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PINA BAUSCH UND DAS TANZTHEATER | BUNDESKUNSTHALLE

POSTED 1 September 2016
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Pina Bausch gilt als Pionierin des modernen Tanztheaters und als eine der einflussreichsten Choreografinnen des 20. Jahrhunderts. In der Bundeskunsthalle in Bonn wird ihr Schaffen nun erstmals in Form einer Ausstellung erfahrbar gemacht. Im Mittelpunkt steht dabei die direkte Begegnung mit Zeitzeugen: den Tänzerinnen und Tänzern, die mit Pina Bausch jahrelang zusammengearbeitet haben. PLOT hat der Ausstellung einen Besuch abgestattet.

von Constanze Frowein

„Nein.“ Kurz und prägnant beantwortet Rein Wolfs, Intendant der Bundeskunsthalle und Kurator der Ausstellung „Pina Bausch und das Tanztheater“ die Frage, ob das Werk der 2009 verstorbenen, weltberühmten Choreografin ausgestellt werden kann. Die Schau, die von März bis Juli 2016 in der Bonner Bundeskunsthalle zu sehen ist, widmet sich dem Entstehungsprozess ihres Schaffens – veranschaulicht über räumlich-unmittelbare Erfahrungen. Seit ihrer Ausbildungszeit an der Essener Folkwang-Schule begriff Pina Bausch „räumliches Sehen“ als einen existentiellen Bestandteil ihrer Arbeit: Seitdem konnte sie „etwas nicht ohne den Raum sehen“. Es ist also folgerichtig, den Ort ihres Schaffens zum Herzstück der Schau zu machen: Mit einem originalgetreuen Nachbau der Lichtburg Wuppertal – jenem legendären Proberaum in einem ehemaligen Kino, der für die Öffentlichkeit meist verschlossen blieb. Ein magischer Moment ist das also, wenn Bausch-Fans dieses Heiligtum endlich betreten dürfen – wenn auch nicht im Original. Mit Detailverliebtheit zeugt dieses szenografische Duplikat von vergangenen Zeiten: Stoffbespannte Wände, durchblitzendes Mauerwerk oder scheinbar für die Probe bereitgehängte Kleider aus dem Kostümfundus sind hier zu finden. Durch die räumlich-atmosphärische Annäherung an die Arbeit Bauschs werden die Besucher über das aktive Erlebnis des Schaffensprozesses somit selbst involviert und das Thema der Ausstellung wird körperlich erfahrbar. Sie können sogar selbst die sogenannte „Nelken-Reihe“ in Workshops tanzen, kommen mit den Tänzern und Mitarbeitern der Kompanie ins Gespräch oder können sich Filme in der Lichtspielhausatmosphäre ansehen – die Lichtburg wird während der gesamten Ausstellungszeit täglich bespielt.

Die Entwicklung der rahmengebenden Ausstellungsgliederung orientiert sich dabei an der Rede, die Pina Bausch 2007 anlässlich der Verleihung des Kyoto-Preises hielt und damit ihren Schaffensweg resümierte – eine weitere konsequente Entscheidung in der Ausstellungsgestaltung, da dieser Weg den Besuchern nicht abverlangt, einem Parcours zu folgen, sondern vielmehr dem eigenen Interesse. Jenseits des Lichtburg-Nachbaus ist die Formgebung der knapp 1.600 Quadratmeter großen Ausstellung allerdings althergebracht: Das reiche Archiv der Pina Bausch Stiftung wird mittels Glasvitrinen und Monitoren mit Schwarz-Weiß-Aufnahmen oder anhand von an die Wand gepinnter Fotos gezeigt. Mit viel Wohlwollen kann dies als bewusst gewähltes Stilmittel verstanden werden, denn die Anspruchslosigkeit an die Ausstellungsgestaltung vermittelt das Unfertige des Prozesses weitaus besser als die perfektionierte Einbettung der gezeigten Exponate. So sind es auch die lose in den Raum gestellten, schlichten Caféhaus-Stühle aus dem Stück „Café Müller“ höchst selbst, auf denen die Ausstellungsbesucher – ganz unsentimental – verweilen dürfen. In einem abgedunkelten Raum begegnen Interessierte dann doch noch dem Werk Bauschs: sehr unmittelbar und konzentriert in Form einer filmischen Collage – vertraut untermalt von Matthias Burkert, der seit 1995 die musikalische Betreuung des Wuppertaler Tanztheaters verantwortet. Die berühmten, immer wiederkehrenden Bewegungsabläufe werden hier mit Bausch’schem Witz ineinander verwoben, um sich schließlich in den scheinbar unendlichen Reihen der sich verbeugenden Kompanie aufzulösen.

Die Fortführung des Themas über die räumlich und örtlich gebundene Bundeskunsthalle hinaus wird mit einer interaktiven Darstellungs- und Vervielfältigungsform gelöst: Der Fernsehsender arte und die Pina Bausch Stiftung zeigen die berühmte Reihenchoreografie „Frühling Sommer Herbst Winter“ aus dem Stück „Nelken“ und fordern die Welt zum Nachtanzen auf. Dabei bleibt abzuwarten, wie die Überführung des Ausstellungsthemas in den digitalen Raum gelingen wird. Eine wunderbar nahbare und konsequente Fortführung des Ausstellungsthemas in den digitalen Raum ist sie schon jetzt!

Allen, die es nicht nach Bonn schaffen sollten, sei gesagt: Am 16. September 2016 zieht die Ausstellung in den Berliner Martin-Gropius-Bau und wird dort bis zum 9. Januar 2017 zu sehen sein.

FACTS

Projekt:

Pina Bausch und das Tanztheater, Bonn/Berlin (DE)

Standort:

Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland, Bonn (DE) > www.bundeskunsthalle.de
Martin-Gropius-Bau, Berlin (DE) > www.berlinerfestspiele.de

Zeitrahmen:

04.03.2016 – 24.07.2016 (Bonn)
16.09.2016 – 09.01.2017 (Berlin)

Fotos:

1 Laurent Philippe, Paris (FR)
2 Zerrin Aydin-Herwegh, Düsseldorf (DE) > www.zerrinaydin.de
3 Pina Bausch Stiftung, Wuppertal (DE) > www.pinabausch.org
4 – 8 Simon Vogel/Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland GmbH, Bonn (DE) > www.bundeskunsthalle.de