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Film- & Bühnenarchitektur

Filmrezension „Star Wars VII: Das Erwachen der Macht“

POSTED 13. Januar 2016
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PLOT war im Kino! Die Weiterführung einer der größten Kino-Mythologien ist ein Großereignis in der Geschichte der Unterhaltungsindustrie. Für diesen Film gelten titanische Regeln und die Erwartungen sind wie Bergmassive, die einen unbefangenen Blick auf dieses Mega-Produkt aus dem Herzen des „American Dreams“ unmöglich zu machen scheinen. Der Kinosaal wird zur Kirche der Kinder- und Jugendträume: Es herrscht sehnsuchtsvolle Stille als die gelben Lettern vor dem Sternenmeer den Fortgang einer Geschichte einleiten, die das Blockbuster-Kino mitbegründet hat.

von Alexander Bischoff

Spätestens seit er das Zepter über das Star Wars-Universum an sich genommen hat, ist J.J. Abrams ein König unter den Fans und Nerds des mehrteiligen Epos. Denn damit ist er der kreative Befehlshaber über zwei der kultreichsten Sci-Fi-Filmuniversen: Star Trek und Star Wars.
Mit dem Neustart von „Star Trek“ hatte er bereits bewiesen, wie ernst ihm die Revitalisierung der ureigenen kanonischen Kräfte eines Kult-Produkts ist. Und mit „Star Wars“ zeigt er, dass er diesen Mythos und seine Fortsetzung mindestens genauso, wenn nicht sogar besser, beherrscht als dessen Vater George Lucas. So wird der Schüler zum demütigen Meister, der sich als Knecht der übergroßen Geschichte weiß und mit allen ihm zur Verfügung stehenden Ressourcen nur dem Mythos und seinem Kern dient.
Der Fan wird dabei zum Zentrum der Weiterführung eines unglaublichen Erbes. Ist es nicht seine größte Sehnsucht, die Fäden seiner geliebten Geschichte in seinem Sinne weiter spinnen zu können? J.J. Abrams schenkt dieser Perspektive des Fans, der alles besser weiß, eine Schlüsselrolle in „Star Wars VII“. Überhaupt spielt dieser Film in jeder Ebene mit offenen Karten und umarmt sowohl die Fans als auch die alten Filme mit Respekt und Wärme, um daraus ein neues Drama und ein neues Abenteuer zu kristallisieren. Wer die alten Filme (IV, V, VI) kennt, wird feststellen, dass es J.J. Abrams und seinem Team gelungen ist, neben deren Humor auch deren Elementarteilchen in die Fortsetzung zu überführen. Allein das ist schon eine unglaubliche Leistung.

Neben dem frischen Humor, der vor allem in Han Solo, Chewbacca und den Androiden seinen Ausdruck findet, sind folgende Elementarbausteine der Star Wars-Saga für die szenografisch interessierte Sitzreihe von besonderem Interesse: Die Landschaften und Orte zeigen nicht nur die Vielfalt des Universums, sie sind immer auch seelisches Abbild der aus ihnen kommenden Charaktere. Nehmen wir als dominantes Beispiel die Wüste: Sie ist Ort der Entbehrung, der Sklaverei und Einsamkeit. Erlösung und Untergang des Star Wars-Universums haben hier ihren Ursprung. Luke, sein dunkler Vater und jetzt eine junge Kriegerin beginnen ihre Helden-Reise aus trockenen Einöden heraus. Die Wüste ist ein unwirtliches Refugium, ebenso wie das Moor, in dem Joda lebte und Luke zum Jedi ausbildete oder die Eiswüste, in der sich die Rebellion verschanzte.
In „Star Wars I-III“ sind die Welten grün, voll klarem Wasser und vor allem farbenfroh, da das Böse, in Form des Imperators und seiner Schergen, erst im Entstehen begriffen ist. Wobei dem Aufstieg des Imperiums eine zunehmende Verwahrlosung des Universums folgt: Wir sehen Kulturlandschaften untergehen und der funktionalen Technokratie weichen. In „Star Wars VII“ wird dagegen die Natur als der Ort der Erinnerung an einen Krieg gezeigt, den wir als Zuschauer miterleben durften, der für die neuen Helden, wie auch für die Kinder der Fans, mehr Mythos als Geschichte darstellt. Die romantischen Totalen der Wüste, in der die gigantischen Spuren der vergangenen Schlachten wie mächtige Leiber von Riesen in der Landschaft liegen, erinnern an die Gemälde Caspar David Friedrichs. Die Landschaften sind Erinnerungsträger der Vergangenheit, die Geschichte hat sich in sie geschrieben, ist im wahrsten Sinne des Wortes in diese gestürzt. Die Landschaft ermöglicht aber auch eine Referenz über die Größe eines Helden innerhalb der Geschichte. Und die Architektur kontrastiert den Kampf der Technokratie gegen eine ganzheitliche Symbiose von Natur und Technik: Alte Tempelanlagen in wilder, grüner Natur oder Piratenstädte in der Wüste, die an den Geist der Pioniere, der Hippies und Piraten erinnern sollen, stemmen sich gegen die übermächtigen, militärischen Bauten sowie die Legionen weißer iPod-Soldaten des Imperiums.

Ein weiteres wichtiges Element der alten Filme war die Bewegung der Helden innerhalb der mächtigen Räume des Gegners. Das Rennen durch Gänge und Schächte, das Verstecken innerhalb des feindlichen Raums, gehört zu Star Wars wie das Laserschwert. Die kalte Ingenieurs-Architektur der Funktionsräume des Bösen wird zum finalen Spielplatz der Helden. Hier sehen wir erwachsene Menschen und Außerirdische beim Fangen- und Verstecken-Spielen mit dem Bösen: von Planet zu Planet, von Ort zu Ort, bis in die Vorhöfe des Imperiums, um das Gute im Universum zu retten.

 

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Star Wars: Das Erwachen der Macht

 


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FACTS

Titel:

Star Wars VII: Das Erwachen der Macht

Kinostart:

17.12.2015

Regie:

J.J. Abrams

Drehbuch:

J.J. Abrams, Michael Arndt, Lawrence Kasdan

Szenenbild:

Rick Carter, Darren Gilford

Kamera:

Daniel Mindel

Fotos:

Links: