{"id":36700,"date":"2018-12-01T14:47:16","date_gmt":"2018-12-01T13:47:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/?p=36700"},"modified":"2019-07-30T11:56:26","modified_gmt":"2019-07-30T09:56:26","slug":"harry-gatterer-uber-das-mindset-der-zukunft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/2018\/12\/harry-gatterer-uber-das-mindset-der-zukunft\/","title":{"rendered":"HARRY GATTERER \u00dcBER DAS MINDSET DER ZUKUNFT"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: center;\"><em>&#8220;Denken Sie nicht linear, sondern in Zyklen und Feedbackloops. Das ist richtiges Zukunftsdenken!&#8221;<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Sein Beruf ist die Zukunft: Zwar sa<\/strong><strong>gt er nicht voraus, was morgen passieren wird, und auch mit Hellseherei hat seine Arbeit nichts zu tun \u2013 aber Harry Gatterer hat eine fundierte Vorstellung davon, wohin sich unsere Welt in den n\u00e4chsten Jahren entwickeln wird. Viele bezeichnen ihn als Zukunftsforscher, er selbst sieht sich aber mehr als Entdecker und Entwickler, der sein Know-how dazu nutzt, Unternehmen den \u00dcbergang in die Zukunft zu erm\u00f6glichen. Mit uns hat der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des Zukunftsinstituts mit Sitz in Wien und Frankfurt nun \u00fcber das Denken von morgen sowie die Arbeit mit der Zukunft gesprochen.<\/strong><\/p>\n<p><em><br \/>\nDie Fragen stellte Janina Poesch.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Harry Gatterer, Sie sind Zukunftsforscher. Wie k\u00f6nnen wir uns Ihre Arbeit vorstellen? Wie n\u00e4hern Sie sich der Zukunft an? Und wird sich dieser Beruf in den kommenden Jahren auch wandeln?<\/strong><\/p>\n<p>Das l\u00e4sst sich so allgemeing\u00fcltig gar nicht sagen, denn die Arbeit mit Zukunft ist sehr vielf\u00e4ltig: Unsere Mitarbeiter kommen aus verschiedensten wissenschaftlichen Disziplinen und verf\u00fcgen \u00fcber unterschiedliche pers\u00f6nliche Hintergr\u00fcnde. Wir betreiben klassische Forschung, sammeln Daten, verarbeiten sie, besch\u00e4ftigen uns mit qualitativer und quantitativer Auswertung. Wesentlich ist aber vor allem der Austausch mit unserem breiten Netzwerk von Vordenkern. Das sind Menschen, die in der Lage sind, \u00fcber den allgemeinen Bewusstseinszustand einer Gesellschaft hinauszudenken, und die \u00fcber eine Methodik verf\u00fcgen, mit der sich etwas breiter sehen l\u00e4sst. Der Diskurs mit diesen \u201eMindchangern\u201c ist eminent, und das ist vielleicht auch der gro\u00dfe Unterschied zur alten Trendforschung: Sie war so etwas wie ein Guru-Tool, das einige wenige bekannte Vertreter hervorgebracht hat. Dies ist aber nicht mehr zielf\u00fchrend. Heute und morgen geht es darum, kluge Wissensnetzwerke zu bilden, um die jeweilige Fragestellung mit den richtigen Menschen bearbeiten zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Wie gelingt es Ihnen dabei, einen gesunden Optimismus zu wahren und sich nicht in Dystopien zu verlieren?<\/strong><\/p>\n<p>Sie brauchen einen grunds\u00e4tzlichen Glauben an die Zukunft! Wenn Sie den nicht haben, warum sollten Sie sich dann mit der Zukunft besch\u00e4ftigen? Wir sprechen bewusst von einem kritischen Zukunftsoptimismus, denn nat\u00fcrlich m\u00fcssen wir auch Krisen interpretieren, die Menschen negativ ber\u00fchren und betreffen. Wir malen die Welt nicht rosa, aber wir vertreten ein positives Grundbekenntnis zur Zukunft. Wenn Sie glauben, dass alles den Bach runtergeht, dann haben Sie sich f\u00fcr die Besch\u00e4ftigung mit der Zukunft eigentlich schon disqualifiziert.