INSZENIERUNGEN IM RAUM AUSSTELLUNGSGESTALTUNG MARKENWELTEN FILM- & BÜHNENARCHITEKTUR NEUE WELTEN
Submit a PLOT
PLOT
deutschenglish
GO

Ausstellungsgestaltung

Dauerausstellung Gedenkstätte Buchenwald

POSTED 8. September 2017
PICTURE
PICTURE 1
 
PICTURE 2
 
PICTURE 3
 
PICTURE 4
 
PICTURE 5
 
PICTURE 6
 
PICTURE 7
 
PICTURE 8
 
PICTURE 9

Das markanteste Gestaltungselement der Dauerausstellung in der Gedenkstätte Buchenwald wird niemals vollständig sichtbar sein: Holzer Kobler Architekturen haben im Hauptgebäude des ehemaligen Konzentrationslagers über alle Ebenen hinweg einen riesigen Raumwinkel verbaut, der schräg im Bau aus der Zeit des Naziregimes hängt. Unter dem Titel „Buchenwald. Ausgrenzung und Gewalt. 1937 bis 1945.“ entstand somit eine intensive Schau, bei der nicht nur ein Ort des Erinnerns, sondern gleichzeitig ein wichtiger Ort der Informationsvermittlung geschaffen wurde. Mit der neuen Dauerausstellung erzeugen die Zürcher Architekten dabei eine Szenografie, die über die ästhetische Inszenierung hinaus mit den gestalterischen Mitteln Raum und Form die inhaltlichen Aussagen stärkt.
Zentrales Mittel ihrer Gestaltung ist die Störung – womit die Besucher bereits im Erdgeschoss konfrontiert werden. Denn Holzer Kobler erlauben der geradlinigen Architektur des KZ-Hauptgebäudes, hier seine kalte Wirkung vollkommen zu entfalten und setzen keine Exponate in den Eingangsbereich. Lediglich mit der schräg gestalteten, durch Aufprojektionen bespielten „Prolog“-Fläche wird ein strahlend weißer Akzent im Raum gesetzt. Neben diesem wird das Geschoss zudem durch die untere Kante des massiven Raumkörpers geprägt. Den Gestaltern gelingt so die Störung fast jeder Blickachse im Raum: Am Knick des immensen, in einem Braungrau gehaltenen Winkels müssen sich die Besucher sogar bücken oder einen Umweg gehen, um ihren Gang durch den Raum fortzusetzen. Durch die gewählten Formen und Farben der in das Gebäude eingesetzten Elemente werden Diskussionen über die Exponate und den Ort angestoßen, zurückhaltend Kommentare formuliert sowie einer Musealisierung der Zeugnisse von Gewalt und Schrecken entgegengewirkt. In den beiden folgenden Geschossen findet sich der Raumkörper wieder, wobei den Besuchern erst im Verlauf des Rundgangs deutlich wird, wie massiv dessen Dimensionen sind: Die im ersten Geschoss raumhohen Wände sind im zweiten Stockwerk nur noch als im Boden verschwindende Brüstungen sichtbar, wodurch die Form als Ganzes greifbar wird. Gleichzeitig findet der Winkel als Einfassung der Ausstellung Verwendung und auf dessen Außenseiten entstehen Freiräume für persönliche Gedanken.
Die Exponate der Ausstellung sind dabei in großformatigen Clustern angeordnet und setzen sich aus originalen Objekten, Dokumenten und Fotografien zusammen. Bei der Gestaltung der verwendeten Exponatträger wurde das Prinzip des Widerspruchs zum geradlinigen Raum fortgesetzt, wodurch die Besucher auf fast zersplitterte Formen treffen. Die Vitrinen sind den Betrachtern entgegengeneigt und weisen scharfe Kanten auf, wobei auch in den oberen Stockwerken Wert darauf gelegt wurde, die Zentralperspektive der Räume zu irritieren. Vertikale Vitrinen nutzen die Zürcher Ausstellungsmacher zum Schaffen von Begegnungen zwischen Besuchern und Häftlingen, während Realienkabinette nicht nur dazu dienen, auch hier die Stringenz der Ausstellung zu stören, sondern auch einen Einblick in die Haftbedingungen gewähren. Zum Bruch mit den gestalterischen Formen kommt es auf der zeitlichen Erzählebene im Moment der Befreiung des Lagers. Mit einem kleinen Durchgang wird den Besuchern der Schritt in den abschließenden Raum ermöglicht, woraufhin sie in den letzten, neu sortierten Bereich gelangen. Durch die Anordnung der Exponatträger sind die Gäste nun gezwungen, ihren Bewegungsfluss zu verändern. Wie bereits im Prolog im Erdgeschoss kommen nun erneut mediale Oberflächen zum Einsatz, womit ein Bogen geschlagen wird zur andauernden Erinnerung und Bedeutung. Damit haben die Architekten ein Museum gestaltet, in dem sie sich mit aller Macht gegen ihre Aufgabe gewehrt und damit umso größere Reflexionsräume geschaffen haben.

FACTS

Projekt:

Dauerausstellung Gedenkstätte Buchenwald, Weimar (DE)

Gestaltung:

Holzer Kobler Architekturen, Zürich (CH) > holzerkobler.com/de

Projektteam:

Barbara Holzer, Roland Lehnen, Sebastian Hübsch, Diana Bičo, Britta Liermann, Kira Schnieders

Standort:

Weimar (DE)

Zeitrahmen:

seit April 2016

Auftraggeber:

Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora, Weimar (DE) > www.buchenwald.de

Fotos:

Jan Bitter, Berlin (DE) > www.janbitter.de

Comments

Powered by Facebook Comments

Pin It