{"id":26793,"date":"2016-06-23T10:55:29","date_gmt":"2016-06-23T10:55:29","guid":{"rendered":"http:\/\/www.plotmag.com\/blog\/?p=20199"},"modified":"2017-07-17T12:33:35","modified_gmt":"2017-07-17T10:33:35","slug":"katharina-stein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/2016\/06\/katharina-stein\/","title":{"rendered":"KATHARINA STEIN \u00dcBER THEMEN, TRENDS UND ENTWICKLUNG DER EVENTBRANCHE"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: center;\"><em>\u201eIch denke, dass Live-Kommunikation dem Menschen am n\u00e4chsten ist: Er begreift am besten, wenn er m\u00f6glichst alle Sinne nutzt. Bei einer Veranstaltung k\u00f6nnen Besucher gleichzeitig f\u00fchlen, riechen, sehen, h\u00f6ren und schmecken. Im Idealfall kommuniziert dann wirklich alles eine beabsichtigte Aussage, Emotion oder Botschaft.\u201c<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>2009 gr\u00fcndete Katharina Stein gemeinsam mit Henning Stein den <a href=\"https:\/\/www.eveosblog.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">eveosblog<\/a>. Mit Herzblut und Begeisterung berichtet sie hier \u00fcber Themen und Trends der Live-Kommunikation. Sie begleitet branchenrelevante Messen und Konferenzen, spricht mit Lesern sowie Experten und sammelt Inspirationen rund um die Konzeption und Umsetzung von Marketing-Events. Mit diesem Schwerpunkt soll der Fachblog aber auch regelm\u00e4\u00dfig einen Blick \u00fcber den Tellerrand in angrenzende Marketingdisziplinen, Branchen und Themen bieten.\u00a0<\/strong><strong>Wie sie die gesamte Eventbranche einsch\u00e4tzt und was sie so sehr an ihr fasziniert,\u00a0<\/strong><strong>hat sie uns im Interview verraten.<\/strong><\/p>\n<p><em><br \/>\nDie Fragen stellte Janina Poesch.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Katharina, Du hast Psychologie, Soziologie und Politikwissenschaft an der RWTH Aachen studiert, was hat Dich schlussendlich in die Eventbranche verschlagen und was fasziniert Dich so sehr an ihr?<br \/>\n<\/strong><br \/>\nWie so oft im Leben hat sich vieles einfach ergeben: Schon w\u00e4hrend meines Studiums habe ich in der Hotellerie, Gastronomie und der Eventbranche gearbeitet. Das war mein erster Kontakt mit dem Thema. Danach kamen weitere berufliche Erfahrungen im Eventbereich, aber auch in den Bereichen PR und Marketing dazu. Ich habe die Eventbranche von Anfang an \u00fcberdisziplin\u00e4r erlebt und das hat mich schnell begeistert. Dabei finde ich viele Facetten der Live-Kommunikation faszinierend, unter anderem die Komplexit\u00e4t der Organisation: Die vielen Menschen, die einzeln und doch gemeinsam auf einen Tag hinarbeiten und unter Hochdruck ein hoffentlich gro\u00dfartiges Erlebnis schaffen. Das ist auch ein Erlebnis f\u00fcr die Menschen hinter den Kulissen.<br \/>\nEvents sind aber auch aus psychologischer und soziologischer Sicht unglaublich faszinierend: Sie sind eine Art zeitlich und r\u00e4umlich komprimierte Feldstudie. Wie kann ein bestimmtes Verhalten unterst\u00fctzt werden? Was nimmt der Mensch wie multisensorisch wahr? Welche Unterschiede gibt es je nach Mensch und Kultur? Es ist mir ein R\u00e4tsel, dass in diesem Bereich so wenig geforscht wird!