{"id":43160,"date":"2019-09-24T17:41:24","date_gmt":"2019-09-24T15:41:24","guid":{"rendered":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/?p=43160"},"modified":"2020-07-29T17:40:33","modified_gmt":"2020-07-29T15:40:33","slug":"the-human-condition","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/2019\/09\/the-human-condition\/","title":{"rendered":"THE HUMAN CONDITION"},"content":{"rendered":"<p><em>von Thea Hoffmann-Axthelm, <\/em><a href=\"http:\/\/www.ueberbuehne.de\/\"><em>Ueberb\u00fchne<\/em><\/a><\/p>\n<p>\u201eAch, ich wusste gar nicht, dass Hannah Arendt auch Theaterst\u00fccke geschrieben hat\u201c, sagt ein Freund, als ich ihm erz\u00e4hle, dass ich zu einem St\u00fcck der politischen Theoretikerin und Publizistin gehe. Nein, hat sie auch nicht, umso schwieriger ist es, aus einem Sachbuch der Politischen Theorie (nicht Philosophie, auch das wird an diesem Abend verhandelt!) einen unterhaltsamen Theaterabend zu machen, f\u00fcr den nicht das komplette Publikum ein geisteswissenschaftliches Grundstudium braucht und das trotzdem diejenigen, die eines haben, nicht langweilt. Ich als B\u00fchnenbildnerin habe mich nat\u00fcrlich gleich gefragt: Wie l\u00e4sst sich so ein Stoff in den Raum, in ein B\u00fchnenbild \u00fcbertragen? Was braucht es dazu? Und wie sollte mit den grundlegenden Themen des Menschseins, der Identit\u00e4t \u2013 der Condition Humana eben \u2013 auf r\u00e4umlicher Ebene umgegangen werden? Die B\u00fchnenbildnerin des Abends Mascha Mazur hat daf\u00fcr einen so wunderbar einfachen wie \u00fcberraschenden Weg gefunden.<\/p>\n<p>Die erste Stunde der Inszenierung sitzen die f\u00fcnf Performer auf St\u00fchlen, mal dem Publikum zu-, mal abgewandt, mal aus der Vorlage vorlesend und mal eine Gesangs- oder Slapstick-Nummer zum Thema Identit\u00e4tssuche (Wer sind wir? Worin besteht ein aktives Leben?) im grellen Arbeitslicht darbietend. Arendts Denken, das den Menschen von seinen M\u00f6glichkeiten her begreift und nicht von seinen Grenzen, als Wesen, das handelnd jederzeit die Welt ver\u00e4ndern und einen Anfang setzen kann, steht im Mittelpunkt: \u201eDas, was vor dem Menschen war, ist nicht Nichts, sondern Niemand; seine Erschaffung ist das Anfangen eines Wesens, das selbst im Besitz der F\u00e4higkeit ist, anzufangen: Es ist der Anfang des Anfangs oder des Anfangens selbst.\u201c Und so beginnen auch die Performer immer wieder neu. Der Theaterabend setzt immer wieder neu an, es gibt mehrere Versionen des Handelns und des Denkens \u00fcber das Handeln. So ist es nur richtig, dass auch der Raum erst ohne Maske auskommt und dann aber doch gef\u00fcllt wird, unaufwendig und doch wirkungsstark. Gerade als die Schauspielerin Iris Becher, Hannah Arendt zitierend, uns, also den im Zuschauerraum Sitzenden, vorwirft, unser Gesicht sei doch die wahre Maske, wie wir es herumtr\u00fcgen, immer perfekt, vergraben unter Schichten von Schminke und falschem L\u00e4cheln, immer unsere Pers\u00f6nlichkeit auf der Zunge tragend und dazu ihre Kollegin Ruth Rosenfeld herzzerrei\u00dfend sch\u00f6n \u201eI\u2019ll be your mirror\u201c von Velvet Underground singt, fangen nach und nach die anderen Performer an, gro\u00dfe, leichte Spiegelplatten heranzutragen. Und w\u00e4hrend sich der Raum so langsam f\u00fcllt, \u00e4ndert sich auch das Licht, und pl\u00f6tzlich sitzen wir inmitten eines futuristischen Spiegelkabinetts. Aus dem reflektierenden Licht entstehen funkelnde Heiligenscheine und lassen uns das billige Material der Spiegel genauso vergessen, wie dass wir eben noch in einem leeren Raum sa\u00dfen. Und das ist es, was Theater im besten Fall kann: zum Denken anregen, unterhalten UND verzaubern, und das mit ganz einfachen Mitteln, unmittelbar und live.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Thea Hoffmann-Axthelm, Ueberb\u00fchne \u201eAch, ich wusste gar nicht, dass Hannah Arendt auch Theaterst\u00fccke geschrieben hat\u201c, sagt ein Freund, als ich ihm erz\u00e4hle, dass [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[5,8],"tags":[35,2231],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/43160"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=43160"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/43160\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":43248,"href":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/43160\/revisions\/43248"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=43160"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=43160"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=43160"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}