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Exhibition Design

Museum für Geschichte

POSTED 6 June 2018
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Kommen Sie zu uns, Ihre Geschichte ist schon da!“ Mit diesen spitzfindigen Worten wirbt das Grazer Museum für Geschichte um Aufmerksamkeit. Seit November 2017 erwartet Besucher hier nicht nur ein neues Selbstverständnis, sondern auch neue Perspektiven auf die Historie der Steiermark. Dank der Ausstellungsgestaltung von INNOCAD wird dabei eine fließende Verbindung zwischen Raum, Inhalt und Mensch geschaffen und das Verständnis für die eigene Gegenwart sowie Zukunft dank des Blicks in die Vergangenheit um einiges größer.

 

von Janina Poesch

 

1811 durch Erzherzog Johann gegründet, fungierte das Grazer Joanneum zur damaligen Zeit nicht nur als Museum, sondern auch als Lehranstalt: Rund um die umfangreichen naturwissenschaftlichen Sammlungen des Habsburger Adligen lehrten und forschten mehrere berühmte Wissenschaftler. Erst 1887 folgte der Beschluss, die jeweiligen Archive in einem gemeinsamen Landesmuseum zu vereinigen und mit mehr als 4,5 Millionen Objekten wird im heutigen Universalmuseum Joanneum nun ein breites Spektrum an Kunst, Kultur und Naturwissenschaften an zwölf verschiedenen Standorten im Stadtgebiet Graz sowie in der Steiermark präsentiert. Dabei verfügt jedes der zwölf Museen über einen einzigartigen Charakter – wobei die Gründungsaufträge des Sammelns, Bewahrens, Forschens und Vermittelns in jedem einzelnen umfänglich und sorgfältig befolgt werden. Wie etwa im Museum für Geschichte, das seit 2017 in den Räumlichkeiten des Palais Herberstein in der Grazer Altstadt beheimatet ist. Besucher können sich hier mit dem Werden und Wandel der Steiermark vom Mittelalter bis heute auseinandersetzen und sowohl mithilfe der Kulturhistorischen sowie der Multimedialen Sammlung als auch der Dauerausstellung „100 x Steiermark“ in die spannungsreiche Geschichte des Bundeslands eintauchen.

Dabei markiert diese Ausstellungstrilogie einen Meilenstein in der Transformation des Museums: Die einst verborgenen Schätze der Sammlungen werden nun der Öffentlichkeit zugänglich gemacht und vor allem die Beziehung zwischen Mensch und Geschichte in den Mittelpunkt gerückt. Während die Dauerausstellung in den prunkvollen Räumen im zweiten Obergeschoss des historisch bedeutsamen Gebäudes untergebracht ist, sind die beiden Sammlungen eher zurückhaltend gestaltet: Gleich einem Schaudepot können die Exponate hier als dichte Objektcollage erkundet werden – wobei ein Displaysystem aus industriellen Baumodulen den Rahmen für die etwa 2.000 physischen Ausstellungsstücke der Kulturhistorischen Sammlung bietet. Die modularen und multifunktionalen Objektträger bilden zwar einen optischen Kontrast zu den historischen Artefakten, fungieren aber auch als konsistente Raumstruktur, die schonend zum vorhandenen Wandbestand ausgeführt wurde, um eine neue atmosphärische Bühne zu schaffen. Das kostengünstige Material, das – je nach Größe und Form der Exponate – flexibel zum Einsatz kommen kann, wird lediglich von feinen Seilnetzen umhüllt, um bei Besuchern ein Vertrauensverhältnis zu generieren sowie die konventionelle Betrachtung im Ausstellungskontext zu hinterfragen. Zudem kommt diese Präsentationsart auch dem Museumspersonal bei Umgestaltungs- und Wartungsarbeiten zugute. In die metallene Wandebene wurden selbst die Fenster des Palais integriert. So werden sie Teil des Ausstellungskonzepts, bieten Ausblicke auf die historische Stadtlandschaft und machen damit Vergangenheit und Gegenwart zu einem unmittelbaren Exponat.

Der zweite Teil des Schaudepots – die Multimediale Sammlung – ist den Medien Foto, Film und Ton gewidmet. Interessierte können hier hinter die Kulissen der Sammlungsarbeit blicken und sich selbst auf eine Reise durch die wechselhafte Geschichte der Sammlung seit 1958 begeben. Dabei verbindet das durchgängig metallische Band sowohl metaphorisch als auch räumlich die beiden Teile des Depots, schafft einen Dialog zwischen Inhalt und Inszenierung und ermöglicht den Museumsgästen zudem eine unerwartete Perspektive auf den historischen Kontext.

Eine räumlich-künstlerische Intervention erwartet die Besucher dagegen in den Prunkräumen des Palais: Ausgehend vom Bild einer „gedeckten Geschichtstafel“ wurden in der Dauerausstellung „100 x Steiermark“ ausschließlich gläserne, teils verspiegelte, möbelartige Einbauten realisiert, die an die überlieferte Nutzung dieser Räume erinnern und gleichzeitig als Träger der Ausstellungsobjekte dienen. In gut 100 Episoden nähern sich die Besucher der Geschichte des Landes – wobei die Komposition aus spiegelnden Objektträgern eine Vielzahl an Betrachtungswinkeln ermöglicht und dennoch die vorgegebenen technischen Anforderungen gewährleistet. Das Raummöbel selbst fungiert als Kunstwerk und bildet eine bildliche und formale Reflektion von Raum, Zeit und Existenz. Das stete Bewegen zwischen Räumen und Zeiten ist dabei das Wesentliche des Museums – da ist sich auch Bettina Habsburg-Lothringen, Leiterin der Abteilung Kulturgeschichte, sicher: „Was die Geschichte, Gegenwart und mögliche Zukunft angeht, so bewegen wir uns laufend in diesen Zeiten, denen wir gleichermaßen verpflichtet sind. Für die Geschichte sind wir persönlich nicht verantwortlich, wohl aber dafür, uns zu ihr verantwortungsvoll zu verhalten – immer mit Blick auf die Zukunft, an deren Gedächtnis wir schon heute bauen.“

Dieser Text ist ebenfalls erschienen in AIT 9/2018.

FACTS

Projekt:

Museum für Geschichte, Graz (AT)

Gestaltung:

INNOCAD ARCHITEKTUR ZT GmbH, Graz (AT) > www.innocad.at

Projektteam:

Dominik Gladik, Patrick Handler, Jörg Kindermann, Martin Lesjak, Sigrid Prinz, Amila Smajlovic

Zeitrahmen:

seit November 2017

Auftraggeber:

Universalmuseum Joanneum, Graz (AT) > www.museum-joanneum.at

Fotos:

Paul Ott, Graz (AT) > paul-ott.at