{"id":46617,"date":"2020-10-28T16:25:39","date_gmt":"2020-10-28T15:25:39","guid":{"rendered":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/?p=46617"},"modified":"2020-11-06T17:43:49","modified_gmt":"2020-11-06T16:43:49","slug":"where-i-belong-heimtextil-2020-frankfurt-am-main","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/2020\/10\/where-i-belong-heimtextil-2020-frankfurt-am-main\/","title":{"rendered":"WHERE I BELONG | HEIMTEXTIL 2020, FRANKFURT AM MAIN"},"content":{"rendered":"<p><em>\u201e<\/em><em>Die einzige M\u00f6glichkeit, dem Klimawandel zu begegnen, besteht darin, die Wegwerfkultur zu \u00e4ndern, den Verbrauch zu reduzieren und Produkte mit l\u00e4ngerer Lebensdauer herzustellen. Dasselbe gilt f\u00fcr das Messedesign.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Anne Marie Commandeur, Gr\u00fcnderin des stijlinstituut amsterdam<\/p>\n<p>Wie k\u00f6nnen wir Rauminszenierungen und insbesondere das Messewesen \u2013 eine Branche, die einer maximalen Schnelllebigkeit und Verwertungslogik unterliegt \u2013 nachhaltig denken und zugleich den \u00f6kologischen Fu\u00dfabdruck im Gestaltungsprozess minimieren? Das stijlinstituut amsterdam lieferte auf diese Fragen w\u00e4hrend der Heimtextil 2020 eine beeindruckende szenografische Antwort. So entwickelten die Kreativschaffenden aus den Niederlanden eine vielschichtige Inszenierung, die \u2013 manchmal grell und befremdlich, manchmal humorvoll und vertr\u00e4umt \u2013 eher an einen turbulenten Freizeitpark erinnerte als an einen herk\u00f6mmlichen Messestand. Dabei schien \u201eVielschichtigkeit\u201c das Gebot der Stunde zu sein, denn unter dem Motto \u201eWHERE I BELONG\u201c setzten sich die Gestaltenden mit dem Thema Identit\u00e4t und deren komplexer wie multipler Schichten auseinander. Um jener Vielseitigkeit auch konzeptionell gerecht zu werden, lud das stijlinstituut amsterdam wiederum vier Designstudios und zwei Fotografen dazu ein, jeweils den Kern eines bestimmten Themas einzufangen und so aus unterschiedlichen Blickwinkeln eine kreative Prognose f\u00fcr zuk\u00fcnftige Lifestyle-, Material-, Farb- und Designtrends zu skizzieren. Das Resultat: F\u00fcnf Erlebniswelten, die im \u201eTrend Space\u201c der Halle 3.0 auf 2.500 Quadratmetern mittels partizipativen Installationen wie etwa H\u00fcpf-Burgen, Performances und Textil-Skulpturen die Besuchenden aktiv einbezogen und so ein immersives Forum entstand, das integrativ ein Gef\u00fchl der Zugeh\u00f6rigkeit vermittelte.<\/p>\n<p>Dabei unterlag die gesamte Inszenierung einem \u00fcbergreifenden Credo, dem \u201eMaterial Manifesto\u201c, welches das Trend Council \u2013 bestehend aus dem stijlinstituut amsterdam, dem Londoner Studio FranklinTill sowie der d\u00e4nischen Agentur SPOTT trends &amp; business \u2013 f\u00fcr die Messe erarbeitet hatte. Ihr Ziel war es, durch intelligente Materialauswahl sowie nachhaltige Prozessabl\u00e4ufe einen tempor\u00e4ren Raum zu kreieren, dessen Einzel-Bauteile nach Event-Ende wieder in den Nutzungskreislauf zur\u00fcckgef\u00fchrt werden k\u00f6nnen: \u201eBei der Planung haben wir ein Manifest entwickelt, das den Umgang mit Ressourcen beschreibt und die Nutzung neuer Materialien vermeidet, die bei Messeschluss ohnehin als Abfall enden. Bei nachhaltiger Gestaltung \u2013 im \u00dcbrigen ein komplexer multidisziplin\u00e4rer Prozess \u2013 geht es aber um mehr als nur um die Auswahl einiger weniger organischer oder recycelter Materialien: Es geht um eine Balance s\u00e4mtlicher