{"id":6270,"date":"2012-01-02T16:05:09","date_gmt":"2012-01-02T14:05:09","guid":{"rendered":"http:\/\/www.plotmag.com\/blog\/?p=6270"},"modified":"2017-08-16T10:36:17","modified_gmt":"2017-08-16T08:36:17","slug":"ausstellung-cloud-cities-tomas-saraceno-berlin-hamburger-bahnhof","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/2012\/01\/ausstellung-cloud-cities-tomas-saraceno-berlin-hamburger-bahnhof\/","title":{"rendered":"Cloud Cities"},"content":{"rendered":"<p><strong>In der Arbeit des argentinischen K\u00fcnstlers Saraceno sind die mit Seilen verkn\u00fcpften \u201eRaumkapseln\u201c ein wiederkehrendes Motiv. Dabei handelt es sich um an Seifenblasen erinnernde ballon\u00e4hnliche Gebilde \u2013 die zur Zeit im Hamburger Bahnhof, Berlin \u2013 zwischen Boden und Decke eingespannt sind.<\/strong><\/p>\n<p><em>von Sebastian Scheller<\/em><\/p>\n<p>Manche der im Hamburger Bahnhog gespannten, zum Teil raumhohen Kugeln enthalten kleinere aus Seilen und Schn\u00fcren gespannte Blasen, manche sind von Pflanzen besiedelt und zwei der Kapseln k\u00f6nnen von den Besuchern sogar betreten werden: Eine Treppe f\u00fchrt jeweils ins Innere eines Ballons. Vorsichtig kann auf einer durch Luftdruck gespannten transparenten Folie umher gekrabbelt \u2013 oder besser gesagt \u201egerobbt\u201c \u2013 und auf die Besucher, die sich am Boden des gro\u00dfen Ballons bewegen, herabgeschaut werden. Der mit Spiegelfolie ausgelegte Boden verdoppelt die H\u00f6he und erzeugt ein erhebendes Gef\u00fchl der Schwerelosigkeit, das sich mit der m\u00f6glichen Angst eines Absturzes aus der fragilen Konstruktion vermischt. Durch Saracenos Methodik wird ganz bewusst die emotionale Gleichzeitigkeit und Ambivalenz der Gef\u00fchle provoziert: Wechselnde Perspektiven, Gleichzeitig- und Widerspr\u00fcchlichkeiten sind Teil des Konzepts.<\/p>\n<p>In manchen der Kapseln, h\u00e4ngen \u2013 schwebend wie Artefakte \u2013 Pflanzen. Ihre Pr\u00e4sentation suggeriert eine Unabh\u00e4ngigkeit, die tats\u00e4chlich nicht gegeben ist. Um \u00dcberleben zu k\u00f6nnen, m\u00fcssen sie \u00fcber eine aufwendige Verkabelung von au\u00dfen bew\u00e4ssert werden. Wert und Verletzlichkeit des Mikrobiotops kommen so gleichzeitig zum Ausdruck: Damit (pflanzliches) Leben in einer artfremden Umgebung existieren kann, bedarf es eines gro\u00dfen Aufwands und externer F\u00fcrsorge zum Erhalt der notwendigen Lebensbedingungen. Die Einbindung der einzelnen Raumkapseln in eine Art Spinnennetz verweist dabei auf die Komplexit\u00e4t und die gegenseitigen Abh\u00e4ngigkeiten innerhalb eines Gesamtsystems.<\/p>\n<p>Der Besucher der Installation kann verschiedene Positionen in, auf, vor, unter und zwischen den Raumkapseln einnehmen. Durch den st\u00e4ndig wechselnden Standpunkt entsteht zwischen den Besuchern und den Ballons eine Art der Kommunikation, welche die Installation belebt. So verbinden sich die einzelnen Kapseln zu einer \u00fcbergeordneten Struktur und die Rolle des Besuchers wandelt sich von der eines Beobachters zu der eines Teilnehmers des Raumexperiments.<\/p>\n<p>F\u00fcr den Entwurf seiner Utopie einer alternativen Lebensform f\u00fchrt Tom\u00e1s Saraceno verschiedene Teilbereiche aus Kunst, Architektur und Naturwissenschaften zu etwas Neuem zusammen. Angesicht einer immer weiter voranschreitenden Umweltzerst\u00f6rung nimmt der Druck zur Erforschung und Gestaltung solcher Utopien immer st\u00e4rker zu. Die zu bew\u00e4ltigenden Probleme sind dabei so gro\u00df, dass sie nicht von einer Disziplin allein bew\u00e4ltigt werden k\u00f6nnen sondern ein gemeinsames, interdisziplin\u00e4res Vorgehen n\u00f6tig machen. Die Grundlage der Zusammenarbeit ist dabei die Kommunikation die durch Cloud Cities angeregt wird. Sie bietet dem Besucher sensorische, emotionale und rationale Ankn\u00fcpfungspunkte, der er intuitiv begreift und zur spielerischen Imagination eigener Utopien jenseits architektonischer und technischer Zw\u00e4nge nutzen kann. Dass Utopien ebenso scheitern wie eine gro\u00dfe suggestive Kraft zur Ver\u00e4nderung der Zust\u00e4nde erreichen k\u00f6nnen, diese Erkenntnis wird beim Besuch der \u201eCloud Cities\u201c schnell erlangt: Zwischen Hoffnung und Apokalypse ist alles m\u00f6glich.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der Arbeit des argentinischen K\u00fcnstlers Saraceno sind die mit Seilen verkn\u00fcpften \u201eRaumkapseln\u201c ein wiederkehrendes Motiv. 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