{"id":32475,"date":"2017-07-17T08:39:05","date_gmt":"2017-07-17T08:39:05","guid":{"rendered":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/?p=9099"},"modified":"2017-11-14T12:57:45","modified_gmt":"2017-11-14T11:57:45","slug":"expo-2017-astana-kasachstan","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/2017\/07\/expo-2017-astana-kasachstan\/","title":{"rendered":"EXPO 2017 | ENERGIE DER ZUKUNFT: MASSNAHMEN F\u00dcR WELTWEITE NACHHALTIGKEIT"},"content":{"rendered":"<p><strong>Am 10. Juni \u00f6ffnete die EXPO 2017 in Astana ihre Tore. Es ist die erste Weltausstellung, die in Zentralasien stattfindet und sich dabei dem Thema \u201eEnergie der Zukunft: Ma\u00dfnahmen f\u00fcr weltweite Nachhaltigkeit\u201c widmet. Die ausreichende und gesicherte Versorgung mit Energie in Entwicklungsl\u00e4ndern soll hier genauso thematisiert werden wie der \u00dcbergang von fossilen zu erneuerbaren Energien. 110 Nationen stellen sich in Kasachstans Hauptstadt dementsprechend der Herausforderung, auf insgesamt 25 Hektar Ausstellungsfl\u00e4che ihre innovativen L\u00f6sungsvorschl\u00e4ge zu pr\u00e4sentieren und dieses gesellschaftlich hoch relevante Thema in eine Rauminszenierung zu \u00fcbersetzen. Wie das im Einzelnen gelungen ist, hat sich PLOT vor Ort angeschaut.<\/strong><\/p>\n<p><em><br \/>\nvon Janina Poesch<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Als wir 2010 mit <a href=\"http:\/\/www.plotmag.com\/blog\/2010\/09\/plot6-vanity-fair\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">PLOT#6<\/a> \u00fcber die EXPO in Shanghai berichteten, schrieb unser Autor <a href=\"http:\/\/www.bernhardbartsch.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Bernhard Bartsch<\/a> bereits \u00fcber \u201eDie letzte EXPO\u201c. Er war der Meinung, im Zeitalter der Globalisierung ist das Format der Weltausstellung vollkommen veraltet und das mittlerweile 166 Jahre alte Konzept w\u00fcrde in Shanghai sein glorreiches Ende finden. <a href=\"http:\/\/www.plotmag.com\/blog\/2012\/08\/expo-yeosu-korea-2012-totems-atelier-brueckner-facts-fiction\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Yeosu<\/a> (2012) und <a href=\"http:\/\/www.plotmag.com\/blog\/2015\/10\/expo2015_special\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Mailand<\/a> (2015) folgten und die EXPO hat noch immer Bestand. Doch die Frage scheint damals wie heute berechtigt: Ist die EXPO ein Auslaufmodell? Bernhard Bartsch hatte seinerzeit eine klare Antwort: \u201eW\u00e4hrend sich die gr\u00f6\u00dften Metropolen um die Olympischen Spiele rei\u00dfen, ist die Weltausstellung zunehmend zu einer B-Attraktion geworden. Lange Jahre lang nahm die Zahl der teilnehmenden L\u00e4nder best\u00e4ndig ab, und die Gastgeber blieben meist auf hohen Schulden sitzen. Denn im Zeitalter von Flugverkehr, Massenmedien und Internet braucht sich die Menschheit nicht mehr alle paar Jahre zu verabreden, um zu erfahren, wie es am anderen Ende des Planeten aussieht. Auch die \u00c4ra, in der gro\u00dfe Innovationen zuerst bei EXPOs pr\u00e4sentiert wurden, ist l\u00e4ngst Vergangenheit. So wurde aus dem Markt der Neuigkeiten ein staatlich subventioniertes Zwitterwesen aus Industrie- und Tourismusmesse, notd\u00fcrftig verpackt als globales Selbstlernzentrum. [\u2026] Betrachten wir die EXPO 2010 deshalb als glorreiche Abschiedsvorstellung des gro\u00dfen Wanderzirkus der Globalisierung.