<br \/>\nAuf ganz pers\u00f6nlicher Ebene, reizt mich aber auch das detailverliebte Erforschen der Menschen und Einflussfaktoren. Viele Eventmanager sagen, sie h\u00e4tten eine Leidenschaft daf\u00fcr, anderen eine Freude zu machen. Das wirklich spannende ist f\u00fcr mich allerdings, wie diese Freude und andere Ziele erreicht werden k\u00f6nnen. Es ist dieser Entdeckungsdrang, die feinen Details aufzust\u00f6bern, damit die Besucher m\u00f6glichst individuell ber\u00fchrt werden sowie die Leidenschaft, sich mit Menschen, Hintergr\u00fcnden und Prozessen gezielt auseinanderzusetzen, sich in sie einzuf\u00fchlen und die richtigen Stellschrauben zu finden, um Begeisterung, neue Sichtweisen oder Motivation auszul\u00f6sen. Schade ist, dass sich Eventmanager h\u00e4ufig mehr um das Equipment, die Show oder einen reibungslosen Ablauf k\u00fcmmern (m\u00fcssen), als um diese zwischenmenschliche, hochkomplexe und faszinierende Komponente. F\u00fcr mich pers\u00f6nlich ist es aber genau das, was Eventmarketing und meine Faszination ausmacht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Mit welchen Begriffen w\u00fcrdest Du Live-Kommunikation beschreiben?<\/strong><\/p>\n<p>Fach\u00fcbergreifend, komplex, anspruchsvoll, multisensorisch, ganzheitlich erlebbar, direkt, nah am Menschen und f\u00fcr Kreative eine breit gef\u00e4cherte Spielwiese.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Es hei\u00dft, die Live-Kommunikation ist die h\u00f6chste Form des Marketings. Stimmst Du dieser Aussage zu?<\/strong><\/p>\n<p>Ob es die \u201eh\u00f6chste Form\u201c ist, m\u00f6chte ich nicht bewerten. Das denkt sicher jeder von seinem Fachbereich. Aber ich denke, dass Live-Kommunikation dem Menschen am n\u00e4chsten ist: Der Mensch begreift am besten, wenn er m\u00f6glichst alle Sinne nutzt. Bei einer Veranstaltung k\u00f6nnen Besucher gleichzeitig f\u00fchlen, riechen, sehen, h\u00f6ren und schmecken. Im Idealfall kommuniziert dann wirklich alles eine beabsichtigte Aussage, Emotion oder Botschaft: vom Bodenbelag \u00fcber die Freundlichkeit des Personals bis zum dramaturgischen Ablauf. Das macht das Erlebnis besonders tief, es wird lange erinnert und besser im Gehirn verarbeitet. Dies bietet in der Summe tats\u00e4chlich keine andere Form des Marketings. Allerdings erzeugt diese F\u00fclle an Kommunikationsm\u00f6glichkeiten auch eine gro\u00dfe Komplexit\u00e4t. Es sind unheimlich viele, verschiedene Faktoren, die im Zusammenspiel wirken, die f\u00fcr eine durchdachte Live-Kommunikation gezielt eingesetzt werden m\u00fcssen: von der Wirkung der Raumgestaltung und der Dramaturgie, \u00fcber soziale, kulturelle Regeln, aktuelle gesellschaftliche Trends, bis zu Verkaufsstrategien und zeitgem\u00e4\u00dfem Marketing \u2013 um nur ein paar zu nennen. F\u00fcr ein ganzheitlich und gezielt ausgerichtetes Event braucht es also eine Menge spezifisches und fach\u00fcbergreifendes Wissen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Was denkst Du: Sind Berufe und Jobs in der Live-Kommunikation sehr beliebt?<\/strong><\/p>\n<p>Meines Erachtens, gibt es hier zwei Seiten: Der operative Teil der Live-Kommunikation ist tats\u00e4chlich beliebt. Es gibt viele gut besuchte private sowie staatliche Ausbildungsm\u00f6glichkeiten, um das Organisieren und Managen von Veranstaltungen zu erlernen. Doch die Live-Kommunikation hat auch eine kreative Seite, die in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen und zu einem neuen Aufgabenbereich gef\u00fchrt hat: dem Konzeptioner. Noch lange nicht alle, aber immer mehr Agenturen unterscheiden mittlerweile zwischen den Berufsbildern Event-\/Projektmanager und Konzeptioner. Das ist auch sinnvoll, da