{"id":42745,"date":"2019-09-04T12:30:45","date_gmt":"2019-09-04T10:30:45","guid":{"rendered":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/?p=42745"},"modified":"2020-06-22T11:33:06","modified_gmt":"2020-06-22T09:33:06","slug":"benesse-art-site-naoshima","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/2019\/09\/benesse-art-site-naoshima\/","title":{"rendered":"Benesse Art Site Naoshima"},"content":{"rendered":"<p>War es fr\u00fcher die Landflucht, ist es heute Japans rasanter demografischer Schrumpfungsprozess, der die Entv\u00f6lkerung der kleineren Eilande beschleunigt. Nur auf wenigen Inseln gelang es bisher, diese Entwicklung aufzuhalten. Anlass zur Hoffnung gibt besonders Naoshima: Bereits Ende der 1980er-Jahre nahm der Medienmogul Soichiro Fukutake, Besitzer der globalen Bildungskonzerne Benesse und Berlitz, den S\u00fcdteil der Insel unter seine Fittiche und revitalisierte mit der Benesse Art Site die Region. Kunst, Architektur sowie die vorhandene landschaftliche und soziale Struktur sollten zusammen gebracht werden. Zu diesem Zweck durfte der wohl bekannteste japanische Architekt und Pritzker-Preistr\u00e4ger Tadao Ando nicht nur eine exklusive, in ein kleines Tal eingebettete Hotelanlage planen, sondern auch ein Museum f\u00fcr Fukutakes umfangreiche Privatsammlung moderner und zeitgen\u00f6ssischer Kunst errichten. Weitere Puzzlest\u00fccke der Benesse Art Site \u2013 das Benesse House Museum, das Chichu Art Museum und das Lee Ufan Museum auf Naoshima \u2013 sowie das Teshima Art Museum auf der benachbarten Insel Teshima kamen hinzu. Dar\u00fcber hinaus wird der Standort stetig erweitert: zum Beispiel seit 1998 durch das \u201eArt House Project\u201c. Hierf\u00fcr werden permanente Kunstinstallationen in ehemaligen traditionellen Wohnh\u00e4usern wie etwa dem \u201eKadoya House\u201c geschaffen, in dem das Werk \u201eSae of Time\u201c des japanischen Bildhauers und K\u00fcnstlers Tatsuo Miyajima gezeigt wird \u2013 eine wundersch\u00f6ne Installation, die das 200 Jahre alte, restaurierte Geb\u00e4ude wieder zum Leben erweckt. Oder das Refugium \u201eMinamidera\u201c, ebenfalls entworfen von Tadao Ando, in dem das Licht-Kunstwerk \u201eBackside of the Moon\u201c von James Turrell zu sehen ist.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend der Setouchi Triennale, die seit 2010 alle drei Jahre auf einigen der Inseln im japanischen Seto-Binnenmeer stattfindet, kommen zudem zahlreiche weitere tempor\u00e4re Installationen, Performances und wissenschaftliche sowie soziale Projekte in der Region hinzu. Manches bleibt auch hiervon nach der Triennale erhalten, wie etwa das Schatten und Licht spendende, wolkenf\u00f6rmige \u201eNaoshima Port Terminal\u201c von Kazuyo Sejima und Ry\u016be Nishizawa. Verbindendes Element aller Projekte ist dabei das Hervorheben des r\u00e4umlichen Erlebnisses von Kunst im Zusammenhang mit der vorhandenen Natur.<\/p>\n<p>So schuf Tadao Ando auf der Insel Naoshima f\u00fcr das <a href=\"https:\/\/www.google.com\/search?biw=1440&amp;bih=793&amp;tbm=isch&amp;sa=1&amp;ei=n0RtXYy5AcWcmwX8o6uYDA&amp;q=Benesse+House+Museum+&amp;oq=Benesse+House+Museum+&amp;gs_l=img.3..0i19l3j0i30i19.197214.197214..197653...0.0..0.99.99.1......0....2j1..gws-wiz-img.4zUkwZ21HB4&amp;ved=0ahUKEwjMhM7iyLLkAhVFzqYKHfzRCsMQ4dUDCAY&amp;uact=5\">Benesse House Museum<\/a> einen Ort, der die Beschaffenheit der Kunstwerke aufnimmt und den Blick vom Raum \u00fcber die Kunst hin zur Natur lenkt. Es kann hier also schon mal vorkommen, dass Besucher in einer einzigen Sichtachse eine der Kreisanordnungen Richard Longs, eine Kreiszeichnung von Cy Twombly, die kreisf\u00f6rmige Au\u00dfentreppe, den sich halbrund in die unten liegende Bucht kr\u00fcmmenden Sandstrand und eine fast exakt runde gr\u00fcne Insel betrachten k\u00f6nnen. Wer denkt, das w\u00e4re schon alles, wird im zehn Gehminuten entfernten <a href=\"https:\/\/www.google.com\/search?biw=1440&amp;bih=793&amp;tbm=isch&amp;sa=1&amp;ei=Jj5tXfeZD6XgkgWXiIfwDA&amp;q=chichu+art+museum+naoshima&amp;oq=chichu+art+museum+naoshima&amp;gs_l=img.3..0i19.1652611.1653115..1655499...0.0..0.75.257.4......0....1..gws-wiz-img.......0i7i30.B2UzTbq6BTM&amp;ved=0ahUKEwj3xMzMwrLkAhUlsKQKHRfEAc4Q4dUDCAY&amp;uact=5\">Chichu Art Museum<\/a> eines Besseren belehrt: Hier hat