{"id":35811,"date":"2018-09-13T14:27:30","date_gmt":"2018-09-13T12:27:30","guid":{"rendered":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/?p=35811"},"modified":"2018-10-11T12:57:44","modified_gmt":"2018-10-11T10:57:44","slug":"are-you-spinning-meso-design","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/2018\/09\/are-you-spinning-meso-design\/","title":{"rendered":"ARE YOU SPINNING?"},"content":{"rendered":"<p><strong>Mit \u201eAre you spinning?\u201c entwickelte MESO Digital Interiors eine interaktive Lichtinstallation, mit der die Besucher der Luminale 2016 zum Radfahren animiert werden sollten. Sebastian Oschatz ist Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des Frankfurter B\u00fcros und konzipiert seit \u00fcber 20 Jahren digitale Systeme zur Kommunikation im Raum. PLOT hat sich das gro\u00dfformatige Fassadenspiel sowie die Inszenierung einer Markenidentit\u00e4t im urbanen Kontext von ihm ausf\u00fchrlich erkl\u00e4ren lassen.<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>von Sebastian Oschatz<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Als Till Schneider, Mitinhaber des Frankfurter Architekturb\u00fcros schneider+schumacher, kurz vor Weihnachten 2015 in unsere Werkstatt kam, hatte er ein Muster eines Stahlgewebes in der Hand, das er gerade f\u00fcr eine Parkhausfassade plante. Der metallische Glanz und die hohe Transparenz hatten es ihm angetan und zusammen mit seinem Bauherren CA Immo kam er auf die Idee, diese Fassade zur Luminale \u2013 ein Festival der Lichtkultur, das seit 2000 alle zwei Jahre in Frankfurt stattfindet \u2013 mit einer tempor\u00e4ren Lichtinstallation zu bespielen.<\/p>\n<p>Von dieser Initialz\u00fcndung lie\u00dfen wir uns gerne mitrei\u00dfen und ein erster improvisierter Workshop am selben Tag brachte schon eine wichtige Erkenntnis: Das Material hatte hohes Leinwand-Potenzial. Projektionen, Scheinwerfer aus verschiedenen Richtungen, eingef\u00e4delte, eingeflochtene oder angeclipste LEDs \u2013 viele denkbare Strategien wurden ausprobiert. Nur die erste Idee \u2013 eine Gro\u00dfprojektion mit Beamern \u2013 kam nicht in Frage, da eine Umsetzung den Rahmen des Budgets sprengen w\u00fcrde. W\u00e4hrend eines zweiten Workshops mit dem Bauleiter einige Wochen sp\u00e4ter erhielten wir dann weitere Einblicke in das Bauprojekt: Das sich noch im Bau befindliche Parkhaus sollte zum Zeitpunkt der Luminale 2016 zwar fertiggestellt sein, w\u00e4re aber noch nicht bezogen und die Fl\u00e4chen damit frei zug\u00e4nglich \u2013 ideale Voraussetzungen also, um die mediale Inszenierung im Parkhaus zu installieren. Allerdings konnte das Stahlgewebe erst wenige Tage vor der Veranstaltung an die Fassade geh\u00e4ngt werden, sodass etwaige Lichteffekte erst kurz vorher getestet werden konnten. Eine erste Baustellenbesichtigung veranschaulichte schlie\u00dflich die enorme Gr\u00f6\u00dfe des Parkhauses. Egal welche Technik hier zum Einsatz kommen w\u00fcrde: Es w\u00fcrden einige Lastwagen voll mit Equipment ben\u00f6tigt.<\/p>\n<p>Bereits von Anfang an formte sich in unseren K\u00f6pfen dabei die Idee, eine Standardtechnik, die sonst eher auf Automobilmessen oder in B\u00fchnenshows zum Einsatz kommt, umzunutzen. Dementsprechend entschieden wir uns f\u00fcr 120 kopfbewegte Scheinwerfer mit einem sehr eng gefassten Strahl: Die RGBW-LED-Chips der ausgew\u00e4hlten Produkte liefern einen hochintensiven, fokussierten Lichtstrahl von f\u00fcnf Grad und ihre K\u00f6pfe lassen sich in alle Richtungen kippen und schwenken \u2013 sie weisen also genug Lichtst\u00e4rke und Flexibilit\u00e4t auf, um die gesamte Parkhausfassade zu erleuchten. Inhaltlich konzentrierten wir uns derweil auf die Tatsache, dass im Erdgeschoss des neuen Geb\u00e4udes Frankfurts erstes Fahrradparkhaus geplant wurde, inklusive einer Werkstatt, um das Fahrrad tags\u00fcber reparieren zu lassen \u2013 ein echter Fortschritt f\u00fcr alle Pendler in Frankfurt, die vom Zug aufs Rad umsteigen wollen. Und ein interessanter Ansatzpunkt f\u00fcr die Weiterentwicklung dieses Projekts: Da die vollst\u00e4ndige Bebauung des Gel\u00e4ndes noch nicht beendet war, stand mit dem ehemaligen Parkplatz vor dem Neubau noch eine gro\u00dfe Freifl\u00e4che zur Verf\u00fcgung \u2013 und somit auch ausreichend Platz f\u00fcr eine interaktive Station, mit der die Besucher einbezogen werden konnten.