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Ausstellungsgestaltung

Scheiße sagt man nicht!

POSTED 14. August 2017
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Wirklich interessiert sind wohl die wenigsten Besucher öffentlicher Toiletten an den Inhalten, die über die Kabinenwände kommuniziert werden. Und doch sind diese meist anonymen Graffitis ein altes Phänomen, das sich in ähnlicher Form noch in den Ruinen von Pompeji bestaunen lässt. Denn sogar die alten Römer hinterließen bereits Botschaften an Toilettenwänden. So gering oder zwiegespalten die eigene Meinung zu den Sprüchen und Kritzeleien auch sein mag, so sehr forderten die Münsteraner Ausstellungsgestalter DBCO und BOK+Gärtner von März bis Oktober 2016 in einer Sonderschau zur Toiletten- und Hygienekultur im LWL-Freilichtmuseum Detmold nun dazu auf, diese zu lesen: Die Ausstellungsscheune des größten Freilichtmuseums Europas wurde von den jungen Gestaltern als öffentliche Toilette – und damit auch als ein Ort der schriftlich-anonymen Kommunikation inszeniert.

Für diese „Verwandlung“ wurden die Wände der Räume gefliest, mit Graffitis versehen und für eine stilechte Beleuchtung Neonröhren an der Decke installiert. Darüber hinaus waren die Kabinen sowie in die Wände eingelassene Vitrinen mit historischen Exponaten bestückt. Anhand dieser Ausstellungsstücke wurde die historische Entwicklung der Toilette erläutert, wobei die Besucher im Verlauf des Rundgangs in den allgegenwärtigen Kritzeleien Fakten über den kulturellen Umgang mit Fäkalien sowie Informationen rund um die Geschichte der Sauberkeit und Körperpflege erkennen konnten. Fünf Illustratoren schrieben, sprühten und zeichneten vor Ort all diese Inhalte direkt auf die Wände, wodurch nicht nur eine authentische Umgebung entstand, sondern sich eine vielfältige Mischung aus Techniken und Stilen sowie final ein überzeugendes und detailreiches Gesamtkunstwerk ergab. Dabei konnten Interessierte stets „über den Schüsselrand“ hinaus blicken und an Mitmachstationen weitere Informationen rund um Tabuisierung, Hygiene, Reinlichkeitserziehung, Grenzen der persönlichen Autonomie durch Krankheit und Alter sowie intime Vorgänge auf öffentlichen Toiletten erhalten. Im Außenbereich waren schließlich Warnschilder aufgestellt: Mit dem Slogan „Vorsicht, frisch gewischt!“ markierten sie historische Toiletten im Gelände und leiteten die Besucher in die Sonderausstellung mit dem passenden Titel „Scheiße sagt man nicht!“.

FACTS

Projekt:

Scheiße sagt man nicht!, Detmold (DE)

Gestaltung:

BOK+Gärtner, Münster (DE) > www.bokundgaertner.de
DBCO, Münster (DE) > www.dbco.de

Standort:

LWL Freilichtmuseum Detmold, Detmold (DE) > www.lwl.org

Zeitrahmen:

25.03.16 – 30.10.16

Auftraggeber:

LWL Freilichtmuseum Detmold, Detmold (DE) > www.lwl.org

Fotos:

Margarethe Mielentz, Münster (DE) > www.bokundgaertner.de

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