{"id":22453,"date":"2015-08-12T08:57:05","date_gmt":"2015-08-12T08:57:05","guid":{"rendered":"http:\/\/www.plotmag.com\/blog\/?p=19896"},"modified":"2017-06-27T10:44:34","modified_gmt":"2017-06-27T08:44:34","slug":"kitzinger_land","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/2015\/08\/kitzinger_land\/","title":{"rendered":"Kulturzeichen Kitzinger Land, Kitzingen"},"content":{"rendered":"<p><strong>Als Auftakt des auf f\u00fcnf Jahre angelegten Kulturprojekts \u201eVon edler Art\u201c im Kitzinger Land konstituierten Studierende des Studiengangs B\u00fchnenbild_Szenischer Raum der Technischen Universit\u00e4t Berlin einen szenografischen Parcours zum Thema \u201eSchleierzeichen\u201c. Geschichte, gegenw\u00e4rtige Relevanz und pers\u00f6nliche Wahrnehmung des Ortes wuchsen so zu vier Installationen, die sich mit unterschiedlichen Ans\u00e4tzen an Besucher und Bewohner der Stadt Kitzingen wandten. <\/strong><\/p>\n<p><em>von Judith Noack<\/em><\/p>\n<p>Kitzingens Gr\u00fcndungssage bildete den Ausgangspunkt der Arbeiten. Demnach lie\u00df die adelige Hadeloga, auf der Suche nach einem geeigneten Ort f\u00fcr den Bau eines Klosters, ihren Schleier vom Schwanberg fliegen. Die Entscheidung \u00fcbertrug sie dem Wind. Ein Sch\u00e4fer namens Kitz fand diesen Schleier an einem Weinstock und daraufhin wurde an jener Stelle das Kloster von Kitzingen gegr\u00fcndet.<\/p>\n<p>Heute markiert ein rotes Band den Turm am Landratsamt, wo einst der Schleier gelandet sein soll. <strong>Das Spiel mit dem Zufall<\/strong> steht dabei als Installation f\u00fcr den Ausgangspunkt der Stadtgeschichte sowie f\u00fcr den Beginn des szenografischen Parcours. Das rote Band taucht an einem halbrunden, vier Meter hohen Pavillon auf der Alten Mainbr\u00fccke wieder auf und zieht sich in einem scheinbar willk\u00fcrlichen Muster \u00fcber das Stahlger\u00fcst, das sich \u00fcber dem Balkon der Br\u00fccke befindet. Die Inszenierung soll die Besucher auffordern, eigene Entscheidungen zu hinterfragen und sich dar\u00fcber bewusst zu werden, wie oft der Zufall im eigenen Leben eine wesentliche Rolle spielt.<\/p>\n<p>Eine visuelle \u00dcberleitung zur Station <strong>Lass Dich fallen<\/strong> erfolgt bereits beim \u00dcberqueren der Br\u00fccke: Hier wurde ein drei Meter breiter Schleier zwischen vorhandenen Punkten wie Stra\u00dfenlaternen und B\u00e4umen gespannt, um sich 100 Meter am Ufer des Mains entlang zu winden. An diesem Ort wurden einst Laken zum Trocknen aufgeh\u00e4ngt. Heute soll die Fernwirkung eine \u00e4hnliche Anmutung vermitteln. Der Verlauf des Schleiers veranschaulicht dabei den Moment zwischen Fall und Landung. Er blockiert den Weg und soll zum Innehalten und Interagieren anregen. Der Wind als Akteur der Geschichte ist am Ort pr\u00e4sent und erschafft immerfort neue Formen mit dem elastischen Material. So werden kleine R\u00e4ume und neue Blickwinkel auf die gegen\u00fcberliegende Stadt kreiert. Die Materialit\u00e4t des halbtransparenten Schleiers gibt dabei nicht alles auf den ersten Blick preis.