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Brand Design

P & T – PAPER & TEA STORES

POSTED 4 October 2016
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Mit seinem Unternehmen Paper & Tea hat sich Jens de Gruyter seit 2012 der Vermittlung von Tee und Teekultur auf höchstem Niveau verschrieben. Dafür braucht es nicht nur 100% natürliche, sortenreine Teesorten, sondern auch eine entsprechende Umgebung, die Teeliebhaber das Getränk mit allen Sinnen genießen lässt. Dementsprechend war dem Gründer von Anfang an klar, dass sein Produkt anders kommuniziert werden muss als in einem „normalen“ Teeladen. Und so sind in Berlin zwei ruhige Tee-Oasen entstanden, die bewusst mit den Konventionen des gängigen Tee-Verkaufens brechen.

von Janina Poesch

 

„Tee zu servieren, zeugt von Geschmack für das Erlesene, denn Tee macht gesellig und höflich, er ist anregend und bescheiden.“ Jens de Gruyter muss die Worte des englischen Schriftstellers und Literatur-Nobelpreisträgers John Galsworthy im Ohr gehabt haben, als er 2012 entschied, seiner Liebe zum Tee einen neuen Raum zu geben und Paper & Tea zu gründen. Dass er dabei nicht nur eine ganze Welt an Aromen, sondern mittlerweile auch zwei Concept Stores eröffnen konnte, zeigt, dass es damals durchaus richtig war, der wiederbelebten Kaffeekultur ein Pendant entgegenzusetzen. „Tee ist bislang ein unterschätztes Genussmittel, aber genau das ändert sich gerade“, ist sich der ehemalige Kreativ-Direktor einer Fotoagentur sicher und schenkt dem stimulierenden Getränk seine volle Aufmerksamkeit. „Ich war schon immer Teetrinker. Teekultur wurde mir praktisch in die Wiege gelegt: Mein Patenonkel war Teehändler und als meine Familie nach Kanada ausgewandert ist, hat er mir immer ‚Care-Pakete‘ mit hochwertigen Tees geschickt. Auf meinen Reisen nach China, Japan und Taiwan habe ich dann weitere Tees und ihre Traditionen kennengelernt und den Wunsch entwickelt, aus meiner persönlichen Leidenschaft einen Beruf zu machen.“

Und damit trifft er genau ins Schwarze: Aktuelle Trends wie Entschleunigung, Achtsamkeit sowie die Liebe zu edlem Handgefertigtem spielen ihm zudem in die Karten. Und so sind in Berlin zwei Läden entstanden, deren Anmutung edel und minimalistisch wirkt, eher an eine Galerie erinnert sowie bewusst mit dem traditionellen Verkauf über den Ladentisch bricht, bei dem die Kunden auf die Hilfe des Shop-Personals angewiesen sind. Mit diesem neuartigen Konzept, das sich vom sogenannten Apotheker-Modell verabschiedet, setzt de Gruyter vielmehr auf Vermittlung und Dialog, Information und Sinneserfahrung und möchte Tee-Enthusiasten ermutigen, sich frei im Store umzuschauen und die große Auswahl an feinen Tees in Ruhe kennenzulernen. Dabei soll die Art der Produkt-Präsentation bei der Orientierung helfen und gleichzeitig eine spannende Entdeckungsreise durch die Welt des Tees bieten.

Neben den rund 70 Teesorten, die in modern gestalteten Boxen oder Caddies in einem weißen, umlaufenden Wandregal schlicht inszeniert und durch ein Sortiment handverlesener Papierwaren – Grußkarten, Notizbücher und Kalender – ergänzt werden, sind hier ebenfalls feine asiatische Teekannen, Schalen und Tassen zu finden. Alles wirkt wie aus einem Guss. „Die P & T-Erfahrung ist geprägt durch die Art und Weise, wie wir unseren Tee präsentieren und kommunizieren“, beschreibt de Gruyter. „Für die Verpackung unseres Kernprodukts – die ‚Master Blends‘ – wurde sogar eigens ein mehrfarbiges Papier-Design entwickelt. In Motiven und Farben greift es den Charakter der jeweiligen Tee-Mischung auf und erzählt ihre Geschichte. Einige der Zeichnungen und Farbthemen sind naturinspiriert und stehen für den individuellen Tee-Geschmack nach Kräutern und Früchten. Dabei beschreiben geometrische Formen und frische Farben das Trinkerlebnis. Für P & T ist Tee ein vielseitiges und inspirierendes Produkt: Tee ist Mittel zur Kommunikation, Kreativität und Kultur.“

Dies ist auch in der Gestaltung der Läden zu spüren, die gemeinsam mit dem Berliner Produktdesigner Fabian von Ferrari konzeptioniert wurden: Im 2012 eröffneten Concept Store in Berlin-Charlottenburg finden Teeliebhaber dementsprechend auf Präsentationsinseln und in ausziehbaren Schubladen Zeigeschalen mit Teeblättern sowie handliche Informationstafeln zu den einzelnen Sorten – organisiert nach dem Grad ihrer Oxidation: von Weißen Tees über Grüne und Gelbe, Oolongs, Schwarze bis hin zum Puʼerh Tee – eine besondere Spezialität der chinesischen Teekultur. Interessierte können am Tee riechen, seine Herkunft und Produktionsverfahren studieren oder zu einer der sogenannten Tee-Stationen gehen, um sich die gewünschte Sorte sachkundig aufbrühen und von einem „Teaist“ im Gong Fu-Stil servieren zu lassen. So wird Teetrinken zum Erlebnis für alle Sinne.

