{"id":21775,"date":"2015-05-27T10:00:33","date_gmt":"2015-05-27T08:00:33","guid":{"rendered":"http:\/\/www.plotmag.com\/blog\/?p=19896"},"modified":"2016-09-19T21:28:43","modified_gmt":"2016-09-19T19:28:43","slug":"200_und_20","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/2015\/05\/200_und_20\/","title":{"rendered":"200 und 20"},"content":{"rendered":"<p><strong>B\u00fccher auf Reisen \u2013 Die Gestaltung der Ausstellung \u201e200 und 20\u201c im J\u00fcdischen Museum Wien<\/strong><\/p>\n<p>Der Titel der Ausstellung verweist auf die wechselvolle Geschichte einer Bibliothek, die einst eine der bedeutendsten j\u00fcdischen Gemeindebibliotheken war. Sie entstand 1814 aus einer Schenkung hebr\u00e4ischer Druckwerke an die j\u00fcdische Gemeinde Wiens, wurde w\u00e4hrend der NS-Zeit bis auf einen kleinen Restbestand aufgel\u00f6st und 1994 \u2013 als Bibliothek des J\u00fcdischen Museums Wien \u2013 neu gegr\u00fcndet.<\/p>\n<p>Den besonderen Charakter dieser j\u00fcdischen Bibliothek in der \u201eDiaspora\u201c betont die Ausstellungsgestaltung: Umfang und Zusammensetzung der Bibliotheksbest\u00e4nde waren starken Schwankungen unterworfen. Eine wesentliche Rolle spielten Schenkungen, Zuk\u00e4ufe, R\u00fcckholungen und Wiederbeschaffungen. Die Gestaltung deutet diese Vorg\u00e4nge als \u201eReisen\u201c, welche die Exponate durchlaufen mussten, bevor sie an ihrem (vielleicht wieder vorl\u00e4ufigen) Bestimmungsort \u2013 der Bibliothek des J\u00fcdischen Museums Wien \u2013 ankamen. Ein weiterer Aspekt, den die Gestaltung hervorhebt, ist die unterschiedliche Funktion, welche die B\u00fccher als Teil eines Bibliotheksbestands und als Exponate einer Ausstellung einnehmen. In der Bibliotheksumgebung finden Leser die gesuchten Schriftdokumente anhand von Listen und Verzeichnissen und ein Buch begegnet ihnen hier als Buchr\u00fccken oder Buchtitel. Anders in der Ausstellung: Als Ausstellungsexponate repr\u00e4sentieren sie die verschiedenen Sparten und Fachbereiche der Bibliothek und die Besucher treffen auf das Innenleben der B\u00fccher, die aufgeschlagen gezeigt werden.<\/p>\n<p>Diese Referenzpunkte der Ausstellungsgestaltung, die \u201eReisen\u201c der B\u00fccher, das exemplarische Zeigen eines \u201eSortiments\u201c, das Aufschlagen der B\u00fccher, um ihr Inneres auszustellen, f\u00fchren zu einer sehr einfachen Ausdrucksform: F\u00fcnf aufklappbare Schatullen werden auf einem Wandbord geringer Tiefe aufgelegt. Die Beh\u00e4lter aus hellem Fichtenholz werden f\u00fcr die Ausstellung ge\u00f6ffnet und das \u201eSortiment\u201c der Bibliothek \u2013 die im Inneren der Korpush\u00e4lften angebrachten B\u00fccher \u2013 gezeigt. Schr\u00e4g gegen die Wand gelehnt, werden die ge\u00f6ffneten Schatullen so selbst zu gro\u00dfen \u201eB\u00fcchern\u201c.<\/p>\n<p>Neben die Schatullen sind die kommentierenden Ausstellungstexte wie gro\u00dfe Lesezeichen gestellt. Die Ausbildung der Textelemente als \u201eTexts\u00e4ulen\u201c verweist auch auf eine archaische, urspr\u00fcngliche Funktion der Schrift \u2013 die Aufzeichnung von Regeln und Gesetzen.<\/p>\n<p>In geschlossenem Zustand erinnern die h\u00f6lzernen Schatullen an Transportbeh\u00e4lter. Eine miniaturisierte Containerkiste, aus der eine Verschickungsliste ragt, verweist auf die Verschiffung zahlreicher B\u00fccher der Bibliothek nach Jerusalem in den Nachkriegsjahren und zeigt auf, dass ein Fortbestand oder Neuaufbau der Bibliothek noch in den 1950-er Jahren unwahrscheinlich erschien.<\/p>\n<p>Bauweise und Gestaltung der Holzbeh\u00e4lter beziehen sich auch auf die aufklappbaren h\u00f6lzernen Buchverkaufsst\u00e4nde der Pariser \u201eBouquinistes\u201c, die an den Ufern der Seine ihre Ware pr\u00e4sentieren \u2013 eine urspr\u00fcnglich provisorische, mobile Einrichtung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>B\u00fccher auf Reisen \u2013 Die Gestaltung der Ausstellung \u201e200 und 20\u201c im J\u00fcdischen Museum Wien Der Titel der Ausstellung verweist auf die wechselvolle Geschichte [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[4],"tags":[932,257],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/21775"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=21775"}],"version-history":[{"count":10,"href":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/21775\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":28294,"href":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/21775\/revisions\/28294"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=21775"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=21775"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=21775"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}