\u201c<\/p>\n<p>Sieben Jahre sp\u00e4ter und um einige Erfahrungen reicher, haben wir noch immer keine endg\u00fcltige Antwort gefunden. Eins ist aber klar: Weltausstellungen k\u00f6nnen (und sollen) sich abseits der Pr\u00e4sentation von industrieller und gewerblicher Leistungsf\u00e4higkeit sowie der Demonstration neuer technischer Entwicklungen den dr\u00e4ngenden Problemen der Gegenwart widmen, und Themen ansprechen, die grunds\u00e4tzlich die ganze Menschheit betreffen. Das ist wesentlich und es gibt sonst kaum ein Format, mit dem weltweite Ansichten geb\u00fcndelt pr\u00e4sentiert und vor allem hautnah erlebt werden k\u00f6nnen. So l\u00e4sst sich \u00fcber Grenzen hinweg zu einer verst\u00e4rkten Bewusstseinsbildung beitragen und globale Herausforderungen scheinen sich gemeinsam l\u00f6sen zu lassen. Dass im Zuge der Globalisierung jedoch auch die Darstellungsweise wie aus einem Brei zu sein scheint, bleibt dagegen oft untersch\u00e4tzt und EXPO-Besucher k\u00f6nnen froh sein, wenn sie noch etwas vollkommen Neues und Unerwartetes entdecken, dessen Impuls sie aus dem globalisierten Koma aufwachen l\u00e4sst \u2013 sofern sie der EXPO denn \u00fcberhaupt einen Besuch abstatten \u2026<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Synergie der Zukunft?<\/strong><\/p>\n<p>Die Verantwortlichen der EXPO in Astana rechnen mit etwa f\u00fcnf Millionen G\u00e4sten \u2013 zum Vergleich: In Shanghai wurden 70 Millionen erwartet. Das ist \u00fcberschaubar und auf dem 174 Hektar gro\u00dfen Areal dementsprechend viel Freiraum. Geschuldet ist dies nat\u00fcrlich der Tatsache, dass es sich um eine \u201ekleine EXPO\u201c handelt \u2013 was bedeutet, dass sie nicht sechs, sondern nur drei Monate dauert, auf einem kleiner bemessenen Terrain stattfindet und zugunsten einer gro\u00df dimensionierten Ausstellungsstruktur auf solit\u00e4re Pavillonbauten verzichtet. Ausnahmen bilden der Pavillon des Gastgeberlands sowie bestimmte Themenh\u00e4user, die in das Gesamtkonzept integriert werden.<\/p>\n<p>So ragt der Kasachische Pavillon \u2013 \u201eThe Sphere\u201c \u2013 als kugelf\u00f6rmige, verglaste und mit Photovoltaik best\u00fcckte Stahlkonstruktion mit insgesamt 100 Metern H\u00f6he und einem Durchmesser von 80 Metern aus der Baumasse empor und bildet das offensichtliche Herzst\u00fcck des EXPO-Gel\u00e4ndes. Entworfen von <a href=\"http:\/\/www.kca-int.com\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Khuan Chew<\/a>, die auch schon f\u00fcr den Burj al Arab in Dubai verantwortlich zeichnete, werden auf acht Ebenen und 26.000 Quadratmetern verschiedene Ausstellungen gezeigt und neue Energieformen sowie Kasachstan als selbstbewusstes Land mit eurasischer Tradition pr\u00e4sentiert \u2013 wobei Kasachstans Energieversorgung derzeit neben Kohle und Erdgas immer noch auf Erd\u00f6l (das wichtigste Wirtschaftsgut des Landes) basiert. Die Themenbereiche Biomasse, Kinetik, Solar und Wind wurden derweil von der Frankfurter Agentur <a href=\"http:\/\/www.kunzberg.de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">KUNZBERG<\/a> kuratiert, gestaltet und produziert. Auf etwa 10.000 Quadratmetern und anhand von raumgreifenden skulpturalen Inszenierungen, Spielen und interaktiven Anwendungen soll den Besuchern hier ein Einblick in die vielf\u00e4ltigen M\u00f6glichkeiten nachhaltiger Energiegewinnung und -umsetzung gegeben werden. In den Abendstunden wird das Wahrzeichen aufw\u00e4ndig bespielt und es stellt sich die Frage, ob der Mond den Pavillon oder der Pavillon den Mond anstrahlt. Um den Rundbau herum sind schlie\u00dflich die Themen- sowie L\u00e4nderpavillons in gro\u00dfen einheitlichen Strukturen, die vergleichsweise klein parzelliert sind, strahlenf\u00f6rmig angeordnet. Deutschland hat mit etwa 1.250 Quadratmetern die gr\u00f6\u00dfte Grundfl\u00e4che, den weiteren Teilnehmern stehen zwischen 400 und 