{"id":43662,"date":"2019-10-18T15:57:23","date_gmt":"2019-10-18T13:57:23","guid":{"rendered":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/?p=43662"},"modified":"2020-01-20T16:22:06","modified_gmt":"2020-01-20T15:22:06","slug":"angela-kettler-bott-ueber-schloss-dyck","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/2019\/10\/angela-kettler-bott-ueber-schloss-dyck\/","title":{"rendered":"ANGELA KETTLER-BOTT \u00dcBER SCHLOSS DYCK UND INTERDISZIPLIN\u00c4RES ARBEITEN"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: center;\"><em>\u201eEine Welt ohne die digitale Komponente ist heutzutage schier undenkbar und doch ist der Charme des Analogen kaum zu \u00fcbertreffen.\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p><strong>Unter guter Gestaltung versteht die Designerin Angela Kettler-Bott, ganzheitliche Markenerlebnisse zu schaffen und damit einen Beitrag zum (Unternehmens-)Erfolg ihrer Auftraggeber zu leisten. Als Gr\u00fcnderin von R211 steuert sie dabei <\/strong><strong>mit gro\u00dfer Leidenschaft f\u00fcr Kommunikation <\/strong><strong>ein interdisziplin\u00e4res Team und betreut Projekte im Bereich Corporate Design, Printdesign, mobilem Webdesign sowie Kommunikation im Raum sowohl f\u00fcr kleine als auch gro\u00dfe Marken \u2013 wobei der projektbezogene Zusammenschluss in Arbeitsgruppen f\u00fcr R211 die beste Medizin gegen Betriebsblindheit, Scheuklappendenken und eingefahrene Wege ist. Mit uns sprach Angela Kettler-Bott \u00fcber eines ihrer neuesten Projekte, bei dem das interdisziplin\u00e4re Arbeiten absolut im Mittelpunkt stand: die Erweiterung der Dauerausstellung <\/strong><strong>\u201eLandschaft\u201c im J\u00fcchener Schloss Dyck.<\/strong><\/p>\n<p><em><br \/>\nDie Fragen stellte Sandra Gawlowski.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Angela Kettler-Bott<\/strong><strong>, Sie haben gerade die Erweiterung der Dauerausstellung \u201eLandschaft\u201c im Schloss Dyck abgeschlossen. Um was geht es bei diesem Projekt und wie kam es dazu?<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/2019\/10\/landschaft-schloss-dyck-juchen\/\">\u201eLandschaft\u201c<\/a> widmet sich der Entwicklung des Dycker Parks unter der \u00c4gide des F\u00fcrsten Joseph zu Salm-Reifferscheidt-Dyck (1773\u20131861), der erste F\u00fcrst der Linie Salm-Reifferscheidt-Dyck. Der leidenschaftliche Botaniker lie\u00df mithilfe des Gartenarchitekten Thomas Blaikie (1751\u20131838) ab 1819 in J\u00fcchen eine Parkanlage im Stile eines englischen Landschaftsgartens anlegen, in dem er seine Pflanzensammlung systematisch unterbrachte. Neben der Neukonzeption des Ausstellungsraums \u201eDer Schlosspark unter F\u00fcrst Joseph\u201c wurden dabei weitere Teile der 1.100 Quadratmeter gro\u00dfen Ausstellung rund um die Entstehungsgeschichte des Dycker Parks thematisiert. Dabei stammt die <a href=\"https:\/\/atelier-brueckner.com\/de\/projekte\/museum-fuer-gartenkunst-und-landschaftskultur\">urspr\u00fcngliche Ausstellung<\/a> aus dem Jahr 2003 und wurde vom Stuttgarter ATELIER BR\u00dcCKNER entwickelt. Ich selbst war vor 15 Jahren als Mitarbeiterin stark in das Projekt eingebunden und habe damals bei der Konzeption mitgewirkt sowie die Umsetzung betreut. Nun war es an der Zeit, einige kleinere Aktualisierungen vorzunehmen und im Zuge dessen auch einen Raum komplett neu zu gestalten. Dabei lag das Bestreben von Anfang an darin, die Exponate auf