{"id":45318,"date":"2020-04-16T11:21:20","date_gmt":"2020-04-16T09:21:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/?p=45318"},"modified":"2020-04-28T13:59:13","modified_gmt":"2020-04-28T11:59:13","slug":"good-to-know-ueber-raeumliche-wissensvermittlung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/2020\/04\/good-to-know-ueber-raeumliche-wissensvermittlung\/","title":{"rendered":"GOOD TO KNOW \u00dcBER R\u00c4UMLICHE WISSENSVERMITTLUNG"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: center;\"><em>\u201eDer Raum als Ort, in dem wir uns alle bewegen, sollte ein N\u00e4hrboden des Wissens sein, an dem sich alle bereichern k\u00f6nnen, um eine freie und gerechte Welt zu gestalten.\u201c<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Kristine Fester und Patrizia Widritzki waren als Kreativ-Direktorinnen feste Mitglieder der Gesch\u00e4ftsleitung der K\u00f6lner Agentur facts and fiction bzw. krafthaus \u2013 Das Atelier von facts and fiction. Sie gestalteten und pr\u00e4gten gro\u00dfe Ausstellungen wie etwa f\u00fcr das Berliner Humboldt Forum, das Goethe-Institut oder die DBU \u2013 Deutsche Bundesstiftung Umwelt. 2019 beschlossen sie, sich selbst\u00e4ndig zu machen und gr\u00fcndeten good to know. Dabei ist es Ihr gemeinsames Ziel, \u201edie Welt weniger dumm (daf\u00fcr fair) zu gestalten\u201c. Denn ihrer Meinung nach \u00f6ffnet \u201eWissen Horizonte und erm\u00f6glicht ein vorurteilsfreies, scheuklappenbefreites und besseres Zusammenleben. Der Raum als Ort, in dem wir uns alle bewegen, soll ein N\u00e4hrboden des Wissens sein, an dem sich alle bereichern k\u00f6nnen, um eine freie und gerechte Welt zu formen.\u201c Mit uns sprachen die beiden Designerinnen dar\u00fcber, wie ihnen dies gelingen kann und vor allem, wie sie diesen Anspruch in ihren Projekten umsetzen.<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Die Fragen stellte <\/em><em>Janina Poesch.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Kristine Fester und Patrizia Widritzki, wie kann die Welt zu einem schlaueren Ort werden?<\/strong><\/p>\n<p>Indem wir vorhandenes Wissen teilen und uns austauschen \u2013 Stichwort \u201eOpen Knowledge\u201c. Denn Wissen er\u00f6ffnet Horizonte und erm\u00f6glicht ein vorurteilsfreies, scheuklappenbefreites und besseres Zusammenleben. Es gilt, zu hinterfragen und neugierig zu bleiben!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Und wie l\u00e4sst sich Eurer Meinung nach Wissensvermittlung verr\u00e4umlichen?<\/strong><\/p>\n<p>Der Raum als Ort, in dem wir uns alle bewegen, sollte ein N\u00e4hrboden des Wissens sein, an dem sich alle bereichern k\u00f6nnen, um eine freie und gerechte Welt zu gestalten. Hier spielt vor allem Partizipation eine gro\u00dfe Rolle. Nutzer wollen sich nicht nur Wissen aneignen, sie wollen auch ihre Meinung und ihr eigenes Wissen weitergeben. Communities gestalten Ausstellungen mit und machen sie so zu authentischen Momenten, die Gestalter vor Herausforderungen einer neuen Art stellen. Gleichzeitig ergeben sich dadurch Chancen, das Vermitteln von Wissen neu zu sehen und zu inszenieren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Gerade habt Ihr im Museum f\u00fcr Kommunikation Frankfurt Eure erste Ausstellung unter Eurem gemeinsamen Namen fertiggestellt: <a href=\"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/2020\/04\/neuland-ich-wir-und-die-digitalisierung-frankfurt-am-main\/\">#neuland \u2013 Ich, wir &amp; die Digitalisierung<\/a>. Aufgrund der COVID-19-Pandemie musste die Er\u00f6ffnung im M\u00e4rz 2020 jedoch erst mal ausfallen und Ihr konntet Euch nur per WhatsApp begl\u00fcckw\u00fcnschen. Wie f\u00fchlte sich das an?