1.000 Quadratmeter zur Verf\u00fcgung. Wie diese ausgestaltet werden, bleibt den 110 teilnehmenden Nationen nat\u00fcrlich selbst \u00fcberlassen. Dabei war den Architekten des Masterplans <a href=\"http:\/\/smithgill.com\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Adrian Smith + Gordon Gill Architecture<\/a> aus Chicago besonders wichtig, dass mit jedem dieser Geb\u00e4ude der Energieverbrauch dezimiert wird, w\u00e4hrend die M\u00f6glichkeiten der Energiegewinnung steigen. Da s\u00e4mtliche Bauten nach der EXPO tats\u00e4chlich weiterhin genutzt werden \u2013 in die H\u00e4lfte der Hallen zieht das Astana International Financial Center, die andere H\u00e4lfte soll der nahe gelegenen Nazarbayev University f\u00fcr Forschungszwecke sowie als Technologiepark zur Verf\u00fcgung gestellt und \u201eThe Sphere\u201c zu einem Museum umgebaut werden \u2013, liegt hier auf jeden Fall der nachhaltigste und lobenswerteste Aspekt der Gro\u00dfveranstaltung. Da k\u00f6nnen die Aussteller durchaus in Kauf nehmen, dass sie in ihren nach Au\u00dfen sichtbaren, gestalterischen M\u00f6glichkeiten stark eingeschr\u00e4nkt sind und in den vorgegebenen Strukturen nicht alles m\u00f6glich ist. Dementsprechend steht ihnen lediglich eine Fassade zur Verf\u00fcgung, mit der zum Ausdruck gebracht werden kann, was die Besucher im Inneren erwartet.<\/p>\n<p>Positiv f\u00e4llt hier insbesondere der <a href=\"http:\/\/www.plotmag.com\/blog\/2017\/07\/pavillon-deutschland-expo2017\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><strong>Deutsche Pavillon<\/strong><\/a> auf, dessen Stirnseite von den D\u00fcsseldorfer <a href=\"http:\/\/www.gtp2-architekten.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">gtp2 architekten<\/a> in Zusammenarbeit mit den Berliner Gestaltern von <a href=\"http:\/\/www.insglueck.com\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">insgl\u00fcck<\/a> aufgebrochen wurde und die Besucher nun anhand eines langen, thematisch bespielten Gangs in die Ausstellung gezogen werden. Auch wenn die hier gezeigte Schau im Gesamtkonzept sehr gelungen ist, unterscheidet sie sich im Aufbau allerdings nur wenig von anderen Inszenierungen: Nach einer freundlichen Begr\u00fc\u00dfung folgt auf den allgemeinen Prolog der Hauptteil mit interaktiven Exponaten, der schlie\u00dflich von einer immersiven Main Show im Epilog abgerundet wird. Das ist ein probates Vermittlungsformat und auch auf der EXPO waren wieder einmal genug Gestalter t\u00e4tig, die noch nicht einmal dieses Erfolgsprinzip verstanden haben, aber auf die Gesamtdauer eines Besuchs wird es doch etwas langweilig! Bei einer eventuellen Reise nach Astana sollte also definitiv der Deutsche Pavillon an erster Stelle auf der Liste stehen \u2013 dann ist die Messlatte nach oben schon mal abgesteckt. Mithalten k\u00f6nnen nur wenige \u2013 im Gegenteil: Selbst die \u201eemotionalen\u201c Main Shows, mit denen kaum etwas \u201efalsch\u201c gemacht werden kann, weisen eklatante Schw\u00e4chen auf, die durch den Einsatz neuester (oder althergebrachter) Technologien zu \u00fcbert\u00fcnchen versucht werden. Alle 15 Minuten werden Pavillonbesucher so von der \u201eEnergie der Zukunft\u201c eingelullt bis sie glauben, was sie sehen. Im wahrsten Sinne des Wortes hat China den Vogel abgeschossen und die G\u00e4ste des 3D-Kinos k\u00f6nnen dabei zusehen, wie ein animierter Ph\u00f6nix aus der Asche der Atom-Energie steigt und die Welt vor der n\u00e4chsten Eiszeit rettet. Gratulation: Die Regeln g\u00e4ngiger Propaganda wurden allesamt eingehalten!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Szenografie der Zukunft?