sich das Aufgabenfeld eines Konzeptioners stark von dem eines Eventmanagers und dem, was er in der Ausbildung lernt, unterscheidet. Hier sind eher k\u00fcnstlerische, kreative und gestalterische Talente und F\u00e4higkeiten gefragt, weniger die organisatorischen. Und diesem kreativen Bereich mangelt es aktuell an guten Nachwuchskr\u00e4ften. Ich denke, das liegt haupts\u00e4chlich daran, dass die Branche unter jungen Kreativen nicht als Kreativdisziplin bekannt ist. Das war sie lange Zeit nicht und ist sie auch heute noch nicht g\u00e4nzlich. Problematisch daran ist, dass junge Querdenker am effektivsten mit spannenden, innovativen Projekten gelockt und von der Branche \u00fcberzeugt werden k\u00f6nnen. Wir brauchen also mehr kreative Eventprojekte, um Kreative zu erreichen, die eigentlich f\u00fcr dieses Mehr an kreativen Events gesucht werden. Das ist eine sehr schwierige Lage! Trotz allem ist der kreative Nachwuchs aber sehr wichtig f\u00fcr die Zukunft und Position der Eventbranche. Daher m\u00fcssen wir dranbleiben, mit mehr Exzellenz und einem facettenreichen und unglaublich interessanten Aufgabenbereich den Nachwuchs gezielt anzusprechen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Dementsprechend ist immer wieder zu h\u00f6ren, dass die Eventbranche in der Krise steckt. Empfindest Du das auch so?<\/strong><\/p>\n<p>Auch hier gibt es zwei Perspektiven: Eigentlich sind analoge Erlebnisse aktuell sehr gefragt und mit der digitalen Kommunikation ist auch ihre Bedeutung stark gestiegen. Die Menschen lechzen bei all den virtuellen und digitalen Bestandteilen ihres Lebens nach \u201eechten Erlebnissen\u201c. Das haben auch die Unternehmen erkannt. Von Krise kann aus dieser Sicht also nicht die Rede sein.<br \/>\nEine Krise l\u00e4sst sich eher erahnen, wenn wir die Strukturen und Vorgehensweisen klassischer Events anschauen: Lange Zeit ging es vornehmlich um logistische Abl\u00e4ufe und eine gute Show. Strategische, inhaltliche und langfristig verfolgte Ziele geh\u00f6ren nicht unbedingt zum Standard Marketing-Event dazu. Daran sind nat\u00fcrlich auch die Kunden ein St\u00fcck weit beteiligt, denn auch sie geben sich zu oft mit einer beeindruckenden Show zufrieden, anstatt konkret nach Sinn und Wirkung zu fragen. So gehen wir aber die Gefahr ein, Budgetk\u00fcrzungen als erstes zum Opfer zu fallen. Die Eventbranche steht vor der Aufgabe, den Wert, die Sinnhaftigkeit und die Wirkung von Marketing-Events in der Au\u00dfenkommunikation, in der Beratung und in der Praxis st\u00e4rker in den Fokus zu r\u00fccken, um die eigene Position und Bedeutung langfristig zu st\u00e4rken. Ein anderes Krisenfeld ist die Kreation. Mit wachsender Nachfrage nach analogen Erlebnissen stehen klassische Eventagenturen unter Druck, denn sie m\u00fcssen immer \u00f6fter mit den gro\u00dfen Kreativagenturen konkurrieren, die im Rahmen der Werbeetats auch diesen Bereich manchmal mitbetreuen. Auch Agenturen f\u00fcr Kommunikation im Raum mischen im Eventmarkt mit. Und beide setzen die Messlatte in Bezug auf Kreativit\u00e4t und Design h\u00f6her als je zuvor. Bei Awards wie dem <a href=\"http:\/\/www.adc.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">ADC Wettbewerb<\/a> stammen zum Beispiel viele Gewinner-Projekte in der Kategorie Event gar nicht von klassischen Live-Kommunikationsagenturen. Wenn wir die Kreation und Konzeption auf Dauer nicht anderen Agenturen \u00fcberlassen m\u00f6chten, muss das kreative Niveau steigen!