{"id":4663,"date":"2011-05-05T12:40:39","date_gmt":"2011-05-05T10:40:39","guid":{"rendered":"http:\/\/www.plotmag.com\/blog\/?p=4663"},"modified":"2017-07-06T11:59:54","modified_gmt":"2017-07-06T09:59:54","slug":"interview-carsten-dempewolf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/2011\/05\/interview-carsten-dempewolf\/","title":{"rendered":"Carsten Dempewolf \u00fcber Ausstellungen f\u00fcr Kinder"},"content":{"rendered":"<p><strong>Herr Dempewolf, als Sie 1994 die Gruppe f\u00fcr Gestaltung (GfG) mitbegr\u00fcndeten, waren Sie 21 Jahre jung. Wie kam es zu diesem Zusammenschluss und was waren Ihre Ziele?<br \/>\n<\/strong><br \/>\nIch war noch jung und die Ziele entsprechend offen. Ich hatte wohl einen gro\u00dfen Drang, etwas aus eigener Kraft zu schaffen und zu gestalten. Nach meiner Ausbildung zum Mechaniker und meinem Fachabitur f\u00fcr Bildhauerei war die GfG damals auch nur ein Teil meines Lebens &#8211; neben zahlreichen Praktika in verschiedenen Handwerksberufen und einem beginnenden Architekturstudium.<br \/>\nHanke Homburg, Stephan Kappen, Thomas Kleiner, Christian Padeffke und Bj\u00f6rn Voigt habe ich dann im Dunstkreis der Hochschule f\u00fcr K\u00fcnste in Bremen getroffen, an der ich mich, auch ohne dort zu studieren, viel aufgehalten habe. Mich begeisterte damals die M\u00f6glichkeit, von meinen Partnern zu lernen, deren Gestaltungsf\u00e4cher besser zu verstehen und gemeinsam Projekte anzugehen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Die GfG gilt heute als eine Art Schweizer Taschenmesser unter den Gestaltern: Von Print- \u00fcber Web- bis hin zum Ausstellungsdesign reichen Ihre Kompetenzen. Worin sehen Sie darin Ihre Vorteile gegen\u00fcber Agenturen, die sich ausschlie\u00dflich mit Szenografie besch\u00e4ftigen?<br \/>\n<\/strong><br \/>\nWir sind sechs Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer &#8211; daher vielleicht eher sechs einfache Taschenmesser, die gut miteinander arbeiten k\u00f6nnen. Mein Anliegen ist die inhaltliche Gestaltung von R\u00e4umen und ich stehe dabei \u00fcbergreifend f\u00fcr den roten Faden des Gestaltungskonzepts und fachlich f\u00fcr die Ausstellungs- und Innenarchitektur. Dabei braucht es auch immer das Zusammenwirken von Grafikern, Multimediagestaltern, Produktionern und Innenarchitekten, um am Ende zu einem schl\u00fcssigen und funktionierenden Ergebnis zu kommen. Dabei finde ich den Input anderer Sicht- und Denkweisen f\u00fcr meine eigene Arbeit sehr bereichernd.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Die <a class=\"underLink\" href=\"http:\/\/www.plotmag.com\/blog\/2011\/04\/experimenta\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">experimenta<\/a> in Heilbronn ist nicht das erste Science Center, das von Ihrem Team geplant wurde. So entwickelte die GfG \u00fcber vier Jahre hinweg verschiedene Ausstellungseinheiten f\u00fcr das Deutsche Technikmuseum in Berlin. Inwiefern war die <a class=\"underLink\" href=\"http:\/\/www.plotmag.com\/blog\/2011\/04\/experimenta\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">experimenta<\/a> nun etwas Besonderes?<em>\u00a0<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Das Deutsche Technikmuseum in Berlin ist als Museum stark an das Sammeln, Bewahren und Ausstellen gebunden &#8211; ein Science Center wie die <a class=\"underLink\" href=\"http:\/\/www.plotmag.com\/blog\/2011\/04\/experimenta\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">experimenta<\/a> verschreibt sich komplett der interaktiven Wissensvermittlung: Hier tritt an die Stelle des Bewahrens und Sch\u00fctzens die Einladung, etwas anzufassen und auszuprobieren. Die im Museum gegebene, auratische Wirkung eines Originals wird in einem Science Center durch inhaltliche Szenografie sowie einladende und aktivierende Exponate ersetzt.<br \/>\nObwohl beide Aufgaben mir Spa\u00df machen und ich mich \u00fcber die aktuelle Entwicklung freue, in denen museale mit k\u00fcnstlerischen und interaktiven Aspekten zu vielschichtigen Erlebnissen werden, ist es f\u00fcr mich trotzdem wichtig, Profil zu wahren und ein Museum nicht komplett interaktiv gestalten zu wollen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Gibt es eigentlich Unterschiede, wenn man eine Ausstellung speziell f\u00fcr Kinder plant? Zum Beispiel besondere Materialien oder eine andere Besucherf\u00fchrung?