die Dycker Parkanlage und ihre Protagonisten auszurichten: allen voran auf den F\u00fcrsten Joseph, den Gartenarchitekten Blaikie sowie die F\u00fcrstin Constance zu Salm-Reifferscheidt-Dyck (1767\u20131845), Dichterin, Schriftstellerin und sp\u00e4tere F\u00fcrstin. Aber auch die Arbeit der Stiftung stand im Fokus, die unerm\u00fcdlich weiter an der Vision des Parks und des Schlosses festh\u00e4lt, um das kulturelle Erbe zu erhalten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Wurde die Dauerausstellung dabei auch inhaltlich neu ausgerichtet?<\/strong><\/p>\n<p>Ein wenig, denn die Ausstellung war bisher allgemeiner angelegt. So wurde etwa bei der Definition und Heranf\u00fchrung an das Thema des englischen Landschaftsgartens unter anderem Hermann Ludwig Heinrich Graf von P\u00fcckler-Muskau (1785\u20131871) herangezogen, anstatt dies konkret anhand der Dycker Parkanlage zu tun. Dieser direkte Bezug wird nun \u00fcber die Entwicklung und Ver\u00e4nderungen von Schloss Dyck erlebbar gemacht, in dem sich die Schau eben den Protagonisten um F\u00fcrst Joseph \u00fcber mehrere Generationen bis zur heutigen Arbeit der Stiftung widmet.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Wie genau sind Sie bei diesem Projekt vorgegangen? Wie gestaltete sich Ihre Arbeitsweise?<\/strong><\/p>\n<p>Am Anfang unserer Arbeit mussten alle historischen Inhalte bestm\u00f6glich erfasst werden: Hierf\u00fcr forschte der Kulturhistoriker und Ausstellungskurator Martin Wolthaus teilweise bis nach Frankreich nach Unterlagen in Archiven und machte sich wie ein Detektiv akribisch auf Spurensuche, brachte Bilder, Dokumente und historische Entwicklungslinien zusammen. Im n\u00e4chsten Schritt wurden dann Ideen entwickelt, kritisch be\u00e4ugt und selektiert, bevor die fokussierte und gemeinsame Entwicklung an handfesten L\u00f6sungsans\u00e4tzen begann. So ergab sich ein zielgerichteter kreativer Prozess, in dessen Verlauf wir von Zwischenergebnissen zur letztendlichen stimmigen Gesamtl\u00f6sung gekommen sind. Dabei bestand die besondere Herausforderung bei diesem Projekt darin, die vorhandene Ausstellung sensibel zu erweitern ohne die bestehende Form lediglich zu kopieren. Zudem braucht es bei der Konzeption einer Ausstellung L\u00f6sungen, die nicht nur auf der inhaltlichen Ebene fest im Sattel sitzen, sondern vor allem visuell zur verst\u00e4ndlichen Vermittlung komplexer Vorg\u00e4nge beitragen \u2013 textlastige Erl\u00e4uterungen sind hier fehl am Platz &#8230;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Sie selbst sagen, sie sch\u00e4tzen das interdisziplin\u00e4re Arbeiten sehr, da es das Team vor Betriebsblindheit sch\u00fctzt. Wie genau k\u00f6nnen wir uns das in diesem Fall vorstellen?<\/strong><\/p>\n<p>Gerade die gute Zusammenarbeit mit Herrn Wolthaus war sehr befruchtend und wir haben uns gefreut, dass wir ihm als kunsthistorischem Fachmann mit unserer gestalterischen und wahrnehmungspsychologischen Expertise eine Hilfe sein konnten. Kommunikation, Zeitplanung, Absprachen und konstruktive Prozesse waren stets fokussiert und ressourcenorientiert und dabei trotzdem sehr kreativ und uneitel. Wichtig ist uns eine gute Kommunikation innerhalb des Teams, die sich nicht nur auf einen klaren und verst\u00e4ndlichen Austausch von Informationen und Ideen, sondern auch auf eventuelle finanzielle oder zeitliche Beschr\u00e4nkungen bei der Entwicklung von L\u00f6sungen erstreckt. Wenn sich aus dieser Kommunikation kreatives Potential entfaltet, sind alle gl\u00fccklich und wir k\u00f6nnen gemeinsam auf das Ergebnis sehr stolz sein.