{"id":33547,"date":"2017-11-29T11:29:13","date_gmt":"2017-11-29T11:29:13","guid":{"rendered":"http:\/\/www.plotmag.com\/blog\/?p=19896"},"modified":"2019-07-30T11:57:52","modified_gmt":"2019-07-30T09:57:52","slug":"museum-fur-kommunikation-bern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/2017\/11\/museum-fur-kommunikation-bern\/","title":{"rendered":"MUSEUM F\u00dcR KOMMUNIKATION"},"content":{"rendered":"<p><strong>Kommunikation ist eines der wandelbarsten sowie fl\u00fcchtigsten Themen unserer Zeit: Wo vorgestern noch ein Brief die Menschen miteinander verbunden und gl\u00fccklich gemacht hat, reicht es heute nicht mehr, nur mit einem Profil in den unz\u00e4hligen sozialen Netzwerken unterwegs zu sein. Spielerisch verbinden wir uns um die ganze Welt und haben dabei doch verlernt, pers\u00f6nlich miteinander zu sprechen. Mit der radikalen Neugestaltung seiner Dauerausstellung nahm sich das Museum f\u00fcr Kommunikation in Bern nun dieser Thematik neu an und entwickelte mit den Amsterdamer Gestaltern von Kossmann.dejong f\u00fcnf Jahre lang ein neues Museumskonzept, das dank interaktiver Stationen das abstrakte Sujet nicht nur perfekt in den Raum \u00fcbersetzt, sondern mit den sogenannten Kommunikatoren zudem ein h\u00f6chst pers\u00f6nliches Besuchserlebnis verspricht.<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><i>von Janina Poesch<\/i><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Mit der Verf\u00fcgung No. 51 k\u00fcndigte die Schweizerische Postverwaltung am 19. Juni 1907 offiziell die Er\u00f6ffnung des Postmuseums an: \u201eDie Oberpostdirektion hat seit einigen Jahren die Gegenst\u00e4nde, die sich auf das alte Verkehrs- und Postwesen unseres Landes beziehen, gesammelt, um an Hand dieser Objekte die Entwicklung des schweizerischen Postwesens bis zur Gegenwart vor Augen f\u00fchren zu k\u00f6nnen. [\u2026] Die Sammlungen sind vom 22. dieses Monats an nach Massgabe des gegenw\u00e4rtig zur Verf\u00fcgung stehenden Raumes im I. Stock, Zimmer Nr. 50, des neuen Postgeb\u00e4udes in Bern zur Besichtigung ausgestellt und k\u00f6nnen t\u00e4glich von 10\u201312 Uhr vormittags unentgeltlich besucht werden.\u201c Damit war der Grundstein f\u00fcr eine lange, wenn auch wechselhafte Geschichte gelegt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Museum um Best\u00e4nde aus dem Fernmeldewesen \u2013 Telefone, Telegrafen und Objekte des radioelektrischen Nachrichtenverkehrs \u2013 erg\u00e4nzt und das Haus 1949 in Schweizerisches PTT-Museum umbenannt. Seit 1997 hei\u00dft dieses nun Museum f\u00fcr Kommunikation. Neue Sammlungsschwerpunkte wie \u201eComputer und neue Medien\u201c, \u201eGeschichte des Schreibens\u201c oder \u201eKunst und Kommunikation\u201c kamen hinzu und Besucher k\u00f6nnen sich seit der Gesamterneuerung im Jahr 2007 interaktiv mit der Geschichte der Kommunikation auseinandersetzen. Doch jene befindet sich im steten und vor allem schnellen Wandel, und so war es n\u00f6tig, sowohl die Ausstellungsinhalte als auch die Institution Museum neu zu denken. Mit einem rundum aufgefrischten Haus wurde dementsprechend im August 2017 ein neues Kapitel in der 110-j\u00e4hrigen Geschichte des Museums aufgeschlagen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Kommunikation erlebbar machen<\/strong><\/p>\n<p>F\u00fcr den Radikalumbau des Geb\u00e4udes hat sich das Team um Direktorin Jacqueline Strauss f\u00fcnf Jahre Zeit genommen und elf Millionen Franken investiert. In enger Zusammenarbeit mit Kossmann.dejong ist dabei ein Ausstellungskonzept entstanden, das f\u00e4hig ist, dem rasanten Ver\u00e4nderungstempo unserer Kommunikationsgewohnheiten Rechnung zu tragen: Bei Bedarf kann die neue Dauerausstellung ganz elegant aktualisiert und erweitert werden \u2013 sogar bis 2030. Den Ausgangspunkt f\u00fcr den Gestaltungsansatz der Amsterdamer Kreativen bildeten verschiedene Grundsatzfragen wie: Warum kommuniziere ich \u00fcberhaupt? Mit wem? Was braucht es, damit wir uns verstehen? Und wie lebe ich in der sich schnell ver\u00e4ndernden Welt der Kommunikation? Die Antworten darauf finden Interessierte auf 2.000 Quadratmetern und drei Etagen, die nun nicht mehr chronologisch, sondern thematisch gegliedert sind.