{"id":24993,"date":"2016-01-21T10:22:25","date_gmt":"2016-01-21T10:22:25","guid":{"rendered":"http:\/\/www.plotmag.com\/blog\/?p=19896"},"modified":"2017-03-16T12:04:55","modified_gmt":"2017-03-16T11:04:55","slug":"das_gelaende","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/2016\/01\/das_gelaende\/","title":{"rendered":"Das Gel\u00e4nde: Dokumentation. Perspektiven. Diskussion."},"content":{"rendered":"<p>Von 1933 bis 1938 hielten die Nationalsozialisten auf einem eigens daf\u00fcr angelegten Areal im S\u00fcdosten N\u00fcrnbergs ihre Reichsparteitage ab \u2013 die H\u00f6hepunkte der NS-Propaganda. Und bis heute ist das Reichsparteitagsgel\u00e4nde mit der gr\u00f6\u00dften noch existierenden architektonischen Hinterlassenschaft der Nationalsozialisten kein gew\u00f6hnlicher Ort. In einer bislang so noch nie zu sehenden Schau zeigt das Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgel\u00e4nde vom 19. Oktober 2015 bis 13. M\u00e4rz 2016 nun die Geschichte dieses Reichsparteitagsgel\u00e4ndes nach 1945 und stellt Perspektiven f\u00fcr einen k\u00fcnftigen Umgang mit dem Areal dar.<\/p>\n<p>Ein Bauger\u00fcst in Form eines raumhohen Kubus dominiert dabei die Sonderausstellungshalle im Dokumentationszentrum. Als Sinnbild f\u00fcr den Baustellencharakter der dargestellten Thematik transportiert es auf einen Blick die aktuellen und noch zu l\u00f6senden Fragen: Wie soll die Zukunft des Reichsparteitagsgel\u00e4ndes aussehen? Wie kann das Areal weiterentwickelt werden? Das Bild des Ger\u00fcsts besitzt jedoch noch eine zweite Ebene: Der vorl\u00e4ufige, tempor\u00e4re Charakter eines Bauger\u00fcsts entspricht den vielen Facetten im Umgang mit dem Reichsparteitagsgel\u00e4nde nach 1945. Das Areal mit verlassenen Aufmarschfl\u00e4chen und gro\u00dfen Baustellen bietet f\u00fcr unterschiedlichste Vorhaben Raum, widersetzt sich aber gleichzeitig einer einfachen Aneignung. Die nationalsozialistische Vergangenheit steht dort vielen Nutzungsw\u00fcnschen diametral entgegen. Einsichten in den Ausstellungskubus und Durchblicke auf eingeh\u00e4ngte Objekte, Gro\u00dfbilder, Texte und Medienstationen machen neugierig auf das Thema und lassen bereits beim Betreten der Halle in den K\u00f6pfen der Besucher erste Assoziationen und m\u00f6gliche Zusammenh\u00e4nge entstehen. Die Filigranit\u00e4t des Ger\u00fcsts erm\u00f6glicht dabei einen unverstellten Blick auf diese Nachkriegsgeschichte.<\/p>\n<p>F\u00fcr das Gestaltungskonzept zeichnet Holzer Kobler Architekturen (Z\u00fcrich\/Berlin) verantwortlich, die sich auf folgende Grundgedanken st\u00fctzten: Die Sonderausstellungshalle im Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgel\u00e4nde wirkt in ihrer Dimension und Ausf\u00fchrung \u00e4u\u00dferst archaisch und imposant. Dieser wirkungsvolle Eindruck war insbesondere in Anbetracht des Themas der geplanten Sonderausstellung zur Geschichte des Reichsparteitagsgel\u00e4ndes beizubehalten und szenografisch zu unterst\u00fctzen. So wird anhand der Ausstellung die Entwicklung und Geschichte dieses Gel\u00e4ndes dokumentiert und die Auseinandersetzung mit nationalsozialistischen Gro\u00dfbauten sowie k\u00fcnftige Visionen und Planungen f\u00fcr das Areal deutlich gemacht. Trotz der gro\u00dfen Inszenierung der raumgreifenden Ger\u00fcstinstallation, wirkt jene filigran, fast durchsichtig und verk\u00f6rpert die (Weiter-)Entwicklung und den Aufbau als Gegenst\u00fcck zu Statischem und Endg\u00fcltigem. Im Ger\u00fcst sind 19 Zeitschnitte als Abfolge eingebaut. Sie dokumentieren anhand zahlreicher ungew\u00f6hnlicher und unerwarteter Objekte die zweite Geschichte des Reichsparteitagsgel\u00e4ndes. Die Besucher durchwandern diesen Raumk\u00f6rper und k\u00f6nnen \u00fcber die einzelnen Kapitel Zugang zur Historie erlangen. Dabei verdeutlichen die Ausstellungsmacher, dass die Geschichte des Gel\u00e4ndes nach 1945 keinem systematischen Masterplan folgte, sondern auch etwas Zuf\u00e4lliges hatte. Am Ende des Rundgangs erm\u00f6glicht eine mediale Pr\u00e4sentation den Besuchern schlie\u00dflich, sich anhand eines virtuellen Rundgangs schon jetzt ein Bild von den vielf\u00e4ltigen Chancen und dem Mehrwert eines k\u00fcnftigen \u201eErfahrungsRaums Reichsparteitagsgel\u00e4nde\u201c zu machen. Insgesamt strahlt das Konzept einen Werkstattcharakter aus und erhebt nicht den Anspruch, abschlie\u00dfend und belehrend zu sein. Es l\u00e4dt die Besucher vielmehr ein, bei der Ideenfindung zu reflektieren, mitzudiskutieren und mitzuwirken.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von 1933 bis 1938 hielten die Nationalsozialisten auf einem eigens daf\u00fcr angelegten Areal im S\u00fcdosten N\u00fcrnbergs ihre Reichsparteitage ab \u2013 die H\u00f6hepunkte der NS-Propaganda. 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