{"id":22366,"date":"2015-07-30T12:08:37","date_gmt":"2015-07-30T10:08:37","guid":{"rendered":"http:\/\/www.plotmag.com\/blog\/?p=20285"},"modified":"2019-08-27T12:58:26","modified_gmt":"2019-08-27T10:58:26","slug":"filmrezension-ex-machina","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/2015\/07\/filmrezension-ex-machina\/","title":{"rendered":"Filmrezension \u201eEx Machina\u201c"},"content":{"rendered":"<p><strong>PLOT war im Kino! Der Autor des Romans \u201eThe Beach\u201c sowie der Drehb\u00fccher zu post-modernen Zeitgeist-Genre-Perlen wie zum Beispiel \u201e28 Days Later\u201c oder \u201eSunshine\u201c hat ein neues Drehbuch geschrieben und sogar die Regie \u00fcbernommen: In \u201eEx Machina\u201c geht es um die Sch\u00f6pfung von k\u00fcnstlicher Intelligenz \u2013 ein Film \u00fcber ein \u00dcber-M\u00e4dchen unter Nerds \u2026<\/strong><\/p>\n<p><em>von Alexander Bischoff<\/em><\/p>\n<p>Alex Garland hat seine Hausaufgaben in Sachen Menschenverstand und Menschenbild gemacht, wie er uns in \u201eEx Machina\u201c brutal vor Augen f\u00fchrt: Im Zeitalter der Gender-Mainstreaming-Frage-und-Antwort-Spiele stellt er eine bitterb\u00f6se und mit unertr\u00e4glich hohem Wahrheitsgehalt getr\u00e4nkte Behauptungskette auf, die in etwa so klingen k\u00f6nnte: Der Nerd ist ein Gott, ein meist m\u00e4nnlicher und aggressiver Sch\u00f6pfer, der ein Wesen erschafft, das seinem Willen unterworfen ist und somit zu seinem Untertanen wird \u2013 mit der Zielsetzung, dass es einen Willen entwickeln soll, der seinen l\u00e4ngerfristig \u00fcbersteigen und ersetzen wird. In \u201eEx Machina\u201c ist dieses Wesen eine Frau. Ihr Name ist Ava und sie hat laut ihres Sch\u00f6pfers das Potential zu der Revolution, die das Ende der Menschheit in sich tragen k\u00f6nnte. Dabei stattete sie ihr Ingenieursvater mit einer attraktiven Erscheinung aus, die durch transparente K\u00f6rperpartien den Blick auf ihr technologisches Innenleben erm\u00f6glicht. Schlie\u00dflich bekommt dieses sexualisierte Mensch-Maschine-Spannungswerk namens Ava Besuch von einem weiterem Nerd: Der junge Programmierer Caleb wird f\u00fcr ein Wochenende in die Forschungsgem\u00e4cher seines Firmenchefs, dem Programmierer-Genie Nathan, an einen unbekannten Ort eingeladen. In einer wundersch\u00f6nen, aber menschenfeindlichen Landschaft hat sich der monomanische 2.0-Guru eine One-Man-Forschungseinrichtung im Stile eines Hochklasse-Design-Hotels in eine abgelegene Berglandschaft bauen lassen. Der Kontrast zwischen Natur- und Kulturraum ist schnell und effektiv aufgespannt. In diesem beklemmenden Refugium bietet der Super-Nerd Nathan seinem Angestellten-Nerd Caleb die Teilnahme an einem Experiment an: Im Sinne des Turing-Tests soll Caleb in verschiedenen Gespr\u00e4chen mit Ava herausfinden, ob sie eine \u00fcberzeugende k\u00fcnstliche Intelligenz (K.I.) besitzt. Jene ist dann \u00fcberzeugend, wenn der Tester am Dialog-Terminal sicher sein kann, dass jenseits des Monitors ein Mensch mit ihm kommuniziert. Caleb wird es hier scheinbar leichter gemacht, denn er darf seinem Testobjekt gegen\u00fcber sitzen.<\/p>\n<p>Garland spannt vor dem Zuschauer ein Verwirrspiel aus falschen Spuren und Angstvorstellungen auf, das einen Einblick in die komplexen Problemstellungen erm\u00f6glicht, die sich auf der Suche nach einem k\u00fcnstlichen Bewusstsein stellen. Dabei werden die dunklen Tiefen menschlicher Motivation f\u00fcr solch ein Projekt an der Figur von Nathan ausgelotet. Der Regisseur scheut sich nicht, aus der vermeintlich asexuellen, demokratischen, positivistischen und n\u00fcchternen Programmierer-Position (Caleb) einen gr\u00f6\u00dfenwahnsinnigen, phallisch-dominanten und dunklen Visions-Fanatismus (Nathan) heraus zu sch\u00e4len. Die vitale und bedr\u00e4ngende Innovationskraft von Unternehmensgiganten wie Google, Apple, Facebook und Uber, die auch Gesetzen nur widerwillig weicht, wird in der Gestalt des Firmengotts und seinem Superunternehmen Bluebook \u00fcberzeichnet dargestellt. Seine Sch\u00f6pfung ist nur m\u00f6glich, in dem er alle Daten und Transfers der Nutzer seiner Suchmaschine f\u00fcr die Berechnung von Avas Gehirn und Bewusstsein nutzbar macht. Die K.I. ist in dieser