{"id":19549,"date":"2014-06-18T12:31:06","date_gmt":"2014-06-18T10:31:06","guid":{"rendered":"http:\/\/www.plotmag.com\/blog\/?p=19549"},"modified":"2016-08-11T10:52:13","modified_gmt":"2016-08-11T08:52:13","slug":"plot-verfolgt-neue-diskurse-zur-szenografie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/2014\/06\/plot-verfolgt-neue-diskurse-zur-szenografie\/","title":{"rendered":"Szenografie-Gipfel 2014"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: left;\"><strong>Am 28.04.2014 wurde in Berlin Dahlem der \u201eSzenografie-Gipfel \u2013 F\u00fcr eine neue Qualit\u00e4t der Ausstellungskultur\u201c ins Leben gerufen. Ein kleiner, aber erlesener Kreis von Ausstellungsgestaltern und Museumspezialisten debattierte am Institut f\u00fcr Museumsforschung \u00fcber die Zukunft des Ausstellens. PLOT war vor Ort und wird den Diskurs auch in Zukunft begleiten.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><em>von Anne Horny<\/em><\/p>\n<p><strong>Das hat Format<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Der \u201eGipfel\u201c ist nicht ohne Augenzwinkern dem Vokabular des Politischen entlehnt und beschreibt dennoch die Andersartigkeit des gew\u00e4hlten Formats im Umfeld von Biennale, Kongressen, Symposien, Kolloquien et cetera. W\u00e4hrend sich vor allem Gestalter aber auch Museumsleiter auf solchen Veranstaltungen in einer Wettbewerbssituation wiederfinden, wurde f\u00fcr das Treffen im Institut f\u00fcr Museumsforschung bewusst ein intimes Format gew\u00e4hlt. Die Konstellation der Diskussions-Gruppen wurde zuf\u00e4llig \u2013 durch die Zuhilfenahme eines Drehrads \u2013 bestimmt, das jeweils mindestens einen Museumsvertreter und einen Gestalter in Dialog bringen sollte. In diesen Gruppen wurden Argumente geh\u00f6rt und besprochen, dabei war es nicht nur erlaubt sondern sogar erw\u00fcnscht, spontan Ideen zu entwickeln und gewisserma\u00dfen gemeinsam laut zu denken.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>Kreativit\u00e4t entsteht aus Reibungskraft<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Die These mit der die Initiatoren des Gipfels, Prof. Dr. Gerhard Kilger und Frank den Oudsten, antraten, war durchaus provokant: Ausstellungen st\u00fcnden aktuell in ihrer Qualit\u00e4t dem Theater und dem Autorenfilm nach. Ein Grund daf\u00fcr sei die umk\u00e4mpfte und damit paradoxerweise oft fehlende Rolle des \u201eAusstellungs-Regisseurs\u201c, der vergleichbar einem Filmautor f\u00fcr eine bestimmte Qualit\u00e4t und eine pr\u00e4gnante Handschrift sorge. Und tats\u00e4chlich: Nur selten betritt ein Ausstellungsmacher die Manege, der in seiner Person die Kompetenz des Kurators und des Gestalters r\u00e4umlicher Inszenierung vereint (man denke an fr\u00fche Ausnahmen wie Friedrich Kiesler). Viel h\u00e4ufiger ist es der Fall, dass sich Wissenschaftler und Gestalter als Doppelspitze bew\u00e4hren m\u00fcssen. Kompetenz\u00fcberschneidung \u2013 oder noch schlimmer \u2013 ein Kompetenzvakuum sind die Folge. Aber ist tats\u00e4chlich die Suche nach einem neuen Berufsbild, in der Art des \u201eInterpretive Planers\u201c, der im angels\u00e4chsischen Raum bereits einen festen Platz im Kompetenzgef\u00fcge einnimmt, die L\u00f6sung? Welche F\u00e4higkeiten n\u00e4mlich ein solcher \u201eRaumautor\u201c oder eben \u201eAusstellungs-Regisseur\u201c mitbringen sollte, l\u00e4sst sich ebenso wenig pauschal beantworten