{"id":20176,"date":"2014-09-05T11:16:40","date_gmt":"2014-09-05T09:16:40","guid":{"rendered":"http:\/\/www.plotmag.com\/blog\/?p=20176"},"modified":"2015-10-09T10:57:32","modified_gmt":"2015-10-09T08:57:32","slug":"uber-unterwelten-zeichen-und-zauber-des-anderen-raums","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/2014\/09\/uber-unterwelten-zeichen-und-zauber-des-anderen-raums\/","title":{"rendered":"\u00dcber Unterwelten \u2013 Zeichen und Zauber des anderen Raums"},"content":{"rendered":"<p>Die Zeche Zollern in Dortmund ist mit ihrer historistischen Architektur und der ber\u00fchmten Jugendstil-Maschinenhalle einer der sch\u00f6nsten Orte der Industriekultur des Ruhrgebiets. Die Ausstellung \u201e\u00dcber Unterwelten\u201c wird auf \u00fcber 800 Quadratmeter im ehemaligen Werkstattgeb\u00e4ude der Zeche gezeigt. Das Geb\u00e4ude besteht aus zwei hohen R\u00e4umen, von denen der erste eine umlaufende Empore besitzt, die in einem gro\u00dfen Balkon m\u00fcndet, der den Blick in den zweiten Raum erm\u00f6glicht.<\/p>\n<p>Unterwelten sind mythische Orte. Wir n\u00e4hern uns ihnen aus Begierde (z. B. nach Bodensch\u00e4tzen) zugleich aber auch mit Furcht. Darin liegt das gestalterische Leitmotiv: Statt gerade, symmetrische Ausstellungsw\u00e4nde zu bauen, war es Ziel, eine visuell komplexe, verunsichernde und fremd wirkende Architektur zu erschaffen, die nicht zuletzt deshalb aber Faszination und Neugierde weckt.<\/p>\n<p>Das Bild einer riesigen Erdspalte diente als Inspiration zur Ausstellungsarchitektur &#8211; als einen abstrahierten, 30 Meter langen \u201eCrack\u201c, der Skulptur und Raum zugleich ist. In den Ausstellungsr\u00e4umen erscheint der Crack als polygonal geformte, dunkle Felswand, vor der sich die Exponate der Ausstellung pr\u00e4sentieren. Der Besucher wird durch diese komplexe Architektur geleitet, in denen er gro\u00dfe Ausstellungseinheiten, aber auch kleine, dunkle R\u00e4ume innerhalb des Cracks entdecken kann.<\/p>\n<p>Auf der Empore, der ersten Ausstellungseinheit, die sich fr\u00fchgeschichtlicher und antiker Unterweltsvorstellungen widmet, war der Fluss Styx, der nach Vorstellung des antiken Griechenlands die Grenze zwischen der Welt der Lebenden und dem Totenreich bildet, unser Leitmotiv. Die Besucher wurden mit auf eine Reise entlang des Flusses genommen in Form eines langen, gewundenen Vitrinenbandes. Wie Reflexionen auf dem Wasser, breiten sich hinterleuchtete Bilder und Exponate auf seiner Oberfl\u00e4che aus.<\/p>\n<p>Eine rund 15 Meter breite und bis zu 4 Metern hohe, \u00fcberh\u00e4ngende Vitrine mit idealisierenden Skulpturen von Bergleuten und deren Schutzheilige thront auf dem Balkon. Durch diese Gro\u00dfraum-Vitrine blickt man auf die Ausstellung, die sich 40 Meter tief in den Raum unter dem Balkon erstreckt. Orange, die Farbe von brennender Kohle und gl\u00fchendem Stahl, kontrastiert zu dem Schwarz des Bergbaus.<\/p>\n<p>Den unteren Ausstellungsraum betritt der Besucher durch einen dunklen, schmalen Gang. Sobald er diesen verlassen hat, befindet er sich in der Ausstellungseinheit \u201eBergbau\u201c. Zentrales Motiv ist hier die Vitrine zu den Gefahren des Bergbaus in Form einer gewaltigen Explosion. Ihr gegen\u00fcber befindet sich eine in Gold gestaltete Vitrine mit den \u201eSch\u00e4tzen des schwarzen Goldes\u201c, also mit Industrieprodukten der 1950er bis 1970er Jahre, die aus dem Rohstoff Kohle gewonnen wurden.<\/p>\n<p>Als gestalterisches Grundmotiv des Themas \u201eVersorgung\u201c wurde das Rohr gew\u00e4hlt. So kann der Besucher durch eine Gucklochwand historische Brunnen und in Rohren pr\u00e4sentierte Leuchtbilder betrachten. An der Stelle des \u00dcbergangs zur Ausstellungseinheit \u201eEntsorgung\u201c ist ein besonders sinnf\u00e4lliges Exponat platziert: Das erste Wasserklosett.<\/p>\n<p>Im Untergrund unter Dortmund befindet sich ein von den Nazis errichtetes Tunnelsystem. Die wechselvolle Geschichte dieses Bauwerkes, das u. a. w\u00e4hrend des Krieges als Luftschutzbunker und danach als Lazarett genutzt wurde, wird durch ausgew\u00e4hlte historische Gro\u00df-Fotografien pr\u00e4sentiert. In einem kleinen Innenraum kommen Zeitzeugen mittels Videos zu Wort, die so zusammen geschnitten sind, dass scheinbar ein Gespr\u00e4ch unter den Interviewpartnern entsteht. \u00dcber der Einheit schweben Fliegerbomben und eine Videoprojektion mit Ausschnitten des Films \u201eBombenkrieg \u00fcber Dortmund\u201c.<\/p>\n<p>Die letzte Abteilung der Ausstellung widmet sich den Themen \u201eunterirdischer Verkehr\u201c und \u201eZukunft des Bergbaus\u201c. Zu letzterem z\u00e4hlt auch das Thema Fracking, welches mittels eines gro\u00dfen, scheinbar in den Boden gerammten Keils inszeniert ist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Zeche Zollern in Dortmund ist mit ihrer historistischen Architektur und der ber\u00fchmten Jugendstil-Maschinenhalle einer der sch\u00f6nsten Orte der Industriekultur des Ruhrgebiets. 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