{"id":21638,"date":"2015-04-08T13:12:57","date_gmt":"2015-04-08T11:12:57","guid":{"rendered":"http:\/\/www.plotmag.com\/blog\/?p=20199"},"modified":"2019-09-14T14:10:56","modified_gmt":"2019-09-14T12:10:56","slug":"interview_triad","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/2015\/04\/interview_triad\/","title":{"rendered":"Lutz Engelke \u00fcber Eventgestaltung und Partizipation"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: center;\"><em>\u201eEine wirklich gelungene Veranstaltung zeichnet sich allerdings immer erst durch die wunderbaren Zwischent\u00f6ne, die Poesie des Augenblicks und die \u00fcberall mitschwingende Geste des erz\u00e4hlerischen Ganzen aus.\u201c<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>\u201eMehr Fantasie wagen!\u201c Das ist das Credo von Lutz Engelke, Gr\u00fcnder von TRIAD \u2013 einer Kommunikationsagentur mit Schwerpunkt auf Erlebnis- und Themenkommunikation. Dazu geh\u00f6rt auch die Choreografie von Projekten im Bereich der Eventgestaltung, deren Erfolg ma\u00dfgeblich vom Engagement der Teilnehmer abh\u00e4ngt. Wir haben bei Lutz Engelke nachgefragt, wie er Events gestaltet und Partizipation anregt.<\/strong><\/p>\n<p><em><br \/>\nDie Fragen stellte Anna B\u00fchling.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Herr Engelke, ihr Appell lautet: \u201eMehr Fantasie wagen!\u201c Was machen Sie anders, um Ihre Events fantasievoll zu gestalten?<\/strong><\/p>\n<p>In unserer Agentur verf\u00fcgen wir \u00fcber gro\u00dfes internes Kreativpotential, das international, bereichs\u00fcbergreifend und interdisziplin\u00e4r miteinander vernetzt ist und in einem st\u00e4ndigen Inspirationsfluss agiert. Fantasie und kreatives Schaffen entstehen aus dem Mut heraus, auch mal \u201eBewusstseinsunf\u00e4lle\u201c zuzulassen und Dinge, die scheinbar nicht zusammengeh\u00f6ren, so zu kombinieren, dass ein verbl\u00fcffendes Novum der Realit\u00e4t hinzugef\u00fcgt wird. Der Gestaltungsfreiraum f\u00fcr kreative Kombinatorik ist bei Events besonders gro\u00df. Also lassen wir \u00fcberraschende Erlebnisketten und \u201eSchatzkammern\u201c entstehen, aus denen die Besucher auch nach dem Event \u201eBegeisterungsjuwelen\u201c davontragen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Sie haben nicht nur im Eventbereich umfangreiche Erfahrungen, sondern auch in den Bereichen EXPO, Messe- und Ausstellungsgestaltung. Welche besonderen Herausforderungen birgt die Eventkommunikation gegen\u00fcber anderen Formaten der r\u00e4umlichen Kommunikation?<\/strong><\/p>\n<p>W\u00e4hrend sich die Erz\u00e4hlungen in Ausstellungen wie eine Landschaft im Raum auffalten und von den Besuchern selbstbestimmt und unabh\u00e4ngig vom Zeitpunkt entdeckt werden, so ist die Herausforderung bei einem Event, ein gestalterisches, organisatorisches und dramaturgisches Laufwerk zu kreieren, in dem die Teilnehmer durch ihre Partizipation Teil der Erz\u00e4hlung werden. Dazu m\u00fcssen alle R\u00e4der des Laufwerks pr\u00e4zise ineinander greifen und sowohl Timings, Raumwandlungen und Inszenierungskurven, als auch Pausen und Erlebnisfreir\u00e4ume mitgedacht werden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Immer wieder wird die \u201eEventisierung&#8221; gegen\u00fcber dem Format der Ausstellungsgestaltung kritisiert. Warum gibt es diese Kritik und ist sie berechtigt?