<\/p>\n<p>Dabei gelangen die Museumsg\u00e4ste \u00fcber einen roten Teppich in die Ausstellung \u2013 ges\u00e4umt von pers\u00f6nlichen Geschichten Schweizer B\u00fcrger, anhand derer die verschiedenen Arten von Kommunikation zu allen Lebensphasen erlebbar gemacht werden sollen. Vorbei an einer langen Vitrine mit collageartig angeordneten Artefakten werden sie schlie\u00dflich ins \u201eKommunikationslabor\u201c gef\u00fchrt. Hier sollen die Besucher \u201eaktiviert\u201c und miteinander in Kontakt gebracht werden: An unterschiedlichen Stationen k\u00f6nnen sie zum Beispiel gemeinsam ein Labyrinth-Puzzle l\u00f6sen, beim Filmkaraoke ber\u00fchmte Szenen nachspielen oder mit Mike am gedeckten Tisch sitzen und zu Abend essen \u2013 nur dass Mike nicht real, sondern ein in das Sitzm\u00f6bel integriertes Tablet ist. Damit soll verdeutlicht werden, dass auch Zuh\u00f6ren eine Form von Kommunikation ist. So bleibt sich das Berner Museum beim interaktiven Vermittlungsformat treu, mit dem sich Interessierte selbst einbringen und intensiv mit allen Facetten der Kommunikation auseinandersetzen k\u00f6nnen. \u201eWir haben ein Credo: erleben, erfahren, begreifen. Uns geht es darum, dass Besucher nicht zuerst lesen m\u00fcssen, sondern Kommunikation direkt erleben k\u00f6nnen\u201c, begr\u00fcndet Kurator Christian Rohner diese konzeptionelle Entscheidung. \u201eDenn vor allem das Erlebte wird reflektiert, und unsere G\u00e4ste erhalten somit Denkanst\u00f6\u00dfe \u2013 vertiefende Informationen bekommen sie dann an den W\u00e4nden.\u201c<\/p>\n<p>Eine Etage tiefer \u00f6ffnet sich die \u201eWelt der Erinnerungen\u201c: Aus einer zentralen Skulptur, die ein abstraktes Gehirn darstellt, entw\u00e4chst ein Gewirr aus Nervendr\u00e4hten, die an sogenannte Erinnerungsboxen sowie Hands-on-Exponate gekoppelt sind. Hier sollen Fragen gekl\u00e4rt werden wie etwa: Was merken wir uns, und warum merken wir uns etwas? Oder: Welche Erinnerungen werden bei bestimmten Ger\u00fcchen oder Ger\u00e4uschen aufgerufen? In diesem Archiv darf der Klassiker \u2013 das unertr\u00e4glich laute Posthorn \u2013 nat\u00fcrlich nicht fehlen &#8230; Die angrenzende Themenwelt soll dagegen ein komplexes \u201eDatenzentrum\u201c visualisieren, in dem aktuelle Entwicklungen der Digitalisierung wie Big Data, Privatsph\u00e4re oder die Schattenseiten unserer mobilen Endger\u00e4te im Mittelpunkt der Betrachtungen stehen: Die Besucher sollen sich mit ethischen Fragen zum Wert der scheinbar unbegrenzten Verf\u00fcgbarkeit von Daten und deren Speicherung genauso besch\u00e4ftigen wie mit den Folgen gemeinschaftlicher Netzwerke. \u201eDieser Raum der Ausstellung wird wohl am schnellsten \u00fcberholt sein\u201c, ist sich Christian Rohner bewusst: \u201eDas ist die Zone, in der wahrscheinlich bereits nach einem Jahr schon neue Objekte und Geschichten erg\u00e4nzt werden m\u00fcssen.