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Exhibition Design

Alltag, Rüstung, Vernichtung – Der Landkreis Mühldorf im Nationalsozialismus

POSTED 15 July 2016
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Die Kulturlandschaft in Mühldorf am Inn, Kreisstadt des gleichnamigen Bezirks in Oberbayern, ist seit dem 21. November 2015 um die Dauerausstellung „Alltag, Rüstung, Vernichtung – Der Landkreis Mühldorf im Nationalsozialismus“ reicher. Auf 300 Quadratmetern Fläche hat die Stuttgarter Agentur SPACE4 im zweiten Obergeschoss des jahrhundertealten Lodronhauses den Rundgang gestaltet.

Ausstellungsinhalte lieferte die einstige Existenz eines der größten Außenlager des KZ Dachau im Landkreis Mühldorf. Im Jahr 1944 wurde es errichtet, um die Produktion von Flugzeugteilen in einer unterirdischen Bunkeranlage zu veranlassen. Nahezu die Hälfte der mehr als 8.000 aus ganz Europa inhaftierten, meist jüdischen Zwangsarbeiter starben unter den menschenunwürdigen Bedingungen in dem provisorischen Lager. Neben der Aufarbeitung der nationalsozialistischen Vergangenheit beleuchtet die Ausstellung ebenfalls die allgemeine Entwicklung des von der Agrarwirtschaft geprägten Landkreises in der Zeit des Nationalsozialismus. Sie gliedert sich in chronologischer Reihenfolge in die vier Kapitel „Alltag im Nationalsozialismus“, „Rüstungsprojekt und KZ-Außenlagerkomplex“, „Kriegsende“ und „Aufarbeitung“. Dabei bildet der zweite Bereich, in dem es um das Waldlager und die Bunkerbaustelle geht, den dramaturgischen Höhepunkt und zeigt sich im Vergleich zu den anderen Bereichen am detailliertesten.

Mit einem düsteren Thema befindet sich die Ausstellung jedoch in freundlicher Atmosphäre: Ein heller Holzboden, eine hölzerne Decke mit weiß gekalkten Holzstützen sowie große Fenster lassen den Raum in dem historischen Gebäude hell und einladend erscheinen. Dabei hat SPACE4 das Materialkonzept angepasst: Natürliche und einfache Materialien wie Filz, grobes Leinen, Holz, Faserzement und unbehandelter Stahl unterstützen diese Wirkung. Mit Raumteilern aus silbergrau lasierten Kanthölzern, die zwischen Decke und Boden verspannt sind, wurde ein Rundgang geschaffen. In ihrer Materialität grenzt sich die Raumteilung von ihrer historischen Umgebung zwar ab, farblich harmonisiert sie jedoch sehr gut, damit die ruhige Atmosphäre nicht unterbrochen wird.
Im Prolog werden die Besucher über einen Banner und ein großformatiges Leitfoto in die vier Bereiche eingeführt. Diese sind immer gleich aufgebaut: Die Leitexponate sind in Stelen aus Acrylglas präsentiert und funktionieren gleichzeitig als vertikale Orientierungspunkte für die Besucherführung durch die Ausstellung. Von diesen wird der Inhalt in der Horizontalen an Thementischen abgeleitet. Um die Leichtigkeit zu gewährleisten und der „Schwere“ des Themas entgegenzuwirken, sind jene mit einer leichten Unterbaukonstruktion versehen und bestehen aus dünnen Faserzementplatten auf einem filigranen Stahlgestell. Ausgewählte Objekte und Dokumente befindet sich in Vitrinen, ansonsten sind Beschriftungen sowie Informationsgrafiken direkt auf die Tischplatte gedruckt. Um das reduzierte Konzept nicht zu brechen, sind die Druckfarben auf Schwarz und Weiß beschränkt. Außerdem sind dort Audio- und Video-Elemente mit Handhörern integriert, um Zeitzeugen-Interviews abspielen zu können. Eine Ergänzung zur Sachebene bieten die biografischen Erzählstränge auf Filzstelen kurze Steckbriefe und Portraits. Als Hauptbereich beinhaltet „Rüstungsprojekt und KZ-Außenlagerkomplex“ einen großformatigen, medialen „Kartentisch“, der eine Filmsequenz über die Thematik sowie ein maßstabsgetreues Bunkermodell enthält.

„Alltag, Rüstung, Vernichtung – Der Landkreis Mühldorf im Nationalsozialismus“ zeichnet sich insgesamt durch eine bedachte und feine Gestaltung aus, welche die Besucher mit einer konzeptionellen Leichtigkeit durch ein thematisch sehr schweres Feld leiten.

FACTS

Projekt:

Alltag, Rüstung, Vernichtung – Der Landkreis Mühldorf im Nationalsozialismus, Mühldorf (DE)

Gestaltung:

SPACE4, Stuttgart (DE) > www.space4.de

Zeitrahmen:

Januar bis November 2015

Auftraggeber:

Landkreis Mühldorf, Mühldorf (DE)

Fotos:

Anja Koehler, Ravensburg (DE) > www.andereart.de