<\/strong><\/p>\n<p>Die Liste der Pavillons, die zum kognitiven Overkill f\u00fchren, ist lang. Deswegen m\u00f6chten wir neben dem Deutschen Pavillon an dieser Stelle nur diejenigen hervorheben, die uns in ihrer Machart wirklich \u00fcberzeugt (und die wir auch pers\u00f6nlich gesehen) haben: \u00d6sterreich, Schweiz und UK. Sie unterscheiden sich insofern vom Einheitsbrei, dass sie allein bei der Art und Weise der inhaltlichen Vermittlung einen anderen Weg gehen:<\/p>\n<p><strong>\u00d6sterreich<\/strong> setzt dabei auf Hirn, Herz und Muskelkraft. In einem Parcours mit zehn unterhaltsamen, interaktiven Stationen sollen die Besucher durch den Einsatz ihrer eigenen \u201ePower\u201c in spielerische Konkurrenz zur Steckdosen-Energie treten. Erst durch Ausdauer, Kraft, Geschicklichkeit sowie in gemeinsamer Aktion mit anderen Besuchern entfaltet sich so der Inhalt des Pavillons. Ressourcenschonung und nachhaltiger Umgang sind dabei keine Worth\u00fclsen, sondern bilden einen zukunftsweisenden Kontext, in den sich die Konzeptidee der Wiener <a href=\"http:\/\/www.bwm.at\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">BWM Architekten<\/a> f\u00fcgt: \u201eFuture Energy is you!\u201c \u2013 der Mensch als Energiequelle kann sich aktiv an den Debatten beteiligen und zur Bew\u00e4ltigung der anstehenden Umweltfragen beitragen. Innovation, eines der Kernthemen der EXPO, wird also weniger \u00fcber Hightech-Gadgets, sondern vielmehr \u00fcber die Kreativit\u00e4t als menschliches Erzeugnis fassbar. Grafisch von <a href=\"http:\/\/www.perndl.at\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Perndl+Co<\/a> genauso ausdrucksstark umgesetzt, werden \u00fcber Ger\u00e4te wie Fahrr\u00e4der, Hometrainer, Kurbeln, Wippen oder Blasebalge repr\u00e4sentative Inhalte \u00fcber \u00d6sterreich vermittelt. Als Highlight der 870 Quadratmeter gro\u00dfen Inszenierung k\u00f6nnen Besucher auf zehn Fahrr\u00e4dern schlie\u00dflich in die Pedale treten und bei gleichem Rhythmus mit der inoffiziellen Hymne \u00d6sterreichs \u2013 dem Donauwalzer \u2013 den Raum mit seiner zweigeschossigen Ger\u00fcststruktur beschallen. Umweltbewusstsein l\u00e4sst sich als charmante Lowtech-Installation also auch nonverbal und ganz ohne Main Show in den K\u00f6pfen der Besucher verankern.<\/p>\n<p>Unter dem Motto \u201eFlower Power\u201c stellt auch die <strong>Schweiz<\/strong> den Menschen in den Mittelpunkt und damit jedem Themenbereich einen ausgewiesenen Experten zur Seite, der in Landessprache oder Englisch \u00fcber Schweizer Know-how und Innovationskraft in den Bereichen Energieeffizienz und erneuerbare Energien Auskunft gibt \u2013 ganz analog. \u201eF\u00fcr die Umsetzung der Energiewende spielt das pers\u00f6nliche Engagement eine wichtige Rolle. Unsere Ausstellung soll die Besucher daf\u00fcr sensibilisieren, dass jeder von ihnen aktiv einen Beitrag leisten kann: Viele kleine Schritte ergeben eine gro\u00dfe L\u00f6sung\u201c, so Nicolas Bideau, Leiter der <a href=\"https:\/\/www.eda.admin.ch\/eda\/de\/home.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Pr\u00e4senz Schweiz<\/a>. So sind es auch die Besucher, die den wei\u00dfen Raum schlie\u00dflich zum Leben erwecken. W\u00e4hrend sie sich in den drei thematischen H\u00e4usern mit dem EXPO-Thema auseinandersetzen, beginnt die \u00e4u\u00dfere Umgebung zu \u201ebl\u00fchen\u201c: Die von <a href=\"http:\/\/www.atelier-oi.ch\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">atelier o\u00ef<\/a> gestaltete Landschaft mit drehenden B\u00e4umen und raumgreifenden Projektionen entfaltet sich und der 560 Quadratmeter gro\u00dfe Pavillon wird in eine sinnliche Gesamtinstallation verwandelt. Kleine Vogelh\u00e4user erg\u00e4nzen als Medienstationen zudem die Szenerie.