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Was macht Deiner Meinung nach, ein Event zu einem erfolgreichen Event? Gibt es ein absolutes Erfolgsrezept?<\/strong><\/p>\n<p>Ein erfolgreiches Marketing-Event hinterl\u00e4sst etwas bei seinen Besuchern. Und damit meine ich nicht den Eindruck, dass es ein sch\u00f6ner Abend war. Vielmehr sollte es zum Beispiel die Sicht auf den Veranstalter \u00e4ndern, die Bindung erh\u00f6hen, die Motivation steigern oder den Informationsstand erweitern. Eine Basis daf\u00fcr, ist ganz sicher die konsequente Ausarbeitung und Ausrichtung auf die eigenen Ziele sowie auf den Besucher. Warum veranstalte ich dieses Event und was soll es bei den Besuchern bewirken? Wie die L\u00f6sung nachher aussieht, ist dann erstmal egal. Die Grundlage jedes guten Events ist demnach die ausf\u00fchrliche Ergr\u00fcndung und Beantwortung dieser beiden Fragen.<br \/>\nBei der \u00dcberlegung, wie sich die eigenen Ziele erreichen lassen, sollten klassische \u201eDo\u2019s and Don\u2019ts\u201c meiner Meinung nach, ausgeblendet werden. Viele Events finden nach dem gleichen Schema statt. Das ist auch manchmal passend, aber mir scheint, dass es den Vorstellungsrahmen aller Beteiligten stark eingrenzt. Sowohl Eventler als auch Kunden \u00fcberschreiten nur sehr selten klassische, gelernte Muster. Events von Au\u00dfenstehenden \u2013 also Veranstaltern, die eigentlich gar nicht aus der Eventbranche kommen \u2013 gehen nicht selten unbefangener an Eventkonzepte heran. Es gibt nichts, das grunds\u00e4tzlich so sein muss oder das ausgeschlossen w\u00e4re. Sie haben weniger gelernte Muster im Kopf, die ganz automatisch auftauchen. So entstehen neue, untypische Ans\u00e4tze und Ideen. Sie erfinden das Rad auch nicht immer g\u00e4nzlich neu, aber sie wagen Schritte, die sich andere nicht trauen: Wie zum Beispiel im Fall der Unkonferenzen, die den Mut beweisen, die Teilnehmer wirklich zu integrieren und ihnen die inhaltliche Gestaltung zu \u00fcberlassen. Nat\u00fcrlich haben diese Veranstalter auch keine Auftraggeber, die einen begrenzten Rahmen und h\u00e4ufig ein \u00e4hnliches Schema vorgeben. Aber das ist aus kreativer Sicht auch ein Teufelskreis, von dem sich alle regelm\u00e4\u00dfig freimachen m\u00fcssen, um auf au\u00dfergew\u00f6hnliche und innovative Ideen zu kommen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Geh\u00f6rt die Architektur zum Eventmarketing? Welche Rolle spielen Raum und Gestaltung bei der Inszenierung von Events?<\/strong><\/p>\n<p>Ein Event ohne Raum gibt es nicht. Jeder Raum \u2013 ob bewusst gestaltet oder nicht \u2013 hat Einfluss auf das Event und die sich darin befindenden Personen. Eine Veranstaltung sollte daher ein ganzheitliches und konsistentes Erlebnis sein, das den Raum ebenso konzeptionell einschlie\u00dft wie unter anderem die Dramaturgie oder zwischenmenschliche Interaktionen.<br \/>\nIn den letzten Jahren ist diese Rolle des Raums merklich gewachsen: Die Grenzen zwischen Event und Raumgestaltung sind flie\u00dfend. Immer mehr Vorzeige-Projekte, wie sie auch im Eventdesign Jahrbuch zu finden sind, haben einen starken Fokus auf die r\u00e4umliche Komponente. Manchmal ist es sogar fast nur die innovative oder sehr interaktive Raumgestaltung, die ein Event auszeichnet. Nat\u00fcrlich kann der Raum schon alleine ein Erlebnis sein, sofern wir uns aber von der Kommunikation im Raum abgrenzen m\u00f6chten, sollte auch die zwischenmenschliche Dramaturgie und Interaktion \u00fcberzeugen und im Fokus stehen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Bei genauer Betrachtung der meistens Events, bei denen ein Feuerwerk das n\u00e4chste jagt, dr\u00e4ngt sich oft die Frage auf: Ist gute Live-Kommunikation mit kleinem Budget \u00fcberhaupt m\u00f6glich?