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Film- & Bühnenarchitektur

Was Ihr wollt

POSTED 30. Januar 2009
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Die Figuren in Shakespeares „Was Ihr wollt“ tragen eine unbändige Energie zur Metamorphose in sich. Sie wollen alle aus ihrer Haut, spiegeln sich im Gegenüber und sehen dort ein Potenzial, das ihnen helfen soll, ihre eigene körperliche und geistige Verfasstheit zu überwinden. Die Bühne zu „Was Ihr wollt“ nimmt diese regressive Transformationsenergie der Figuren auf und entwickelt sie räumlich weiter. Die konkrete Gestalt der Bühne scheint ohne aktives Formwollen entstanden zu sein: Eine seifige, wächserne Masse – überzogen mit einer artifiziellen Schuppenhaut – ist auf die verschiedensten Arten und Weisen im Entstehen begriffen, in einer Art Umwandlungsprozess. Und während sie entsteht bzw. sich umwandelt, auch ausfließt, platzen an anderer Stelle Raumblasen weg und lassen Löcher entstehen. Auf der Vorbühne sind Zellteilungsvorgänge zu erkennen. Es schimmelt da und dort. Saugnäpfe und Ausspuckrohre scheinen den Kontakt zu einem Röhrensystem zu suchen, das von weither kommt. Die Absaugöffnungen verweisen darauf, dass die Existenz auf diesem glitschigen Gebilde eine vorübergehende ist: Schon im nächsten Moment kann für die Protagonisten der Fall ins Loch immerwährende Dunkelheit bedeuten. Die subtraktiven Formen bilden ebenfalls röhrenartige Systeme. So ist diese sichtbare Gestalt der Bühne angebunden an ein weitverzweigtes, unsichtbares Röhrensystem, das dem Ort der Handlung eine bedrohliche Konnotation mitgibt. Auf der Hauptbühne schlängelt sich zudem eine nierenförmige Wellenstruktur. Sie gibt dem Bild vor allem das Indifferente, Seifenartige. Dieses Gebilde in seiner formalen Imperfektheit, lässt sich unablässig weiterdenken, erlaubt gedankliche Mutation und will interpretiert werden. Nachdem es sich aber nicht verändert, bleibt immer dieser Rest, der auch als Motor in den Figuren wirkt. Die Gleichung geht nicht auf, der Antrieb, sie zu lösen, bleibt.

FACTS

Projekt:

William Shakespeare: „Was Ihr wollt“

Gestaltung:

oza _büro für architektur und szenografie, Berlin > www.oza-berlin.de

Standort:

Saarländisches Staatstheater, Saarbrücken > www.saarlaendisches-staatstheater.de

Zeitrahmen:

01.04.2006-21.04.2006

Fotos:

Matthias Karch, Berlin > www.oza-berlin.de