{"id":40584,"date":"2019-06-04T17:30:40","date_gmt":"2019-06-04T15:30:40","guid":{"rendered":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/?p=40584"},"modified":"2020-02-17T15:19:27","modified_gmt":"2020-02-17T14:19:27","slug":"rock-n-pop-museum","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/2019\/06\/rock-n-pop-museum\/","title":{"rendered":"rock\u2019n\u2019popmuseum"},"content":{"rendered":"<p><strong>Ein so komplexes und vielschichtiges Themengebiet wie die Rock- und Pop-Musik in einer Ausstellung zu fassen und generations\u00fcbergreifend zu vermitteln, ist ein spezielles Unterfangen. Diese Aufgabe wurde vom\u00a0Hamburger B\u00fcro Andreas Heller Architects &amp; Designers nun mit einem Konzept gel\u00f6st, das sowohl auf didaktischen als auch auf emotionalen Elementen aufbaut, sowohl klassische Exponate zeigt als auch innovative Sound-Technik anwendet und sowohl dem Mainstream als auch der Subkultur eine B\u00fchne gibt. So k\u00f6nnen die Besucher der neuen Dauerausstellung des rock\u2019n\u2019popmuseums Gronau dank inszenierter Showcases vollst\u00e4ndig in die <\/strong><strong>Welt der Rock- und Pop-Musik eintauchen. Dabei erm\u00f6glicht ein mobiles und interaktives 3D-Audio-System eine individuelle Reise durch die Musikgeschichte(n).<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>von Kristina von B\u00fclow und Janina Poesch<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Udo Lindenberg pers\u00f6nlich lieferte die Idee zur Gr\u00fcndung des rock\u2019n\u2019popmuseums im nordrhein-westf\u00e4lischen Gronau. Als ber\u00fchmtester Sohn der Stadt gelang es ihm zudem, die Fachmesse f\u00fcr Musik und Unterhaltung \u201e<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Popkomm\">Popkomm<\/a>\u201c zu gewinnen, um gemeinsam das inhaltliche Ausstellungskonzept zu erarbeiten \u2013 ideale Vorzeichen f\u00fcr ein Museum, das Einblick in rund 100 Jahre Rock- und Pop-Geschichte geben soll. Und so wurde nach etwa vierj\u00e4hriger Bauzeit das bundesweit bislang einzige Museum f\u00fcr dieses Genre der Musikgeschichte im Juli 2004 feierlich er\u00f6ffnet. Doch auch Erfolgsgeschichten kommen in die Jahre: Ende 2017 war die Ausstellung in der ehemaligen Turbinenhalle nicht mehr zeitgem\u00e4\u00df, die Fl\u00e4che zu klein und die Sonder- sowie Veranstaltungsfl\u00e4che f\u00fcr Konzerte mit bis zu 800 Personen zu gro\u00df dimensioniert \u2013 das Raumprogramm musste also neu ausgerichtet werden. Unter der Federf\u00fchrung von Andreas Heller Architects &amp; Designers wurde das Haus innerhalb eines Jahres dementsprechend komplett umgebaut, und seit November 2018 k\u00f6nnen Besucher neu beschwingt in den schillernden Facettenreichtum der Rock- und Pop-Musik eintauchen, um zu h\u00f6ren, sp\u00fcren sowie sehen, wie Musik Menschen seit Jahrzehnten bewegt, antreibt und zusammenf\u00fchrt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Rock- und Pop-Geschichten<\/strong><\/p>\n<p>Um dies zu gew\u00e4hrleisten, musste die Dauerausstellung aus dem Unter- in das Erdgeschoss der Turbinenhalle verlegt werden, die mit einer Deckenh\u00f6he von 8,50 Meter sowohl der Musik als auch weiteren Interaktionen mehr Raum bietet. Als Kaleidoskop verschiedener Aspekte der Musikgeschichte konzipiert, bietet die Schau hier nicht nur eine \u201eEhrenb\u00fchne\u201c f\u00fcr Udo Lindenberg, sondern gew\u00e4hrt vor allem spannende Einblicke in neun verschiedene Themenbereiche: in die \u00c4ra \u201eBefore Pop\u201c, in \u201eProtest und Rebellion\u201c, in \u201eK\u00f6rper und Performance\u201c, mit \u201eLive on Stage\u201c in die Entwicklung der B\u00fchnentechnik f\u00fcr Live-Auftritte, mit \u201eFans\u201c in die Bedeutung und Entstehung von