Das vorherrschende Farbkonzept ist dabei von der chinesischen Fünf-Elemente-Lehre beeinflusst: So wird Schwarz dem Grundelement der Teezubereitung – dem Wasser – zugeordnet, den darin enthaltenen Mineralien dagegen wird die Farbe Weiß zugewiesen. Alle weiteren verwendeten Farben bewegen sich zwischen diesen beiden Gegensätzen und bilden einen ruhigen abstrakten Hintergrund, vor dem die Exponate ihre Wirkung und Aromen entfalten können. Über den kubischen Präsentationsmöbeln hängen zudem leichte Drahtvolumen, in welche die filigrane Beleuchtung integriert ist, die dank ihrer Formensprache an asiatische Lampions erinnert.

Die Präsentationssystematik des ersten Concept Stores wird mit der Gestaltung des zweiten Ladens in Berlin-Mitte konsequent weitergeführt. „Der neue Store passt nach Mitte, er trägt dem Tempo, dem Style und der Persönlichkeit der Bewohner und Besucher absolut Rechnung“, schildert de Gruyter. „Unser Anspruch ist es, sich an dem lokalen Umfeld zu orientieren. Wir möchten vielfältig bleiben – so wie unser Produkt und unsere Marke.“ So bildet das Hauptelement des 2014 eröffneten Ladens eine sieben Meter lange „Wall of Tea“ – ein Tee-Regal, mit dem das Angebot ebenfalls bibliothekarisch nach Oxidationsstufen sowie Herkunftsländern übersichtlich präsentiert werden kann. Auch hier wird jeder Tee individuell mit einem Kurztext vorgestellt, der ebenfalls die Aromanoten beschreibt. Die Beschaffenheit der verschiedenen Teeblätter erkennen die Besucher anhand von Proben, die in kleinen Sichtgläsern präsentiert werden und auch zum Riechen bestimmt sind. Ein eigenes Regal ist zudem dem erweiterten Angebot an „Herbals“ – Kräutern und Kräutermischungen – gewidmet. Und auch hier bestimmen die Farben Schwarz und Weiß mit all ihren Schattierungen die Gestaltung der Oberflächen: Den glatt gespachtelten weißen Wänden stehen Flächen mit grau-grünem Putz aus Sand, Ton und pflanzlicher Stärke, grau lasiertem Eichenholz und Sichtbeton entgegen. Zudem zieren handschriftlich gezogene Neonschriftzüge die Wände, definieren die einzelnen Warengruppen und kennzeichnen mit dem Worten „Brewing Serving Storage Water“ zudem das Angebot an hochwertigen Tee-Accessoires.

Mit Paper & Tea wird somit eine alt-ehrwürdige Kunst des Teezubereitens und -genießens in die aktuelle Zeit transportiert: „Wir schätzen die jahrtausendalte Tradition des Tees als kulturellen Vermittler und Katalysator menschlicher Kommunikation und Kreativität. Mit dieser Geisteshaltung haben wir uns verschrieben, die Rolle des Tees im 21. Jahrhundert zu interpretieren und zu fördern.“ Dies ist Jens de Gruyter durchaus gelungen, und das Konzept von P & T reicht noch weit über das eigentliche Ladengeschäft hinaus: An den Store angeschlossene Räume werden für Tee-Workshops und Events genutzt, und eine mobile Tee-Bar kommt bei öffentlichen Veranstaltungen wie dem Berliner Kunstevent abc art berlin contemporary oder der Modemesse Premium als Teil einer flexiblen Gastronomie zum Einsatz – immer mit Teesorten der höchsten Qualität und stets getreu dem Motto: „Life is short, drink good tea!“

FACTS

Projekt:

P & T – Paper & Tea Stores, Berlin (DE)

Gestaltung:

F/F – Design & Architektur, Berlin (DE) > www.fabianvonferrari.com

Grafik/Verpackung:

SONNENSTAUB – BÜRO FÜR GESTALTUNG UND ILLUSTRATION, Berlin (DE) > www.sonnenstaub.com

Standort:

Bleibtreustr. 4, Berlin (DE) | Alte Schönhauser Str. 50, Berlin (DE) > www.paperandtea.com

Zeitrahmen:

seit Dezember 2012 | seit Oktober 2014

Auftraggeber:

P & T – Paper & Tea GmbH, Berlin (DE) > www.paperandtea.com

Fotos:

Ludger Paffrath, Berlin (DE) > www.ludger-paffrath.de
Steve Herud, Berlin (DE) > www.steveherud.com