<\/strong><\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich! Gerade kleine Budgets bringen \u00f6fter kreativere Ideen hervor als gro\u00dfe. Denn in diesem Fall werden gezielte L\u00f6sungen gefunden und sich wirklich auf den inhaltlichen Kern fokussiert, anstatt einfach nur lasterweise Equipment vorzufahren. Gerade in der heutigen Zeit, da Menschen \u00fcberladen werden mit \u201eeinzigartigen\u201c Events, stellt sich sowieso die Frage, ob diese Inszenierungs-Feuerwerke \u00fcberhaupt noch jemanden ber\u00fchren. Wenn wir uns die aktuellen gesellschaftlichen Trends und wachsenden Bed\u00fcrfnisse der Menschen anschauen, geht es da meistens um die Besinnung auf das wichtigste, um echte und authentische Kontakte und um ehrliche zwischenmenschliche Gesten. Letztes Jahr war ich auf einem Event, bei dem mich der Chef am Empfang pers\u00f6nlich begr\u00fc\u00dft und mir mein Namensschild gereicht hat \u2013 keine Hostess, kein Mitarbeiter. Das war f\u00fcr mich eine besondere Geste, die nachhaltig Eindruck hinterlassen hat. So etwas ist nicht nur g\u00fcnstiger, meiner Meinung nach ist es auch viel wirkungsvoller.<br \/>\nAllerdings m\u00f6chte ich noch erg\u00e4nzen, dass es nicht nur um die Gr\u00f6\u00dfe der Budgets geht, sondern auch um die Verteilung: Der Gro\u00dfteil flie\u00dft in Equipment, Catering und Show-Acts. Nur wenig oder deutlich weniger dagegen in die inhaltliche und kreative Arbeit. Doch richtig gute, gezielte Ideen brauchen Fachwissen, Erfahrung, Zeit und Manpower. Sie sind auch viel wertvoller als jede Hochglanzoptik und verdienen ein angemessenes Budget. Firmen sollten die Budgets daher auch in die entsprechenden Bereiche umschichten \u2013 weg von gro\u00dfen Materialschlachten hin zu kreativer, inhaltlicher Arbeit. In der Gesamtrechnung kann dies dann tats\u00e4chlich auch g\u00fcnstiger sein, muss es aber nicht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Welche Rolle spielt Deiner Meinung nach die Nachhaltigkeit im Veranstaltungsmarkt? Lassen sich Events \u00fcberhaupt \u201egr\u00fcn waschen\u201c?<\/strong><\/p>\n<p>Ich pers\u00f6nlich halte Nachhaltigkeit f\u00fcr sehr wichtig. Die Rolle, die sie in der Live-Kommunikation spielt, hat aber zwei Seiten. Medial geh\u00f6rt sie ganz sicher zu einem der bestimmenden Themen in der Branche. Die Praxis spiegelt dies allerdings nicht wider.<br \/>\nEine kleine Gruppe von Agenturen und Firmen engagiert sich diesbez\u00fcglich intern und versucht auch Kunden proaktiv nachhaltigere Angebote zu machen. Das ist gro\u00dfartig! Auch manche Unternehmen erwarten schon standardm\u00e4\u00dfig nachhaltige Ma\u00dfnahmen oder Zertifikate von Locations oder Hotels. Erfreulich ist, dass ich von ausl\u00e4ndischen Convention Bureaus schon \u00f6fter geh\u00f6rt habe, dass besonders deutsche Veranstalter mehr Nachhaltigkeit einfordern. Im deutschen Markt tut sich also etwas und wir scheinen auch das Ausland zu beeinflussen. Doch die gro\u00dfe Mehrheit geht das Thema entweder oberfl\u00e4chlich und mit marketingorientierten Zielen an oder ignoriert es komplett. Die Bedeutung des Themas ist den meisten Menschen wohl bewusst, in der beruflichen Praxis ist es aber anscheinend schwer, eigene Strukturen und Arbeitsweisen zu \u00e4ndern sowie Kunden davon zu \u00fcberzeugen. Der Kunde m\u00f6chte eine gute Show f\u00fcr m\u00f6glichst wenig Geld. Nachhaltigkeit spielt da meistens keine Rolle. Dabei birgt dieser Bereich so viele Vorz\u00fcge: von finanziellen Anreizen \u00fcber mehr Motivation der Mitarbeiter und Besucher bis zu imagebildenden Vorteilen.