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Seit 2013 sind Sie Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des Zukunftsinstituts. Wussten Sie am Anfang Ihrer Karriere, dass Sie hier landen werden?<\/strong><\/p>\n<p>Die Anf\u00e4nge meiner beruflichen Laufbahn haben davon nat\u00fcrlich noch nicht viel erahnen lassen: Im Alter von 20 Jahren habe ich mich mit einem M\u00f6belgesch\u00e4ft selbst\u00e4ndig gemacht. Das klingt jetzt erst mal nicht nach einem gro\u00dfen Zukunftsjob, dennoch hatte ich schon damals Gesp\u00fcr f\u00fcr das Neue, denn wir haben unseren Kunden keine M\u00f6bel verkauft, sondern einen Lebensstil. Heute ist das Usus \u2013 aber vor \u00fcber 25 Jahren war das eine Revolution mit Erfolg. Als 20-j\u00e4hriger Gr\u00fcnder fragst Du Dich nicht: Wie haben es die anderen fr\u00fcher gemacht? Du fragst Dich: Was l\u00e4sst sich Neues entwickeln? Das war wiederum ausschlaggebend f\u00fcr mein Interesse, mich explizit mit dem Thema Zukunft zu besch\u00e4ftigen. Nach drei Jahren und dem schleppend laufenden Versuch, mein \u201eErfolgskonzept\u201c als Franchise-System auszubauen, stieg ich schlie\u00dflich aus meinem M\u00f6belgesch\u00e4ft aus \u2013 das \u00fcbrigens noch heute existiert! Dann habe ich zwei Jahre lang viel gelesen, gelernt und bin herumgereist \u2013 nicht zum Spa\u00df, sondern weil ich Wissen aufbauen wollte. Meine ausgepr\u00e4gte Neugier an der Zukunft trieb mich dabei stets an, mich intensiv mit den verschiedensten Bereichen zu besch\u00e4ftigen. Die Zukunft ist nie einfach: Sie hat immer sehr viele Variablen. Wenn Sie sich also mit ihr befassen, brauchen Sie komplexe Methoden sowie systemisches Denken und Verstehen. Das finden Sie vor allem in den Wissenschaften, etwa der Komplexit\u00e4tstheorie, Systemtheorie, Soziologie oder der Psychologie. Mit dem n\u00f6tigen R\u00fcstzeug ausgestattet, bin ich schlie\u00dflich bei Matthias Horx, Koryph\u00e4e im Bereich der Trendforschung und Gr\u00fcnder des Zukunftsinstituts, gelandet. Der Rest ist Geschichte &#8230;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Mit dem Zukunftsinstitut erforschen Sie nun sowohl Mega- als auch Mikrotrends. Wie kommen Sie auf die Themen, die uns in Zukunft pr\u00e4gen werden? Lassen sich Trends auch auf Biegen und Brechen herbeif\u00fchren?<\/strong><\/p>\n<p>Es ist ein gro\u00dfes Problem unserer Zeit, dass wir versuchen, den vermeintlich wichtigen Trends hinterherzuhecheln. Dabei lassen wir uns gerne von Trendbegriffen verleiten, die sich wie Viren in unseren K\u00f6pfen ausbreiten. Digitalisierung, Automatisierung etc. \u2013 diese Begriffe sind allgegenw\u00e4rtig und dennoch wei\u00df kaum jemand wirklich etwas damit anzufangen. Sie zwingen uns geradezu zum Handeln \u2013 dazu, auf sie zu reagieren. Dabei verstellen sie uns aber den Blick darauf, was bestimmte Entwicklungen individuell f\u00fcr uns bedeuten. Das f\u00fchrt dazu, dass sich zum Beispiel Unternehmen oft die falschen Zukunftsfragen stellen. Ich pl\u00e4diere da immer zu mehr Gelassenheit, Abstand, Reflexion und systemischem Denken. Nur so bekommen Sie einen klaren Blick auf Zukunft! Sie m\u00fcssen lernen, drei oder vielleicht vier Mal um die Ecke zu denken. Denn der geradlinige, auf den ersten Blick vermeintlich richtige Weg, dieser erste Schluss, ist meist der falsche. Denken Sie nicht linear, sondern in Zyklen und Feedbackloops. Das ist richtiges Zukunftsdenken!