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Die App im Museum | Interview mit Antenna International

POSTED 5 April 2012
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Jeden Tag lassen sich tausende Menschen in Museen, archäologischen Stätten und anderen Besucherattraktionen auf der ganzen Welt informieren und inspirieren. Inzwischen finden sich in fast allen großen Besucherattraktionen tragbare digitale Führungssysteme und vielsprachige Multimedia-Produktionen – und immer mehr Apps.

Antenna International ist einer der weltweit führenden Anbieter von Interpretationslösungen wie Audio- oder Multimedia-Führung oder auch Applikationen für Smartphones wie das iPhone. Die Produktionen erwecken Museen, historische Sehenswürdigkeiten und andere kulturelle Einrichtungen zum Leben – mithilfe von Musik, Klangeffekten, Originaltönen oder audiovisuellem Material.
Rosemarie Wirthmüller, Geschäftsführerin der Antenna Audio GmbH in Berlin, startete bereits 1990 ihre Tätigkeit im Bereich Audioführungen. Sie studierte von 1982 bis 1988 Germanistik, Politologie und Theaterwissenschaft an der Freien Universität Berlin, mit Abschluss Magister. Rosemarie Wirthmüller war maßgeblich an der Einführung und Verbreitung von Audioführungen beteiligt sowie an vielen damit verbundenen Innovationen, sei es von analogen zu digitalen Geräten oder von Audio- zu Multimediainhalten.

Frau Wirthmüller, bereits 1990 waren Sie im deutschsprachigen Raum eine Pionierin in Sachen Audio Führungen. Welche Vorteile bieten moderne Museums-Apps heute?
Applikationen bieten Museumsbesuchern Informationen bereits bevor sie das Museum betreten. Dadurch kann man sich optimal vorbereiten, nachbereiten oder einfach bei Gelegenheit über ein bestimmtes Thema oder ein Haus informieren. Apps können durchausunterhaltsam sein, so dass sie einem potentiellen Besucher einen ganz neuenBlick auf eine Thema erlauben. Zusammen mit push-Diensten erlauben Apps Museen, mit Interessierten in Kontakt zu bleiben und so Besucher für neue Themen oder Ausstellungen anzusprechen. Also zusammengefasst: Information, Unterhaltung, Kundenpflege!

Wie lassen sich neue Zielgruppen mit Museums-Apps dazu animieren eine Ausstellung zu besuchen?
Alleine schon der Titel einer App kann eine andere Zielgruppe als die übliche ansprechen. Love Art, eine der ersten Kunst-Apps, die von Antenna und der National Gallery in London veröffentlich wurde, hat mit diesem globalen Titel über 300.000 User angesprochen. In einer App können Inhalte so aufbereitet werden, dass der Nutzer unbedingt mehr sehen möchte. Schließlich stehen einem neben textueller Information auch Bilder und Videos zur Verfügung, man kann Musik als dramaturgischen Effekt einsetzen und so Spannung aufbauen. Die Nieuwe Kerk in Amsterdam, ein Ausstellungshaus ohne feste Sammlung, veröffentlich vor jeder Ausstellung eine App, die den Aufbau und die Entstehung der Ausstellung zeigt. Das erlaubt einen völlig neuen Blick der Besucher auf die Objekte.

Wie verändert sich die Wahrnehmung der Museumsbesucher, wenn sie mithilfe Ihrer Apps durch die Ausstellung gehen – lenkt der Einsatz von mobiler Technik in Museen nicht von den Exponaten ab?
Nicht jede App ist für den Gebrauch im Museum geeignet. Wie gesagt, eine App kann auch reine Information enthalten oder ein Teaser sein, der Lust macht, mehr vor Ort zu sehen. Wenn die App zum Einsatz vor Ort genutzt werden soll, dann auf jeden Fall mit einem sehr behutsamen Einsatz von Medien. Nur wenn es einen Erkenntnisgewinn gibt, sollte Film- oder Bildmaterial eingesetzt werden. Ansonsten steht die Konzentration auf das Original im Vordergrund. Um eine App vor Ort zu nutzen, sollte der Zugang zu objektbezogenen Informationen so einfach wie möglich sein, zum Beispiel mithilfe eines Interface, das eine Tastaturabbildet, so dass es eine Nummerierung der Objekte vor Ort geben kann.

Die Apps von Antenna International finden Einsatz in den weltweit größten Museen, wie dem Louvre oder dem Metropolitan Museum in New York – was ist bei der Entwicklung von Apps – für solch renommierte Häuser – zu beachten? Sind deren User besonders kritisch?

Nicht nur die User sind besonders kritisch, sondern vor allem die Häuser selbst! Selbstverständlich besteht bei den führenden Museen der Anspruch, nur hoch qualitatives Material zu veröffentlichen. Gleichzeitig ist die Zielgruppe bei großen Museen aber auch besonders breit, so dass es vielfältige Möglichkeiten gibt, auf die Nutzer zuzugehen.

Wagen wir einen Blick in die Zukunft. Wohin geht die technische Entwicklung von museumspädagogischen Applikationen und unterstützenden Geräten?

Wir haben mit verschiedenen Umfragen, die wir international bei Museumsbesucher durchgeführt haben, verschiedene Trends ausgemacht. Einmal nimmt die Erwartung hinsichtlich mobiler Medien sehr stark zu. Daher gibt es eine größere Nachfrage nach Applikationen. Gleichzeitig sind die kommenden Museumsbesucher den Einsatz von Multimedia gewöhnt und erwarten daher entsprechende Medien im Museum. Wir können den Umfragen aber auch entnehmen, dass  Neigung zum Einsatz eigener Geräte gering ist. Die Museen müssen sich also noch auf absehbare Zeit darauf einstellen, dass vor Ort professionelle Player vorrätig sein müssen, ergänzt durch hochwertige mobile Inhalte.

Vielen Dank für das Interview!

Das Interview entstand mit freundlicher Unsterstützung von mobile360.de im Rahmen der MobileTech Conference 2012 in München.

FACTS

Manufacturer:

Antenna International, Berlin (DE) > www.antennainternational.com

Photos:

Antenna International, Berlin (DE) > www.antennainternational.com