{"id":42260,"date":"2019-08-15T11:14:53","date_gmt":"2019-08-15T09:14:53","guid":{"rendered":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/?p=42260"},"modified":"2019-12-05T13:23:31","modified_gmt":"2019-12-05T12:23:31","slug":"new_scenario_whiteout","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/2019\/08\/new_scenario_whiteout\/","title":{"rendered":"WHITEOUT"},"content":{"rendered":"<p>Ein schier grenzenloser, wei\u00dfer Raum, mittendrin performende K\u00fcnstler, die Zuschauer n\u00e4hern sich beobachtend, k\u00f6rper- und ger\u00e4uschlos, den Zugang schafft allein eine VR-Brille: Als weltweit erste Virtual-Reality-Gruppenausstellung zur zeitgen\u00f6ssischen Performance-Kunst wird die Schau des Kuratoren-Kollektivs New Scenario im NRW-Forum D\u00fcsseldorf vollmundig angek\u00fcndigt. Der Anspruch der beiden Kreativen Paul Barsch und Tilman Hornig hier die \u201eErsten\u201c zu sein, l\u00e4sst nat\u00fcrlich so etwas wie eine Programmatik oder Vision hinter dem Format erwarten. Die Berliner K\u00fcnstler haben es sich dabei zur Aufgabe gemacht, mit ihrer dynamischen Plattform narrative Settings abseits des \u201eWhite Cube\u201c zu konzipieren, diesen mit konzeptuellen zeitgen\u00f6ssischen Ausstellungsformaten zu verlassen und damit zu hinterfragen.<\/p>\n<p>Dementsprechend stellt sich ihre Ausstellung \u201eWhiteout\u201c nun dem offenen Widerspruch von Performance-Art \u2013 eine seit den sp\u00e4ten 1960er-Jahren existierenden Kunstform, die Elemente und Theorien der Bildenden sowie der Darstellenden K\u00fcnste vereint und ma\u00dfgeblich von der Anwesenheit und K\u00f6rperlichkeit von Performenden und Publikum ausgeht \u2013 und virtuellem Raum, in dem diese Performance-Arbeiten wiedergegeben werden, ohne dass ebenjener Austausch stattfinden kann. Dabei kommen bzw. fokussieren sich die drei \u201eausstellenden\u201c K\u00fcnstler mit ihren Arbeiten \u2013 Christian Falsnaes mit \u201eStudio\u201c, Va-Bene Elikem Fiatsi mit \u201ewounNded-wouNd\u201c und Maria Hassabi mit \u201eSTAGED?\u201c \u2013 urspr\u00fcnglich auch auf die eigene als auch die Anwesenheit des Publikums. Wobei die Ausnahme in diesem Fall die Arbeit von Christian Falsnaes bildet, der speziell f\u00fcr diese Ausstellung seine eigentliche Performance so umgebaut hat, dass der Produktionsprozess ersichtlich wird. Die so dargestellten Werke fordern damit nicht nur das Publikum heraus: Auch \u201eKunstwerk\u201c und Performance-K\u00fcnstler stellen sich hier einer neuen Kontextualisierung und Wahrnehmung. Die stilpr\u00e4genden Charakteristika der Performance-Art \u2013 K\u00f6rperlichkeit, (Selbst-)Verortung und Zeitlichkeit \u2013 werden in dieser Anordnung folglich diffus bzw. komplett aufgel\u00f6st.<\/p>\n<p>Der Titel \u201eWhiteout\u201c ist dem gleichnamigen Wetterph\u00e4nomen entnommen, bei dem sich (meist im alpinen Raum) Schnee, Nebel oder Wolken so schnell verdichten, dass sich die umliegende Landschaft darin scheinbar aufl\u00f6st. Was im Kunst-Kontext faszinierend und metaphorisch nutzbar erscheint, kann f\u00fcr Wanderer oder Kletterer be\u00e4ngstigend und tats\u00e4chlich gef\u00e4hrlich f\u00fcr Leib und Leben werden. Als Besucher oder Rezipient der Ausstellung f\u00e4llt allerdings eher die Abwesenheit von Leib (und vielleicht auch ein bisschen Leben) auf: Mit Eintritt in den virtuellen Raum geistern die Zuschauer durch den \u201eWhite Space\u201c ohne Kontakt mit sich selbst (es gibt keinen Avatar) oder anderem Publikum: Die Kunst kommt in gewisser Weise \u201eaus der Dose\u201c und schert sich nicht um die Anwesenheit des Rezipienten. Hypervoyeurismus, Entk\u00f6rperlichung und Vereinzelung sind Stichworte, die einem hier einfallen und die vor allem auf die dystopische Seite der neuen VR-Technologien und generell digitaler Kulturen referieren. Schade ist, dass in diesem Kontext die ausgestellten \u201eKunstwerke\u201c zur blo\u00dfen Variablen reduziert werden, da sie sich nicht pro-aktiv zur technologischen Klammer verhalten (k\u00f6nnen), obwohl sich ihre eigentlichen Arbeiten oft mit Gesellschaft, Geschlecht oder Machtverh\u00e4ltnissen auseinandersetzen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein schier grenzenloser, wei\u00dfer Raum, mittendrin performende K\u00fcnstler, die Zuschauer n\u00e4hern sich beobachtend, k\u00f6rper- und ger\u00e4uschlos, den Zugang schafft allein eine VR-Brille: Als weltweit [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[4],"tags":[45,2209],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/42260"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=42260"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/42260\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":42261,"href":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/42260\/revisions\/42261"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=42260"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=42260"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=42260"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}