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Sie selbst sagen, die drei S\u00e4ulen der Zukunft sind Gesellschaft, Technologie und Mind. Was genau verstehen Sie darunter?<\/strong><\/p>\n<p>Wenn wir an Zukunft denken, dann denken wir in erster Linie an Technologie. Das ist aber nur ein Teil der Zukunft. Die Innovationskraft, die in der Gesellschaft und vor allem im Denken \u00fcber Zukunft liegt, wird heute oftmals noch zu wenig beachtet und genutzt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Bleiben wir trotzdem mal beim Thema Technologie: Welche Fortschritte k\u00f6nnen wir noch erreichen? Welche Technik wird uns weiterbringen? Und welche Qualifikationen und Kompetenzen sind erforderlich, um diese Entwicklungen produktiv zu steuern?<\/strong><\/p>\n<p>Wir sollten uns nicht zu sehr auf bestimmte Technologien versteifen. Viele der Innovationen, die da drau\u00dfen herumschwirren, sind heute L\u00f6sungen ohne Probleme: Weil uns umfassende technologische M\u00f6glichkeiten zur Verf\u00fcgung stehen, wollen wir alles auf diesem Wege l\u00f6sen. Und dabei verrennen wir uns in diese L\u00f6sungsm\u00f6glichkeiten, w\u00e4hrend wir die eigentliche Frage leider aus den Augen verlieren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Sind wir denn dann \u00fcberhaupt bereit f\u00fcr die k\u00fcnstliche Intelligenz? Welchen Einfluss hat KI auf unser kreatives Denken?<\/strong><\/p>\n<p>K\u00fcnstliche Intelligenz (KI) ist das Buzzword unserer Tage \u2013 die Durchbr\u00fcche im \u201eMachine Learning\u201c, insbesondere im \u201eDeep Learning\u201c, bereiten den Weg f\u00fcr eine Zukunft, in der Technologie unsere Alltags- und Arbeitswelt noch umf\u00e4nglicher pr\u00e4gen wird. Um sich f\u00fcr diese Entwicklung zukunftsweisend aufzustellen, gilt es zun\u00e4chst, die Frage zu beantworten: Was bedeutet k\u00fcnstliche \u201eIntelligenz\u201c \u00fcberhaupt \u2013 jenseits dystopischer Ausl\u00f6schungs\u00e4ngste (die Robocalypse naht) und naiver Technik-Begeisterung (Machbarkeitswahn des Silicon Valley)? Bezogen auf die Anwendung von Technologie in unternehmerischen Kontexten \u2013 also auch auf Kreativit\u00e4t \u2013 l\u00e4sst sich zumindest eins sagen: Intelligent ist es, menschliche und maschinelle Intelligenz produktiv miteinander zu verkn\u00fcpfen. Denn Mensch und Maschine sind im Team erfolgreicher als f\u00fcr sich allein. Um Technologie nicht als Konkurrenz, sondern als Partner anzusehen, ist es wichtig, die kategorischen Unterschiede zwischen menschlicher und k\u00fcnstlicher Intelligenz zu begreifen. Zun\u00e4chst das Offensichtliche: Menschen f\u00fchlen, Maschinen nicht. Das hat weitreichende Auswirkungen, denn nur wer f\u00fchlt, entwickelt Intentionen und kann wirklich kreativ sein und kontextuelles Wissen anwenden. \u201eComputer sind nutzlos, sie k\u00f6nnen uns nur Antworten geben\u201c, wusste schon Pablo Picasso. Anders gesagt: Nur Menschen k\u00f6nnen die richtigen Fragen stellen und den Sinn verstehen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Was w\u00e4ren denn die richtigen Fragen, die wir uns eventuell auch selbst stellen sollten, um f\u00fcr die Zukunft gewappnet zu sein?