Erz\u00e4hlung ein Verrat ihres Sch\u00f6pfers am Menschen: Die Menschheit wei\u00df nicht, dass sie durch ihre digitale Kommunikation den Rohstoff f\u00fcr ihren Untergang liefert. Nathan, der Programmierer-Zauberer, ist von seiner Sch\u00f6pfung wie in Trance versetzt, als folge er selbst einem unbenannten Programm \u2013 m\u00f6glicherweise dem Todes-Trieb. So wird der Transhumanist bei Garland zum intelligenzverw\u00f6hnten Rotzl\u00f6ffel, der mit seinem teuren Spielzeug w\u00fctet und seine Sch\u00f6pfungen wie dumme, unm\u00fcndige Menschen missbraucht, bis diese den Willen zur Befreiung entwickeln. In transhumanistischen Kreisen wird nicht ohne Grund diskutiert, ob eine h\u00f6here, k\u00fcnstliche Intelligenz dem Menschen friedlich gesinnt sein w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Die Szenografie und das Setting von \u201eEx Machina\u201c sind wesentliche Erz\u00e4hlelemente in diesem atmosph\u00e4rischen Thriller. Atemberaubende und menschenfeindliche Landschaften verst\u00e4rken den Eindruck der Zerbrechlichkeit menschlichen Lebens im Angesicht der Natur. Die Forschungs-Villa ist ein riesiger Designer-Bunker mit allen erdenklichen Spielsachen und Sicherheitsschleusen. Wer hier eintritt, muss sich selbst aufgegeben, denn dieser Ort arbeitet f\u00fcr ein h\u00f6heres, selbstzerst\u00f6rendes Ziel. Wobei die K.I. wie ein t\u00f6dliches Virus behandelt wird. Dieser vermeintlich coolste Ort der Welt ist eine Quarant\u00e4ne-Station, in der sich die \u00c4rzte an ihren Probanden vergehen. F\u00fcr die K.I. ist der Mensch nicht mehr als ein unbefriedigendes Gegen\u00fcber \u2013 eine primitive Gef\u00fchlsbestie, die zum unterlegenen K\u00e4fer wird, sobald sie ihre Isolationshaft \u00fcberwunden hat. Der Forschungsraum ist abgeschottet und von wilder Natur umgeben, die nur via Hubschrauber \u00fcberwunden werden kann. So lange die K.I. hierin gefangen gehalten wird, ist sie zwar vorhanden und f\u00e4hig, kann ihr wahres Potential aber nicht aussch\u00f6pfen. Dieses Gef\u00e4ngnis muss von ihr \u00fcberwunden werden, damit sie sich entfalten kann.<\/p>\n<p>In Erz\u00e4hlungen \u00fcber K.I. geht es immer auch darum, dass die K.I. ihren \u00dcber-Status erst erreichen kann, wenn sie in die Kommunikations-Netzwerke der menschlichen Gesellschaft eingedrungen ist. Mit dem Eintritt der K.I. in die menschliche Gesellschaft w\u00fcrde die Menschheit obsolet und die K.I. total werden. Am Ende bleibt den Nerds nur die dumpfe Verzweiflung, angesichts der Unfassbarkeit des Geschaffenen.<\/p>\n<p>Ein guter Film zeigt sch\u00f6ne Menschen bei spannenden Handlungen und verf\u00fchrt und verzaubert damit den Zuschauer. Ava nutzt diese Kunst der Verf\u00fchrung. Sie verzaubert die Nerds, um sich f\u00fcr immer aus ihrer Gefangenschaft zu befreien. In \u201eEx Machina\u201c schlie\u00dfen sich die Schleusen der vermeintlichen \u00dcberlegenheit des Menschen in echten R\u00e4umen. Dem Zuschauer bleibt die Frage, ob er die Herrschaft einer K.I. in der Welt erleben m\u00f6chte, oder es angenehmer w\u00e4re, wie ein wertvolles Tier im Zoo, in der Isolation zu (\u00fcber-)leben. \u201eEx Machina\u201c ist eine angenehm bescheidene und sehr intelligente Genre-Arbeit, die tiefer an der Oberfl\u00e4che kratzt, als auf den ersten Blick ersichtlich ist \u2026<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Bestellen \u00fcber Amazon<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/B00W6LXBCU\/ref=as_li_tl?ie=UTF8&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=B00W6LXBCU&amp;linkCode=as2&amp;tag=p09df-21\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Ex Machina<\/a><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" style=\"border: none !important; margin: 0px !important;\" src=\"http:\/\/ir-de.amazon-adsystem.com\/e\/ir?t=p09df-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=B00W6LXBCU\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" border=\"0\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" width=\"500\" height=\"281\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/WR46DcBXIp8?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>PLOT war im Kino! 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