Anliegen, einschlie\u00dflich Konstruktion, Transport, Nutzung, Energieverbrauch und mehr. Der Fu\u00dfabdruck der Ausstellungswirtschaft ist so enorm, dass Innovationen in den Bereichen Materialien, Konstruktion und neue Gesch\u00e4ftsmodelle wie Leasing, Vermietung, Wiederverkauf, Upcycling und sogar Leihen und Tauschen die Belastung der Umwelt massiv verringern und gleichzeitig die Kreativit\u00e4t f\u00f6rdern w\u00fcrden\u201c, beschreibt Anne Marie Commandeur die Hintergedanken bei der Gestaltung der Inszenierung, bei der nach Abbau lediglich 1% Abfall angefallen ist, der ebenfalls rezykliert werden konnte. Wie? Ganz einfach: Die Gestaltenden kombinierten Miet- und Leihmaterialien mit wiederverwendbaren Textilien und Ressourcen aus den Messelagern zu f\u00fcnf heterogenen Trendwelten, die sich zwischen Technik und Glamour, Natur und Mystik sowie Tradition und Globalit\u00e4t bewegten.<\/p>\n<p>So wurde f\u00fcr den glamour\u00f6sen \u201eMehr ist Mehr\u201c-Liebhabenden im Bereich \u201eMaximum Glam\u201c ein kunstvolles Mash-up aus Glamour, Farbverl\u00e4ufen, Fransen, Jacquard-Geweben und fantasievollen Prints geschaffen, das in einer inszenatorischen Collage theatrale Einfl\u00fcsse und Showtime-\u00c4sthetik miteinander verband. Inklusion und Austausch waren wiederum die treibenden Werte im Bereich \u201eMulti-Local\u201c \u2013 eine Hommage an lokale Handwerkskunst im globalen Kontext. Entsprechend wurden hierbei textile Farben sowie handgefertigte, dekorative Muster in einen gr\u00f6\u00dferen kulturellen Zusammenhang von lokalen Gemeinschaften, kulturellem Erbe und privater Identit\u00e4t gestellt. Sinnliche Feingeister und Kulturfreunde kamen dagegen bei \u201eHeritage Lux\u201c auf ihre Kosten: Im Spiel von prachtvoller Ornamentik und farbstarken Oberfl\u00e4chenveredelung wurde hier die historische Atmosph\u00e4re eines antiken Pantheon heraufbeschworen. Bodenst\u00e4ndiger und ausgewogener ging es hingegen bei \u201ePure Spiritual\u201c zu: Hier formten unter einem Tipi-\u00e4hnlichem Dach organische Strukturen und Erdfarben ein idealistisches Spannungsfeld zwischen Realismus und mystischer Natur. Wiederum einen starken Kontrast markierte daneben die \u201eUrban Active\u201c-Zone. Um der st\u00e4dtischen Schnelllebigkeit zu begegnen, setzten die Ausstellenden hier auf Funktionalit\u00e4t und anpassbare L\u00f6sungen f\u00fcr urbane Kosmopoliten. Entsprechend wurden Hybridtextilien f\u00fcr den Heim- und Sportbereich pr\u00e4sentiert, die sich durch glatte Oberfl\u00e4chen und grafische Texturen hervortaten. In dieses Konglomerat eingebettet, befanden sich zudem der \u201eConference Space\u201c, der als aufblasbarer roter Mund schon von Weitem ein Zeichen setzte, sowie die \u201eFuture Material Library\u201c aus der Feder des Londoner Studios FranklinTill. Die Experten in Sachen nachhaltige Materialinnovationen pr\u00e4sentierten hier eine kuratierte Exponat-Auswahl, welche die Besuchenden \u00fcber Rohstoffherkunft, Fertigungsprozesse und potenzielle Materiallebensdauer informierten und so \u2013 neben ausgestellten Trends und \u00e4sthetischer Stimulierung \u2013 einmal mehr zum inspirierenden wie notwendigen Diskurs um Nachhaltigkeit anregten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eDie einzige M\u00f6glichkeit, dem Klimawandel zu begegnen, besteht darin, die Wegwerfkultur zu \u00e4ndern, den Verbrauch zu reduzieren und Produkte mit l\u00e4ngerer Lebensdauer herzustellen. 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