<br \/>\nKomplett \u201egr\u00fcn waschen\u201c lassen sich Events aber nat\u00fcrlich nicht. Wir sind uns alle bewusst: Ein wirklich \u00f6kologisch nachhaltiges Event, ist eines, das nicht stattfindet. Events, die sich als \u201eklimaneutral\u201c verkaufen, betreiben Augenwischerei. Auch wenn alle Emissionen kompensiert werden, sie sind damit nicht aus der Welt. Ablasshandel bringt uns nicht weiter. Doch es ist ein menschliches Bed\u00fcrfnis zusammenzukommen, gemeinsam zu feiern oder etwas zu erleben. Nachhaltigkeit soll nicht dazu f\u00fchren, dass wir alle nur noch zu Hause bleiben und keinen Spa\u00df haben. Ziel ist es, unser Bewusstsein zu sch\u00e4rfen und uns anzuhalten, dort, wo es uns m\u00f6glich ist, unser Verhalten zu \u00fcberdenken \u2013 \u00f6kologisch, sozial und \u00f6konomisch! Ehrlich gesagt, haben wir gar keine andere Wahl, wenn wir einen zumindest \u00e4hnlichen Zustand wie heute f\u00fcr uns und folgende Generationen erhalten m\u00f6chten. Es gibt viele Bereiche unserer Branche in denen wir auch mit relativ wenig Aufwand etwas \u00e4ndern k\u00f6nnen! Wenn wir das in allen Bereichen St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck und konsequenter tun, ist schon viel erreicht!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Mit welchen Themen wird sich die Eventbranche in den kommenden Jahren konfrontiert sehen und auseinandersetzen m\u00fcssen? Welche Trends lassen sich daraus ablesen?<\/strong><\/p>\n<p>Das ist schwer zu sagen, weil es aktuell so viele verschiedene Str\u00f6mungen und Richtungen gibt. Da sind nat\u00fcrlich die \u00fcblichen Verd\u00e4chtigen: unter anderem neue Technologien, digitale und soziale Medien, die Verbindung von realen und virtuellen Erlebnissen, st\u00e4rkere, interaktive Einbindung der G\u00e4ste, Gamification, Nachhaltigkeit, Authentizit\u00e4t und einige mehr. Diese jeweils f\u00fcr sich stehenden Themen werden uns auch die n\u00e4chsten Jahre besch\u00e4ftigen, da hier in Sachen Sinn- und Ernsthaftigkeit noch Luft nach oben ist.<br \/>\nBesonders interessant finde ich jedoch, dass sich diese Entwicklungen teilweise auch widersprechen. Zum Beispiel die wachsende Bedeutung von digitalen Medien und die gleichzeitig steigende Anzahl von Events, die bewusst auf neue Technologien verzichten und sich auf einfache, nat\u00fcrliche oder zwischenmenschliche Elemente fokussieren. Aktuell ist alles davon spannend und vermeintlich wichtig. Daher m\u00f6chten Veranstalter und Kunden nicht selten alles irgendwie unterbringen \u2013 ob es sinnvoll ist oder nicht.