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WHERE I BELONG | HEIMTEXTIL 2020, FRANKFURT AM MAIN

POSTED 28. Oktober 2020
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Die einzige Möglichkeit, dem Klimawandel zu begegnen, besteht darin, die Wegwerfkultur zu ändern, den Verbrauch zu reduzieren und Produkte mit längerer Lebensdauer herzustellen. Dasselbe gilt für das Messedesign.“

Anne Marie Commandeur, Gründerin des stijlinstituut amsterdam

Wie können wir Rauminszenierungen und insbesondere das Messewesen – eine Branche, die einer maximalen Schnelllebigkeit und Verwertungslogik unterliegt – nachhaltig denken und zugleich den ökologischen Fußabdruck im Gestaltungsprozess minimieren? Das stijlinstituut amsterdam lieferte auf diese Fragen während der Heimtextil 2020 eine beeindruckende szenografische Antwort. So entwickelten die Kreativschaffenden aus den Niederlanden eine vielschichtige Inszenierung, die – manchmal grell und befremdlich, manchmal humorvoll und verträumt – eher an einen turbulenten Freizeitpark erinnerte als an einen herkömmlichen Messestand. Dabei schien „Vielschichtigkeit“ das Gebot der Stunde zu sein, denn unter dem Motto „WHERE I BELONG“ setzten sich die Gestaltenden mit dem Thema Identität und deren komplexer wie multipler Schichten auseinander. Um jener Vielseitigkeit auch konzeptionell gerecht zu werden, lud das stijlinstituut amsterdam wiederum vier Designstudios und zwei Fotografen dazu ein, jeweils den Kern eines bestimmten Themas einzufangen und so aus unterschiedlichen Blickwinkeln eine kreative Prognose für zukünftige Lifestyle-, Material-, Farb- und Designtrends zu skizzieren. Das Resultat: Fünf Erlebniswelten, die im „Trend Space“ der Halle 3.0 auf 2.500 Quadratmetern mittels partizipativen Installationen wie etwa Hüpf-Burgen, Performances und Textil-Skulpturen die Besuchenden aktiv einbezogen und so ein immersives Forum entstand, das integrativ ein Gefühl der Zugehörigkeit vermittelte.

Dabei unterlag die gesamte Inszenierung einem übergreifenden Credo, dem „Material Manifesto“, welches das Trend Council – bestehend aus dem stijlinstituut amsterdam, dem Londoner Studio FranklinTill sowie der dänischen Agentur SPOTT trends & business – für die Messe erarbeitet hatte. Ihr Ziel war es, durch intelligente Materialauswahl sowie nachhaltige Prozessabläufe einen temporären Raum zu kreieren, dessen Einzel-Bauteile nach Event-Ende wieder in den Nutzungskreislauf zurückgeführt werden können: „Bei der Planung haben wir ein Manifest entwickelt, das den Umgang mit Ressourcen beschreibt und die Nutzung neuer Materialien vermeidet, die bei Messeschluss ohnehin als Abfall enden. Bei nachhaltiger Gestaltung – im Übrigen ein komplexer multidisziplinärer Prozess – geht es aber um mehr als nur um die Auswahl einiger weniger organischer oder recycelter Materialien: Es geht um eine Balance sämtlicher Anliegen, einschließlich Konstruktion, Transport, Nutzung, Energieverbrauch und mehr. Der Fußabdruck der Ausstellungswirtschaft ist so enorm, dass Innovationen in den Bereichen Materialien, Konstruktion und neue Geschäftsmodelle wie Leasing, Vermietung, Wiederverkauf, Upcycling und sogar Leihen und Tauschen die Belastung der Umwelt massiv verringern und gleichzeitig die Kreativität fördern würden“, beschreibt Anne Marie Commandeur die Hintergedanken bei der Gestaltung der Inszenierung, bei der nach Abbau lediglich 1% Abfall angefallen ist, der ebenfalls rezykliert werden konnte. Wie? Ganz einfach: Die Gestaltenden kombinierten Miet- und Leihmaterialien mit wiederverwendbaren Textilien und Ressourcen aus den Messelagern zu fünf heterogenen Trendwelten, die sich zwischen Technik und Glamour, Natur und Mystik sowie Tradition und Globalität bewegten.

So wurde für den glamourösen „Mehr ist Mehr“-Liebhabenden im Bereich „Maximum Glam“ ein kunstvolles Mash-up aus Glamour, Farbverläufen, Fransen, Jacquard-Geweben und fantasievollen Prints geschaffen, das in einer inszenatorischen Collage theatrale Einflüsse und Showtime-Ästhetik miteinander verband. Inklusion und Austausch waren wiederum die treibenden Werte im Bereich „Multi-Local“ – eine Hommage an lokale Handwerkskunst im globalen Kontext. Entsprechend wurden hierbei textile Farben sowie handgefertigte, dekorative Muster in einen größeren kulturellen Zusammenhang von lokalen Gemeinschaften, kulturellem Erbe und privater Identität gestellt. Sinnliche Feingeister und Kulturfreunde kamen dagegen bei „Heritage Lux“ auf ihre Kosten: Im Spiel von prachtvoller Ornamentik und farbstarken Oberflächenveredelung wurde hier die historische Atmosphäre eines antiken Pantheon heraufbeschworen. Bodenständiger und ausgewogener ging es hingegen bei „Pure Spiritual“ zu: Hier formten unter einem Tipi-ähnlichem Dach organische Strukturen und Erdfarben ein idealistisches Spannungsfeld zwischen Realismus und mystischer Natur. Wiederum einen starken Kontrast markierte daneben die „Urban Active“-Zone. Um der städtischen Schnelllebigkeit zu begegnen, setzten die Ausstellenden hier auf Funktionalität und anpassbare Lösungen für urbane Kosmopoliten. Entsprechend wurden Hybridtextilien für den Heim- und Sportbereich präsentiert, die sich durch glatte Oberflächen und grafische Texturen hervortaten. In dieses Konglomerat eingebettet, befanden sich zudem der „Conference Space“, der als aufblasbarer roter Mund schon von Weitem ein Zeichen setzte, sowie die „Future Material Library“ aus der Feder des Londoner Studios FranklinTill. Die Experten in Sachen nachhaltige Materialinnovationen präsentierten hier eine kuratierte Exponat-Auswahl, welche die Besuchenden über Rohstoffherkunft, Fertigungsprozesse und potenzielle Materiallebensdauer informierten und so – neben ausgestellten Trends und ästhetischer Stimulierung – einmal mehr zum inspirierenden wie notwendigen Diskurs um Nachhaltigkeit anregten.

FACTS

Projekt:

WHERE I BELONG – Trend Space | Heimtextil 2020, Frankfurt am Main

Gestaltung

stijlinstituut amsterdam, Amsterdam (NL) > www.stijlinstituut.nl
Studio FranklinTill, London (UK) > www.franklintill.com

Standort:

Heimtextil 2020, Frankfurt am Main (DE) > www.heimtextil.messefrankfurt.com/frankfurt/de

Zeitrahmen:

07.01.2020–10.01.2020

Auftraggeber:

Messe Frankfurt GmbH, Frankfurt am Main (DE) > www.messefrankfurt.com/frankfurt/de

Fotos:

Jeroen van der Wielen und Oscar Vinck/about.today photography, Eindhoven (NL) > www.about.today
Studio Harm Rensink, Eindhoven (NL) > www.harmrensink.nl