{"id":20285,"date":"2014-09-18T18:23:01","date_gmt":"2014-09-18T16:23:01","guid":{"rendered":"http:\/\/www.plotmag.com\/blog\/?p=20285"},"modified":"2019-07-30T12:00:41","modified_gmt":"2019-07-30T10:00:41","slug":"filmrezension-shirley-visionen-der-realitat","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/2014\/09\/filmrezension-shirley-visionen-der-realitat\/","title":{"rendered":"Filmrezension \u201eShirley \u2013 Visionen der Realit\u00e4t\u201c"},"content":{"rendered":"<p><strong>PLOT war im Kino! Neugierig auf ein sehr k\u00fcnstlerisches Szenenbild \u2013 beruhend auf den Bildern von Edward Hopper, einem der bekanntesten Vertreter des amerikanischen Realismus \u2013 haben wir uns den Film \u201eShirley \u2013 Visionen der Realit\u00e4t\u201c bereits vor dem offiziellen Kinostart am 18.09.2014 angesehen und f\u00fcr Sie rezensiert.<\/strong><\/p>\n<p><em>von Anna B\u00fchling<\/em><\/p>\n<p>Stand nicht jeder schon einmal vor einem Gem\u00e4lde und hat sich die Frage gestellt, wie es zu der dargestellten Situation kam \u2013 sei es eine au\u00dfergew\u00f6hnliche oder allzu allt\u00e4gliche Szene? In seinem 93-min\u00fctigen Experimentalfilm \u201eShirley \u2013 Visionen der Realit\u00e4t\u201c gibt der Regisseur und Drehbuchschreiber Gustav Deutsch den Betrachtern von 13 Bildern des amerikanischen Malers Edward Hopper nun je eine von vielen m\u00f6glichen Antworten, indem er die Gem\u00e4lde zum Leben erweckt. Daf\u00fcr vereint er Malerei, Film, Schauspiel sowie Tanz, inszeniert und interpretiert die von Hopper visualisierte Realit\u00e4t, indem seine Schauspieler in und mit den dreidimensional gewordenen Hopperschen R\u00e4umen interagieren. Deutsch, der sich nach seinem Architekturstudium in Richtung Kunst und Film orientierte, hat an Hopper fasziniert, dass es zwischen dem Maler, der in seinen Bildern die Wirklichkeit inszenierte, und dem Medium Film starke wechselseitige Beziehungen gibt: Ausschnittswahl und Lichtf\u00fchrung erinnern dabei an den Film noir, w\u00e4hrend Filmschaffende sich bis heute von Hoppers Werken inspirieren lassen. Bislang hat sich der Filmemacher vorwiegend mit experimentell-essayistischen Filmanalysen besch\u00e4ftigt. Den Impuls, Bilder des 1967 verstorbenen Hoppers zur Grundlage eines Spielfilms zu machen, gab 2004 eine Retrospektive in K\u00f6ln.<\/p>\n<p>Entsprechend ihrer Entstehungsjahre sind die Bilder des Films in eine chronologische Reihenfolge gebracht und werden mit Hilfe von Zeiteinblendungen und Radionachrichten in einen zeitgeschichtlichen Kontext gef\u00fcgt. So beobachtet der Zuschauer die Protagonistin Shirley, eine starke, unabh\u00e4ngige Frau, \u00fcber einen Zeitraum von 35 Jahren: von den 1930er- bis in die 1960er-Jahre hinein, in dem sie politische, soziale, kulturelle und gesellschaftliche Umw\u00e4lzungen reflektiert. Ihre freigeistige Einstellung und Lebensweise konterkarieren dabei die konservative politische Einstellung Hoppers. Der Zuschauer nimmt die Rolle des Voyeurs ein, kein Wunder: Die Kameraperspektive verortet ihn stets als Au\u00dfenstehenden. Denn neben \u2013 den Originalbildern nachempfundenen \u2013 Totalen, wenigen kleinen Schwenks und Zooms hat die Kamera aufgrund der Gegebenheiten des besonderen Szenenbilds keinen Spielraum. In der Konsequenz sieht der Zuschauer nicht, was au\u00dferhalb des Bildausschnitts passiert. So hat er bisweilen einen verlassenen Raum vor sich und nimmt lediglich Ger\u00e4usche aus dem Off wahr.