{"id":25797,"date":"2016-09-01T08:55:38","date_gmt":"2016-09-01T06:55:38","guid":{"rendered":"http:\/\/www.plotmag.com\/blog\/?p=19896"},"modified":"2018-11-12T07:23:13","modified_gmt":"2018-11-12T06:23:13","slug":"pina-bausch-und-das-tanztheater","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/2016\/09\/pina-bausch-und-das-tanztheater\/","title":{"rendered":"PINA BAUSCH UND DAS TANZTHEATER | BUNDESKUNSTHALLE"},"content":{"rendered":"<p><strong>Pina Bausch gilt als Pionierin des modernen Tanztheaters und als eine der einflussreichsten Choreografinnen\u00a0des 20. Jahrhunderts. In der Bundeskunsthalle in Bonn wird ihr Schaffen nun erstmals <\/strong><strong>in Form einer\u00a0Ausstellung erfahrbar gemacht. Im Mittelpunkt steht dabei die direkte Begegnung mit Zeitzeugen: den\u00a0T\u00e4nzerinnen und T\u00e4nzern, die mit Pina Bausch jahrelang zusammengearbeitet haben. PLOT hat der\u00a0Ausstellung einen Besuch abgestattet.<\/strong><\/p>\n<p><em>von Constanze Frowein<\/em><\/p>\n<p>\u201eNein.\u201c Kurz und pr\u00e4gnant beantwortet Rein Wolfs, Intendant der Bundeskunsthalle und Kurator der Ausstellung \u201ePina\u00a0Bausch und das Tanztheater\u201c die Frage, ob das Werk der 2009 verstorbenen, weltber\u00fchmten Choreografin\u00a0ausgestellt werden kann. Die Schau, die von M\u00e4rz bis Juli 2016 in der Bonner Bundeskunsthalle zu sehen ist, widmet\u00a0sich dem Entstehungsprozess ihres Schaffens \u2013 veranschaulicht \u00fcber r\u00e4umlich-unmittelbare Erfahrungen.\u00a0Seit ihrer Ausbildungszeit an der Essener Folkwang-Schule begriff Pina Bausch \u201er\u00e4umliches Sehen\u201c als einen\u00a0existentiellen Bestandteil ihrer Arbeit: Seitdem konnte sie \u201eetwas nicht ohne den Raum sehen\u201c. Es ist also folgerichtig,\u00a0den Ort ihres Schaffens zum Herzst\u00fcck der Schau zu machen: Mit einem originalgetreuen Nachbau der Lichtburg\u00a0Wuppertal \u2013 jenem legend\u00e4ren Proberaum in einem ehemaligen Kino, der f\u00fcr die \u00d6ffentlichkeit meist verschlossen\u00a0blieb. Ein magischer Moment ist das also, wenn Bausch-Fans dieses Heiligtum endlich betreten d\u00fcrfen \u2013 wenn auch\u00a0nicht im Original. Mit Detailverliebtheit zeugt dieses szenografische Duplikat von vergangenen Zeiten: Stoffbespannte\u00a0W\u00e4nde, durchblitzendes Mauerwerk oder scheinbar f\u00fcr die Probe bereitgeh\u00e4ngte Kleider aus dem Kost\u00fcmfundus sind\u00a0hier zu finden. Durch die r\u00e4umlich-atmosph\u00e4rische Ann\u00e4herung an die Arbeit Bauschs werden die Besucher \u00fcber das\u00a0aktive Erlebnis des Schaffensprozesses somit selbst involviert und das Thema der Ausstellung wird k\u00f6rperlich\u00a0erfahrbar. Sie k\u00f6nnen sogar selbst die sogenannte \u201eNelken-Reihe\u201c in Workshops tanzen, kommen mit den T\u00e4nzern\u00a0und Mitarbeitern der Kompanie ins Gespr\u00e4ch oder k\u00f6nnen sich Filme in der Lichtspielhausatmosph\u00e4re ansehen \u2013 die\u00a0Lichtburg wird w\u00e4hrend der gesamten Ausstellungszeit t\u00e4glich bespielt.