\u201c<\/p>\n<p>Im untersten Geschoss begeben sich die Museumsg\u00e4ste anschlie\u00dfend auf eine chronologische Reise durch die \u201eKommunikationsrevolution\u201c \u2013 mit Exponaten von der Postkutsche bis zur Drohne, die dank Bildern und Zitaten der jeweils ersten Nutzer in einen geschichtlichen Kontext gesetzt werden. Filmmaterial und interaktive Stationen lassen die Besucher tiefer in die Themen eintauchen und machen zudem die fortw\u00e4hrende Ver\u00e4nderung der Kommunikationsmittel bewusst, die mit ihrem ersten Erscheinen nicht selten von entweder Angst oder Euphorie begleitet waren. Nach einem vision\u00e4ren \u201eBlick in die Zukunft\u201c wird diese Entdeckungsreise zum eigenen kommunizierenden Selbst schlie\u00dflich an der Abmeldestation abgeschlossen: Hier h\u00e4ngt jeder Gast das Bild seines Profils, das er zu Beginn erstellen konnte, an eine gro\u00dfe Fotowand, wodurch ein sich konstant ver\u00e4nderndes Kunstwerk entsteht. So wird auf metaphorische Weise deutlich, worum es bei der Ausstellung eigentlich geht: \u201eEs dreht sich alles um dich \u2013 und du bist nicht allein!\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Menschliche Interaktionen<\/strong><\/p>\n<p>Neben all den interaktiven Stationen, \u00fcberraschenden Objekten und gro\u00dfformatigen Videoprojektionen ist die gr\u00f6\u00dfte Neuerung des Museums jedoch die Tatsache, dass der Museumsbesuch an sich nun zur pers\u00f6nlichen Begegnung wird: Sogenannte Kommunikatoren begleiten die Besucher, laden sie zum Gespr\u00e4ch ein, stellen herausfordernde Fragen, erz\u00e4hlen einen Witz, f\u00fchren zusammen mit Interessierten Auftr\u00e4ge aus und vermitteln Hintergrundinformationen zu den etwa 1.000 Exponaten. Zudem kennen sie ein paar Geheimgriffe, um spezielle \u201eZ\u00fcckerchen\u201c im Museum zug\u00e4nglich zu machen. So bringen sie den direkten Dialog in die Ausstellung und lassen jeden Rundgang zu einem individuellen Erlebnis werden. Jacqueline Strauss wagt damit ein neues Format, das es in der Schweiz bisher noch nicht gegeben hat: \u201eDie neue Ausstellung ist nicht nur eine \u00fcber Kommunikation, sondern macht sie auch direkt erfahrbar.\u201c Damit die Kommunikatoren auf diesen anspruchsvollen Job auch gut vorbereitet sind, haben sie eine aufwendige, eigens vom Museum konzipierte Ausbildung durchlaufen, die zusammen mit einem Erwachsenenbildner entwickelt wurde.<\/p>\n<p>P\u00fcnktlich zur Neuer\u00f6ffnung wartet das Museum zudem mit einem neuen Corporate Design auf. Verantwortlich f\u00fcr den unkonventionellen Auftritt zeichnet dabei das junge Grafikb\u00fcro B&amp;R von Noah Bonsma und Dimitri Reist. Die beiden Berner Kommunikationsgestalter entwickelten eine neue Wort-Bild-Marke, die vor allem durch ihr reduziertes Erscheinungsbild \u00fcberzeugt: Drei Punkte stehen f\u00fcr den Kommunikationsraum, den das Museum \u00f6ffnet \u2013 ein vertrautes Symbol, das sowohl in der analogen als auch in der digitalen Welt als Platzhalter f\u00fcr mehr Informationen verstanden wird \u2026<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kommunikation ist eines der wandelbarsten sowie fl\u00fcchtigsten Themen unserer Zeit: Wo vorgestern noch ein Brief die Menschen miteinander verbunden und gl\u00fccklich gemacht hat, reicht [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[4],"tags":[1058,565],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/33547"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=33547"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/33547\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":33826,"href":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/33547\/revisions\/33826"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=33547"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=33547"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=33547"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}