{"id":43156,"date":"2019-09-24T17:03:02","date_gmt":"2019-09-24T15:03:02","guid":{"rendered":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/?p=43156"},"modified":"2019-10-30T13:41:40","modified_gmt":"2019-10-30T12:41:40","slug":"garten-der-irdischen-freuden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/2019\/09\/garten-der-irdischen-freuden\/","title":{"rendered":"GARTEN DER IRDISCHEN FREUDEN"},"content":{"rendered":"<p>In dieser fantastisch kuratierten Ausstellung im Martin Gropius Bau Berlin wird anhand verschiedenster k\u00fcnstlerischer Positionen ein r\u00e4umliches Thema durchdekliniert: der Garten. \u00dcber 20 internationale K\u00fcnstler widmen sich hier dem Motiv des Gartens als eine erweiterte Metapher f\u00fcr den Zustand der Welt, um die Zusammenh\u00e4nge unserer als immer komplexer wahrgenommenen Gegenwart zu erforschen. Soziale, politische und \u00f6kologische Ph\u00e4nomene wie Migration, Globalisierung und Kapitalismus sowie Kolonialismus und Entwurzelung, menschgemachter Klimawandel sowie die Zukunft der Welt als Ort bieten sich da nat\u00fcrlich inhaltlich an. Aber auch die Herkunft des Menschen und das Konzept des Paradieses \u2013 w\u00f6rtlich \u201epairi da\u0113za\u201c oder: eingez\u00e4unte Fl\u00e4che, also Garten in der W\u00fcste, der mit sattem Gr\u00fcn, \u00dcppigkeit in Farben, Ger\u00fcchen und s\u00fc\u00dfen Geschm\u00e4ckern bis heute das Bild des Paradieses bestimmt \u2013 und somit auch religi\u00f6se Themen werden verhandelt.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem werden mit der Ausstellung Strategien aufgezeigt, den Garten als Ort und Spiegel der Gemeinschaft subversiv zu instrumentalisieren und so im wahrsten Sinne des Wortes zum politischen N\u00e4hrboden zu machen. So konfrontiert uns etwa der aus zerschlagenen Coca-Cola-Flaschen bestehende \u201eRasen\u201c der s\u00fcdafrikanischen K\u00fcnstlerin Lungiswa Gqunta mit der Tatsache, dass Rasenfl\u00e4chen ein Symbol der Macht sind, an denen die noch immer tief rassistische Gesellschaft in S\u00fcdafrika sichtbar wird (indem sie nicht f\u00fcr diejenigen zug\u00e4nglich sind, die den Rasen pflegen: meist schwarze Arbeiter f\u00fcr wei\u00dfe Herren). In dem Video von Tacita Dean, die den Lyriker Michael Hamburger kurz vor seinem Tod in seinem ber\u00fchmten Garten im Exil in England beim Sammeln und Ernten seltener Apfelsorten als poetische \u00dcberlebensstrategie begleitet, wird das Handeln im \u201eParadies\u201c zum politischem Akt im Privaten. Das Video von Pippilotti Rist wiederum, unter dem Besucher liegend zwei nackten Frauen scheinbar beim Spielen folgen oder die immersive Installation Hicham Berradas, die vor allem gerochen werden kann, heben auch positive Assoziationen von Spiel und Erleben, sinnlichem und r\u00e4umlichem Einlassen hervor und erinnern daran, dass ein Garten auch Sch\u00f6nheit und Genuss sein kann. Der buddhistische Garten und die Kontemplation scheinen dabei immer wieder durch: Ganz konkret bei Taro Shinodas aus Marmor nachgebauten Steinen aus einem Zen-Garten, dann wieder \u00fcbersteigert in Yayoi Kusamas (typisch f\u00fcr ihre Arbeiten) mit Punkten \u00fcberzogenem Raum oder sehr humorvoll in Zheng Bos Pterdophilia-Videos (ja, es geht wirklich um Sex mit Pflanzen!). Auch Renato Leottas leise und poetische Installation, die aus ungebrannten Terracotta-Fliesen besteht, die mit den Abdr\u00fccken fallender Zitronen aus seinem Garten \u00fcbers\u00e4t sind, l\u00e4dt ein, sich auf das Hier und Jetzt einzulassen, zu ersp\u00fcren, was nicht da ist bzw. was einen umgibt. Auch das ist gemeint: innehalten, hinh\u00f6ren, hinschauen, w\u00fcrdigen \u2013 im Kleinen wie im Gro\u00dfen, im eigenen Garten wie im vermeintlich ach-so-verwirrenden Dschungel da drau\u00dfen, aufmerksam und menschlich sein, helfen und teilen, nehmen und geben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In dieser fantastisch kuratierten Ausstellung im Martin Gropius Bau Berlin wird anhand verschiedenster k\u00fcnstlerischer Positionen ein r\u00e4umliches Thema durchdekliniert: der Garten. \u00dcber 20 internationale [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[4],"tags":[35,2230],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/43156"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=43156"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/43156\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":43159,"href":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/43156\/revisions\/43159"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=43156"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=43156"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=43156"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}