{"id":44108,"date":"2019-11-22T13:33:55","date_gmt":"2019-11-22T12:33:55","guid":{"rendered":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/?p=44108"},"modified":"2020-08-14T16:10:46","modified_gmt":"2020-08-14T14:10:46","slug":"erneuerung-der-welt-berlin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/2019\/11\/erneuerung-der-welt-berlin\/","title":{"rendered":"GLAUBEN AN DIE M\u00d6GLICHKEIT DER V\u00d6LLIGEN ERNEUERUNG DER WELT, BERLIN"},"content":{"rendered":"<p>Ren\u00e9 Pollesch und Fabian Hinrichs im Friedrichstadtpalast: Das war eine Sensation in Theaterkreisen, wird doch traditionell in Deutschland immer sehr klar unterschieden zwischen Unterhaltung und ernster Kunst, also U und E. Der Berliner Friedrichstadt-Palast ist eindeutig U und Pollesch doch E, oder? Wer schon ein paar Theaterabende von Pollesch gesehen hat (der seit seiner Anfangszeit im Berliner Prater zusammen mit seinem B\u00fchnenbildner Bert Neumann auf knallige B\u00fchnen in Rummel- und Set-\u00c4sthetik gesetzt hat, komplett mit Glitzervorh\u00e4ngen und gedruckten Hintergrundh\u00e4ngern, kontrastiert durch die essayistischen Texte, die von den Spielenden hochenergetisch vorgetragen werden), wird sich hingegen gedacht haben: Warum eigentlich nicht? Das passt doch! So \u00e4hnlich wird es dem Duo Hinrichs-Pollesch wohl auch gegangen sein, die sp\u00e4testens seit dem Solo \u201eKill your Darlings!\u201c an der Volksb\u00fchne 2012 gezeigt haben, dass sie au\u00dfer einer gro\u00dfen B\u00fchne, dem Text und dem seltsam fragilen K\u00f6rper Hinrichs nicht viel brauchen, um zu ber\u00fchren.<\/p>\n<p>Dieses erprobte Rezept kommt nun auch bei \u201eGlauben an die M\u00f6glichkeit der v\u00f6lligen Erneuerung der Welt\u201c am Friedrichstadt-Palast zum Tragen \u2013 wohlgemerkt auf der gr\u00f6\u00dften Showb\u00fchne der Welt: 37 Meter breit, 38 Meter tief, drei Drehscheiben, eine davon allein auf der Vorb\u00fchne. Hier werden sonst allabendlich vor ausverkauftem Haus Revuen getanzt, B\u00fchnentechnik, T\u00e4nzer und Show-Effekte geh\u00f6ren zu den besten weltweit. Nur konsequent, dass Pollesch nutzt, was da ist: die riesige leere B\u00fchne, 27 T\u00e4nzer und T\u00e4nzerinnen aus dem Ensemble, die Laserlichtshow, die leuchtenden H\u00fcte und eine (selbstfahrende!) Br\u00fccke aus dem B\u00fchnenbild der aktuellen Show \u201eVivid\u201c. Hinrei\u00dfend ist es, wenn Hinrichs von Einsamkeit redet \u2013 der einen Form, die einen das Leben lang begleitet, und der anderen, die einen punktuell \u00fcberf\u00e4llt. \u00dcber Liebeskummer, soziale W\u00fcsten (leere B\u00fchne) und emotionale Obdachlosigkeit (unter der Br\u00fccke) f\u00fchrt der Bogen des Abends \u00fcber die Frage, ob wir uns eine umfassende Erneuerung der Welt \u00fcberhaupt vorstellen k\u00f6nnen. Und endet mit Leichtigkeit fast selbstverst\u00e4ndlich im n\u00f6tigen radikalen Umdenken, schlie\u00dflich wollen wir das Leben, wie wir es kennen, auf diesem Planeten retten. Und da ist er, der Beweis, dass es eben doch geht, U und E miteinander zu vereinen. So freuen sich die Zuschauer \u00fcber das K\u00f6nnen der T\u00e4nzer, lassen sich von der Sch\u00f6nheit tr\u00f6sten und von Hinrichs jungenhaften Charme mitnehmen. Sie lachen \u00fcber sich selbst, sind ger\u00fchrt (\u201eIch habe Leuten, die in der Supermarktschlange vor mir standen, meine Nummer gegeben. Das habe ich ein paar mal gemacht \u2013 und ALLE haben angerufen! Das ist Einsamkeit! Dabei sah ich wirklich nicht gut aus!\u201c) und k\u00f6nnen inhaltlich etwas mitnehmen. N\u00e4mlich Hoffnung auf den Sieg des Guten, wie sich das geh\u00f6rt bei einer ordentlichen Revue, sowie die ein oder andere Zeile, die im Kopf bleibt, wie sich das eben f\u00fcr einen ordentlichen Pollesch geh\u00f6rt. Und die Leuchtk\u00f6pfe, die waren auch wirklich gut!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ren\u00e9 Pollesch und Fabian Hinrichs im Friedrichstadtpalast: Das war eine Sensation in Theaterkreisen, wird doch traditionell in Deutschland immer sehr klar unterschieden zwischen Unterhaltung [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[5,8],"tags":[35,2265,2266],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/44108"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=44108"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/44108\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":44109,"href":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/44108\/revisions\/44109"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=44108"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=44108"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=44108"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}