<\/strong><\/p>\n<p>Kritik ist nat\u00fcrlich immer dann berechtigt, wenn es sich um eine unpassende Anwendung handelt, die das Ziel verfehlt oder der es an Qualit\u00e4t mangelt. Wenn sich r\u00e4umliche Kommunikationsformen weiterentwickeln, ist das aber zun\u00e4chst eine spannende Sache. Warum sollten die Vorteile der Live-Kommunikation nicht der Ausstellungsgestaltung zugutekommen? Die Bereitschaft zu hybriden L\u00f6sungen und \u00fcberraschenden Neukombinationen sind in beiden interdisziplin\u00e4ren Arbeitsbereichen eine \u00fcberlebenswichtige Haltung.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Bilden Events eine Plattform, um eine fundierte inhaltliche Auseinandersetzung mit Themen anzusto\u00dfen oder sind sie eher dazu geeignet, die Positionen und Werte der Unternehmen zu transportieren?<\/strong><\/p>\n<p>Ein konsequent konzipiertes Event hat grunds\u00e4tzlich das Potential durch einzigartige, gemeinsame Erlebnisse und pers\u00f6nliche Begegnungen ein intensives und nachhaltiges Kommunikationsformat zu sein. Ob Diskurs, Mitarbeitermotivation oder Konsumansto\u00df &#8211; die zu vermittelnden Inhalte und Anl\u00e4sse von Events sind breit gef\u00e4chert und von immer anderen Kommunikationszielen abh\u00e4ngig. Wie direkt oder abstrahiert, inszenatorisch oder interaktiv die Erz\u00e4hlweise ist, oder welche Formate miteinander kombiniert werden, wird jedes Mal neu abgeschmeckt, um die Zutaten der Inszenierungskurve m\u00f6glichst abwechslungsreich und passend zu gestalten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Wodurch zeichnet sich Ihrer Meinung nach ein gelungenes Event aus?<\/strong><\/p>\n<p>Da jedes Event lange vorbereitet, einmalig inszeniert und live erlebt wird, ist allein der organisatorische Anspruch an sein Gelingen sehr hoch. Eine wirklich gelungene Veranstaltung zeichnet sich allerdings immer erst durch die wunderbaren Zwischent\u00f6ne, die Poesie des Augenblicks und die \u00fcberall mitschwingende Geste des erz\u00e4hlerischen Ganzen aus. Denn das ist es, was in Form von emotionaler Bereicherung an den Menschen haften bleibt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Welche Rolle spielen eigentlich die Besucher in der Dramaturgie des Events?<\/strong><\/p>\n<p>H\u00e4ufig werden die Teilnehmer bereits im Vorfeld mit ersten \u201eKommunikationsbausteinen\u201c gelockt und dazu angeregt, sich einzubringen. Dies macht sie sofort zu beteiligten Mitgestaltern, statt zu \u201eberieselten\u201c Zuschauern. Die partizipative Einbindung von kollektiven Beitr\u00e4gen, Abstimmungen oder Schwarm-Dynamiken in die Dramaturgie des Events l\u00e4sst die Teilnehmer Wertsch\u00e4tzung erfahren und macht das Event zu einer demokratischen Austauschplattform.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Wie l\u00e4sst sich in unserer schnelllebigen und \u00fcbers\u00e4ttigten Zeit die Bereitschaft der Zuschauer herstellen, sich auf Kommunikationsprozesse einzulassen?<\/strong><\/p>\n<p>Ein Event muss einen wertvollen, einmaligen Inspirationsraum darstellen, der \u00fcberraschende Kommunikationswerkzeuge anbietet, um Partizipation, Spieltrieb, Teamwork und die Bereitschaft zur Ideenfindung zu stimulieren. Die direkte Begegnung vor Ort, der symphonische Reiz aller Sinne und eine narrative Erlebniskomposition erfahren eine immer h\u00f6here Wertsch\u00e4tzung in der zunehmend digitalen Informationsflut.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Gibt es ein besonders gelungenes Beispiel von TRIAD Berlin f\u00fcr die Gestaltung eines solchen Inspirationsraums?