<\/p>\n<p>Sehr k\u00fcnstlerisch hingegen zeigen sich wieder einmal die <strong>Briten,<\/strong> die mit ihrem Pavillon bereits auf der EXPO in Shanghai sowie in Mailand \u00fcberzeugen konnten. 2017 begeben sie sich auf eine Zeitreise und lassen die Besucher unter dem Motto \u201eWe are Energy\u201c die Urspr\u00fcnge der Energie entdecken. Herzst\u00fcck des 1.100 Quadratmeter gro\u00dfen Pavillons ist dabei eine hochtechnisierte, interaktive Jurte, die als traditionelles Zelt der Nomaden in West- und Zentralasien, nicht nur die \u201eArchitektur der Zukunft\u201c, sondern auch die stete Verbindung von Zivilisation und Umwelt verk\u00f6rpern soll. Dementsprechend reagieren die einzelnen Plexiglas-Tr\u00e4ger der Konstruktion auf menschliche Ber\u00fchrung, leuchten in verschiedenen Farben auf und illuminieren so \u2013 je nach Aufkommen \u2013 sowie in akustischer Begleitung den zur\u00fcckhaltenden Raum. Gestaltet vom Londoner Architekten <a href=\"http:\/\/www.asif-khan.com\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Asif Khan<\/a> sollen die Besucher damit angeregt werden, \u00fcber folgende Frage nachzudenken: Wenn wir realisieren, dass wir alle unseren Ursprung im Urknall hatten und erkennen, dass wir somit selbst einen kleinen Teil von Energie und Materie darstellen sowie seit jeher miteinander verbunden sind, wie wird sich diese Erkenntnis auf unsere Denkweise die Energie der Zukunft betreffend auswirken? Auch wenn die Antwort bewusst offen bleibt, werden die Besucher des Britischen Pavillons wieder einmal mit einem poetischen Blick auf ein gesellschaftlich relevantes Thema entlassen, das in eine gro\u00dfe Geste \u00fcbersetzt wurde.<\/p>\n<p>Ob diese Arten der Inszenierung nun genauso zukunftsweisend wie die jeweiligen Inhalte der Pavillons selbst sind, kann jeder individuell f\u00fcr sich beantworten. Sie sind zumindest durchaus erfrischend und bleiben im Ged\u00e4chtnis. Dementsprechend pl\u00e4dieren wir auf jeden Fall daf\u00fcr, sich hin und wieder von altbew\u00e4hrten Inszenierungstraditionen und -methoden zu l\u00f6sen, Neues zu wagen, \u00fcber den Tellerrand hinauszuschauen, sich neuen Vermittlungsformaten zu widmen und Inhalte nicht nur durch den \u00fcbereifrigen Einsatz von Medien zu reproduzieren. Die n\u00e4chste EXPO ist schon in Planung und das Thema der in 2020 in Dubai stattfindenden <a href=\"http:\/\/www.expo2020dubai.ae\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Weltausstellung<\/a> \u2013 \u201eConnecting Minds, Creating the Future\u201c \u2013 l\u00e4sst daf\u00fcr momentan noch sehr viel \u201eSpielraum\u201c. Wir hoffen, dieser wird genutzt, damit wir nicht in der n\u00e4chsten Main Show sitzen und uns fragen m\u00fcssen, was sich eigentlich hinter dem 360\u00b0-Screen befindet und wie viele Projektoren auf kleinster Fl\u00e4che zum Einsatz kommen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Energie der Zukunft?<\/strong><\/p>\n<p>Wer die EXPO in Astana besuchen m\u00f6chte, hat noch bis zum 10. September 2017 die M\u00f6glichkeit. Ob es sich lohnt, k\u00f6nnen wir nur mit der Floskel \u201eEs lohnt sich immer!