<\/strong><\/p>\n<p>Das war schon seltsam: Wir haben uns nat\u00fcrlich gefreut, dass es mit einem Live-Video losging, waren aber auch traurig, dass wir nicht alle zusammen vor Ort sein konnten. \u00dcber einen Chat haben wir uns dann allerdings doch noch zusammengeschlossen und nach und nach hatten alle ein Glas zum Ansto\u00dfen in der Hand, haben Fotos geschickt und waren sehr stolz auf die geleistete Arbeit der letzten Monate. Das gemeinsame Feiern werden wir aber definitiv noch nachholen &#8230;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Das Museum hat zusammen mit der Nemetschek Stiftung schnell reagiert und ein paar spannende digitale Formate auf den Weg gebracht. Was haltet Ihr von der Erweiterung in den digitalen Raum und w\u00fcrden diese Formate auch weiterhin f\u00fcr Eure Ausstellungskonzeptionen in Frage kommen?<\/strong><\/p>\n<p>Wir denken, dass eine Erweiterung in den digitalen Raum absolut bereichernd sein kann, wenn sie passt und Sinn ergibt. Die momentane Krise fordert viele Menschen auch kreativ heraus, und sicherlich werden wir auch in Zukunft davon profitieren, wenn wir uns jetzt neue Wege der Vermittlung erschlie\u00dfen. Eine Ausstellung und deren Inhalte auch im digitalen Raum, f\u00fcr noch mehr Menschen auf der Welt verf\u00fcgbar zu machen, vielleicht dabei neue Tools zu nutzen, die Barrierefreiheit voll auszusch\u00f6pfen \u2013 das ist doch gro\u00dfartig! Wenn das Ganze noch mit partizipativen Momenten verbunden ist und sich die Besucher an Inhalten, Meinungen und Formaten beteiligen k\u00f6nnen, dann ist das doch genau das, was wir als demokratische und politische Gesellschaft verstehen und erreichen wollen, oder?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Denkt Ihr, dass die COVID-19-Pandemie Eure Arbeit auch in Zukunft beeinflussen wird? Was bleibt und was sollte sich \u00e4ndern?<\/strong><\/p>\n<p>Wir glauben, dass sich die Einstellungen zu Gesch\u00e4ftsreisen \u00e4ndern wird: Vor kurzem wurden wir teilweise noch schr\u00e4g angeguckt, wenn wir mit dem Zug von K\u00f6ln nach Berlin gefahren sind anstatt zu fliegen. Jetzt werden wir uns \u00f6fter fragen, ob wir uns nicht sowieso effektiver \u201edigital\u201c zusammenschlie\u00dfen und die pers\u00f6nlichen Treffen vor Ort reduziert und daf\u00fcr anders gewichtet und geplant werden k\u00f6nnen. Au\u00dferdem denken wir, dass auch viele Agenturen, bei denen Home-Office bisher keine Rolle spielte, nun nicht einfach so zur\u00fcckk\u00f6nnen (oder sogar wollen). Wir werden also \u00f6fter ein dezentrales Zusammenarbeiten mit einer h\u00f6heren Wertsch\u00e4tzung f\u00fcr pers\u00f6nliche Treffen vorfinden. Au\u00dferdem wird das Online-Angebot beispielsweise zu Ausstellungen mehr Aufmerksamkeit bekommen: Hier werden in Zukunft sicher schlaue Konzepte gefragt sein und neue Formate entwickelt werden, die den realen und den virtuellen Raum st\u00e4rker verbinden. Das wird spannend! Und f\u00fcr uns alle wird sich hoffentlich \u00e4ndern, dass wir die Chance f\u00fcr einen breiten Neustart nutzen, anstatt das bestehende System einfach wieder hochzufahren!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Mit der Ausstellung habt Ihr aber auch noch auf einer anderen Ebene Neuland betreten: Das war der erste Auftrag, den Ihr nach <a href=\"https:\/\/www.avedition.de\/de\/hoas-honorarordnung-fuer-ausstellungsgestaltung.html\">HOAS<\/a> (Honorarordnung f\u00fcr Ausstellungsgestaltung) angeboten habt \u2013 quasi ein \u201eHOAS-Pilotprojekt\u201c. Welche Erfahrungen habt Ihr hier gemacht?