<br \/>\nIn Zukunft sollten und werden wir uns aber gezielter entscheiden m\u00fcssen. Die Herausforderung liegt dann darin, die Elemente bewusst auszuw\u00e4hlen, sinnvoll einzusetzen und miteinander zu verkn\u00fcpfen. Ein st\u00e4rkerer Fokus, inhaltlich sowie in Bezug auf die Werkzeuge, ist wirkungsvoller. Es ben\u00f6tigt Mut, sich auf eine Sache zu konzentrieren und auf andere bewusst zu verzichten. Die Menschen sind schon heute mit der Menge an Informationen \u00fcberfordert. Dieser Fokus und Verzicht bietet uns als Besuchern etwas Ruhe in unserer hektischen Welt. Ich bin der Meinung: Lieber eine Sache richtig erleben, als viele nur im Ansatz! Vielleicht f\u00fchren diese verschiedenen Wahlm\u00f6glichkeiten auch dazu, dass k\u00fcnftige Events vielseitiger werden und es mehr sowie unterschiedlichere Formate und Ans\u00e4tze geben wird.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Was glaubst Du: Wie sehen die Eventagenturen der Zukunft aus?<\/strong><\/p>\n<p>Gute Frage! Ich denke, Eventagenturen der Zukunft sollten sich interdisziplin\u00e4rer aufstellen und vernetzter arbeiten. Kollaborationen mit fach\u00fcbergreifenden Experten und Kreativen werden in allen Bereichen immer wichtiger. Nicht nur, wenn es um Inspiration und neue Ideen geht, sondern auch um eine qualitativ hochwertige, integrierte Kommunikation. Gerade Events sind hierbei ein Bindeglied vieler Marketingaktivit\u00e4ten \u2013 heute mehr denn je. Sie bilden nicht selten eine Grundlage f\u00fcr Social Media, Online- und Content Marketing oder eine Plattform f\u00fcr Kundenbindung, Verkaufsaktivit\u00e4ten und \u00d6ffentlichkeitsarbeit. Mit dem wachsenden Werbedruck und der sinkenden Aufmerksamkeit der Menschen, steigen die Anspr\u00fcche der Firmen. Marketing muss gezielter, durchdachter und integrierter sein, damit es \u00fcberhaupt noch wirkt. Einfach nur einen netten Abend mit tollen Show-Acts perfekt zu organisieren, das alleine reicht immer seltener aus. Dementsprechend muss auch eine Eventagentur k\u00fcnftig in allen Bereichen gut informiert sein und \u00fcber entsprechende Netzwerke verf\u00fcgen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Social Media geh\u00f6rt zur Kommunikation heute ohne Frage mit dazu. Wie lassen sich soziale Netzwerke bei der Inszenierung eines Events gekonnt und sinnvoll integrieren? Kurz gesagt: Wie l\u00e4sst sich eine Event-Location mit einem Smartphone-Screen vereinen?<\/strong><\/p>\n<p>Das kommt nat\u00fcrlich immer auf den jeweiligen Fall, auf die Ziele, Zielgruppe und Inhalte an! Manchmal kann es v\u00f6llig ausreichen, ein Live-Event \u00fcber soziale Medien zu promoten, Fotos und interessante Inhalte zu posten und den Teilnehmern einen Hashtag zum Austausch anzubieten. Das h\u00f6rt sich nicht sehr aufregend an, muss es aber auch nicht sein, um eventuell genau den richtigen Zweck zu erf\u00fcllen. Wir sollten Social Media etwas unaufgeregter betrachten. In einem anderen Fall ist es aber wom\u00f6glich eine ausgefeilte, innovative Geschichte, die in Teilen online und in Teilen live erlebt und inszeniert wird.<br \/>\nMir scheint im Allgemeinen, dass bei Social Media viel zu oft nach einer besonders au\u00dfergew\u00f6hnlichen Idee gesucht wird. \u201eLustige Gewinnspiele\u201c und Mitmachaktionen mit m\u00e4\u00dfigem Erfolg sind dann das Ergebnis. Aber wir m\u00fcssen uns bewusst machen, dass die Menschen Social Media gr\u00f6\u00dftenteils nicht m\u00f6gen und nutzen, weil es ein so am\u00fcsantes Gimmick ist, sondern weil es einen Zweck erf\u00fcllt: \u00dcber Facebook kann ich mit meinen Freunden in Kontakt bleiben, bei Twitter bleibe ich \u00fcber aktuelle Themen informiert. Der Nutzen ist ein sehr wichtiger und oft vergessener Aspekt von sozialen Medien. Nat\u00fcrlich geh\u00f6rt auch Unterhaltung