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Welche gestalterischen Mittel kamen bei der Erweiterung der Dauerausstellung explizit zum Einsatz?<\/strong><\/p>\n<p>Vor allem Reduktion und Fokussierung \u2013 technisch einfach umsetzbar und sensorisch individuell auf jedes Sujet abgestimmt. Denn die sehr ins Detail gehenden Themen mussten gut dosiert, entdeckungsreich und m\u00f6glichst mit allen Sinnen f\u00fcr die Besucher erlebbar gemacht werden. Zudem haben wir uns visuell an dem in der Ausstellung verwendeten grafischen Stil orientiert und diesen mit einer modernen Umsetzung f\u00fcr die Erkl\u00e4rungen erg\u00e4nzt. Auch die r\u00e4umliche Komponente floss in unsere Arbeit: Thematisch haben wir versucht, Erkl\u00e4rebenen und historische Ebenen physisch voneinander zu trennen \u2013 wie zum Beispiel bei der Vitrine \u201eHortus Dyckensis\u201c oder im Eckzimmer, bei dem die Abbildung der historischen Dycker Landkarte als Tapete fungierte und die Erkl\u00e4rebene mit Klappen-Exponaten umgesetzt wurde.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Wie kam es zu dem Raumbild im Eckzimmer?<\/strong><\/p>\n<p>Im Eckzimmer geht es im Kern um die Gestaltung bzw. die gestalterischen Ver\u00e4nderungen der Dycker Parkanlage \u2013 wobei der Gartenarchitekt Thomas Blaikie, dessen wichtige Rolle auch zu Beginn der Ausstellung durch einen gro\u00dfen begehbaren Plan untermauert wird, immer wieder Bezugspunkt ist. Aber auch andere Gestalter haben \u00fcber die Jahrhunderte hinweg hier ihre Spuren hinterlassen und der Park wurde immer wieder neu genutzt, geformt oder interpretiert. Martin Wolthaus Recherchen brachten bisher nicht ausgewertete historische Pl\u00e4ne und Zeichnungen zum Vorschein, die wir nun integrieren konnten, um diese Ver\u00e4nderungen im direkten Vergleich mit Blaikies urspr\u00fcnglichem Plan sichtbar zu machen. Dabei war uns von Anfang klar, dass es keinen Sinn ergeben w\u00fcrde, viele kleine Pl\u00e4ne nebeneinander auszulegen: Viel zu gering ist das Interesse der Besucher sich derart intensiv mit Kartenmaterial zu besch\u00e4ftigen. Unsere Aufgabe lag also darin, den Besuchern m\u00f6glichst einfach diese Ver\u00e4nderungen n\u00e4herzubringen und sie die Begeisterung und Leidenschaft sp\u00fcren zu lassen, mit der die Planer immer wieder neue bzw. seltene exotische Pflanzen importierten und sie in die Parklandschaft integrierten. Als gro\u00dfe Geste wurde daher der frisch entdeckte Plan \u00fcberdimensional gro\u00df \u00fcber die kompletten W\u00e4nde des Raums gezogen \u2013 wobei der feine Druck auf die eierschalenfarbene Tapete im Team einiges Kopfzerbrechen verursachte. Es klingt so einfach: auf Tapete drucken, in Bahnen teilen und vor Ort tapezieren! Das war es allerdings nicht, denn die Geb\u00e4ude gehen im Wesentlichen auf den Stand nach den Zerst\u00f6rungen im Drei\u00dfigj\u00e4hrigen Krieg (1618\u20131648) zur\u00fcck und die W\u00e4nde k\u00f6nnen dann schon mal sowohl in der Breite oben und unten stark variieren als auch bizarre konkave oder konvexe Formen innehaben. Zudem passierte es immer wieder, dass wir auf granit\u00e4hnliches Grundmauerwerk stie\u00dfen, andere W\u00e4nde aber weich wie Butter waren. So waren mehrere Treffen aller Beteiligten notwendig, um diese knifflige Aufgabe zu l\u00f6sen. Wir haben es aber zum Gl\u00fcck geschafft &#8230;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Was war Ihr pers\u00f6nliches Anliegen bei der Gestaltung dieses Projekts und w<\/strong><strong>elcher Aspekt der Ausstellung gef\u00e4llt Ihnen am besten?