{"id":13908,"date":"2013-03-28T16:11:56","date_gmt":"2013-03-28T14:11:56","guid":{"rendered":"http:\/\/www.plotmag.com\/blog\/?p=13908"},"modified":"2015-10-15T10:12:48","modified_gmt":"2015-10-15T08:12:48","slug":"frutiger-lawine-torren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/2013\/03\/frutiger-lawine-torren\/","title":{"rendered":"Frutiger"},"content":{"rendered":"<p>Als ein offenes Netzwerk von T\u00e4nzern, Schauspielern, Technikern und Multimedia-Artists verwandeln<br \/>\n<strong>\u201eLawine Torr\u00e8n\u201c<\/strong> nun schon seit 1992, \u00f6ffentliche R\u00e4ume, wie Flugh\u00e4fen, Berglandschaften oder Fl\u00fcsse in einzigartige Schaupl\u00e4tze f\u00fcr Choreografien, bei denen Mensch und Maschine als gleichberechtigte Partner in ein erz\u00e4hlerisches Gef\u00fcge zwischen Film und Theater verwickelt werden. So ist beispielsweise das Projekt <strong>\u201eFrutiger\u201c<\/strong> ein Prozess der Bildgestaltung und gipfelte 2012 mit einer Freiluftauff\u00fchrung in Salzburg:<br \/>\nAls \u201einvisible tale\u201c hielt es f\u00fcr 30 Minuten lang den Abriss der ehemaligen Universit\u00e4t Salzburg in performativer Arch\u00e4ologie fest. Sinn der szenischen Dokumentation des Abrisses ist es, sich an das Geb\u00e4ude nicht einfach nur zu erinnern, denn Erinnerung dient niemandem, wenn sie nicht wirklich stattfindet, was hier durch die Performance manifestiert wurde. Normalerweise fungiert ein solcher Schauplatz als B\u00fchne f\u00fcr eine zu erz\u00e4hlende Geschichte, jedoch wird diese Funktion mittels der performativen Arch\u00e4ologie umgekehrt und so dient hier die Erz\u00e4hlung dem Ort. Das Geb\u00e4ude ist der Inhalt und die Geschichte das Gef\u00e4\u00df.<br \/>\nNamensgeber f\u00fcr das Projekt ist der Typograph Adrian Frutiger sowie die 1975 von ihm entwickelte Schriftart. Hinzu kommt der zeitliche sowie bauliche Zusammenhang der Universit\u00e4t Salzburg mit dem Olympiadorf, das 1972 f\u00fcr die Olympischen Spiele in M\u00fcnchen errichtet wurde. Selbige hatten unter dem Schatten der damaligen Terroranschl\u00e4ge einiges an Glanz verloren, im Projekt <strong>\u201eFrutiger\u201c<\/strong> sind sie aber durch ihr grafisches \u201eFrutiger\u201c-Erscheinungsbild st\u00e4ndig pr\u00e4sent. Aber wie k\u00f6nnen Sport, Schrift, Zeichen und Terror mit einem k\u00fchlen Abriss kombiniert werden, ohne explizit \u00fcber ein heute sehr pr\u00e4sentes Thema, wie den Nahostkonflikt zu sinnieren? <strong>\u201eFrutiger\u201c<\/strong> handelt von der Macht und Ohnmacht der Zeichen und zeigt Bilder in Mischtechnik: 30 % Abriss, 30 % zeitgen\u00f6ssischer Tanz, 20 % MEL und je 10 % Beimengungen von Olympia 1972 und Salzburger Studentenbewegung.<br \/>\nDie Performance selbst ist ein Duett zwischen der T\u00e4nzerin Mirjam Klebel und einem Abrissbagger, begleitet von aussagekr\u00e4ftigen S\u00e4tzen, die im Frutiger-Schriftschnitt an W\u00e4nden oder Fenstern angebracht sind sowie dem Geb\u00e4ude selbst, das im Laufe des Zweitanzes immer weiter verschwindet und zerf\u00e4llt. Den ungelenken, destruktiven und kantigen Bewegungen des Baggers steht die T\u00e4nzerin entgegen, die sich, ganz im Stile der Olympischen Spiele 1972 gekleidet, sportlich und elegant durch die Tr\u00fcmmer bewegt. So verschieden die beiden auch sind, so vertraut scheint ihr gemeinsames Werk, die Universit\u00e4t bei ihren letzten Atemz\u00fcgen zu begleiten. Das Schauspiel gipfelt in immer st\u00e4rkere Bewegungen der Protagonistin, bis sie schlie\u00dflich selbst zur Zerst\u00f6rung beitr\u00e4gt und einen Stein durch ein Fenster des Geb\u00e4udes wirft, auf dem gro\u00df das Wort \u201eFrutiger\u201c prangt.<br \/>\nDieser letzte, destruktive Akt, bildet den Abschluss: Damit scheint der Kreis geschlossen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als ein offenes Netzwerk von T\u00e4nzern, Schauspielern, Technikern und Multimedia-Artists verwandeln \u201eLawine Torr\u00e8n\u201c nun schon seit 1992, \u00f6ffentliche R\u00e4ume, wie Flugh\u00e4fen, Berglandschaften oder Fl\u00fcsse [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[7],"tags":[768,766],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13908"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13908"}],"version-history":[{"count":35,"href":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13908\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":16534,"href":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13908\/revisions\/16534"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13908"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13908"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.plotmag.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13908"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}