{"id":35212,"date":"2018-06-06T13:33:33","date_gmt":"2018-06-06T11:33:33","guid":{"rendered":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/?p=35212"},"modified":"2018-09-06T10:58:09","modified_gmt":"2018-09-06T08:58:09","slug":"museum-fur-geschichte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/2018\/06\/museum-fur-geschichte\/","title":{"rendered":"Museum f\u00fcr Geschichte"},"content":{"rendered":"<p>\u201e<b>Kommen Sie zu uns, Ihre Geschichte ist schon da!\u201c Mit diesen spitzfindigen Worten wirbt das Grazer Museum f\u00fcr Geschichte um Aufmerksamkeit. Seit November 2017 erwartet Besucher hier nicht nur ein neues Selbstverst\u00e4ndnis, sondern auch neue Perspektiven auf die Historie der Steiermark. Dank der Ausstellungsgestaltung von INNOCAD wird dabei eine flie\u00dfende Verbindung zwischen Raum, Inhalt und Mensch geschaffen und das Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die eigene Gegenwart sowie Zukunft dank des Blicks in die Vergangenheit um einiges gr\u00f6\u00dfer.<\/b><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><i>von Janina Poesch<\/i><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>1811 durch Erzherzog Johann gegr\u00fcndet, fungierte das Grazer Joanneum zur damaligen Zeit nicht nur als Museum, sondern auch als Lehranstalt: Rund um die umfangreichen naturwissenschaftlichen Sammlungen des Habsburger Adligen lehrten und forschten mehrere ber\u00fchmte Wissenschaftler. Erst 1887 folgte der Beschluss, die jeweiligen Archive in einem gemeinsamen Landesmuseum zu vereinigen und mit mehr als 4,5 Millionen Objekten wird im heutigen Universalmuseum Joanneum nun ein breites Spektrum an Kunst, Kultur und Naturwissenschaften an zw\u00f6lf verschiedenen Standorten im Stadtgebiet Graz sowie in der Steiermark pr\u00e4sentiert. Dabei verf\u00fcgt jedes der zw\u00f6lf Museen \u00fcber einen einzigartigen Charakter \u2013 wobei die Gr\u00fcndungsauftr\u00e4ge des Sammelns, Bewahrens, Forschens und Vermittelns in jedem einzelnen umf\u00e4nglich und sorgf\u00e4ltig befolgt werden. Wie etwa im Museum f\u00fcr Geschichte, das seit 2017 in den R\u00e4umlichkeiten des Palais Herberstein in der Grazer Altstadt beheimatet ist. Besucher k\u00f6nnen sich hier mit dem Werden und Wandel der Steiermark vom Mittelalter bis heute auseinandersetzen und sowohl mithilfe der Kulturhistorischen sowie der Multimedialen Sammlung als auch der Dauerausstellung \u201e100 x Steiermark\u201c in die spannungsreiche Geschichte des Bundeslands eintauchen.<\/p>\n<p>Dabei markiert diese Ausstellungstrilogie einen Meilenstein in der Transformation des Museums: Die einst verborgenen Sch\u00e4tze der Sammlungen werden nun der \u00d6ffentlichkeit zug\u00e4nglich gemacht und vor allem die Beziehung zwischen Mensch und Geschichte in den Mittelpunkt ger\u00fcckt. W\u00e4hrend die Dauerausstellung in den prunkvollen R\u00e4umen im zweiten Obergeschoss des historisch bedeutsamen Geb\u00e4udes untergebracht ist, sind die beiden Sammlungen eher zur\u00fcckhaltend gestaltet: Gleich einem Schaudepot k\u00f6nnen die Exponate hier als dichte Objektcollage erkundet werden \u2013 wobei ein Displaysystem aus industriellen Baumodulen den Rahmen f\u00fcr die etwa 2.000 physischen Ausstellungsst\u00fccke der Kulturhistorischen Sammlung bietet. Die modularen und multifunktionalen Objekttr\u00e4ger bilden zwar einen optischen