dazu, aber das ist ein sch\u00f6ner Nebeneffekt. Auch bei Events sollte deswegen \u00fcberlegt werden, an welcher Stelle eine Verkn\u00fcpfung zu einem digitalen oder virtuellen Angebot einen Mehrwert bietet! Wie kann der Inhalt der Veranstaltung noch besser verdeutlicht werden? Wie kann ich dem Besucher bei der Vorbereitung auf das Event oder vor Ort ganz konkret helfen? Und hierbei sollte meistens die Finger von Standardl\u00f6sungen gelassen, sondern immer individuell und ganz gezielt der Einzelfall hinterfragt werden. Dazu geh\u00f6rt auch, sich einzugestehen, dass es unter Umst\u00e4nden sein kann, dass diese Ma\u00dfnahmen weder f\u00fcr die Besucher noch f\u00fcr die Inhalte von Vorteil sind \u2013 dann lassen sich Social Media Aktivit\u00e4ten auch ohne schlechtes Gewissen stark reduzieren oder sogar ganz weglassen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Und welche Chancen birgt der digitale Bereich bzw. der virtuelle Raum generell f\u00fcr die erfolgreiche Gestaltung eines Events?<\/strong><\/p>\n<p>Die gr\u00f6\u00dfte Chance ist, das Event zeitlich zu verl\u00e4ngern oder r\u00e4umlich zu erweitern. Mit gezielten Inhalten in sozialen Medien, Apps oder auf Webseiten kann das Erlebnis bereits vorher zum Beispiel dramaturgisch unterst\u00fctzt und nachher verl\u00e4ngert werden. R\u00e4umlich betrachtet, l\u00e4sst sich der Erlebnisraum damit vergr\u00f6\u00dfern: Durch virtuelle Erg\u00e4nzungen kann das Erleben um eine Dimension erweitert werden. Was wir uns vorher auf zweidimensionalen und statischen Fotos anschauen konnten, k\u00f6nnen wir dann beispielsweise \u00fcber eine Oculus Rift Brille dreidimensional erleben oder an interaktiven Screens spielerisch erkunden.<br \/>\nIn einem anderen Punkt erm\u00f6glicht der digitale Bereich aber auch die \u00dcberschreitung r\u00e4umlicher und zeitlicher Grenzen von Veranstaltungen. Zum Beispiel k\u00f6nnen sich Menschen mithilfe von Social Media unabh\u00e4ngig von Raum und Zeit miteinander austauschen \u2013 \u00fcber das Event oder eben die Inhalte. Dieser \u00f6ffentliche Austausch kann nicht nur das Besuchererlebnis und die Au\u00dfenkommunikation bereichern, er ist auch eine neue und sehr wertvolle Erweiterung f\u00fcr die Veranstalter \u2013 eine einzigartige Chance, um mit vielen Besuchern in Kontakt zu treten, in Echtzeit auf m\u00f6gliche Probleme einzugehen und nicht zuletzt, um ein authentisches Stimmungsbild sowie Optimierungsm\u00f6glichkeiten des eigenen Events zu erhalten.<\/p>\n<p><strong><br \/>\nKatharina Stein, vielen Dank f\u00fcr das ausf\u00fchrliche Gespr\u00e4ch!<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Zur Person<br \/>\n<\/strong><br \/>\nKatharina Stein (geb. Falkowski), Jahrgang 1981, studierte an der RWTH Aachen Psychologie, Soziologie und Politikwissenschaft. Bis zur Gr\u00fcndung des eveosblogs 2009 hat sie in verschiedenen Positionen und Bereichen im Marketing, Eventmanagement, der Gastronomie und Hotellerie gearbeitet und Firmenkunden wie unter anderem Bayer, Heidelberger Druckmaschinen und Henkel betreut. Seit 2009 widmet sie sich als selbst\u00e4ndige Bloggerin \u00fcberdisziplin\u00e4ren Trends und Themen der Live-Kommunikation.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eIch denke, dass Live-Kommunikation dem Menschen am n\u00e4chsten ist: Er begreift am besten, wenn er m\u00f6glichst alle Sinne nutzt. 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