\u201c beantworten. Denn auch wenn Sie auf dem EXPO-Gel\u00e4nde nichts entdecken sollten, was Ihr Herz h\u00f6her schlagen l\u00e4sst, dann h\u00e4lt Kasachstans Hauptstadt neben Pferdesteak und Stutenmilch noch ein paar (architektonische) Absurdit\u00e4ten bereit: Anders als Planhauptst\u00e4dte wie Brasilia oder Neu-Delhi, die g\u00e4nzlich auf dem Rei\u00dfbrett entstanden sind, ist Astana \u2013 das 1997 Almaty als Hauptstadt abgel\u00f6st hat \u2013 eher ein halbk\u00fcnstliches Gebilde. Auf der n\u00f6rdlichen Seite des Flusses sind noch die Urspr\u00fcnge der Stadt zu finden, die mit Akmolinsk, Zelinograd und Aqmola schon viele Namen hatte. Auf der s\u00fcdlichen Seite des Ischim ist das neue Astana angelegt \u2013 ein Entwurf im Auftrag des Pr\u00e4sidenten Nursultan Nazarbayev, vom japanischen Architekten und St\u00e4dteplaner <a href=\"http:\/\/www.kisho.co.jp\/page\/222.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Kisho Kurokawa<\/a> locker in die weite Steppe Asiens geworfen. Hier stehen Geb\u00e4ude der weltweit bekanntesten Architekten neben der gr\u00f6\u00dften Moschee Zentralasiens und klassizistischen Opernh\u00e4usern des 19. Jahrhunderts \u2013 alle Mitte der 2000er-Jahre gebaut und er\u00f6ffnet. Zentralaxial angeordnet, beginnt beziehungsweise endet alles beim monumentalen, an das Wei\u00dfe Haus erinnernde Pr\u00e4sidentenpalast \u2013 die Milliarden, die mit Erd\u00f6l gewonnen wurden, haben all den Prunk m\u00f6glich gemacht. Bis 2030 soll das k\u00fcnstliche Stadtgebilde fertig sein und Astana in eines der \u201est\u00e4rksten wissenschaftlichen, medizinischen, sportlichen, industriellen und kulturellen Zentren des eurasischen Raums verwandelt werden\u201c, so die offizielle Pr\u00e4misse.<\/p>\n<p>Schade allerdings ist, dass der Aufschwung Kasachstans auf der Energie der Vergangenheit gr\u00fcndet und sich dies auch im Stadtbild ablesen l\u00e4sst: Bei all den Neubauten ist kaum Architektur zu finden, die den Energiewandel schon jetzt tr\u00e4gt. Da scheint das EXPO-Gel\u00e4nde eine r\u00fchmliche Ausnahme zu bilden. Allerdings machten ebenso Berichte die Runde, dass Gelder aus einem staatlichen Pensionsfonds f\u00fcr die hier stattfindenden Bauarbeiten verwendet wurden. Verst\u00e4ndlich, dass nicht nur wir, sondern auch die Bewohner des Landes dar\u00fcber diskutieren, wie sinnvoll das Prestigeprojekt eigentlich ist. Diese Antwort werden Sie jedoch nur dann finden, wenn Sie dem neuntgr\u00f6\u00dften Staat der Erde und der Hauptstadt mit Temperaturunterschieden von bis zu 80\u00b0 Celsius selbst einen Besuch abstatten \u2026<\/p>\n<p>Gelegenheit h\u00e4tten Sie zum \u201e<a href=\"https:\/\/futureenergyforum.org\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Future Energy Forum<\/a>\u201c, das vom 29. Juni bis 5. September 2017 stattfindet und im Conference Center der EXPO die Nutzung, den Ausbau sowie die Zukunft erneuerbarer Energiequellen ebenso wie die nachhaltige Nutzung von Bodensch\u00e4tzen, Ma\u00dfnahmen der Energieeffizienz und neue Business Modelle f\u00fcr eine postfossile Gesellschaft in den Fokus der Diskussionen stellt. F\u00fcr Konzeption, Organisation sowie Umsetzung der zw\u00f6lf internationalen Konferenzen mit bis zu 400 Teilnehmern zeichnet dabei <a href=\"https:\/\/www.triad.de\/de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">TRIAD Berlin<\/a> verantwortlich, die ebenfalls die szenografische Gestaltung aller vier B\u00fchnen \u00fcbernommen haben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Noch mehr zur EXPO finden Sie auch auf dem <a href=\"http:\/\/blog.auma.de\/tag\/expo\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Blog<\/a> des AUMA \u2013 Ausstellungs- und Messe-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft, der die Weltausstellungen mit seiner Berichterstattung schon seit 2013 begleitet.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 10. Juni \u00f6ffnete die EXPO 2017 in Astana ihre Tore. 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