<\/p>\n<p>Die Entwicklung der rahmengebenden Ausstellungsgliederung orientiert sich dabei an der Rede, die Pina Bausch\u00a02007 anl\u00e4sslich der Verleihung des Kyoto-Preises hielt und damit ihren Schaffensweg res\u00fcmierte \u2013 eine weitere\u00a0konsequente Entscheidung in der Ausstellungsgestaltung, da dieser Weg den Besuchern nicht abverlangt, einem\u00a0Parcours zu folgen, sondern vielmehr dem eigenen Interesse.\u00a0Jenseits des Lichtburg-Nachbaus ist die Formgebung der knapp 1.600 Quadratmeter gro\u00dfen Ausstellung allerdings\u00a0althergebracht: Das reiche Archiv der Pina Bausch Stiftung wird mittels Glasvitrinen und Monitoren mit Schwarz-Wei\u00df-Aufnahmen oder anhand von an die Wand gepinnter Fotos gezeigt. Mit viel Wohlwollen kann dies als bewusst\u00a0gew\u00e4hltes Stilmittel verstanden werden, denn die Anspruchslosigkeit an die Ausstellungsgestaltung vermittelt das\u00a0Unfertige des Prozesses weitaus besser als die perfektionierte Einbettung der gezeigten Exponate. So sind es auch\u00a0die lose in den Raum gestellten, schlichten Caf\u00e9haus-St\u00fchle aus dem St\u00fcck \u201eCaf\u00e9 M\u00fcller\u201c h\u00f6chst selbst, auf denen\u00a0die Ausstellungsbesucher \u2013 ganz unsentimental \u2013 verweilen d\u00fcrfen.\u00a0In einem abgedunkelten Raum begegnen Interessierte dann doch noch dem Werk Bauschs: sehr unmittelbar und\u00a0konzentriert in Form einer filmischen Collage \u2013 vertraut untermalt von Matthias Burkert, der seit 1995 die musikalische\u00a0Betreuung des Wuppertaler Tanztheaters verantwortet. Die ber\u00fchmten, immer wiederkehrenden Bewegungsabl\u00e4ufe\u00a0werden hier mit Bausch\u2019schem Witz ineinander verwoben, um sich schlie\u00dflich in den scheinbar unendlichen Reihen\u00a0der sich verbeugenden Kompanie aufzul\u00f6sen.<\/p>\n<p>Die Fortf\u00fchrung des Themas \u00fcber die r\u00e4umlich und \u00f6rtlich gebundene Bundeskunsthalle hinaus wird mit einer\u00a0interaktiven Darstellungs- und Vervielf\u00e4ltigungsform gel\u00f6st: Der Fernsehsender arte und die Pina Bausch Stiftung\u00a0zeigen die ber\u00fchmte Reihenchoreografie \u201eFr\u00fchling Sommer Herbst Winter\u201c aus dem St\u00fcck \u201eNelken\u201c und fordern die\u00a0Welt zum Nachtanzen auf. Dabei bleibt abzuwarten, wie die \u00dcberf\u00fchrung des Ausstellungsthemas in den digitalen\u00a0Raum gelingen wird. Eine wunderbar nahbare und konsequente Fortf\u00fchrung des Ausstellungsthemas in den digitalen\u00a0Raum ist sie schon jetzt!<\/p>\n<p>Allen, die es nicht nach Bonn schaffen sollten, sei gesagt: Am 16. September 2016 zieht die Ausstellung in den\u00a0Berliner Martin-Gropius-Bau und wird dort bis zum 9. Januar 2017 zu sehen sein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Pina Bausch gilt als Pionierin des modernen Tanztheaters und als eine der einflussreichsten Choreografinnen\u00a0des 20. Jahrhunderts. 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