<\/strong><\/p>\n<p>Wichtig ist vor allem, sich die individuell richtigen Fragen zu stellen. Grunds\u00e4tzlich bedarf es aber der Gelassenheit, systemischen Denkens, des Wissens um die eigene Wirksamkeit sowie des kritischen Zukunftsoptimismus. Lassen Sie eine Frage einfach mal auf sich wirken. Die Zukunft hat nichts mit Hektik und Geschwindigkeit zu tun, wie es uns im Moment eingeredet wird. Sie m\u00fcssen systemischer denken, als wir Menschen es im Alltag gewohnt sind. Der exzessive Blick nach au\u00dfen ist nicht der Zukunftsblick, der Blick in die Selbstwirksamkeit ist der Zukunftsblick. Sie m\u00fcssen sich \u2013 als Unternehmer genauso wie als Mensch \u2013 in den Kontext Ihrer Umwelt setzen, Ihre eigene Wirksamkeit kennen und wissen, was gerade in der Welt passiert.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Ganz konkret: Mit Ihrer Arbeit verkn\u00fcpfen Sie diese gesellschaftlichen Trends mit unternehmerischen Entscheidungen und beraten Unternehmen dabei, relevante Themen zu erkennen und f\u00fcr sich zu nutzen. Wie gehen Sie hierbei vor?<\/strong><\/p>\n<p>Bei unserer Arbeit geht es uns darum, die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklungen zu erkennen und zu benennen, um so die Grundlage f\u00fcr unternehmerische Entscheidungen zu liefern. So haben wir mit dem \u201eFuture Room\u201c eine eigene Methode entwickelt, in die unsere Erkenntnisse ebenso einflie\u00dfen wie unsere Erfahrungen aus \u00fcber 20 Jahren Trend- und Zukunftsforschung sowie Unternehmertum. Der \u201eFuture Room\u201c bietet den individuellen Raum f\u00fcr Unternehmen, an ihrer Zukunft zu arbeiten. Hier werden mittels Impuls, Dialog und Reflektion innerhalb k\u00fcrzester Zeit die relevanten Zukunftsfragen des jeweiligen Unternehmens in den Fokus ger\u00fcckt, Blind Spots beleuchtet und verborgene Potenziale ausgemacht. Dabei ist der \u201eFuture Room\u201c kein physischer Raum. Er ist vielmehr ein Denk- und Gestaltungsraum. Und er ist bereits in jedem Unternehmen vorhanden \u2013 durch das implizite Wissen, Verst\u00e4ndnis und Gef\u00fchl der handelnden Personen. \u00c4hnlich wie ein Buch sein Wissen erst dann mit dem Leser teilt, wenn dieser es aufschl\u00e4gt und liest, setzt der \u201eFuture Room\u201c seine Kraft zur Zukunftsgestaltung erst frei, wenn Entscheidungstr\u00e4ger im Unternehmen ihn betreten und sich auf ihn einlassen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Welchen Vorteil bringt es, sich dabei neben all den Zahlen, der Unternehmensstrategie und den Ver\u00e4nderungen auf den M\u00e4rkten auch noch mit den Emotionen innerhalb eines Unternehmens auseinanderzusetzen?<\/strong><\/p>\n<p>Wir leben in einer hochemotionalen Welt, in der die Menschen hin- und hergerissen sind zwischen den Extremen. Um die unb\u00e4ndige Kraft der Emotionen in produktive Energie umzuwandeln, m\u00fcssen Unternehmen die Rolle von Emotionen als wichtigste Treiber f\u00fcr menschliches Handeln antizipieren. In der DNA jedes Unternehmens sind Emotionen grundlegend angelegt. In ihnen stecken auch die Werte des Unternehmens und aus ihnen speist sich das Zukunftsbild, das wiederum das Tun von Unternehmen antreibt. So k\u00f6nnen Unternehmen etwa von Angst und Leid gesteuert, aber auch von Hoffnung und