Fan-Kulturen, mit \u201eRecord, Play, Stream\u201c in die Entwicklung von Techniken zur Aufnahme, Wiedergabe und Verbreitung und mit \u201eSpaces und Places\u201c in bestimmte Orte und R\u00e4ume, die bei der Evolution von Pop-Musik eine wesentliche Rolle spielen. Dabei wurde bei der Inszenierung bewusst auf eine chronologische Darstellung verzichtet und stattdessen ein akustisches und visuelles Spektrum geschaffen, das mit Kost\u00fcmen und Requisiten, Schallplatten und CDs, Texttafeln und Bildern, Filmen und Dokumenten ein abwechslungsreiches, nicht-lineares Bild der Rock- und Pop-Musik zwischen ihren damaligen Vorl\u00e4ufern und Trends von morgen zeichnet. \u201eWir zeigen Pop als bewegende Ph\u00e4nomenologie, es geht nicht um Chronologie, sondern um Ereignisse. Pop bezieht seine gestalterischen Ans\u00e4tze aus Rebellionen, Performances oder dem Live-on-Stage-Bereich. Die Fan-Kulturen waren stets genauso relevant wie die jeweilige technologische Entwicklung\u201c, erkl\u00e4rt Thomas Mania, Kurator des Museums, das neue inhaltliche Konzept. Die \u00dcberg\u00e4nge zwischen den einzelnen Themenbereichen markieren exponiert inszenierte K\u00fcnstler. So steht Madonna etwa f\u00fcr den Themenkomplex \u201ePerformance\u201c und die deutschen Elektronikpioniere Kraftwerk f\u00fcr \u201eSpaces und Places\u201c. Innerhalb der einzelnen Showcases geben Musiker, Konzertveranstalter, Label-Manager und Musik-TV-Produzenten in Interviews zudem aufschlussreiche Hintergrundinformationen, und Interessierte erfahren neben spannenden Fakten mehr \u00fcber einzelne Stars oder dar\u00fcber, wie sich neue Musikstile durch technische Erfindungen wie Rundfunk und Tontr\u00e4ger so rasant verbreiten konnten. Da die jeweiligen Inszenierungen in der Turbinenhalle hoch aufget\u00fcrmt sind, bilden die verschiedenen Arrangements dabei nicht nur eine Art Skyline, es bieten sich zudem immer neue Blickbez\u00fcge und inhaltliche Verbindungen im ganzen Raum. Die etwa 600 Quadratmeter gro\u00dfe Halle wird so zur \u201erock\u2019n\u2019popCity\u201c mit Stra\u00dfen, Vierteln und Pl\u00e4tzen und die Besucher k\u00f6nnen an den Exponaten \u201ewie ein Fluss, der sich selbst seinen Weg sucht, vorbeim\u00e4andern\u201c, erg\u00e4nzt Andreas Heller.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Neben der Dauerausstellung wurde im Foyer au\u00dferdem ein Caf\u00e9 mit gem\u00fctlicher Club-Atmosph\u00e4re und im Untergeschoss der Live-Club \u201eTurbine\u201c eingerichtet, der Platz f\u00fcr etwa 300 G\u00e4ste bietet und auch unabh\u00e4ngig vom Museumsbetrieb genutzt werden kann. Daneben befindet sich der p\u00e4dagogische Bereich \u201erock\u2019n\u2019popLabor\u201c mit einer Green-Box, in der Besucher eigene Musikvideos aufnehmen k\u00f6nnen. Fans der Krautrockgruppe CAN k\u00f6nnen zudem das originale Aufnahmestudio besichtigen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Klanglandschaften<\/strong><\/p>\n<p>Da Musik aber im Idealfall nicht nur theoretisch, sondern auch emotional vermittelt werden sollte, griffen die Kreativen auf das interaktive 3D-Audio-System von usomo zur\u00fcck. Die verschiedenen Kompositionen werden so zum st\u00e4ndigen Begleiter auf dem Ausstellungsrundgang. Hierf\u00fcr wurde parallel zur Szenografie eine komplexe akustische Ebene aus Tondokumenten herausragender Musiker, Musikuntermalungen, Video-Tonspuren, Sprachkommentaren und Interviews im Raum installiert \u2013 wobei die teils binaural in Echtzeit berechneten Sounds eine positionsgenaue, individuelle Bespielung erm\u00f6glichen. Um in den optimalen Musikgenuss zu kommen, werden zu Beginn der Ausstellung hochwertige Kopfh\u00f6rer ausgegeben, die mit einem Head-Tracking-Modul ausgestattet sind. Dieses kommuniziert