<\/strong><\/p>\n<p>Ja, ich denke zum Beispiel an das Design-Thinking-Event \u201ed.confestival\u201c, welches in der Manege eines Zirkuszelts neuen Ideen einen besonderen Auftritt erm\u00f6glicht hat. Oder an die j\u00e4hrlich stattfindende \u201eDenk ich an Deutschland\u201c-Konferenz der Alfred Herrhausen Gesellschaft und der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Auf der Basis provokanter Thesen wird dort leidenschaftlich und kenntnisreich \u00fcber Zustand und Zukunft Deutschlands diskutiert. Das Thema \u201edigitale Zukunft erkennen\u201c sowie die Offenheit f\u00fcr verschiedene Perspektiven wurden in der Programm-Dramaturgie und der Event-Szenografie in Form einer raumgreifenden Netzstruktur widergespiegelt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Zu guter Letzt: Warum sollten sich Unternehmen solche Events auch zuk\u00fcnftig leisten?<\/strong><\/p>\n<p>Ein Event zu veranstalten, bedeutet zu einer direkten Begegnung einzuladen. Damit schafft das Unternehmen einen individuell gestalteten Raum, der Erlebnis, Erkenntnis und Emotionen in sich b\u00fcndelt sowie Inhalte auf eine ganzheitliche und nachhaltige Weise kommuniziert. Er wird nicht nur zu einem effektiven Transporteur der eigenen Werte, sondern erh\u00e4lt durch die interaktive Partizipation der Teilnehmer wertvolle R\u00fcckmeldungen und Denkanst\u00f6\u00dfe, um die Zukunftsf\u00e4higkeit des Unternehmens zu steigern.<\/p>\n<p><strong><br \/>\nHerr Engelke, wir danken f\u00fcr das Gespr\u00e4ch!<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Zur Person<\/strong><\/p>\n<p>Lutz Engelke studierte Literaturwissenschaft, Publizistik und Filmwissenschaften. 1994 gr\u00fcndete der ehemalige Pressesprecher des Berliner Senats die Kreativagentur TRIAD Berlin, unter deren Dach sich inzwischen ein zweiter Standort in Shanghai sowie 180 Mitarbeiter aus den unterschiedlichsten Berufsbereichen tummeln. Zus\u00e4tzlich zum Agenturalltag lehrt Lutz Engelke seit 2011 als Honorarprofessor an der Fachhochschule Potsdam im Ausbildungsschwerpunkt Eventdesign. Dass er Theorie und Praxis beherrscht, beweisen die zahlreichen Auszeichnungen und Preise, welche die international renommierte Agentur regelm\u00e4\u00dfig gewinnt. Wie etwa f\u00fcr den \u201e<a href=\"http:\/\/www.plotmag.com\/blog\/2010\/09\/urban-planet-pavilion\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Urban Planet Pavilion<\/a>\u201c (wir berichteten in <a href=\"http:\/\/www.plotmag.com\/blog\/2010\/09\/plot6-vanity-fair\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">PLOT #6<\/a>) auf der Expo 2010 in Shanghai, dessen k\u00fcnstlerische Gesamtleitung Lutz Engelke pers\u00f6nlich \u00fcbernahm und daf\u00fcr verantwortlich zeichnete, dass der Pavillon mit einem authentischen Konzept und einer emotionalen Inszenierung \u00fcberzeugen konnte. Derzeit konzipiert Lutz Engelke mit seinem Team unter anderem ein Science Center in Saudi-Arabien sowie das Deutsche Fu\u00dfballmuseum in Dortmund.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eEine wirklich gelungene Veranstaltung zeichnet sich allerdings immer erst durch die wunderbaren Zwischent\u00f6ne, die Poesie des Augenblicks und die \u00fcberall mitschwingende Geste des erz\u00e4hlerischen [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1353],"tags":[880],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/21638"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=21638"}],"version-history":[{"count":12,"href":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/21638\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":32233,"href":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/21638\/revisions\/32233"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=21638"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=21638"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=21638"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}