Kontrast zu den historischen Artefakten, fungieren aber auch als konsistente Raumstruktur, die schonend zum vorhandenen Wandbestand ausgef\u00fchrt wurde, um eine neue atmosph\u00e4rische B\u00fchne zu schaffen. Das kosteng\u00fcnstige Material, das \u2013 je nach Gr\u00f6\u00dfe und Form der Exponate \u2013 flexibel zum Einsatz kommen kann, wird lediglich von feinen Seilnetzen umh\u00fcllt, um bei Besuchern ein Vertrauensverh\u00e4ltnis zu generieren sowie die konventionelle Betrachtung im Ausstellungskontext zu hinterfragen. Zudem kommt diese Pr\u00e4sentationsart auch dem Museumspersonal bei Umgestaltungs- und Wartungsarbeiten zugute. In die metallene Wandebene wurden selbst die Fenster des Palais integriert. So werden sie Teil des Ausstellungskonzepts, bieten Ausblicke auf die historische Stadtlandschaft und machen damit Vergangenheit und Gegenwart zu einem unmittelbaren Exponat.<\/p>\n<p>Der zweite Teil des Schaudepots \u2013 die Multimediale Sammlung \u2013 ist den Medien Foto, Film und Ton gewidmet. Interessierte k\u00f6nnen hier hinter die Kulissen der Sammlungsarbeit blicken und sich selbst auf eine Reise durch die wechselhafte Geschichte der Sammlung seit 1958 begeben. Dabei verbindet das durchg\u00e4ngig metallische Band sowohl metaphorisch als auch r\u00e4umlich die beiden Teile des Depots, schafft einen Dialog zwischen Inhalt und Inszenierung und erm\u00f6glicht den Museumsg\u00e4sten zudem eine unerwartete Perspektive auf den historischen Kontext.<\/p>\n<p>Eine r\u00e4umlich-k\u00fcnstlerische Intervention erwartet die Besucher dagegen in den Prunkr\u00e4umen des Palais: Ausgehend vom Bild einer \u201egedeckten Geschichtstafel\u201c wurden in der Dauerausstellung \u201e100 x Steiermark\u201c ausschlie\u00dflich gl\u00e4serne, teils verspiegelte, m\u00f6belartige Einbauten realisiert, die an die \u00fcberlieferte Nutzung dieser R\u00e4ume erinnern und gleichzeitig als Tr\u00e4ger der Ausstellungsobjekte dienen. In gut 100 Episoden n\u00e4hern sich die Besucher der Geschichte des Landes \u2013 wobei die Komposition aus spiegelnden Objekttr\u00e4gern eine Vielzahl an Betrachtungswinkeln erm\u00f6glicht und dennoch die vorgegebenen technischen Anforderungen gew\u00e4hrleistet. Das Raumm\u00f6bel selbst fungiert als Kunstwerk und bildet eine bildliche und formale Reflektion von Raum, Zeit und Existenz. Das stete Bewegen zwischen R\u00e4umen und Zeiten ist dabei das Wesentliche des Museums \u2013 da ist sich auch Bettina Habsburg-Lothringen, Leiterin der Abteilung Kulturgeschichte, sicher: \u201eWas die Geschichte, Gegenwart und m\u00f6gliche Zukunft angeht, so bewegen wir uns laufend in diesen Zeiten, denen wir gleicherma\u00dfen verpflichtet sind. F\u00fcr die Geschichte sind wir pers\u00f6nlich nicht verantwortlich, wohl aber daf\u00fcr, uns zu ihr verantwortungsvoll zu verhalten \u2013 immer mit Blick auf die Zukunft, an deren Ged\u00e4chtnis wir schon heute bauen.\u201c<\/p>\n<p>Dieser Text ist ebenfalls erschienen in <a href=\"mailto:www.ait-online.de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><span style=\"color: #00000a;\">AIT 9\/2018<\/span><\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eKommen Sie zu uns, Ihre Geschichte ist schon da!\u201c Mit diesen spitzfindigen Worten wirbt das Grazer Museum f\u00fcr Geschichte um Aufmerksamkeit. 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