mit Sensoren im Raum und liefert zentimetergenaue Ortsangaben der einzelnen Person. So k\u00f6nnen sich die Besucher frei bewegen und die f\u00fcr die jeweiligen Stellen definierten Sounds h\u00f6ren, um akustisch-immersiv in die verschiedenen Themen einzutauchen. Wer l\u00e4nger an einem Showcase verweilt, h\u00f6rt auch l\u00e4nger Musik. So ist der Rundgang durch die Schau jedem selbst \u00fcberlassen, die Besucher bewegen sich auf eigenen Pfaden durch die Bereiche und k\u00f6nnen allein vom eigenen Interesse geleitet die Geschichte der Rock- und Pop-Musik erkunden. Die Trennsch\u00e4rfe des Systems ist dabei so pr\u00e4zise, dass selbst enge R\u00e4ume mit variierenden Sounds belegt werden k\u00f6nnen: Klanglandschaften, die sich in der Fl\u00e4che verlieren, Sounds, die mit anschwellender Lautst\u00e4rke die Besucher zu einem Ereignis hinf\u00fchren, aber auch abrupte \u00dcberg\u00e4nge wie das \u00dcberschreiten einer imagin\u00e4ren Klanglinie. Gleichzeitig fungiert das Soundsystem als inklusives Element und gew\u00e4hrt ein mehrsprachiges Erlebnis der Bild- und Klangwelten des Museums.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Anhand von auf dem Boden markierten, viereckigen Feldern werden zudem die Schl\u00fcsseljahre in der historischen Entwicklung der Sound-Technik pr\u00e4sentiert \u2013 von analog bis digital: Indem sich die Besucher von Feld zu Feld bewegen, h\u00f6ren sie ein Lied aus dem 19. Jahrhundert in f\u00fcnf Versionen, f\u00fcnf Medien und f\u00fcnf Qualit\u00e4ten, die typisch f\u00fcr den jeweiligen Zeitpunkt sind. So erleben sie in der \u201eHistory of Sounds\u201c nicht nur den direkten Vergleich von Aufnahmequalit\u00e4ten zwischen dem Phonographen (1877), Schellack (1896), Vinyl (1945), der CD (1980) und 3D-Sound (2018), sondern gleichzeitig den epochalen Stilwandel an ein und demselben Musikst\u00fcck.<\/p>\n<p>Eine weitere Besonderheit der Ausstellung: Alle 20 Minuten verwandelt sich der Raum in einen Konzertsaal, und auf vier gro\u00dfen Monitoren unterhalb der Decke wird eine computergesteuerte Show mit Film und Sound abgespielt. Sobald jene anl\u00e4uft, f\u00e4hrt nicht nur die Ausstellungsbeleuchtung, sondern auch der interaktive Sound auf den Kopfh\u00f6rern automatisch herunter, das System schaltet auf die station\u00e4ren Lautsprecher im Raum um und unter dezibelgewaltigem Sound werden in regelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden f\u00fcr einige Minuten Live-Performances verschiedener K\u00fcnstler im \u201ePophimmel\u201c gezeigt \u2013 ein Erlebnis, das alle Besucher gemeinsam erfahren. Anschlie\u00dfend kehrt der Klang wieder zur\u00fcck auf die Kopfh\u00f6rer, wobei dieser spezielle Effekt eigens f\u00fcr das rock\u2019n\u2019popmuseum entwickelt wurde.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dank der gekonnten Kombination von r\u00e4umlicher Gestaltung und interaktiver Klanginszenierung, gelingt es den Kreativen, eine reiche Informationsdichte an sehr diverse Zielgruppen mit einer \u00fcberraschenden Leichtigkeit zu vermitteln, ihnen damit ein ungew\u00f6hnliches Erlebnis zu bieten und so auch langfristig in Erinnerung zu bleiben \u2013 ein rundum gelungenes Konzept, das nicht nur von Udo Lindenberg, sondern mit Sicherheit auch von <a href=\"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/2016\/01\/david_bowie_is_die_suche_nach_einem_chamaeleon\/\">David Bowie<\/a> beeinflusst wurde &#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein so komplexes und vielschichtiges Themengebiet wie die Rock- und Pop-Musik in einer Ausstellung zu fassen und generations\u00fcbergreifend zu vermitteln, ist ein spezielles Unterfangen. 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