<\/p>\n<p>Bemerkenswert ist der Nachbau der R\u00e4ume Hoppers: Detailverliebt haben Gustav Deutsch und seine Lebensgef\u00e4hrtin und Szenenbildnerin Hanna Schimek, jene von der Zweidimensionalit\u00e4t in die R\u00e4umlichkeit \u00fcbersetzt, um sie dann zweidimensional filmisch festzuhalten. Die M\u00f6belst\u00fccke sind anamorphotisch und auch ihre Dimensionen wurden den Bildern nachempfunden, so dass manche Einrichtungsgegenst\u00e4nde riesengro\u00df, andere hingegen so klein sind, dass sie kaum ihrer Funktion dienen k\u00f6nnen. Das Ergebnis der gebauten Bilder ist dabei keine hundertprozentige Entsprechung, sondern vielmehr eine \u00dcbertragung der Atmosph\u00e4ren mit Hilfe von Farbe, Licht und Perspektive. Und auch mit der Komposition der Bilder wird gekonnt gespielt: In manchen Szenen ist das Bild bereits fertig, in anderen entsteht es erst im Spielverlauf. Es ist erstaunlich, wie malerisch und artifiziell die so gebauten Raumbilder sind: Durch die monochromen, scharf abgegrenzten Farbfl\u00e4chen verlieren sie ihre Tiefenwirkung. Die Grenzen zwischen Malerei und Film verschwimmen, so dass der Raum nur noch als solcher wahrgenommen wird, weil die Schauspieler ihn begehen und unter Beweis stellen.<\/p>\n<p>Als Experiment, Malerei und Film zu vereinen sowie als Spiel zwischen Zwei- und Dreidimensionalit\u00e4t ist \u201eShirley \u2013 Visionen der Realit\u00e4t\u201c gelungen. Die Atmosph\u00e4re der Bilder wird gekonnt transportiert und die ihnen innewohnende Melancholie ist schon fast k\u00f6rperlich sp\u00fcrbar. Betont wird der sehr ruhige und statische Charakter zus\u00e4tzlich dadurch, dass die Geschichte Shirleys und der umgebenden historischen Geschehnisse vor allem in inneren Monologen und der expressiven Bewegung, Mimik und Gestik der Hauptdarstellerin Stephanie Cumming stattfindet. Es wird darauf gebaut, dass beim Zuschauer die richtigen Assoziationen und Bilder hervorgerufen werden. Hierf\u00fcr ist ein gewisser soziokultureller Erfahrungsschatz n\u00f6tig und so wird der Kreis der potentiellen Zuschauer deutlich eingeschr\u00e4nkt. Insgesamt wirkt die Geschichte konstruiert und dadurch leider k\u00fcnstlich. Sehr spannend gegl\u00fcckt ist es Gustav Deutsch hingegen, Anspielungen auf die k\u00fcnstlerische Inszenierung und philosophische Interpretation von Wirklichkeit mit der filmischen Handlung zu verweben und dadurch eine Auseinandersetzung mit den Visionen der Realit\u00e4t auf mehreren Ebenen anzusto\u00dfen.<\/p>\n<p>Passend hierzu wurde das Thema \u201eVisionen der Realit\u00e4t\u201c nicht nur im Film, sondern auch durch das Medium der Ausstellung bearbeitet: Mit Dioramen, Panoramen und mit Hilfe der Malerei wurden im K\u00fcnstlerhaus Wien illusorische Szenen geschaffen. Zudem wurden filmische Artefakte \u2013 real gewordene Objekte aus Hoppers Gem\u00e4lden \u2013 rekontextualisiert ausgestellt. In Mailand und Wien wurden im Rahmen von Kunstausstellungen zu Edward Hopper Szenenbilder als Installationen pr\u00e4sentiert, mit denen die Besucher interagieren und die Perspektive Hoppers erforschen konnten. Eine Videokamera nahm die Position des Malers ein und \u00fcbertrug die Aufnahmen live an einen anderen Ort in der Ausstellung. Die Interaktionen der Besucher wurden so wichtiger Teil der Inszenierung.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Bestellen \u00fcber Amazon<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/B00WRVMGP2\/ref=as_li_tl?ie=UTF8&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=B00WRVMGP2&amp;linkCode=as2&amp;tag=p09df-21\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Shirley &#8211; Visionen der Realit\u00e4t<\/a><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" style=\"border: none !important; margin: 0px !important;\" src=\"http:\/\/ir-de.amazon-adsystem.com\/e\/ir?t=p09df-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=B00WRVMGP2\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" border=\"0\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" width=\"500\" height=\"281\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/thmXzaYCXn4?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>PLOT war im Kino! 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