{"id":20107,"date":"2014-08-30T23:26:58","date_gmt":"2014-08-30T21:26:58","guid":{"rendered":"http:\/\/www.plotmag.com\/blog\/?p=20107"},"modified":"2017-07-06T11:51:47","modified_gmt":"2017-07-06T09:51:47","slug":"interview-robert-henke","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/2014\/08\/interview-robert-henke\/","title":{"rendered":"Robert Henke \u00fcber Klang und R\u00e4ume"},"content":{"rendered":"<p><strong>Robert Henke hat sich schon immer am liebsten in der Schnittmenge aus Kunst und Technologie bewegt. Dabei ist sein Wirken vielf\u00e4ltig: Elektronische Clubmusik, audiovisuelle Konzerte, Kompositionen in der Tradition akademischer Computermusik sowie ortsspezifische Installationen. Zudem ist der in Berlin lebende Gestalter Mitentwickler der Software \u201eAbleton Live\u201c, die sich seit ihrer Einf\u00fchrung im Jahre 1999 zum Standard-Werkzeug f\u00fcr computergest\u00fctzte Musikproduktion entwickelt hat und die Auff\u00fchrungspraxis elektronischer Musik in den letzten Jahren nachhaltig pr\u00e4gte.<\/strong><br \/>\n<strong> Grund genug f\u00fcr PLOT, Robert Henke im Zuge von <a title=\"PLOT #10\" href=\"http:\/\/www.plotmag.com\/blog\/2013\/03\/plot10\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">PLOT#10 \u2013 Die Macht des Klangs<\/a> einmal genau unter die klangliche Lupe zu nehmen.<\/strong><\/p>\n<p><em><br \/>\nDie Fragen stellte C\u00e9line Kruska.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Sie sind nicht nur K\u00fcnstler, sondern auch studierter Informatiker. Letzteres war die Voraussetzung daf\u00fcr, dass Sie angefangen haben, Ihre eigenen Werkzeuge zu entwickeln. So haben Sie beispielsweise Ihr musikalisches Instrumentarium selbst kreiert. Wie l\u00e4sst sich diese Entwicklungsarbeit zwischen dem Techniker und dem K\u00fcnstler Robert Henke eigentlich vorstellen?<br \/>\n<\/strong><br \/>\nEs gibt keine strikte Trennung mehr zwischen der Erschaffung von Instrumenten und der Komposition mit diesen. Das unterscheidet die digitalen K\u00fcnste des 21. Jahrhunderts von der arbeitsteiligen Welt der Instrumentenbauer und Virtuosen vergangener Epochen. Eine Idee kann sich aus einem technischen Prozess entwickeln oder ein inhaltlicher Wunsch verlangt eine spezifische Umsetzung in einer Software. In beiden F\u00e4llen ist der Schaffensprozess h\u00e4ufig iterativ, jeder Schritt der Entwicklung wirkt zur\u00fcck auf die urspr\u00fcngliche Intention.<br \/>\nF\u00fcr mein Projekt Lumi\u00e8re \u2013 eine audiovisuelle Performance mit Lasern \u2013 war es n\u00f6tig, eine eigene Software zur Steuerung der Laser zu entwickeln. Die Erfahrungen aus der Entwicklung zeigten M\u00f6glichkeiten und Grenzen des Mediums auf und haben unmittelbare Auswirkungen auf den k\u00fcnstlerischen Umgang mit dem Medium. Bei diesem Projekt ist der Entwicklungsprozess noch nicht abgeschlossen. Die bisherigen Erfahrungen mit den Auff\u00fchrungen von Lumi\u00e8re legen \u00c4nderungen nahe. Das Instrumentarium muss sich weiter entwickeln, um die neuen inhaltlichen Anforderungen zu erf\u00fcllen, und diese Weiterentwicklung der Software wird unweigerlich zu neuen k\u00fcnstlerischen Ergebnissen f\u00fchren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Neben Ihren Sound-Projekten realisieren Sie zunehmend installative und performative Arbeiten an der <\/strong><strong>Schnittstelle von digitalem und realem Raum. Welche Bedeutung besitzt in diesem Zusammenhang der <\/strong><strong>gebaute Raum f\u00fcr Ihre Arbeit?<\/strong><\/p>\n<p>Das Thema Raum ist extrem wichtig f\u00fcr meine Arbeit, wobei es mehrere Aspekte gibt: Der Raum definiert sich \u00fcber seine Akustik, die einen ma\u00dfgeblichen Einfluss auf das klangliche Ergebnis hat, insbesondere wenn es ein akustisch \u201einteressanter\u201c oder \u201espezieller\u201c Raum ist, den ich spannend finde. Dar\u00fcber hinaus ist f\u00fcr audiovisuelle Arbeiten aber auch f\u00fcr die Rezeption rein auditiver Werke die architektonische Qualit\u00e4t von Bedeutung, denn sie pr\u00e4gt sowohl die Erwartungshaltung als auch den emotionalen Untergrund jeder Auff\u00fchrung. Und schlussendlich ist der Raum eine soziale Konstruktion. Welche \u00dcbereinkunft