Stolz angetrieben sein. In einigen dieser Emotionen, den sogenannten Schl\u00fcsselemotionen, steckt das Potenzial, zukunftsorientierte Visionen und damit Ver\u00e4nderung voranzutreiben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Zu Ihrer Methodik des \u201eFuture Room\u201c ist Anfang 2018 ebenfalls eine Publikation erschienen, um Ihr Vorgehen, jedem Interessierten zug\u00e4nglich zu machen. In diesem Buch bewegen Sie sich aber auch in verschiedenen Dimensionen der Wahrnehmung, die an unser r\u00e4umliches Denken angelehnt sind. Was k\u00f6nnen wir uns unter der vierten Dimension der r\u00e4umlichen Wahrnehmung vorstellen?<\/strong><\/p>\n<p>Die vierte Dimension beschreibt das Implizite, also die nicht offensichtlichen, aber strukturgebenden Elemente in einer Organisation. Dies ist vorhandenes oder nicht vorhandenes Wissen, von dem wir gar nicht wissen, dass wir es nicht wissen: die Gedanken und Gef\u00fchle anderer, die virtuellen Informationen, die wir nie als Ganzes sehen k\u00f6nnen, die vielen kleinen Rituale, die Dialoge in den sozialen Medien, die verborgenen Talente. Und eben nicht zu vergessen: die Primings, denen das Unternehmen permanent ausgesetzt ist. Der wesentliche Unterschied zu den anderen Dimensionen besteht in der Wirkungsweise: Bis zur dritten Dimension k\u00f6nnen wir managen und gestalten. In der vierten Dimension m\u00fcssen wir uns auf eine neue Funktion einlassen: das Beobachten. Dies ist die zentrale Aufgabe im \u201eFuture Room\u201c. Dadurch entdecken Sie die Filter und dahinter die Potenziale. Hier erkennen Sie die im Verborgenen wirkenden Kr\u00e4fte. Ein gelingendes Beobachten der eigenen Organisation erfordert Methode und ein wenig \u00dcbung.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Unsere Art der Kommunikation hat sich in den letzten Jahren stark ver\u00e4ndert und wird sich auch in Zukunft weiterentwickeln. Werden wir bald eine neue \u00c4ra betreten? Wird es noch mehr Kommunikationskan\u00e4le geben als bisher? Ist Informationsvermittlung dann \u00fcberhaupt noch h\u00e4ndelbar bzw. zielgerichtet?<\/strong><\/p>\n<p>Digitale Strukturen ver\u00e4ndern unseren Alltag massiv, wir sind gerade in einer Umbruchphase, die aber nicht in dem aktuellen Tempo bis 2050 anhalten wird. Was sich heute seri\u00f6s sagen l\u00e4sst, ist, dass wir unterschiedliche Kommunikationskan\u00e4le nutzen werden und uns dabei mehr in netzwerkartigen Strukturen bewegen, wie schon teilweise heute. Kommunikation bleibt fluid und spontan. Wir werden nicht mehr 15 Kan\u00e4le gleichzeitig aktiv nutzen, vielmehr werden E-Mail, WhatsApp und Co. im Hintergrund separat laufen, aber gemeinsam in einer Benutzeroberfl\u00e4che beim User ankommen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Wir gehen davon aus, dass auch die Kommunikation im Raum von diesen Entwicklungen betroffen sein wird, und sich erlebnisorientierte R\u00e4ume in Zukunft durch vollkommene Vernetzung auszeichnen. Werden Nutzer dieser R\u00e4ume \u00fcberhaupt noch f\u00e4hig sein, die Botschaften zu erkennen?<\/strong><\/p>\n<p>Im permanenten Rauschen unserer lauten Welt liegt die Kunst durchaus darin, Signale zu h\u00f6ren. Das gelingt, indem Sie sich tats\u00e4chlich ein St\u00fcck weit zur\u00fccknehmen und versuchen, das nicht oberfl\u00e4chlich Sichtbare zu orten. So komplex ein System wie unsere Gesellschaft oder ein Unternehmen auch ist \u2013 es gibt immer einige Ankerpunkte, die entscheiden, wie es weitergeht. Aber um deren Muster und Strukturen zu erkennen, m\u00fcssen Sie sich aus dem L\u00e4rm herausnehmen!