{"id":22896,"date":"2015-09-24T13:41:28","date_gmt":"2015-09-24T11:41:28","guid":{"rendered":"http:\/\/www.plotmag.com\/blog\/?p=20285"},"modified":"2018-09-05T11:06:52","modified_gmt":"2018-09-05T09:06:52","slug":"men_chicken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/2015\/09\/men_chicken\/","title":{"rendered":"Filmrezension \u201eMen &#038; Chicken\u201c"},"content":{"rendered":"<p><strong>PLOT war im Kino! Nach <\/strong><strong>\u201eAdams \u00c4pfel\u201c l\u00e4uft nun der neue Film des d\u00e4nischen Drehbuchautoren und Regisseurs Anders Thomas Jensen. Dabei f\u00fchrt diese groteske Kom\u00f6die das Publikum in \u00e4sthetische und menschliche Grenzregionen und der sch\u00f6ne Mads Mikkelsen beweist Mut zum Ekligen und Groben. Im Kinosaal wurde viel gelacht und noch mehr Lacher wurden angesichts eines unsagbaren Familiengeheimnisses im Keim erstickt. \u201eMen &amp; Chicken\u201c ist eine absto\u00dfende Liebeserkl\u00e4rung an die Familie und eine Aufkl\u00e4rung dar\u00fcber, wie weit wir Menschen bereit sind, f\u00fcr diese Utopie zu gehen.<\/strong><\/p>\n<p><em>von Alexander Bischoff<\/em><\/p>\n<p>Gabriel und Elias sind h\u00e4ssliche, verunstaltete und schwierige Menschen \u2013 zumindest zeigen dies die ersten Filmminuten eindr\u00fccklich und mit bitterb\u00f6sem Humor unterlegt. Der Vater der Br\u00fcder stirbt und hinterl\u00e4sst ihnen eine ungeschickte Videoaufzeichnung, auf der er ihnen offenbart, dass sie Halbbr\u00fcder sind, von ihm adoptiert wurden und ihr biologischer Vater \u2013 ein Doktor \u2013 sie mit unterschiedlichen Frauen gezeugt hat. Und so machen sich die Br\u00fcder auf die Suche nach ihren leiblichen Eltern.<br \/>\nEine Spur f\u00fchrt sie auf die aussterbende Insel Ork, wo ihr alter Vater in einem verfallenen Sanatorium hausen soll. Hier prallen sie auf drei missgebildete M\u00e4nner, die ebenfalls Hasenscharten-Narben und \u00e4hnlich verschrobene Pers\u00f6nlichkeiten haben wie Gabriel und Elias. Das Sanatorium ist in einem maroden Zustand und bildet die Spielfl\u00e4che f\u00fcr eine der skurrilsten M\u00e4nner-WGs des Kinos. Die Szenen zwischen den f\u00fcnf Br\u00fcdern sind \u00fcberzeichnete Studien menschlichen Verhaltens und ergr\u00fcnden deren archaischen Versuche, sich eine funktionierende Gesellschaft und eine Familie fern von den Menschen in dem alten Sanatorium zu errichten. Dabei wird alles vom Vater \u00fcberschattet, der in der oberen Etage ruht und vom \u00e4lteren Bruder mit brutaler Hand vertreten wird. Seine autorit\u00e4re Herrschaft, die den j\u00fcngeren Geschwistern gen\u00fcgend Freiraum f\u00fcr die eigenen Absonderlichkeiten l\u00e4sst, wird von Gabriel jedoch in Frage gestellt. Elias beginnt, sich mit seinen neuen Br\u00fcdern gegen Gabriels Wissensdrang und Neugierde zu stellen \u2013 die Konflikte sind vorgezeichnet.<br \/>\nMehr m\u00f6chten wir \u00fcber den Verlauf der Handlung allerdings nicht verraten! F\u00fcr \u201eMen &amp; Chicken\u201c sollten Sie sich die Zeit vor der Kinoleinwand nehmen, denn diese Groteske hat es wirklich in sich.<\/p>\n<p>F\u00fcr die szenografisch denkende Sitzreihe im Kinosaal ist der Film dabei eine Ausstattungs-Augenweide. \u00dcberzeichnet und skurril, aber niemals dominant, ist das Szenenbild so stark, dass die R\u00e4ume sensorisch und haptisch sp\u00fcrbar werden. Selten konnten Zuschauer im Kino die Szenenbilder beinahe riechen und schmecken: Wandschimmel, K\u00e4sekeller, Stallgeruch, alte Rosshaar-Matratzen, Rost und Metall, Alkohol und Formalin, der Moder alter B\u00fccher und ungewaschene M\u00e4nnerk\u00f6rper. Neben den Menschen existiert im Sanatorium zudem allerlei Getier: H\u00fchner und G\u00e4nse bewegen sich frei durch die G\u00e4nge. Ein riesiger Zuchtochse, dessen hochgelobte Spermien weltweit gefragt sind, steht wie ein fleischgewordenes G\u00f6tzenbild in einer Stallung. Die R\u00e4ume sind Biotope: In ihnen lebt es. Das Sanatorium auf der verlassenen Insel, die St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck von der Natur zur\u00fcck erobert wird, ist dabei ein Bild f\u00fcr das Leben und seinen Zerfall. Der Mensch baut darin seine kleinen Bastionen, deren Zeit beschr\u00e4nkt ist. Es ist der Ort der Familie und zugleich auch eine Kommune der Menschen und der Tiere. Die Br\u00fcder haben hier ein Refugium, das sie besch\u00fctzen, denn sie wissen, dass die Welt jenseits der Insel keinen besseren Platz f\u00fcr sie zu bieten hat. Gabriel begreift das kurz vor der Katastrophe, die er durch sein Handeln ausl\u00f6st.<\/p>\n<p>In\u00a0\u201eMen &amp; Chicken\u201c wird die Szenografie zum Sprachrohr der Utopie \u2013 ganz genau so wie es dem Regisseur und seinem Team auch schon mit \u201eAdams \u00c4pfel\u201c eindr\u00fccklich gelungen ist.\u00a0\u201eMen &amp; Chicken\u201c ist weniger episch, weist weniger Pop und Design auf, ist aber mindestens so brutal und ehrlich wie \u201eFight Club\u201c, wenn es im Kino um die Formulierung eines alternativen Lebens- und Gesellschaftsentwurfs geht. In der Abhandlung \u201e\u00dcber die \u00e4sthetische Erziehung des Menschen\u201c schreibt Schiller, dass sich das Leben in seiner primitiven Form von selbst lebt. Bis der geistige, der vern\u00fcnftige Mensch erwacht, und Wille geboren wird, der zu so viel mehr bereit und f\u00e4hig ist, als wir uns im Alltag eingestehen.\u00a0\u201eMen &amp; Chicken\u201c erinnert uns eindr\u00fccklich daran.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Bestellen \u00fcber Amazon<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/B00YOF68FS\/ref=as_li_tl?ie=UTF8&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=B00YOF68FS&amp;linkCode=as2&amp;tag=p09df-21\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Men &amp; Chicken<\/a><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" style=\"border: none !important; margin: 0px !important;\" src=\"http:\/\/ir-de.amazon-adsystem.com\/e\/ir?t=p09df-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=B00YOF68FS\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" border=\"0\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" width=\"500\" height=\"281\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/5nJyeIPIuSI?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"autoplay; encrypted-media\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>PLOT war im Kino! 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