<\/p>\n<p>Interessierte sollten sich aber nicht nur am Geschehen beteiligen, sondern zudem Lust aufs Radfahren bekommen. Somit war das Konzept schnell geboren: Jeweils zwei Besucher werden eingeladen, gegeneinander auf zwei Fahrr\u00e4dern in den Wettkampf zu treten. Allerdings nicht auf der Stra\u00dfe, sondern in einem \u00fcberdimensional gro\u00dfen Computerspiel \u2013 ausgetragen auf der Fassade des Parkhauses. Damit formte sich auch die Ausgestaltung der Aufgabe: Konzipiere ein interaktives, leicht verst\u00e4ndliches Spiel f\u00fcr zwei Personen, die auf Fahrr\u00e4dern sitzen. Ein Spiel, das mit nur 120 frei beweglichen Lichtpunkten auf der Fassade plausibel dargestellt werden kann und dar\u00fcber hinaus ein visuelles Spektakel entstehen l\u00e4sst. Das hie\u00df schlussendlich, eine Software zu entwickeln, mit der die Kundenanforderungen, die neuesten digitalen Technologien sowie ein hoher gestalterischer Anspruch miteinander verkn\u00fcpft werden k\u00f6nnen \u2013 eine spannende Herausforderung, und bald wurde uns klar, dass die L\u00f6sung irgendwo bei klassischen 8Bit-Spielen liegen musste. Aber welches der Spiele w\u00fcrde all diese Anforderungen erf\u00fcllen?<\/p>\n<p>Da das Parkhaus zum Zeitpunkt des Entwurfs noch keine Fassade hatte, begannen wir zun\u00e4chst mit Simulationen. Hierf\u00fcr baute unser leitender Programmierer ein 3D-Modell des Geb\u00e4udes und begann, die Lichtpunkte auf der Fassade nachzuahmen. Zudem mussten die Winkel der Scheinwerfer \u00fcberpr\u00fcft werden: Sind diese zu flach, werden die Lichtpunkte zu Ellipsen. Auch die Vorab-Untersuchung der Lichtradien spielte eine gro\u00dfe Rolle: Sobald einer der 120 LED-Scheinwerfer seinen Radius ausgesch\u00f6pft hat, \u00fcbernimmt der n\u00e4chste. Noch bevor jener aktiviert werden kann, muss er also seine Position bereits erreicht haben. Um dies zu gew\u00e4hrleisten, programmierten die Softwareentwickler die Scheinwerfer in akribischer Feinarbeit und sorgten damit f\u00fcr ein einheitliches Gesamtbild mit flie\u00dfenden \u00dcberg\u00e4ngen und reibungslosen Spielbewegungen. Die Fassade als Leinwand zu begreifen bot sich direkt an: Zwar wirkt das halbtransparente Drahtgewebe im Tageslicht sehr zur\u00fcckhaltend und elegant, in der Dunkelheit erm\u00f6glicht es jedoch spannende Projektionen, die sich dank der Programmierer und Softwareentwickler flie\u00dfend \u00fcber die Geb\u00e4udeh\u00fclle und somit auch \u00fcber die Grenzen der einzelnen Stockwerke hinwegbewegten. Die Fahrr\u00e4der stellte der Betreiber der Fahrradwerkstatt dann zur Verf\u00fcgung: Die neuwertigen Fixies wurden modifiziert und auf handels\u00fcbliche Rollentrainer montiert, die sowohl die Trittgeschwindigkeit als auch die Ausrichtung der Lenker auf die LED-Strahler \u00fcbertrugen und so das Licht in farbig wechselnde Impulse \u00fcbersetzten.<\/p>\n<p>Jetzt mussten nur noch die Spieler, die durch einen roten bzw. gr\u00fcnen Punkt auf der Fassade visualisiert wurden, ihre Arbeit tun: Ihre Aufgabe war es, innerhalb des Spiels Autoscheinwerfern (zwei wei\u00dfe Punkte) auszuweichen sowie dabei so viele Goldst\u00fccke wie m\u00f6glich aufzusammeln (gelbe Punkte). Mithilfe ihrer Lenker waren sie in der Lage, ihren eigenen Lichtpunkt zu steuern sowie dessen Geschwindigkeit mithilfe der Pedale zu regulieren. Der Spieler, der die meisten Punkte sammeln konnte, gewann das Spiel. Und bis dahin hie\u00df es: den Mitspieler rammen, M\u00fcnzen vor der Nase abjagen oder ihn sogar weg von den begehrten M\u00fcnzen und vor die herannahenden Autoscheinwerfer zu dr\u00e4ngen.<\/p>\n<p>\u201eAre you spinning?\u201c war ein voller Erfolg: Die Besucher der Luminale liebten die interaktive Installation, die dazu einlud, selbst mal wieder in die Pedale zu treten. Und auch wenn wir lediglich zwei N\u00e4chte Zeit hatten, um das Spiel in Betrieb zu nehmen, blieb f\u00fcr uns dennoch ein wenig Mu\u00dfe, um einige kreative Optionen auszuloten. Und mit dem Abschluss dieses Projekts endet noch lange nicht das Nachdenken, Planen und Erforschen. Denn gerade unsere Neugierde und Leidenschaft stellen ja die Fragen nach dem Potenzial und den weiteren M\u00f6glichkeiten, die unsere Installationen sowie die verwendeten Komponenten noch bereithalten k\u00f6nnten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit \u201eAre you spinning?\u201c entwickelte MESO Digital Interiors eine interaktive Lichtinstallation, mit der die Besucher der Luminale 2016 zum Radfahren animiert werden sollten. Sebastian [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[6],"tags":[62,1936],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/35811"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=35811"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/35811\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":35816,"href":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/35811\/revisions\/35816"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=35811"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=35811"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=35811"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}