{"id":6239,"date":"2012-01-13T12:18:22","date_gmt":"2012-01-13T10:18:22","guid":{"rendered":"http:\/\/www.plotmag.com\/blog\/?p=6239"},"modified":"2016-09-18T00:58:53","modified_gmt":"2016-09-17T22:58:53","slug":"ausstellung-kleist-krise-und-experiment-berlin-iglhautvon-grote","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/2012\/01\/ausstellung-kleist-krise-und-experiment-berlin-iglhautvon-grote\/","title":{"rendered":"Kleist: Krise und Experiment"},"content":{"rendered":"<p>Bernd Heinrich Wilhelm von Kleist (1777-1811) ist heute vor allem durch seine Novellen \u201eMichael Kohlhaas\u201c und \u201eDie Marquise von O\u2026\u201c in der deutschen Literaturlandschaft verwurzelt und immer noch popul\u00e4r. So mag es den ein oder anderen verwundern, wenn er sich dem Spross einer pommerschen Uradelsfamilie abseits literarischer Werke von einer anderen Seite her n\u00e4hert und dabei entdeckt, dass Kleist als Projektmacher, Erfinder und Ideengeber seine Zeit und Umwelt ebenso oder sogar noch mehr gepr\u00e4gt hat. Er \u00fcberraschte Zeitgenossen durch Experimente und zukunftsweisende Ideen, um in ihnen ebenfalls einen wachen Geist zu wecken wie er ihn in sich selbst zeitlebens f\u00fchlte. Zu seinen Einf\u00e4llen geh\u00f6rten U-Boot-Entw\u00fcrfe, p\u00e4dagogische Schulkonzepte oder aber Reformen f\u00fcr das preu\u00dfische Milit\u00e4r. Trotz seiner adligen Abstammung war es Kleist nie verg\u00f6nnt, den eigenen Alltag in finanziell stabilen Verh\u00e4ltnissen zu durchleben. Vielmehr entstand in ihm eine Art Rastlosigkeit, die sich in st\u00e4ndig wechselnden Berufen, Funktionen und Lebensentw\u00fcrfen manifestierte.<\/p>\n<p>Anl\u00e4sslich seines 200. Todesjahrs besch\u00e4ftigt sich seit Mai 2011 eine Doppelausstellung im Berliner Ephraim-Palais und im Kleist-Museum in Frankfurt an der Oder mit dem Multitalent. Ausgew\u00e4hlt wurden beide St\u00e4dte wegen ihrer Bedeutung im Leben des Dramatikers. Frankfurt als Geburtsstadt und Berlin als der Ort seines fr\u00fchen Selbstmords.<\/p>\n<p>So unterschiedlich beide St\u00e4dte in ihrer Bedeutung f\u00fcr das Leben des Schriftstellers waren, sind auch die jeweiligen Ausstellungen gestaltet: Das Kleist-Museum in Frankfurt an der Oder stellt die k\u00f6rperlichen und sozialen Identit\u00e4ten in den Mittelpunkt, w\u00e4hrend der Berliner Teil drei so genannte Katastrophenr\u00e4ume als Grundger\u00fcst \u00f6ffnet, in denen emotionale Aspekte aus Kleists Leben dargestellt werden. Dazu geh\u00f6ren sein Dasein als Kindersoldat im Garderegiment zu Potsdam, der Niedergang des preu\u00dfischen Staates um ihn herum sowie der Selbstmord am heutigen Kleinen Wannsee in Berlin.<\/p>\n<p>Konzeption und Gestaltung beider Ausstellungen orientieren sich an der Lebenswelt Heinrich Kleists. Dazu hat die Berliner Agentur Iglhaut + von Grote besonderes Augenmerk auf die Emotionalit\u00e4t gelegt sowie die Zerrissenheit und Leidenschaftlichkeit in der Welt des Schriftstellers thematisiert. Zu deren Illustration finden sich neben b\u00fchnenbildartigen Arrangements, akustische Installationen, k\u00fcnstlerische Arbeiten sowie Originalexponate und Handschriften Kleists. Neben seinen eigenen Werken werden auch Exponate von Zeitgenossen und Freunden gezeigt wie beispielsweise Johann Wolfgang von Goethes B\u00fchnenbildentwurf zur Urauff\u00fchrung des Kleistschen Lustst\u00fccks \u201eDer zerbrochne Krug\u201c am 2. M\u00e4rz 1808 in Weimar.<\/p>\n<p>An beiden Standorten wird bewusst darauf verzichtet, dem Besucher eine Sichtweise auf Kleist und dessen Leben vorzugeben. Vielmehr sind die starken Bild- und Klangwelten der Ausstellungen eine Einladung zu Interpretationen und Assoziationen an den Betrachter. \u00dcber diesen r\u00e4umlichen und semantischen Freiraum n\u00e4hert man sich dem Dichter \u00fcber scheinbare Widerspr\u00fcche und R\u00e4tsel. Die Ausstellung will eine Entdeckungsreise sein, zu deren Ende hin im besten Fall Heinrich von Kleist in seiner vollen Komplexit\u00e4t und Ambivalenz vermittelt wurde.<\/p>\n<p>Die Ausstellung l\u00e4uft in Berlin und Frankfurt an der Oder noch bis zum 29. Januar 2012.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bernd Heinrich Wilhelm von Kleist (1777-1811) ist heute vor allem durch seine Novellen \u201eMichael Kohlhaas\u201c und \u201eDie Marquise von O\u2026\u201c in der deutschen Literaturlandschaft [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[4],"tags":[35,548,549],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6239"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=6239"}],"version-history":[{"count":18,"href":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6239\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":28250,"href":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6239\/revisions\/28250"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=6239"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=6239"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=6239"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}