herrscht zwischen den Besuchern? F\u00fcr Lumi\u00e8re ist die Arbeit mit gebauten R\u00e4umen ein wesentlicher Bestandteil der Planung, da wir mit Lasern Oberfl\u00e4chen bespielen und den Raum in seinen Proportionen erfahrbar machen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Die Szenografie begreift sich als eine gestalterische Universaldisziplin, welche die Mittel der Architektur und <\/strong><strong>des Designs (Grafik-, Licht-, Sound- und Medien-Design) orchestriert, um atmosph\u00e4rische Raumnarrationen <\/strong><strong>zu erschaffen. Ist dies eine Gestaltungshaltung, die sich auch in Ihrer Arbeit wiederfindet? Zum Beispiel, <\/strong><strong>wenn Sie an die \u201eGRID-Performance\u201c anl\u00e4sslich des F\u00eate des Lumi\u00e8res in Lyon 2013 denken, die Sie <\/strong><strong>gemeinsam mit Christopher Bauder von WHITEvoid realisiert haben?<\/strong><\/p>\n<p>Wenn wir wie bei GRID ein gro\u00dfes, performativ audiovisuelles, kinetisches Objekt in einen Raum einbringen, ist das systembedingt eine Aneignung des Raums, die nicht mehr nur aus klassisch architektonischer oder konzertanter Sichtweise zu betrachten ist, sondern einen umfassenderen Ansatz ben\u00f6tigt. Die Position des Publikums in Relation zum Objekt ist kein statischer Prozess, da wir es nicht mit sitzenden Menschen zu tun haben, sondern erfordert ein Denken in dynamischen Systemen. Wo kommt das Publikum her, wie lange verbleibt es an welcher Position, etc. Diese Aspekte haben dann wiederum Auswirkungen auf wesentliche Details der restlichen Planung. Die Platzierung von Scheinwerfern und Lautsprechern ist dabei ein Teilaspekt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Wie sieht Ihrer Meinung nach die ideale Soundscape der Zukunft aus und welche Rollen werden sowohl das <\/strong><strong>Sound-Design als auch das Audio-Branding im Bereich der Kommunikation im Raum spielen?<br \/>\n<\/strong><br \/>\nWir leben in einem Zeitalter kompletter und permanenter Reiz\u00fcberflutung. Meine ideale Soundscape ist nicht additiv sondern subtraktiv. Die Frage darf nicht sein, welche Kl\u00e4nge hinzugef\u00fcgt werden m\u00fcssen, um mehr Aufmerksamkeit zu bekommen, sondern wie die existierende Klangumwelt so gestaltet sein kann, dass die als wertvoll erachtete Teilaspekte besser wahrgenommen werden k\u00f6nnen. Additives Audiobranding ist albern, keine Marke braucht einen Sound, der nicht aus dem Produkt selbst hervorgeht. Funktionale Kl\u00e4nge sind ein ganz anderes Feld und hier sind spannende Dinge zu erwarten. Wenn wir wirklich in Zukunft Ger\u00e4te per Sprachsteuerung bedienen wollen, werden wir mit Sicherheit nicht darauf warten wollen, dass die Maschine uns mit minutenlangen Antworten qu\u00e4lt, sondern wichtige Informationen m\u00fcssen mit kurzen Sound-Icons vermittelt werden. Wir stehen daher erst am Anfang einer Entwicklung, die mit der Ausformung visueller Icons im 20. Jahrhundert vergleichbar ist.<\/p>\n<p><strong><br \/>\nVielen Dank f\u00fcr das Gespr\u00e4ch!<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Zur Person<\/p>\n<p><\/strong>Robert Henke, Jahrgang 1969, entwirft und benutzt Maschinen zur Erschaffung von Klang, Form und Struktur. Seine treibende Kraft ist dabei die Faszination f\u00fcr die Anmut technischer Objekte: Das Entwickeln eigener Werkzeuge, Instrumente und Algorithmen ist ein wesentlicher Bestandteil des kreativen Prozesses. Sein Material sind computergenerierte Kl\u00e4nge, Field Recordings, Videos, Fotos und Licht \u2013 transformiert und moduliert durch mathematische Regeln, Echtzeit-Manipulationen und kontrollierten Zufall. Neben seiner k\u00fcnstlerischen T\u00e4tigkeit lehrte Henke unter anderem an der Berliner Universit\u00e4t der K\u00fcnste als Professor f\u00fcr Sound-Design, als Visiting Artist am Center for Computer Research in Music and Acoustics (CCRMA) der Stanford University in Kalifornien sowie dem Studio National des Arts Contemporains \u2013 Le Fresnoy in Lille, Frankreich.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Robert Henke hat sich schon immer am liebsten in der Schnittmenge aus Kunst und Technologie bewegt. 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