<\/strong><\/p>\n<p>Ich kann mit Gewissheit sagen, dass wir von Anfang an eine wirkungsvolle Inszenierung im historischen Raum intendierten. Pers\u00f6nlich gef\u00e4llt mir dabei am meisten der Charme des Analogen. Keine Frage: Vieles ist heute in Museen digital viel besser umsetzbar bzw. zu vermitteln. Dennoch bestimmte bei diesem Projekt der Inhalt die Form der Informations\u00fcbermittlung bzw. der Kommunikation \u2013 und das ist gro\u00dfartig. Denn sicher h\u00e4tte ein Touch-Screen nicht diese beeindruckende Wirkung des Eckzimmers erzielt, welche die Besucher beim Eintreten in den Raum erleben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Und zu guter Letzt noch eine grunds\u00e4tzliche Frage: Ist die Arbeit f\u00fcr eine staatliche Kulturinstitution eher Fluch oder Segen?<\/strong><\/p>\n<p>Wenn wir f\u00fcr Stiftungen oder f\u00fcr \u00f6ffentliche Einrichtungen arbeiten, sind wir oft mangels \u00fcppiger Budgets dazu gezwungen, mit einfachen, aber wirkungsvollen Gestaltungsl\u00f6sungen zu \u00fcberzeugen. Dabei erachte ich diese Ausgangslage gar nicht als diffizil, sondern vielmehr als M\u00f6glichkeit der kreativen Entfaltung: Sie zwingt uns Gestalter dazu, die Dinge herunterzubrechen und die Essenz auf direktem Weg in die K\u00f6pfe der Besucher zu bef\u00f6rdern. Genau dieser gedankliche Ansatz ist die Basis meiner Arbeitsweise.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Angela Kettler-Bott<\/strong><strong>, vielen Dank f\u00fcr das <\/strong><strong>ausf\u00fchrliche <\/strong><strong>Gespr\u00e4ch!<\/strong><\/p>\n<p><strong><br \/>\nZur Person<\/strong><\/p>\n<p>Angela Kettler-Bott, Jahrgang 1976, studierte von 1997 bis 2001 Visuelle Kommunikation an der Hochschule f\u00fcr Gestaltung in Schw\u00e4bisch Gm\u00fcnd und war anschlie\u00dfend bei renommierten Agenturen als Art- und Kreativ-Direktorin t\u00e4tig \u2013 unter anderem beim Stuttgarter ATELIER BR\u00dcCKNER sowie der Neusser D\u2019art Design Gruppe. 2012 gr\u00fcndete sie R211 \u2013 Agentur f\u00fcr Kommunikation in D\u00fcsseldorf und arbeitet hier stets mit einem interdisziplin\u00e4ren Expertennetzwerk, das sie f\u00fcr jede Aufgabe individuell zusammensetzt, um Projekte jeder Gr\u00f6\u00dfenordnung markengerecht zu inszenieren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eEine Welt ohne die digitale Komponente ist heutzutage schier undenkbar und doch ist der Charme des Analogen kaum zu \u00fcbertreffen.\u201c \u00a0 Unter guter Gestaltung [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1353],"tags":[880],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/43662"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=43662"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/43662\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":43667,"href":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/43662\/revisions\/43667"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=43662"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=43662"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=43662"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}