{"id":42622,"date":"2019-08-29T09:52:24","date_gmt":"2019-08-29T07:52:24","guid":{"rendered":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/?p=42622"},"modified":"2019-09-09T12:08:49","modified_gmt":"2019-09-09T10:08:49","slug":"andreas-sarow-architektur-und-kunst","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/2019\/08\/andreas-sarow-architektur-und-kunst\/","title":{"rendered":"ANDREAS SAROW \u00dcBER DIE SCHNITTSTELLE VON ARCHITEKTUR UND KUNST"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: center;\"><em>\u201eF\u00fcr mich war Architektur schon immer auch Kunst! Und unter diesem Aspekt begegne ich ihr, auch wenn der gedankliche Anspruch mich meist entt\u00e4uscht.\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p><strong>Von schwarzen Villen bis zu magentafarbenen H\u00e4user-Reihen: Der Architekt und K\u00fcnstler Andreas Sarow hinterfragt mit seinen tempor\u00e4ren, ortsspezifischen Inszenierungen g\u00e4ngige Sehgewohnheiten und scheut f\u00fcr deren Realisierung im \u00f6ffentlichen Raum auch nicht die ein oder andere polarisierende Auseinandersetzung mit der Denkmalschutzbeh\u00f6rde oder dem Amtsgericht. Mit uns hat der Installationsk\u00fcnstler, der gleichzeitig auch Immobilienmakler ist, \u00fcber die verschwimmende Grenze zwischen Kunst und Architektur sowie die Herausforderungen von k\u00fcnstlerischen Gro\u00dfprojekten mit Guerilla-Charme gesprochen.<\/strong><\/p>\n<p><em><br \/>\nDie Fragen stellte Julia Ihls.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Andreas Sarow, Sie sind gelernter Architekt. Wie hat es Sie zur Kunst verschlagen?<\/strong><\/p>\n<p>Das stimmt: Von 1995 bis 2000 habe ich Architektur in Stuttgart unter Professor Hans Klumpp studiert und als Dipl.-Ing. (FH) erfolgreich abgeschlossen. Dabei war f\u00fcr mich Architektur schon immer auch Kunst! Und unter diesem Aspekt begegne ich ihr, auch wenn der gedankliche Anspruch mich meist entt\u00e4uscht. Das spiegelt sich auch in meinen Arbeiten wider, die sich mit Architektur, Gesellschaft und Bautraditionen kritisch auseinandersetzen. N\u00fcchtern betrachtet, bauen wir immer noch so wie vor 500 Jahren: Vier W\u00e4nde und meist ein Satteldach mit Tonziegeleindeckung, ohne Formensprache und ohne R\u00fccksicht auf den Ort. Das geh\u00f6rt verboten. In meiner Arbeit \u201eFactory\u201c wird das zum Beispiel deutlich: Die friedlich anmutende Hausproduktion in Magenta wird bei n\u00e4herer Betrachtung zum streng bewachten Vernichtungslager f\u00fcr spie\u00dfige Architektur. Ironischer Weise ist das Magenta-Haus mit seiner 30-Grad-Dachneigung zu meinem Markenzeichen geworden und in der Stadt Pforzheim zum mittlerweile meistfotografierten Objekt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Gibt es Ihrer Meinung nach eine Grenze zwischen der Arbeit als Architekt und der als K\u00fcnstler? Und wenn ja, wo w\u00fcrden Sie diese in Ihrem Fall ziehen?<\/strong><\/p>\n<p>Meine Objekte gehen sehr in die plastische Darstellung mit wenigen bzw. monochromen Elementen und sind nicht zur Nutzung geeignet, da zum Beispiel Fenster ganz geschlossen sind oder gar ganz fehlen. Architektur ben\u00f6tigt viele technische Details f\u00fcr die Funktion und Nutzung, die bei einem reinen Kunstobjekt eher st\u00f6ren. So soll das Projekt \u201eSchwarze Villa\u201c etwa unsere Sehgewohnheiten beeintr\u00e4chtigen, da die \u00fcbliche Material- und Farbschlacht eines Geb\u00e4udes durch den monochromen Farbanstrich komplett verschwindet. Ja, ich glaube, dass durch den technischen Fortschritt Kunst und Architektur immer mehr miteinander verschmelzen k\u00f6nnen, gerade was eine organische Formensprache anbelangt, wie bereits bei vielen \u00f6ffentlichen Geb\u00e4uden zu sehen ist. Dynamik ist ein Stilmittel, das es nun 1:1 vom Entwurf insbesondere durch Computerunterst\u00fctzung bis zur Realisierung schafft. Der Kunst in der Architektur sind somit keine Grenzen gesetzt \u2013 wobei ich pers\u00f6nlich von der Bauhaus-Lehre und dessen kubischen Formen gepr\u00e4gt bin.