{"id":5608,"date":"2011-10-19T16:31:08","date_gmt":"2011-10-19T14:31:08","guid":{"rendered":"http:\/\/www.plotmag.com\/blog\/?p=5608"},"modified":"2016-09-08T10:49:54","modified_gmt":"2016-09-08T08:49:54","slug":"parlamentarium","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/2011\/10\/parlamentarium\/","title":{"rendered":"PARLAMENTARIUM"},"content":{"rendered":"<p><strong>Im Oktober 2011 er\u00f6ffnete Jerzy Buzek, Pr\u00e4sident des Europ\u00e4ischen Parlaments, nach vier Jahren Planungs- und Bauzeit das Besucherzentrum des Europ\u00e4ischen Parlaments in Br\u00fcssel. Gestaltet vom Stuttgarter ATELIER BR\u00dcCKNER ist das PARLAMENTARIUM mit knapp 3.000 Quadratmetern Fl\u00e4che das gr\u00f6\u00dfte Besucherzentrum eines Parlaments in Europa \u2013 und auch das \u201esprachbegabteste\u201c: Die multimediale Ausstellung kann in allen 23 Amtssprachen Europas nachvollzogen werden. Das klingt nach babylonischen Verh\u00e4ltnissen \u2013 deswegen hat sich PLOT das Besucherzentrum selbst angeschaut \u2026<\/strong><\/p>\n<p><em>von Janina Poesch<\/em><\/p>\n<p>Lost in Translation: Der Pr\u00e4sident des Europ\u00e4ischen Parlaments stammt aus Polen, die Vize-Pr\u00e4sidenten haben italienische, griechische, spanische oder deutsche Wurzeln und im Abgeordnetenhaus sind 736 Mitglieder aus 27 verschiedenen Staaten vertreten. Kein Wunder, dass es hier ab und an zu babylonischen Sprachverwirrungen kommen kann\u2026 Aber das Europ\u00e4ische Parlament w\u00e4re nicht das Europ\u00e4ische Parlament, wenn es nicht auch dieses \u201eeurop\u00e4ische Problem\u201c regeln w\u00fcrde \u2013 schlie\u00dflich haben die Abgeordneten schon ganz andere H\u00fcrden genommen: die EU-Richtlinien \u00fcber Lichtprodukte zum Beispiel. Und damit im Br\u00fcsseler Europa-Viertel nun niemand mehr im Dunkeln tappen muss, hat sich die Institution zum Ziel gesetzt, mit ihrem neuen Besucherzentrum \u2013 dem PARLAMENTARIUM \u2013 den 500 Millionen EU-B\u00fcrgern einen klar definierten, weltoffenen und lebhaften Ort zu bieten. Er soll die europ\u00e4ische Politik transparent machen, Distanzen abbauen und seine Besucher ermuntern, sich bei politischen Fragestellungen einzubringen. Die gelebte Sprachenvielfalt ist dabei nicht nur ein Bekenntnis zu einer vielf\u00e4ltigen und multikulturellen Europ\u00e4ischen Union, die \u201ein Vielfalt geeint\u201c ist, sie ist auch Konzept der Ausstellungsgestaltung, die in allen 23 EU-Amtssprachen erlebt werden kann. Das macht die Schau \u2013 konzipiert und gestaltet vom Stuttgarter <a title=\"Atelier Br\u00fcckner auf PLOTMAG.com\" href=\"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/?s=atelier+br%C3%BCckner\">Atelier Br\u00fcckner<\/a> \u2013 nicht nur weltweit einzigartig, sondern vor allem komplex in der Realisation: S\u00e4mtliche Inhalte und Medien sind in 23 Sprachen aufbereitet, zudem stehen F\u00fchrungssysteme in Geb\u00e4rdensprache, audiodeskriptive Angebote und spezielle Informationsm\u00f6glichkeiten f\u00fcr Kinder zur Verf\u00fcgung \u2013 zusammengefasst in einem tragbaren Multimedia-Guide mit Touch-Screen, der das babylonische Sprachgewirr mittels RFID-Technik entzerren soll. Mit seiner Hilfe wird der Besucher durch die etwa 3.000 Quadratmeter gro\u00dfe Ausstellung gef\u00fchrt und \u00fcber die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Parlaments und der Europ\u00e4ischen Union informiert.<\/p>\n<p>\u00dcber drei Etagen entfaltet sich dabei ein abwechslungsreicher Parcours, der den Inhalten der Ausstellung dreidimensionalen Ausdruck verleiht: So f\u00fchrt beispielsweise ein Zeittunnel mit 150 symbolhaften Bildern der Schl\u00fcsselereignisse durch die Integrationsgeschichte Europas. Dieser m\u00fcndet \u00fcber eine Treppe in dem Bereich \u201eToday and Tomorrow\u201c, der die Arbeits- und Anschauungsweise s\u00e4mtlicher Parlamentarier \u00fcber interaktive Installationen und Video-Botschaften verdeutlicht. In einem stilisierten Plenarsaal finden sich die Besucher wiederrum inmitten einer \u00fcbergro\u00dfen digitalen 360-Grad-Projektion, die sie hautnah miterleben l\u00e4sst, wie im Europ\u00e4ischen Parlament Entscheidungen getroffen werden. Hier k\u00f6nnen sie die Abgeordneten in Aktion erleben sowie Debatten oder Abstimmungen mitverfolgen und werden dementsprechend durch das Gesetzgebungsverfahren gef\u00fchrt. Herzst\u00fcck der