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Wie k\u00f6nnen insbesondere Gestalter immer ihrer Zeit voraus sein?<\/strong><\/p>\n<p>Indem sie ein offenes Mindset entwickeln und aufh\u00f6ren, immer allem hinterherzuhecheln. Keep it easy! Und versuchen Sie aus dieser Lockerheit heraus die Zukunft als etwas Tolles, etwas Sch\u00f6nes zu begreifen. Erkennen Sie die Welt, in der wir leben, und erkennen Sie, was wir Menschen Wertvolles geschaffen haben, denn niemand von uns w\u00fcrde gerne vor 50 Jahren leben wollen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Und was m\u00fcssen unsere Kinder zuk\u00fcnftig wissen? Bzw. was ist n\u00f6tig, um die Zukunftsgestalter von morgen zum Handeln zu bef\u00e4higen?<\/strong><\/p>\n<p>Die Zukunftskompetenz schlechthin ist sicher die F\u00e4higkeit, \u201eanders denken\u201c und die Welt auch aus anderen Perspektiven wahrnehmen zu k\u00f6nnen. Dazu m\u00fcssen wir unsere Kinder bef\u00e4higen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Zu guter Letzt: Welche Bedeutung hat f\u00fcr Sie eigentlich die Vergangenheit?<\/strong><\/p>\n<p>Sie ist wichtig, weil sich an ihr Muster erkennen und ein Verst\u00e4ndnis aufbauen lassen. Wir bauen unser gegenw\u00e4rtiges Denken \u00fcber die Welt auf das auf, was vorher passiert ist. Deswegen m\u00fcssen wir uns fragen, was uns gepr\u00e4gt hat, welche Momente die inspirierenden waren. Denken Sie etwa an Isaac Newton und seine Gesetzm\u00e4\u00dfigkeiten: Sie pr\u00e4gen uns heute im Alltag und doch denken wir keine Sekunde dar\u00fcber nach. Aber es ist wahnsinnig spannend zu verstehen, wie diese Gesetzm\u00e4\u00dfigkeiten entstanden sind und in welchem Umfeld er sie entdeckt hat.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Harry Gatterer,<\/strong> v<strong>ielen Dank f\u00fcr das ausf\u00fchrliche Gespr\u00e4ch!<\/strong><\/p>\n<p><strong><br \/>\nZur Person<\/strong><\/p>\n<p>Harry Gatterer, Jahrgang 1974, gr\u00fcndete sein erstes Unternehmen bereits im Alter von 20 Jahren. Mit den Erfahrungen aus der unternehmerischen Praxis kam er \u00fcber das Design zur Trendforschung. Heute ist er gesch\u00e4ftsf\u00fchrender Gesellschafter des Zukunftsinstituts mit Sitz in Wien und Frankfurt, 2017 \u00fcbernahm er die Mehrheitsanteile. Von sich selbst sagt er: \u201eIch bin ein Mensch, der Freude mit einem wei\u00dfen Blatt Papier hat. Damit f\u00fchle ich mich, im Gegensatz zu einem vollgetexteten Formular, wohl. Und dieser offene Raum ist es auch, der mich an der Zukunft am meisten reizt.\u201c<\/p>\n<p>Das Zukunftsinstitut ist ein internationaler Think Tank f\u00fcr Trend- und Zukunftsforschung. In diesem Bereich z\u00e4hlt es zu den einflussreichsten Forschungs- und Beratungsteams Europas. 1998 von Matthias Horx gegr\u00fcndet, fokussiert das Unternehmen seine T\u00e4tigkeit auf Publikationen, Beratung sowie Vortr\u00e4ge und Kongresse \u2013 wie etwa der \u201eFuture Day\u201c, der seit 2000 j\u00e4hrlich stattfindet.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8220;Denken Sie nicht linear, sondern in Zyklen und Feedbackloops. 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