<\/p>\n<p>Auf der anderen Seite des Ufers machen Lichtreflexe der Arbeit <strong>Wir<\/strong> auf sich aufmerksam. Am Platz vor der Synagoge befinden sich zwei gro\u00dfe ineinandergreifende Dreiecke in deren begehbarem Zwischenraum auditive und visuelle Erfahrungen gemacht werden k\u00f6nnen. Hierf\u00fcr wurden Betonpfeiler mit bunt reflektierendem Vogelabwehrband linear bespannt, um die Umrisse der Stadt zu markieren, die sich im 13. bis 15. Jahrhundert aus einem dreieckigen Grundriss entwickelte. Die Arbeit widmet sich der Bedeutung der Synagoge als Ort f\u00fcr Handel und lebhaften Austausch. Im bunten Band soll dabei die Vielfalt sowie das neue Selbstgef\u00fchl Kitzingens widergespiegelt werden.<\/p>\n<p>Die Installation <strong>Was bringt Dich hierher?<\/strong> besch\u00e4ftigt sich wiederum \u2013 abgeleitet von der Hadeloga-Sage \u2013 mit dieser aktuell relevanten Frage. Eine mobile Ausstellungsvitrine aus alten Fenstern verwandelt dabei pers\u00f6nliche Dinge der Bewohner Kitzingens, die sonst hinter Gardinen versteckt sind, in Exponate. Die Frage nach dem Grund, seinen Lebensmittelpunkt an diesen Ort zu legen, kann auf Postkarten mit Worten oder kleinen Aufklebern beantwortet werden. Jene werden anschlie\u00dfend im Ausstellungswagen gesammelt oder beleben dar\u00fcber hinaus das Schaufenster eines Leerstands am K\u00f6nigsplatz mit den individuellen Gr\u00fcndungsgeschichten.<\/p>\n<p>Unter Low-Budget-Bedingungen realisierten die Studierenden die Umsetzung eigenh\u00e4ndig mit Unterst\u00fctzung der Agentur Kulturgold, des Studiengangs B\u00fchnenbild_Szenischer Raum und der Stadt Kitzingen. Dabei kam es bereits in der Aufbauwoche zu einem regen Austausch zwischen interessierten Passanten und den Beteiligten der TU Berlin. Am Er\u00f6ffnungswochenende setzte sich dieser in pers\u00f6nlichen F\u00fchrungen fort. Nach einer aufbauerschwerenden Hitzewelle zog direkt nach dem Er\u00f6ffnungswochenende leider ein schweres Unwetter \u00fcber den auf sechs Wochen angesetzten Parcours. Es richtete so gro\u00dfen Schaden an, dass in Anbetracht der Ausgangslage ein Wiederaufbau von drei zerst\u00f6rten Installationen nicht m\u00f6glich war. Der Fensterkasten mit den pers\u00f6nlichen Ausstellungsobjekten wird jedoch noch eine zeitlang in der Stadt zu finden sein. So k\u00f6nnen sich Besucher weiterhin am Geschichtenerz\u00e4hlen beteiligen oder die kleine Ausstellung im Schaufenster des Leerstands begutachten. Das Projekt \u201eVon edler Art\u201c im Landkreis Kitzingen wird in den kommenden Jahren mit den regionalspezifischen Themen \u201eGartenzeichen\u201c, \u201eWasserzeichen\u201c und \u201eWeinzeichen\u201c fortgesetzt und hoffentlich von gem\u00e4\u00dfigteren Wettererscheinungen begleitet.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als Auftakt des auf f\u00fcnf Jahre angelegten Kulturprojekts \u201eVon edler Art\u201c im Kitzinger Land konstituierten Studierende des Studiengangs B\u00fchnenbild_Szenischer Raum der Technischen Universit\u00e4t Berlin [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[7],"tags":[1221,1222,1223],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/22453"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=22453"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/22453\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":22457,"href":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/22453\/revisions\/22457"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=22453"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=22453"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=22453"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}