der Gro\u00dfmeister in Sachen Licht, Schatten und sakrale Raumdramaturgie f\u00fcr die nur drei Werkgruppen umfassende Sammlung je ein geometrisches Objekt aus Beton in den Fels eingelassen. Die Ebenen und R\u00e4ume sind durch G\u00e4nge, Treppen und Sch\u00e4chte miteinander verbunden und doch eigenst\u00e4ndig, die langen Wege bereiten auf die Kunst vor und erlauben Kontemplation. So finden sich Kunstinteressierte hier auf der anderen Seite der Welt \u2013 wie in Japan \u00fcblich \u2013 in Pantoffeln vor Monets Seerosen wieder \u2013 in einem eigens daf\u00fcr errichteten architektonischen Denkmal. Kurz darauf werden sie dank Ando und Turrell mit einem fantastischen, ausgeschnittenen Quadrat freien Himmels belohnt. Und noch einen durch die stechende Mittagssonne hervorragend angeleuchteten Treppenschacht entfernt, wartet schlie\u00dflich der Raum f\u00fcr Walter De Marias \u201eTime\/Timeless\/No Time\u201c \u2013 eine zeitlose Kathedrale f\u00fcr diese an sich schon sakrale Installation, in der Architektur und Kunst endg\u00fcltig ineinander \u00fcbergehen und die Raumerfahrung unterstreichen. Besonders sch\u00f6n: Die Angestellten des Museums s\u00e4umen mit ernsten Blicken und in wei\u00dfen Uniformen links und rechts die Treppe \u2013 zuk\u00fcnftiger, ernsthafter, \u00fcbernat\u00fcrlicher lie\u00dfe sich dieser Raum nicht inszenieren! Zum Abschluss gibt einem, wieder einen kleinen Spaziergang entfernt, das <a href=\"https:\/\/www.google.com\/search?q=lee+ufan+museum&amp;source=lnms&amp;tbm=isch&amp;sa=X&amp;ved=0ahUKEwjS5L_2hajkAhVB-aQKHYhvDHQQ_AUIESgB&amp;biw=1421&amp;bih=866\">Lee Ufan Museum<\/a> in gewissem Sinne eine Lesart dieser Verschr\u00e4nkung von Kunst und Architektur mit, denn die Werke von Lee und Ando geh\u00f6ren zusammen wie ein altes Ehepaar beim Z\u00e4hneputzen oder Walzertanzen: Lees Wunsch, \u201edurch die Begrenzung des Egos auf ein Minimum den Bezug zur Welt auf ein Maximum zu steigern, indem die Kunst die sie umgebende Stille und Leere, \u201aden gro\u00dfen schillernden Kosmos\u2018 freigibt als halbtransparente Dinge, die stets das Unbekannte in sich einschlie\u00dfen\u201c<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> wird hier Folge geleistet.<\/p>\n<p>Das wahre transzendente Erlebnis wartet jedoch auf der Nachbarinsel im <a href=\"https:\/\/www.google.com\/search?biw=1440&amp;bih=793&amp;tbm=isch&amp;sa=1&amp;ei=sj5tXbaVLafikgXXppMY&amp;q=Teshima+Art+Museum&amp;oq=Teshima+Art+Museum&amp;gs_l=img.3..0i67j0i30l4j0i5i30l2.1864008.1864008..1864632...0.0..0.91.91.1......0....2j1..gws-wiz-img.rR4DljUvo6Y&amp;ved=0ahUKEwi2tsuPw7LkAhUnsaQKHVfTBAMQ4dUDCAY&amp;uact=5\">Teshima Art Museum<\/a>: Hier ist der Raum das Kunstwerk und die Kunst das Raumerlebnis. In einem Betonbau, der die Form eines \u00fcbergro\u00dfen Wassertropfens beim Aufkommen auf den Boden hat, k\u00f6nnen G\u00e4ste (wieder barfu\u00df oder besockt) den einzeln aus dem Boden austretenden Wassertropfen beim Laufen \u2013 mal schnell, mal z\u00f6gerlich ineinander \u00fcbergehend und schlie\u00dflich zu einer Pf\u00fctze werdend \u2013 zusehen. Sie k\u00f6nnen dann den Blick gen Himmel wenden und den durch die runden Auslassungen in der Decke wehenden Wind genie\u00dfen \u2013 und eins werden mit dem Kunstwerk, der Welt, dem Universum.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\"><sup>[1]<\/sup><\/a> www.kunstaspekte.art\/event\/lee-ufan-2006-03<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>War es fr\u00fcher die Landflucht, ist es heute Japans rasanter demografischer Schrumpfungsprozess, der die Entv\u00f6lkerung der kleineren Eilande beschleunigt. Nur auf wenigen Inseln gelang [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[7],"tags":[2223],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/42745"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=42745"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/42745\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":43151,"href":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/42745\/revisions\/43151"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=42745"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=42745"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=42745"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}