<\/strong><\/p>\n<p>Sehr positive! Es war zwar gewagt, ungefragt eine neue Honorarordnung anzubieten, aber unsere Auftraggeber haben sich zum Gl\u00fcck darauf eingelassen. Bisher waren ja beide Seiten mit dem Passus \u201eangelehnt an HOAI\u201c unzufrieden und in der HOAS sind die gestalterischen und konzeptionellen Aufgaben klarer erfasst, was es auch f\u00fcr die Kunden transparenter macht. Und die hatten sogar gro\u00dfes Interesse daran, eine Vorreiterrolle einzunehmen und das erste Projekt in der Museumslandschaft zu sein, dass nach HOAS beauftragt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Abschlie\u00dfend noch eine pers\u00f6nliche Frage: Welches Wissen wollt Ihr als n\u00e4chstes vermitteln?<\/strong><\/p>\n<p>Uh! Das ist so eine Frage, bei der ich mich festlegen muss, oder? Also ich (Patrizia) setze mich sehr mit der Frage auseinander, in was f\u00fcr einer Gesellschaft ich oder wir leben wollen. Das betrifft Themen wie Potenzialentfaltung im Kontext von Mindset oder Haltung, und auch die Frage danach, was denn \u201enormal\u201c ist. Ich wei\u00df, ein sehr weites Feld &#8230; Und bei mir (Kristine) ist es eher das Thema, die Selbstzerst\u00f6rung der Menschheit durch die Vernichtung unserer Lebensgrundlage aufzuhalten. Das hat einerseits mit fehlendem Wissen um Zusammenh\u00e4nge zu tun und andererseits mit der Verweigerung von Ver\u00e4nderung. Daraus lie\u00dfen sich unz\u00e4hlige Ausstellungsthemen ableiten. Und obwohl die Tatsache \u201eWir werden alle sterben!\u201c nach wie vor einer meiner Lieblingsausstellungstitel w\u00e4re, k\u00f6nnten sich hier auch sehr viele optimistische und sogar lustige Ans\u00e4tze finden lassen &#8230;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Kristine Fester und Patrizia Widritzki, vielen Dank f\u00fcr das spannende Gespr\u00e4ch \u2013 good to know you!<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Zu den Personen<\/strong><\/p>\n<p>Kristine Fester und Patrizia Widritzki begannen ihre Laufbahn \u00e4hnlich: Kristine Fester studierte Design in K\u00f6ln und Patrizia Widritzki Visuelle Kommunikation in D\u00fcsseldorf. W\u00e4hrend Patrizia ihre T\u00e4tigkeit schon bei facts and fiction begann, absolvierte Kristine noch ein Volontariat beim WDR und war danach Art-Direktorin in der Post Produktion tsunami GmbH. Bei der K\u00f6lner Agentur krafthaus \u2013 Das Atelier von facts and fiction lernten sie sich schlie\u00dflich kennen und konzipierten bzw. gestalteten unter anderem als Mitglieder der Gesch\u00e4ftsleitung zehn Jahre lang gemeinsam Ausstellungsprojekte. 2019 machten sie sich mit good to know selbst\u00e4ndig und sind fest davon \u00fcberzeugt, dass r\u00e4umliche Wissensvermittlung die eigenen Gedankenr\u00e4ume erweitern und die eigenen Taten positiv beeinflussen kann.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eDer Raum als Ort, in dem wir uns alle bewegen, sollte ein N\u00e4hrboden des Wissens sein, an dem sich alle bereichern k\u00f6nnen, um eine [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1353],"tags":[880],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/45318"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=45318"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/45318\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":45321,"href":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/45318\/revisions\/45321"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=45318"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=45318"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=45318"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}