide Seiten ernst nehmen und ein Thema eingängig und unaufdringlich vermitteln.

 

5.     In welches Projekt habt Ihr das meiste Herzblut gesteckt und warum?

Wir stecken grundsätzlich in jedes Projekt Herzblut, denn ohne persönliches Engagement hätten wir keines unserer Projekte erfolgreich umsetzen können. In den 20 Jahren haben wir in jedem Fall schon einige Projekte gehabt, an die wir unser Herz verloren haben oder bei denen unser Herz auch mal geblutet hat.

 

6.     Was war vor 20 Jahren anders als heute? Wie hat sich die Szenografie in den letzten 20 Jahren entwickelt?

Die Szene war deutschlandweit noch sehr überschaubar. Selbst den Museen mussten wir teilweise noch erklären, was gute Ausstellungsgestaltung wirklich leisten kann. Außerdem hat sich unsere Arbeitsweise verändert: Damals standen wir beim Ausstellungsaufbau oft selbst noch mit dem Akkuschrauber in der Hand auf der Leiter.

 

7.     Was vermisst Ihr?

Mutige, experimentierfreudige Auftraggeber*innen, die sich auf unsere Expertise verlassen und zusammen mit uns konsequent neue Ausstellungsformate entwickeln.

 

8.     Was wünscht Ihr Euch in Zukunft mehr?

Eine Professionalisierung der Branche mit klaren Leistungsbildern, weniger Bürokratie, mehr Experimenten, mehr Vertrauen und dementsprechend die Möglichkeit, alles „aus einer Hand“ gestalten zu dürfen: vom Konzept bis zur Umsetzung, von der Architektur bis zur Ausstellung, von der Grafik bis zu den digitalen Medien. Denn darin liegt unsere Stärke.

 

9.     Wie hat sich der Beruf des Ausstellungsgestalters in den letzten 20 Jahren verändert?

War der Beruf damals noch geprägt von einem starken Wunsch nach plakativen Raumbildern und dem Austarieren des richtigen Inszenierungsgrades, so denken wir heute stärker in dramaturgischen Strukturen, Vermittlungsformaten und der ästhetischen Wirkung von Raum und Objekt. Außerdem ist die Branche gewachsen und Ausstellungsgestaltung wird inzwischen sogar an Hochschulen gelehrt.

 

10.     Was macht Euch an Eurem Job am meisten Spaß?

Wir haben das Glück, immer an neuen und spannenden Themen zu arbeiten – und das an einer Schnittstelle zwischen begeisterten Menschen, die uns Geschichten erzählen und Menschen, denen wir diese Geschichten weitererzählen dürfen.

 

11.     Wie setzt sich Euer interdisziplinäres Team zusammen?

Wir haben Architekt*innen, Innenarchitekt*innen, Produktdesigner*innen, Designer*innen, Kommunikationsdesigner*innen, Redakteur*innen und einen großen Pool an externen Spezialist*innen aus den Bereichen Lichtplanung, Medientechnik, Bauforschung, Statik, usw.

 

12.     Wie wird die COVID-19-Pandemie Eure Arbeitsweise und damit auch Eure Gestaltung beeinflussen?

Unsere Arbeit und unsere Kommunikation sind noch digitaler geworden und auch unser Blick auf das Home-Office hat sich verändert. Jede Schutzmaßnahme ist nicht nur eine organisatorische Herausforderung, sondern auch eine gestalterische. Bewährte Formate funktionieren in der aktuellen Situation nur begrenzt. Deswegen müssen wir neue Wege finden, zu kommunizieren, Geschichten zu erzählen und inklusive Erfahrungen zu schaffen. Digitale Formate, intelligente Leitsysteme und die Offenheit für neue Konzepte sind vielversprechende Ansätze.

 

13.     Was war die beste Entscheidung in Eurer beruflichen Laufbahn? Auf was seid Ihr besonders stolz?

Dass wir uns nie etwas NICHT zugetraut haben und so an unseren Herausforderungen und Erfahrungen wachsen konnten. Dass wir als Team mit flachen Hierarchien arbeiten und unseren Mitarbeiter*innen und ihren Ideen gegenüber fair und aufgeschlossen sind. Und natürlich auf unser Büro mitten in der Stuttgarter Innenstadt!

 

14.     Was würdet Ihr beim zweiten Mal anders machen?

Auch mal nein sagen.

 

15.     An wem oder was seid Ihr schon mal gescheitert?

An uns selbst.

 

16.     Was würdet Ihr gerne mal entwerfen bzw. welches Museumskonzept auf den Kopf stellen?

Museumskonzepte auf den Kopf zu stellen ist der größte Spaß an unserer Arbeit: je früher, desto besser.

 

17.     Wie würdet Ihr die Szenografie revolutionieren? Muss sie überhaupt revolutioniert werden?

Nach 20 Jahren sind wir eher im Alter zu reformieren, als zu revolutionieren. In unserer Vorstellung müssen Museen und besonders das Medium Ausstellung für sich eine neue gesellschaftliche Relevanz und die damit verbundenen Themen erschließen. Die Museen haben diese Themen zwar für sich entdeckt, trauen sich aber meist nicht, diesen Weg auch konsequent zu Ende zu gehen. Relevante Themen müssen außerdem für das Publikum spannend und inklusiv aufbereitet werden, was wiederum eine Zusammenarbeit vieler Disziplinen auf Augenhöhe verlangt.

 

18.     Was sind die Geheimnisse einer guten Szenografie?

Gute Szenografie ist transparent, ehrlich, konzentriert sich auf das Wesentliche, besitzt eine Leichtigkeit in der Vermittlung und nimmt die Besucher*innen ernst. Kurz: Sie muss Spaß machen.

 

19.     Welchen Rat würdet Ihr Eurem Ich von 2000 geben?

Sei mutig und lass Dich adäquat für Deine Leistungen bezahlen!

 

20.     Und wo seht ihr SPACE4 in 20 Jahren?

In guten Händen …

 

Jürgen Hess, Oliver Mack, Henning Meyer und Alexander Minx, vielen Dank für das kurzweilige Gespräch!

 

 

Zu den Personen

SPACE4 wird von den vier Architekten Jürgen Hess, Oliver Mack, Henning Meyer und Alexander Minx geleitet, die seit der Gründung im Jahr 2000 auf mehr als 200 erfolgreich realisierte Projekte für öffentliche und private Auftraggeber zurückschauen können. Seit 20 Jahren bewegt sich SPACE4 im Spannungsfeld von Architektur, Museumskonzeption und Ausstellungsgestaltung. Dabei konzipieren die Kreativen ein Projekt individuell ausgehend von den inhaltlichen und räumlichen Voraussetzungen – wobei die erzählerische Kraft der Szenografie durch die vielschichtigen Wechselwirkungen zwischen Inhalt und Raum entsteht. Im Spiel dieser Interaktion werden Raumbilder entwickelt, die auch abstrakte Inhalte erlebbar machen. Gestaltung ist für SPACE4 dabei kein Selbstzweck, sondern Botschafter – ein mit allen Sinnen erfahrbares Medium zwischen Besucher, Inhalt und Raum.

FACTS

Kontakt:

SPACE4 GmbH, Stuttgart (DE) > www.space4.de

Fotos:

SPACE4 GmbH, Stuttgart (DE) > www.space4.de