Ausstellung ist allerdings der Raum \u201eUnited in Diversity\u201c, in welchem sich die Besucher auf eine virtuelle Reise durch Europa begeben k\u00f6nnen \u2013 dank einer 210 Quadratmeter gro\u00dfen Bodenkarte, die ein Europa ohne Grenzen zeigt und mehr als 90 interaktive Punkte enth\u00e4lt. Jene k\u00f6nnen mit den so genannten \u201eGround-of-Stories-Scanner\u201c angefahren werden, die einen multimedialen Rundgang durch Europa erm\u00f6glichen und weiterf\u00fchrende Informationen zu verschiedenen europ\u00e4ischen Institutionen oder ausschlaggebenden Ereignissen offenbaren. Auch wenn sich hier Europa geeint pr\u00e4sentiert, spiegelt die dar\u00fcber schwebende Lichtinstallation \u201eSky of Opinions\u201c hingegen die durchaus unterschiedlichen Auffassungen der Europ\u00e4er hinsichtlich mancher sozialer, kultureller, \u00f6konomischer und auch gesellschaftlicher Fragestellungen wider. Die unterschiedlichen Meinungen und Antworten der Befragten lassen sich dabei anhand der farbig differenziert leuchtenden LED-Kugeln \u2013 13.000 an der Zahl \u2013 dieser dreidimensionalen Europa-Karte ablesen. Das PARLAMENTARIUM vermittelt das Motto der Europ\u00e4ischen Union \u201eIn Vielfalt geeint\u201c aber nicht nur auf anschauliche, sondern auch auf emotionale Weise. So k\u00f6nnen die Besucher im Abschnitt \u201eEurope in Daily Life\u201c anhand von 54 verschiedenen Filmbeitr\u00e4gen das Leben und Wirken von 54 Europ\u00e4ern kennenlernen und deren Unterschiede und Gemeinsamkeiten ausmachen. Um all diese Inhalte zu produzieren, schickte die Hamburger Produktionsfirma Markenfilm Crossing zwei Filmteams f\u00fcr ein halbes Jahr quer durch die 27 Mitgliedstaaten der EU. Die Teams lieferten dabei nicht nur Landschaftsaufnahmen, sondern interviewten auch deren B\u00fcrger und so erz\u00e4hlt eine deutsche Pilotin genauso aus ihrem Leben wie ein Restaurator aus Venedig. Um zu guter Letzt den europ\u00e4ischen Gemeinschaftssinn und die Identifikation eines jeden einzelnen B\u00fcrgers zu st\u00e4rken, k\u00f6nnen die Besucher im Bereich \u201eWishes for the Future\u201c ihre W\u00fcnsche f\u00fcr Europa definieren \u2013 egal ob es sich dabei um Frieden, Gleichberechtigung oder gar die Weltherrschaft handelt.<\/p>\n<p>Das PARLAMENTARIUM soll seine Besucher aber nicht nur f\u00fcr Europa begeistern, es ist vor allem auch eine Bildungseinrichtung, in der auf spielerische Weise parlamentarische Prozesse vermittelt werden. So wird die Ausstellung durch ein mehrstufiges \u201eRole Play Game\u201c f\u00fcr Schulklassen ab der Sekundarstufe erg\u00e4nzt: Sch\u00fcler zwischen 14 und 16 Jahren k\u00f6nnen \u2013 nat\u00fcrlich in allen Landessprachen \u2013 in die Rolle eines Parlamentariers schl\u00fcpfen und somit die wichtigsten Schritte zur Verabschiedung eines europ\u00e4ischen Gesetzes kennenlernen. In entsprechender Umgebung sollen sie ihre Mitstreiter \u00fcberzeugen und Allianzen schmieden, eigene Ideen im politischen Diskurs verteidigen, politische Verhandlungen mit anderen EU-Institutionen f\u00fchren und ihre Entscheidungen den Medien kommunizieren. Die Sch\u00fcler lernen so spielerisch die Kunst des Kompromisses, die f\u00fcr einen Erfolg in der Europapolitik unerl\u00e4sslich ist und so manchem Erwachsenen sicherlich nicht schaden w\u00fcrde.<\/p>\n<p>So setzen die Gestalter des PARLAMENTARIUMS also auf eine enorme Bandbreite an multimedialen Schnittstellen und interaktiven Angeboten, um Besucher jeder Altersklasse einen einzigartigen Einblick in die Arbeit und das Wesen des Europ\u00e4ischen Parlaments und der Europ\u00e4ischen Union zu bieten. Nicht zuletzt aus dem Grund, dass kaum Exponate im klassischen Sinne zur Verf\u00fcgung standen und die Inhalte selbst generiert werden mussten. 21 Millionen Euro hat sich dies das EU-Parlament kosten lassen \u2013 ein stolzer Betrag, wenn man ohnehin Kritiker des europ\u00e4ischen Systems ist, Peanuts allerdings wenn man an die hohe Staatsverschuldung im Euro-Raum denkt und trotzdem an den Grundgedanken der Europ\u00e4ischen Union zu glauben wagt\u2026<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Oktober 2011 er\u00f6ffnete Jerzy Buzek, Pr\u00e4sident des Europ\u00e4ischen Parlaments, nach vier Jahren Planungs- und Bauzeit das Besucherzentrum des Europ\u00e4ischen Parlaments in Br\u00fcssel. 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