wie die Frage nach den Regeln f\u00fcr die Zusammenarbeit der verschiedenen an Ausstellungen beteiligten Disziplinen. Um aber vom Kompetenzvakuum zu einer Kultur der konstruktiven Reibung zu finden, w\u00e4re eine Ausbildung des Nachwuchses nach dem Bauhaus-Prinzip sinnvoll, das Experten auch als Generalisten vorsieht. Ausstellungen werden auch in Zukunft von Wissenschaft und Kunst gleicherma\u00dfen gespeist werden m\u00fcssen. Als Gesamtkunstwerke im wagnerschen Sinn m\u00fcssen sie vom Geist der Zusammenarbeit durchweht werden. Kreativit\u00e4t im Sinne von Sch\u00f6pfungsf\u00e4higkeit entsteht gerade im Ausstellungswesen durch Synergien unterschiedlicher Kr\u00e4fte \u2013 nach dem aristotelischen Prinzip: \u201eDas Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile\u201c. Mancher mag dies als Absage an den uralten Mythos der un\u00fcbertrefflichen Kreativit\u00e4t des singul\u00e4ren K\u00fcnstlergenies verstehen, der einzig aus sich heraus zu sch\u00f6pfen vermag. Wir verstehen darunter ein Pl\u00e4doyer f\u00fcr die \u00dcberlagerung der Disziplinen als Motor f\u00fcr den Sch\u00f6pfungsprozess guter Ausstellungen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>Und es geht noch weiter!<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Der Szenografie-Gipfel war kein einmaliges Experiment, denn es gibt noch mehr offene Fragen. Im Herbst werden wir deshalb in PLOT#11 die ersten 10 Thesen nochmal \u00f6ffentlich zur Diskussion stellen. Im n\u00e4chsten Jahr wird der Gipfel dann in die Schweizer Alpen verlegt \u2013 eine Prise Humor muss schlie\u00dflich sein. Wir sind gespannt wie die in diesem Fr\u00fchjahr gefassten Pl\u00e4ne der Teilnehmer Form annehmen und sich der Gipfel weiterentwickelt. Denn wenn es zuk\u00fcnftig gelingt, zu wichtigen kulturpolitischen Themen wie beispielsweise der \u00dcberarbeitung des Wettbewerbsverfahrens oder zu musealen Metaprojekten wie dem Humboldtforum Stellung zu beziehen und sich einzumischen, dann kann dieser Expertenrunde tats\u00e4chlich Bedeutung zuwachsen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>Teilnehmer des 1. Szenografie-Gipfel (im Gruppenbild v.l.n.r.):<\/strong><br \/>\nAndreas Wenger (FHNW, Basel), Bernhard Graf (Institut f\u00fcr Museologie, Leiter), Anette Rein (Museum Aktuell), Charlotte Tamschick (Tamschick Media+Space GmbH), Gerhard Kilger (Gipfel-Veranstalter), Susanne Wichert (Reiss-Engelhorn-Museum Mannheim), Eckart K\u00f6hne (Deutscher Museumsbund, DMB), Otto Steiner (Steiner Sarnen), Uwe Br\u00fcckner (Atelier Br\u00fcckner), Noel McCauley (Studio Duncan McCauley), C\u00e9line Kruska (PLOT), Lutz Engelke (TRIAD Berlin), Jan Warneke (DMB, Fachgruppe Ausstellungsgestaltung), Tim Ventimiglia (RAA Berlin), Frank den Oudsten (Gipfel-Moderator), Thomas Hammacher (Kurator, Essen), Stefan Iglhaut (Iglhaut + von Grote), Johannes Missall (VerA \u2013 Verband der Ausstellungsgestalter), Matthias Henkel (Kunsthistoriker, Museums- und Markenberater, Berlin), Barbara R\u00fcschoff-Thale (Kulturdezernentin, LWL), Bodo-Michael Baumunk (freier Ausstellungsmacher), Nicola Lepp (Kulturwissenschaftlerin und Ausstellungskuratorin)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 28.04.2014 wurde in Berlin Dahlem der \u201eSzenografie-Gipfel \u2013 F\u00fcr eine neue Qualit\u00e4t der Ausstellungskultur\u201c ins Leben gerufen. 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