<br \/>\n<\/strong><br \/>\nBez\u00fcglich der Materialien gibt es keine Besonderheiten f\u00fcr Kinder, doch wegen des interaktiven Charakters eines Science Centers, wie der <a class=\"underLink\" href=\"http:\/\/www.plotmag.com\/blog\/2011\/04\/experimenta\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">experimenta<\/a>, sind hohe Anforderungen an Sicherheit und Robustheit zu gew\u00e4hrleisten. Die Grenzen zwischen dem Exponat und dem Raum vermischen sich, so dass alles zur Interaktion einl\u00e4dt. Da eine Ausstellung nur aus abgerundetem Edelstahl jedoch keinen Besucher gl\u00fccklich macht und das Ausstellungserlebnis stark einschr\u00e4nkt, bleibt es jedes Mal ein Experimentierfeld. Gestaltet man zu robust und sicherheitsbedacht l\u00e4uft man Gefahr zu provozieren, wobei die eher \u00e4sthetisch \u00fcberzeugenden Objekte intuitiv vorsichtiger behandelt werden. Trotzdem muss man die Lust der Besucher an Bewegung und Entdeckungen in der Planung ber\u00fccksichtigen und sich \u00fcber jede, auch nicht sichtbare, Nische Gedanken machen. Uns interessieren bei unserer Arbeit besonders \u201eechte\u201c Materialien und Texturen. Oberfl\u00e4chen, die rau, kalt, warm oder wellig sind, sind sinnliche Erlebnisse, die zur Interaktion einladen und zudem die Atmosph\u00e4re generell entspannen.<br \/>\nDie Besucherf\u00fchrung l\u00e4sst sich generell nicht ausschlie\u00dflich entlang eines vorgegebenen Erz\u00e4hlstrangs lenken, daher ist unser Ziel zwar eine inhaltliche Richtung vorzugeben, dabei aber viele Wege zu erm\u00f6glichen, um den Besucher frei und entsprechend seiner Interessen und Bed\u00fcrfnisse die Ausstellung erleben zu lassen. \u00c4hnlich verh\u00e4lt es sich auch bei der Strukturierung der Inhalte. Auch hier versuchen wir, durch verschiedene Ebenen und deren Verdichtung in die Tiefe, verschiedenen Interessen entgegenzukommen und keinen \u201eZwang\u201d auszu\u00fcben. Die inhaltliche Kette beginnt beim Raum, verdichtet sich zum beinahe selbst erkl\u00e4rend gestalteten Exponat und setzt sich in vertiefenden Texten und Bildern bis hin zum Multimediaarchiv fort.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Haben Sie denn bei der <a class=\"underLink\" href=\"http:\/\/www.plotmag.com\/blog\/2011\/04\/experimenta\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">experimenta<\/a> in Heilbronn mit P\u00e4dagogen zusammengearbeitet?<br \/>\n<\/strong><br \/>\nWir haben im Auftrag und mit der Petri und Tiemann GmbH zusammengearbeitet, die neben der Projektsteuerung auch die inhaltliche Konzeption und das p\u00e4dagogische Konzept verantwortete. Zudem gab es eine Expertenkommission, die Fachwissen \u00fcber ortsbezogene Spezialgebiete beisteuerte und sich um die Vernetzung ins regionale Bildungssystem k\u00fcmmerte. Zus\u00e4tzlich zu den p\u00e4dagogischen Programmen kommt der Ausbildung und Schulung von Scouts (Gruppenf\u00fchrer durch die Ausstellung) im laufenden Betrieb eine hohe Bedeutung zu.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Das Thema \u201eTalentsuche\u201c gilt als roter Faden der Ausstellung. Mit welchen Mitteln versuchen Sie, die Kinder neugierig auf ihr jeweiliges Talent zu machen und wie werden diese dann gefordert?<em><br \/>\n<\/em><\/strong><br \/>\nDie Talentsuche wird dem Besucher im Einf\u00fchrungskino erkl\u00e4rt und kann freiwillig als Erg\u00e4nzung zur eigentlichen Ausstellung wahrgenommen werden. Eingef\u00fcgt in die \u00fcbergeordneten Themen der Ausstellung werden hier \u00fcber interaktive und mediale Exponate die besonderen Talente der Besucher herausgestellt. Fragen wie \u201eBist du musikalisch?\u201c, \u201eSchreibst du gerne Geschichten?\u201c oder \u201eSpielst du gerne im Team?\u201c werden so \u00fcber F\u00e4higkeit und Interessen beantwortet. Am Ende steht dann eine Auswertung, in welcher der Besucher sein besonderes Talent erkennen kann. In den folgenden Talentschmieden kann er sich im Texten, Konstruieren und Programmieren von Robotern oder im Arbeiten in einem Musikstudio ausprobieren.<\/p>\n<p><strong><br \/>\nVielen Dank f\u00fcr diese interessanten Einblicke in Ihre Arbeit und dass Sie sich f\u00fcr uns Zeit genommen haben.<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Herr Dempewolf, als Sie 1994 die Gruppe f\u00fcr Gestaltung (GfG) mitbegr\u00fcndeten, waren Sie 21 Jahre jung. 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