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>In Ihren k\u00fcnstlerischen Arbeiten geht es oftmals um tempor\u00e4re Umnutzungen von Geb\u00e4uden oder R\u00e4umen, gerne auch als \u201eSarowisierung der Street Art\u201c bezeichnet. Wie gehen Sie an ein neues Projekt heran?<\/strong><\/p>\n<p>Ich lasse mich ganz auf das zu bearbeitende Objekt ein und lege seinen wahren Charakter frei. Dementsprechend sind meine Projekte nur einmal an genau diesem Objekt und genau diesem Ort m\u00f6glich. Dabei gestaltet sich die erste Erkenntnis bereits nach den ersten 60 Sekunden und wird alternativlos ausgearbeitet. Das \u201eBedrohte Haus\u201c mit seinem \u00fcberdimensionalen K\u00e4fig konnte beispielsweise nur dort realisiert werden \u2013 in einer kahlgeschlagenen Umgebung mit Panoramablick \u00fcber die Stadt. Ich freue mich, mit meinen Arbeiten ein eigenes Genre begr\u00fcndet zu haben, das auch die Chancen f\u00fcr Kunst im \u00f6ffentlichen Raum f\u00fcr eine Stadt aufzeigt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Was war f\u00fcr Sie bisher die gr\u00f6\u00dfte Herausforderung im Umgang mit vorgefundenen Raumsituationen?<\/strong><\/p>\n<p>Jedes neue Objekt stellt f\u00fcr mich eine neue Herausforderung dar, die mich bis zur Fertigstellung nicht mehr losl\u00e4sst. Meine Projekte sind materialverschlingende Gro\u00dfskulpturen mit bis zu 120 Metern L\u00e4nge wie etwa bei der \u201eFactory\u201c. Daran im Verborgenen \u2013 meist unter einer Plane \u2013 zu arbeiten, um den Guerilla-Effekt zu erzielen, ist eine gro\u00dfe Herausforderung. Meine berufliche Erfahrung hilft da bei der \u00dcberlegung zur technischen Machbarkeit und Materialauswahl durchaus.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Und zum Schluss noch eine pers\u00f6nliche Kreativ-Frage: Wenn Budget, Zeit und physikalische Gesetze keine Rolle spielten, wie w\u00fcrde Ihr Luftschloss-Traumprojekt aussehen?<\/strong><\/p>\n<p>Mitten im Stra\u00dfenraster von Manhattan w\u00fcrde ich einen kompletten Block mit einem \u201eSarow-Magenta-Haus\u201c bebauen: 300 auf 175 Meter, mit einer Firsth\u00f6he von 300 Metern, in einer Farbe, einem Material und ohne \u00d6ffnungen<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Andreas Sarow, vielen Dank f\u00fcr das inspirierende Gespr\u00e4ch!<\/strong><\/p>\n<p><strong><br \/>\nZur Person<\/strong><\/p>\n<p>Andreas Sarow, Jahrgang 1974, studierte von 1995 bis 2000 Architektur in Stuttgart. Seit 2015 sorgt er mit zahlreichen urbanen Kunstprojekten f\u00fcr Aufmerksamkeit. Dabei unterbricht er den klassischen Werdegang von Bau, Nutzung und Abriss von Immobilien, um so ihren tieferen Charakter \u00fcberzeichnet freizulegen und damit einhergehend Kritik an Architektur, Bautraditionen und Gesellschaft zu \u00fcben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eF\u00fcr mich war Architektur schon immer auch Kunst! Und unter diesem Aspekt begegne ich ihr, auch wenn der gedankliche Anspruch mich meist entt\u00e4uscht.\u201c \u00a0 [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1353],"tags":[880],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/42622"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=42622"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/42622\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":42626,"href":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/42622\/revisions\/42626"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=42622"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=42622"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=42622"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}